RE: Die Maske ist links | 08.09.2020 | 10:11

Sie haben völlig Recht. Nur dass hier nicht zwei unterschiedliche Standpunkte aufeinandertreffen, nicht zwei Perspektiven, die die Tatsachen unterschiedlich bewerten. Sondern es wird von einer krakeelenden Minderheit jede evidenzbasierte rationale Erkenntnis bestritten. Die Wirksamkeit von Masken sowie deren Grenzen ist aus einer Vielzahl von Studien inzwischen bekannt und belegt. Deshalb empfehlen weit über 99% aller Epidemologen und Virologen weltweit deren Gebrauch zum Eindämmen von Infektionsherden. Dem kann man eigentlich rational so wenig widersprechen wie der Tatsache, dass die Erde eine Kugel ist oder dass es menschengemachten Klimawandel gibt. Bei beiden Themen findet sich nun das das gleiche Leugnungsmuster: erstens gebe es gar keine Pandemie/keinen Kilmawandel. Zweitens wird irgendwo unter vielen Tausend Wissenschaftlern irgendwo der eine Exot ausgegraben, der die Wirksamkeit von Begrenzung des CO2-Ausstoßes/der Masken abstreitet. Jeder konnte in den vergangenen Monaten sehen, wie sich die Infektionen in Ländern entwickelt haben, in denen es Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gab (z.B. D), und wo nicht (USA, Brasilien). In Frankreich hat eine strenge Ausgangssperre eine Katastrophe verhindert, nun droht die Pandemie wieder wegen der Urlaubssaison und den geminderten Hygienemaßnahmen auszubrechen. Glücklicherweise gibt es dort nicht so viele Vollidioten, die kein anderes Problem als ein Stück Stoff vor der Nase während des Einkaufens haben. Deshalb darf man auf einen glimpflichen Verlauf hoffen. Trifft er ein, wird das hier dann wieder als Beweis angeführt, dass die Masken unnötig waren. Händewaschen, das noch zum Artikel, ist übrigens weder links noch rechts, sondern nur sauber und vernünftig. Es ist nicht alles politisch. Manches ist auch einfach nur wahr oder falsch.

RE: Die Maske ist links | 07.09.2020 | 11:09

Lieber Pfleifel, freut mich sehr, dass sie den logischen Fehler in meiner Bemerkung entdeckt haben. Noch mehr hätte ich gefreut, wenn Sie in den Text geschaut hätten, auf den sich meine Bemerkung bezog und dort den gleichen logischen Fehler entdeckt hätten. Darüber, über den logischen Bruch, hatte ich mich nämlich lustig gemacht, das ist eine rhetorische Figur, die man "Ironie" nennt. Wenn Sie genaueres darüber wissen wollen, finden sie das auf Wikipedia sehr schön erklärt.

RE: Die Maske ist links | 07.09.2020 | 11:03

Maskenpflicht ist eine Reaktion auf ein Infektionsgeschehen und nicht Bestandteil eines Doppelblindversuches. Frankreich beispielsweise ist nach bestimmten Kriterien in Risikozonen aufgeteilt, je nach Verbreitung des Virus ist das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit Pflicht oder nicht. In mancher Innenstadt müssen Masken getragen werden, weil es dort mehr Infektionen gibt, im Nachbarviertel nicht. Beweist nun der Umstand, dass es dort, wo Masken getragen werden, mehr Infektionen gibt, die Nutzlosikeit (oder gar Gefahr) von Masken? Natürlich nicht! Solange die Leute im Nachbarviertel keine Rave-Parties vernastalten oder zu Karnevalsmusik schunkeln, kann es dort auch ohne Masken gut gehen. Aber nicht, weil es keine Masken gibt. Mit ihrer Argumentation könnte man auch die Nutzlosigkeit von Feuerwehren begründen, den in der Aantarktis gibt´s keine un da brennt´s nie. Sie ist so unsinnig wie die Behauptung, Krankenhäuser wären die Ursache von Krankheit, weil darin alle krank sind, draußen aber kaum jemand. "Wenn Krankenhäuser was nützen würden, müssten ja draußen die Krankheiten explodieren Wenn Sie mir also einen diesbezüglichen Nachweis mit Quelle freundlicherweise präsentieren könnten, anstatt mit nichtssagenden Dummheiten daherzukommen?". Das ist Ihr demagogisches Muster. Das ist simpelste Demagogie. Zu Masken und ihren genauen Nutzen und ihren Schwächen gibt es inzwischen unzählige wissenschaftliche Studien. Wenn Sie dazu etwas sachliches erfahren wollen, hilft Ihnen eine Suchmaschine. Ich fürchte jedoch, wer von "Zwangsmasken" spricht, ist Argumenten eh nicht zugänglich.

RE: Die Maske ist links | 06.09.2020 | 12:27

Ohne Zwangsmaskierung gäbe es gar kein Corona. Oder ist jemals jemand vor Einführung der Maskenpflicht an diesem Virus erkrankt. Nein? Na bitte. Wenn das kein Beweis ist!

