Wie soll das zu Überwindende heißen und wie das Überwinden?

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In einem Freitagskommentar der "kritischen Masse" zur Erörterung, der Frage, warum wir die Form unseres gesellschaftlichen Miteinenders "Kapitalismus" statt "soziale Marktwirtschaft" nennen und "Wirtschaftsdemokratie" anstreben sollten, hieß es:

Soziale Marktwirtschaft“ heißt hingegen: Wer eine Pfandflasche falsch abrechnet, steht auf der Straße und ist in seiner Existenz bedroht - Wer den „Bürgern“ Milliarden „Opfer“ für Zockerparadies abfordert, der fordert vor Gericht auch noch einen millionenschweren Nachschlag."

Es gibt allerdings eine Menge Menschen, die den Abscheu gegen das Pfandflaschenurteil teilen und eben deshalb diese Art "unsoziale" Marktwirtschaft in eine "soziale" (zurück) verwandeln möchten. Andere wiederum benutzen den Begriff "soziale Marktwirtschaft" als Mogelpackung. Letztere werden mit dem Argument, dass es eh keinen sozialen Kapitalismus geben könne, wunderbar leben können, da sie so nicht mehr belegen brauchen, was denn nun die soziale Verbesserung genau sei, das sie angeblich anstreben und wie sie das genau erreichen wollen.

Die ernsthaft Mitempörten, die sich aber dennoch nicht als Kapitalismusgegner verstehen werden höchstens mit den Achseln zucken oder sich fragen, wo denn bitteschön so rasch eine Alternative zum Kapitalismus herkommen und wie die denn aussehen soll oder was gerantiert, das die nicht wieder staatsvormundschaftlich real zu werden trachtet.

Dass der Begriff "soziale Marktwirtschaft" durchaus auch strammen Kapitalismusfreunden ein Dorn im Auge sein kann, zeigt die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", die viel Geld, Barings und Merkelworte in eine Umdefinition des "Sozialen" bei der "Marktwirtschaft" (weg von der sozialdemokratischen, hin zur neoliberalen Interpretation) investiert.

Es spricht nichts dagegen, von Kapitalismus zu reden, wenn damit die Notwendigkeit der Überwindung der historischen (und auch historisch notwendigen) Weise unserer Arbeitsteilung, der menschlichen Entwicklung, der Globalisierung usw. betont werden soll, in der sich außer unzählige Abscheulichkeiten eben auch menschliche Emanzipation vollzieht, die dann "Sozialdemokratie", "soziale Marktwirtschaft", "ökologischer Umbau" oder Loha-Bewegung oder was auch immer benamst wird.

Sicher sind all das in so fern keine zukunftsfähigen Formen der menschlichen Emanzipation mehr, als dass sie zur notwendigermaßen raschen Fundierung einer menschlichen Gemeinschaft, die als solche ökologisch und sozial korrekt zu handeln in der Lage wäre, nicht hinreichen. Auch die gegenwärtigen Formen der sozialen Emanzipation gehören in dem Sinne überwunden bzw. müssen derenst in eine höhere Gesellschaftsformation aufgehoben werden. So eine positive Aufhebung aber geschieht sicher nicht ohne gegenwärtig um soziale Verbesserungen im Kapitalismus wirklich Aufhebens zu machen.

Wie der ersteinmal nur projektierte Ausgang aus dem privateigentümlichen Bereicherungschaos dann wieder heißen soll, ob "öko-sozialistische Marktwirtschaft" (weil erst einmal die Konkurrenzbedingungen aber nicht Privatgeschäfte als solche sozial festgelegt werden), oder "Weltwirtschaftsdemokratie" oder "ökologische Weltwirtschaftsdemokratie" ist sicher nicht so wichtig. Jedenfalls sollte auch "ökologische Wirtschaftsdemokratie" nicht das letzte Wort sein. Worauf es letztlich mehr ankäme, wäre die tatsächliche (weltweite) Verallgemeinerung der Kompetenz zur (weltweit) abgestimmten Entwicklung und Anwendung des technischen und geistigen Know Hows mit dem wir uns "eine andere "Welt", also ein sozial und ökologisch bewusstes, nachhaliges Zusammenwirken aller möglich machen. Meinetwegen soll man das Kommunismus nennen. Hauptsache es geht in diese Richtung voran.

22:16 12.07.2009
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Geschrieben von

Hans Hirschel

mit Marx im Grünen ;-)
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Hans Hirschel

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