Eine Frage der Fragen

Hörfunk Im Deutschlandfunk startet mit @mediasres ein neues Medienmagazin. Leider krankt das junge Format noch an Zurückhaltung und Oberflächlichkeit
Ausgabe 12/2017
Politiker, Hörfunk und der tägliche Kampf um die Medien
Politiker, Hörfunk und der tägliche Kampf um die Medien

Foto: Chip Somodevilla/AFP/Getty Images

Als wäre es die 235. Sendung: Kulturredakteur Stefan Koldehoff moderiert die Premiere des Medienmagazins @mediasres an diesem Montag nüchtern zurückhaltend. Die Redaktion will „berichten, erklären und analysieren, was die Medienwelt im Innersten zusammenhält“. Das klingt etwas zu faustisch. Nachts zuvor hatte Schachgroßmeister Garry Kasparov getwittert: „Wenn sie es schaffen, dass du die falschen Fragen stellst, brauchen sie sich um die Antworten keine Sorgen zu machen“ (aus Thomas Pynchons Die Enden der Parabel). Das muss die eigentliche Messlatte sein.

Fahrstuhlmusik gibt es nur zu Beginn, die Zeit ist knapp. Den Aufmacher hat die dpa-Journalistin Kristina Dunz mit ihrer Frage an Donald Trump beigesteuert, warum er etwas behaupte, von dem er wisse, dass es nicht wahr sei. Dazu gibt Jeff Mason, Vorsitzender der Korrespondenten im Weißen Haus, etwas zu banal Auskunft. Nein, so überraschend war die Frage nicht. Ja, schade, dass kein US-Kollege so tapfer war, sie zu stellen. Nein, Fragen werden nicht vorher abgestimmt. Ja, bei Staatsbesuchen wird vorher festgelegt, wer etwas fragen darf. Dass die Beziehungen zwischen der neuen Regierung und den Medien nicht spannungsfrei sind, ist nach 59 Tagen wahrhaftig nichts Neues.

Das zweite Thema illustriert eine Schwäche des Formats. Die Beschränkung auf Medien führt zu einem Tunnelblick. In Trumps Haushaltsentwurf werden die Mittel für die National Public Radios gestrichen. Dadurch bricht in manchen Gegenden die letzte Versorgung mit unabhängigen Medienangeboten zusammen. Dass Trump auch die Finanzierung der Künste und der Geisteswissenschaften in die Tonne tritt, hätte dieses Interview mit Jeff Rosenberg durchaus erwähnen dürfen. Ein dritter Bericht aus Austin rundet den Blick auf die Lage in den USA ab. Eric Lipton von der New York Times erzählt, dass sie irre viel neue Leute einstellen („hiring like crazy“).

Seltsam oberflächlich ist der Bericht, dass bayrische Zeitungsverleger ihre Produkte noch besser geschützt sehen möchten. Wie viele bayrische Zeitungen genießen lokalen Monopolstatus? Das wäre eine Nachfrage wert gewesen. Tim Wolff (Titanic) sehnt sich nach mehr Uschi-Glas-Witzen. Die fünfte Fußballliga produziert und sendet mithilfe von Wikimedia vollautomatisch. „Die Schlagzeile von morgen“ kommt in der ersten Sendung aus Lingen: „Inklusion in Lingen: Mitten im Leben“.

@mediasres dürfte durchaus schärfer und pointierter werden.

Info

@mediasres – Das Medienmagazin wird fortan werktags um 15.35 Uhr im Deutschlandfunk ausgestrahlt

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Verändern Sie mit guten Argumenten die Welt. Testen Sie den Freitag in Ihrem bevorzugten Format — kostenlos.

Print

Die wichtigsten Seiten zum Weltgeschehen auf Papier: Holen Sie sich den Freitag jede Woche nach Hause.

Jetzt kostenlos testen

Digital

Ohne Limits auf dem Gerät Ihrer Wahl: Entdecken Sie Freitag+ auf unserer Website und lesen Sie jede Ausgabe als E-Paper.

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden