Alleinerziehende ohne Lobby

1: Thema Rente Ich eröffne eine Reihe von Themen, die die Alleinerziehenden in Deutschland beschäftigen und belasten.
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Was muss noch passieren, dass Frauen endlich ihre Stimme erheben und auf sich aufmerksam machen?

Durch die Erziehung der Kinder ziehen wir die A-Karte in vielen Bereichen. Ein wesentlicher dieser Bereiche ist die Rente.

Mit der Erziehung der Kinder sorgen wir Frauen für den Nachwuchs und damit für die zukünftigen Beitragszahler. Dabei entstehen bei uns beitragsfreie Ausfälle - eine einschneidende Falle für unsere Existenz im Alter!

Wieviele Rentnerinnen leben heutzutage in Armut, weil sie fokussiert auf die Kindererziehung über Jahre weniger oder gar nicht gearbeitet haben und nicht eingezahlt haben?

Die Berühung mit der Armut erleben die meinsten von uns schon gleich nach der Trennung. Also versuchen wir alles unter einen Hut zu bekommen: die Kindererziehung und die Sicherung der Existenz.

Der Witz dabei ist, dass wir Mütter die einzige Gesellschaftsgruppe sind, die doppelt in die Rentenversicherung einzahlen dürfen. Durch die Kindererziehung sichern wir die Renten unserer Rentnergeneration. Durch die parallele Ausübung einer Tätigkeit dürfen wir ohne jegliche Entlastung des Staates den Rentenbeitrag zur Finanzierung der heutigen Rentnergeneration finanzieren - zumindest aus der Sicht des praktizierten Generationsvertrages. Wir Mütter finanzieren zwei Generationen.

Ich erziehe drei Kinder und arbeite in Vollzeit. Meine monatlichen Abzüge betragen 40 % meines miserablen Lohns. Ich muss mir bei jeder Krankheit des Kindes anhören, dass ich schon wieder fehle oder mit mir nicht konstant zu rechnen ist. Nach einer Lohnerhöhung oder einer Beförderung brauche ich nicht zu fragen, weil ich in der Arbeit "geduldet" werde. Ich weiß jetzt schon, dass ich im Rentenalter in der Armut leben werde. Lt. der aktuellen Berechnung werde ich eine Rente von ca. 400,00 Euro erhalten.

Meine Frage ist immer noch die gleiche: Hat der Staat Interesse an den Familien? Macht sich die Politik Gedanken über Verbesserung der Lage der Mütter und der Alleinerziehenden und zwar in einem wesentlich spürbaren Schritt?

Warum entlastet der Staat die arbeitenden Mütter nicht? Es gibt so viele mögliche Modelle der Entlastung, die die Alleinerziehenden auch für Arbeitgeber lukrativ machen können. Mein Vorschlag ist die Staffelung der Entlastung in der Zahlung der Rentenbeiträge. Je mehr Kinder eine Frau erzieht und dabei arbeitet, desto wenig Rentenbeitrag zahlt sie. Auch der Arbeitgeber könnte mit diesem Modell gefördert werden und die Zielgruppe der Alleinerziehenden interessant einstufen.

Der Staat, die Politiker - oft frage ich mich, welche Schwerpunkte die deutsche Politik legt. Wenn ich in der Presse lese, dass der eine oder andere Staat von Deutschland mit Milliarden finanziert wird, sind mir die Schwerpunkte der deutschen Politik klar. Dabei habe ich gelernt, dass man erst den eigenen Haushalt im Griff haben muss, bevor man seinen Horizont ausweitet und neue Projekte finanziert.

08:02 01.05.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Hanna +

Familienmutter, Publizistin. "Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt" Marie Freifrau Ebner von Eschenbach
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