RE: „Keine Straße für Pol Pot!“ | 16.08.2020 | 12:05

"Anarchisten wie Michel Onfray"? Wenn man sich dessen Äußerungen zum Klimawandel, der EU, dem Islam, dem Maskentragen während Pandemien, zu Sartre, Nietzsche und Wagner anschaut, dann gehört er vielleicht doch eher in die Schublade "Querfront", auch wenn er sich selbst trotz gelegentlicher Zustimmung zu Ansichten von Chefideologen der französischen extremen Rechten dort wohl nicht einordnen würde.

RE: Erpresster Kompromiss | 22.07.2020 | 18:38

Die Refinanzierung muss noch ratifiziert werden, und mit Eigenmitteln sind ausdrücklich nicht die Beiträge der Mitgliedsländer gemeint. Allerdings machen sie - aus meiner Sicht leider - nur einen Bruchteil des Gesamtpaketes aus.

RE: Erpresster Kompromiss | 22.07.2020 | 10:18

Ein Framing ist dann besonders effektiv, wenn es von der Regierung und der Opposition betrieben wird, also praktisch von allen. Richtig wird es dadurch nicht, weshalb die Empörung im Artikel an einem wichtigen Punkt unbegründet ist. Die Anleihen für das Hilfsprogramm werden nicht von den Nationalstaaten gemeinsam herausgegeben, sondern von der Gemeinschaft der Nationalstaaten, vertreten durch die Kommission. Es handelt sich um Eurobonds, die nur niemand so nennen möchte. Der Schuldner ist die Kommission, diese vertritt eine transnationale Institution, die EU, mit eigener Zentralbank. Das Innenverhältnis des Schuldners spielt für die Gläubiger der Anleihe keine Rolle. Investoren können, wollen und werden sich für die Tilgung nicht an die Nationalstaaten wenden. Dafür hätten sie auch keinen Anlass, denn selbstverständlich wird und muss die Zentralbank des Schuldners im Fall der Fälle für die Schulden aufkommen. In eigenem Geld kann sie das auch immer, weshalb es bislang in der Geschichte nie und nirgends vorgekommen ist, dass eine Zentralbank die Lieferung eigenen Geldes an ihre Eigentümer verweigert hätte, hätte verweigern können oder wollen. Warum sollte sie auch? Es kostet ja praktisch nichts. (Von dieser Garantie der EZB profitieren wegen des Wechselkursmechanismus II übrigens auch die EU-Mitglieder, die nicht Mitglied der Eurozone sind). Nebenbei: für die Refinanzierung will die Kommission verstärkt auf eigene Quellen zurückgreifen, also auch hier statt gemeinsamer Refinanzierung eine Refinanzierung durch die Gemeinschaft.

Bei aller verständlichen Enttäuschung über Einzelheiten des Programms (weil es unzureichend ist, und die spätere konkrete Umsetzung Grund zur Sorge gibt) : es markiert einen Wendepunkt. Deshalb der Aufschrei der Freunde und Förderer der nationalen Souveränität. Die Verteidiger der EU müssen sich mit den Kompromissen abfinden, die bei dem Konstrukt EU unvermeidlich sind. Das ist nicht so schlimm, wie es manchmal scheint, wenn man sich die auf unterschiedliche Art kompromisslosen Weltmächte USA und China anschaut.

RE: Sie pumpen wieder | 29.06.2020 | 12:33

Vater Staat und seine Zentralbank halten während des Krisengewitters schützend ihre starke Hand über Unternehmen und Banken, verlangen aber im Gegenzug dafür nicht die zukünftigen Gewinne oder wenigstens einen gerechten Anteil daran. Da kommt es mir angesichts des während des Lockdowns aufgelaufenen (und für kapitalistische Krisen so untypischen) Kaufkraftüberhangs gar nicht wie eine Dummheit junger Männer vor, sich diese zukünftigen Gewinne durch den Kauf von ein paar Aktien zu sichern, insbesondere da die Kurse derzeit noch ca. 10% unter Vorkrisennieveau stehen.

RE: Ein Glitzern im Vagen | 24.06.2020 | 13:35

Leider müssen die Fragen am Ende des Artikels alle mit "ja" beantwortet werden. Französische Texte aus dem linken und dem rechten Lager sind immer schwieriger auseinander zu halten, solange es nicht um Migranten oder den Islam geht. Darüber dagegen, der EU den Gehorsam zu verweigern ("désobeír"), besteht zwischen RN und (beispielsweise) ATTAC Einigkeit. Fragt man Personen aus dem Linken Lager, ob denn bei den nächsten Wahlen es zu einem Schulterschluss mit der RN kommen könne (Umarmungsversuche hatte LePen bereits bei den letzten Wahlen gemacht), wenn diese ihre Rassismus mäßige, dann lautet die Antwort: "Nein! Unmöglich! Niemals!" Aber Cinque Stelle verurteilt dann doch niemand, weil die Sterne mit Salvini ins Bett gestiegen sind ... Erschreckend. Und nirgends Besserung oder eine neue Kraft in Sicht.

RE: Der tiefe Staat | 29.05.2020 | 11:00

Wer "Der Block" mochte, wird auch "Der Schutzengel" mögen. Wer nicht, nicht. Wer keines der Bücher kennt, dem würde ich die Reihenfolge der Erstellung empfehlen, nicht die Chronologie der Geschichten. Also mit "Der Block" beginnen.