Vom Störfall zur Zeitenwende: Was bleibt von der Pandemie?

Interview Als sich „die Wissenschaft“ mit Moral und Politik vermählte: Der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel erklärt, warum wir besser daran täten, die Corona-Pandemie sorgfältig aufzuarbeiten
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 01/2023
Störfall Spielplatzschließung: Mit am meisten Schaden richtete die Corona-Politik bei den Jüngsten an
Störfall Spielplatzschließung: Mit am meisten Schaden richtete die Corona-Politik bei den Jüngsten an

Foto: Kathrin Anthea Leisch/Plainpicture

Drei Jahre ist es her, dass uns zum ersten Mal die Bezeichnung Covid-19 begegnet ist. Sie schlich sich in die Nachrichten ein unter dem Namen Corona. Eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch das Virus SARS-CoV-2, lernten wir. Zusammen mit dem Symbolbild vom runden Ball mit den nach allen Seiten abgehenden Noppen. Wären’s Nägel, könnte man meinen, es wär’ von Uecker. Am Anfang war alles noch harmlos und weit weg. Aber bald wurde es für mich die größte Störung, die ich in meinem Leben erlebt habe. Spätestens nach den Bildern von Bologna, wo eine Kolonne von Militärlastwagen durch die Nacht fuhr und mir in den Nachrichten erklärt wurde, sie transportierten Särge mit Corona-Toten, bekam ich es mit der Angst zu tun. Gestört war jetzt alles: mein Alltag, meine Arbeit, meine Beziehung.

Störfall Pandemie heißt ein Buch, das der Germanistik-Professor Carsten Gansel zusammen mit José Fernández Pérez herausgibt: Störfall Pandemie und seine grenzüberschreitenden Wirkungen.

der Freitag: Herr Gansel, was ich Störung meines Alltags nenne, hat bei Ihnen seit 2008 in wissenschaftlichen Analysen Aufnahme gefunden. Was genau ist das für Sie – ein Störfall?