Die revolutionäre Sparkasse!

Snippet Eine Göttinger Geschichte.
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Mir fehlt sie, an dem Haus gegenüber von Hertie, die Tafel, in dem heute ein Konzern mit dem Namen einer amerikanischen Stadt Klamotten verkauft, gegenüber. Hertie gibt es nicht mehr, wie es auch die Tafel an dem Haus nicht mehr gibt. Bitte, welche amerikanische Stadt ich meine? Den Taxihalteplatz „Hertie“ soll es noch geben. In Amerika gibt es viele Städte, einige sind wie Hertie abgewickelt worden. Tafeln werden in Göttingen, an Häusern marmoriert befestigt, in denen bedeutende Personen gewohnt haben, wie Planck, Heine, oder auch Heisenberg, der theoretisch, nicht praktisch, die Atombombe entwickelt haben soll. Für Bismarck gibt es sogar zwei Tafeln, obwohl er selten gewohnt haben soll. Insider bezeichneten den Aufenthalt in Göttingen als hausen. Falls sie, wenn sie Fragen haben, nach dem Namen der Klamottenstadt sich erkundigen möchten, in dem Haus gegenüber befand sich vorher die Zentrale der Geldwirtschaft der Stadt Göttingen, die Städtische Sparkasse zu Göttingen. Die meisten Amerikaner wissen noch nicht einmal wo Deutschland liegt und ich soll ihnen erklären, welche Stadt in dem ehemaligen Haus gegenüber von dem Nichtmehrkaufhaus Hertie, Waren, vielleicht aus Asien, verkauft. Wenn sie links neben der eventuell asiatischen Ware vorbeigehen in die Weender Straße, die auch Schlüpfer mit eingesprengelten braunen Flecken aus Osteuropa verkauft, erblicken sie eine schwarze Nichtstadttafel auf der rechten Seite für den Besitzer der Titanic, der sich in Göttingen philosophisch gebildet haben soll, so steht es eingemeißelt im Stein, um Menschen auf Schiffen absaufen zu lassen, damit Hollywood Jahrzehnte später Dramen zur Geldgenerierung erschaffen kann. Der Herr, gebildet, konnte, wenn er wollte, auch Geld generieren. Der Philosoph wollte und gründete eine Bank!

Damals, auf der Tafel, gegenüber, stand der Name auf dem Haus für Geldwesen, ich meine nicht den Namen zum Generieren von Geld um die Ecke, in schwarz, sondern eines späteren, aus heutiger Sicht, eines früheren Staatsdieners. Nein, die Philosophenbank ist nicht abgesoffen. Staatlich gerettet wurde sie.

Wo, so frage ich mich, hat der spätere Staatsdiener, der er damals noch nicht war, in dem Haus der Städtischen Sparkasse zu Göttingen geschlafen?

Nein, nein, der Witz ist mir zu billig. Es gibt ein Bismarckhaus, weil der Bismarck gehaust hat.

Im Untergeschoss, den Tresorräumen wäre der Staatsdiener sicher gewesen, mit den Wertpapieren, Aktien und Geldscheinen.

Zu Fuß, auch mit dem Rollstuhl oder Rolllator können sie vom Waageplatz über die Brücke des Leinekanals bis an die Treppe zum Robert-Gernhart-Platz flanieren. Philosophen, heute, werden als Professoren beschäftigt. Ist billiger als eine Bank zu retten, selbst wenn die Professoren dick sind, um dem Diogenes zumindestens der Behausung nach optisch nahe zu kommen. Rollator, abgestellt neben dem Rollstuhl, errobben sie die Stufen zum Robert-Gernhart-Platz über die steinernen Stufen. Duschen Wertpapiere oder gehen Aktien auf Toilette im Tressorraum? Wichtig, für den Staatsdiener, der sein Nachtlager neben den Geldscheinen im Tresor errichtet hatte und vielleicht die körperlichen Probleme der Aktien in sich selbst ausschwitzte. Selbstverständlich ist der Robert-Gernhart kein Platz. Siebenundzwanzig Jahre war der frühere Bewohner des Gebäudes der Städtischen Sparkasse zu Göttingen im Staatsdienst. Ob es in oder nach der chinesischen Revolution in den 40-ziger Jahren des letzten Jahrhundert noch Beamte gab, weiß ich nicht. Auf beiden Seiten des sogenannten Platzes liegen Bretter auf Steinen und zur Freude der Reinigungskräfte der Stadt, zumindest morgens allerlei Plastik, Papier und unverdaulichem Gyros, farblich hervorgehoben durch Reste unterschiedlicher Paprika, eingebunden durch schmackhafte Käsereste von ausgekotzten Pizzen. Der Robert wäre eventuell vor Wut geplatzt, wenn er zu Lebzeiten gewusst hätte, das...

Die Tafel mit dem Namen des chinesischen Staatsdieners ist nach meiner Erinnerung schon abgenommen worden, bevor, also, als noch, ich meine während die Hauptstelle der Städtischen Sparkasse zu Göttingen in dem Plattenbau gegenüber, sie wissen schon, ihren Sitz hatte. Von der Seite, gegenüberliegend von der Bushaltestelle Weender Straße West, können sie heute noch an einem Automat Geld abheben, natürlich nur, wenn sie kein Geld haben und vermuten, in der ehemaligen Schlafstätte eines chinesischen Revolutionärs bedient zu werden.

Der Platz vom Robert ist kein Legoland.

Hat der chinesische Revolutionär, damals mit Wertpapieren und Aktien gemeinsam geduscht und ist mit ihnen auf Toilette gegangen?

Haben sie Kinder mit Lego spielen sehen? Prökse in vollgekackten Windeln hätten diesen Weg, der kein Platz ist, spielerisch mit Kieksen in der Stimme, Schnuller lutschend, mit Legosteinen anders erdacht.

Vielleicht war die chinesische Revolution nur möglich, weil die Städtische Sparkasse zu Göttingen, den ehemaligen Mieter gefördert hat. Schnuller lutschen und Windeln gehören nicht zu den Einstellungsvoraussetzungen von Stadtbauräten und auch in den Ausschreibungen für Architekten werden sie selten bis gar nicht erwähnt. Der Robert-Gernhart-Platz hätte in Kitas mit der dort vorhandenen Fachkompetenz nie entwickelt werden können. Aber wenn die Städtische Sparkasse zu Göttingen damals den Ministerpräsidenten der späteren Volksrepublik China, Tschu En Lai, neben Papierwaren, wie Aktien, deren Verbrennungswerte noch nicht mal über einen milden Winder reichen, beherbergt hat, ich meine, obwohl ich selten eine habe, die Tafel eines gemäßigten Revolutionäs entfernte, sah sie vielleicht das Geschäftsmodell des Geldinstitutes gefährdet.

16:24 28.02.2016
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