Hans Springstein
04.05.2016 | 18:37 88

Der „wirklich böse Mensch“ kommt aus Moskau

Russland Das Feindbild Russland wird wieder gehegt und gepflegt. Das hat Tradition, wie ein aktuelles Buch zeigt, das auch die Interessen dahinter deutlich macht

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Die Bundeswehr beteilige sich an der „Abschreckung“ Russlands, meldete u.a. Spiegel online am Abend des 28. April. Es war wie die passende Illustration für das, was der österreichische Journalist Hannes Hofbauer am selben Tag in Berlin über das „Feindbild Russland“ berichtete. Er hatte gerade in der Ladengalerie der Tageszeitung junge Welt sein gleichnamiges Buch über die „Geschichte einer Dämonisierung“ vorgestellt, als die Eilmeldung über die „abschreckende“ Bundeswehr auf meinem Smartphone eintraf.

Hofbauer beschreibt in seinem Buch, wie in der Geschichte Europas Russland immer wieder als bedrohliche fremde Macht dargestellt wurde, gegen die sich gewappnet werden müsse. Die heutige „Abschreckung“ setzt nur fort, was bereits Ende des 15. Jahrhundert begann. Damals, im Jahr 1494, habe der Krakauer Philosoph Johannes Glogau Russland erstmals als „asiatisch“ bezeichnet, ist im Buch nachzulesen. Das sei von Beginn an abwertend gemeint, im Sinne von barbarisch, fremd und hinterlistig. Ausgangspunkt sei das damalige Streben Russlands unter Zar Iwan III. nach einem Zugang zur Ostsee gewesen. „Und den Feind galt es nicht nur auf dem militärischen Schlachtfeld, sondern auch philosophisch und geistig zu bekämpfen.

Hofbauer brachte in Berlin dafür auch aktuelle Beispiele. Er machte auf ein Interview der österreichischen Zeitung Die Presse vom 18. April mit der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright aufmerksam. Darin sagte die Vertraute und Beraterin von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton über den russländischen Präsidenten Wladimir Putin: „Er ist smart, aber er ist ein wirklich böser Mensch.“ Putin glaube, dass sich der Rest der Welt und allen voran der Westen gegen Russland verschworen habe. Das stimme aber gar nicht, behauptete Albright und unterstellte dem russländischen Präsidenten, die EU unterminieren und spalten zu wollen. Und: „Er will, dass die Nato aus seiner Einflusssphäre verschwindet.

Wer so etwas von sich gebe, habe kein Interesse daran, dass sich das derzeitige schlechte Verhältnis des Westens zu Russland verbessere, stellte der Autor fest. Er gab bei der Buchvorstellung einen Rückblick vor allem auf die letzten 20 Jahre und beschrieb die Ursachen für das wiederbelebte Feindbild Russland. „Der Russe tritt wieder verstärkt im Singular auf.“ Das zeige, dass er diffamiert werden solle, so Hofbauer. Das werde ergänzt durch negative Attribute, „die von Distanz, Abscheu und nicht selten von Hass zeugen“. Das ziehe sich „im Großen und Ganzen“ durch die meinungsbildenden deutschsprachigen Medien.

Ihn habe die Frage beschäftigt, seit wann dieses neue oder wiederbelebte Feindbild da ist. Das sei gerade mit Blick auf die westliche Sicht auf Russland nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 auffällig. In den 90er Jahren seien Moskau und die russländische Führung so positiv dargestellt worden, dass von Russophilie im Gegensatz zur heutigen Russophobie gesprochen werden könne. Hofbauer sieht als eine der Ursachen dafür, dass die Zerstörung der Sowjetunion im westlichen Interesse war. Das positive Bild habe auch keinen Sprung erhalten als der damalige russische Präsident Boris Jelzin 1993 die Duma in Moskau von Panzern beschießen ließ und es Tote dabei gab. „Das hat im Westen niemanden gestört, im Gegenteil, der damalige IWF-Direktor Michel Camdessus hat das als notwendige Aktion hingestellt, um der Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen.“ Jelzin sei der Liebling des Westens gewesen, „trotz oder gerade wegen solcher Aktionen“ und wegen seiner Wirtschaftspolitik. Diese sei neben den strukturellen und sozialen Zerstörungen für Russland desaströs gewesen.

Heute sei in Russland niemand mehr zu finden, der die Jelzin-Jahre in irgendeiner Form positiv sehe, berichtete der Autor von seinen eigenen Aufenthalten in dem Land. Das gelte selbst für russländische liberale Kreise, die „gar nicht so weit weg von Putin" seien. Weil dieser eher ein Pragmatiker sei, der versuche, zwischen den unterschiedlichen Interessen eine Balance zu finden. Die damals durchgesetzte Wirtschaftsstruktur wirke noch heute: Der Export von Rohstoffe und der Einkauf von Produkten von Ländern, die diese vermeintlich qualitativ besser produzieren können. Ziel sei es gewesen, die russische Wirtschaft vollkommen von westlichen Konzernen abhängig zu machen.

Vom neuen Freund zum alten Feind

Das Russlandbild im Westen habe sich seitdem wieder verändert und sei sukzessive schlechter geworden, beschrieb Hofbauer als Anstoß für das Buch. Den ersten Bruch habe es in den letzten Monaten der Herrschaft Jelzins gegeben, als die Nato am 24. März 1999 Jugoslawien völkerrechtswidrig und ohne UN-Mandat überfiel. Selbst die westlich orientierte russische Führung unter Jelzin sei dagegen gewesen. Das sei soweit gegangen, dass der damalige russische Ministerpräsident Jewgeni Primakow an dem Tag des Überfalls im Flugzeug nach Washington saß und die Reise abbrach, als die Nachricht vom Kriegsbeginn eintraf.

Damals habe eine Entwicklung begonnen, die zu den heutigen Sanktionen und dem „Wirtschaftskrieg auf niedrigem Niveau“ des Westens gegen Russland, aber auch zu den Stellvertreterkriegen in der Ukraine und Syrien geführt habe. Das habe sich mit der Nato- und EU-Osterweiterung seit den 1990er Jahren fortgesetzt. Russland fühle sich eingekreist, erklärte Hofbauer und meinte, wenn die Nato an die russländische Grenze heranrückt, sei es „kein Wunder, dass da in Moskau die Alarmglocken schrillen“.

2003 habe sich das Verhältnis weiter verschlechtert. Dafür habe zum einen der Irak-Krieg gesorgt, gegen den Russland war wie andere Länder auch. Zum anderen sei in dem Jahr der Oligarch Michail Chodorkowski verhaftet worden. Hofbauer widersprach der Deutung, dass das wegen der politischen Ambitionen des Oligarchen geschehen sei. Dabei sei es um mehr gegangen: Chodorkowski habe damals seinen Öl- und Gaskonzern Yukos an den US-Konzern Exxon Mobil verkaufen wollen. Die Verhandlungen unter Beteiligung von US-Vizepräsident Dick Cheney seien weit gediehen gewesen. Putin habe davor gewarnt, den für Russland strategisch wichtigen Energiesektor an einen US-Konzern zu verkaufen. Als Chodorkowski das ignorierte, sei er "aus dem Verkehr gezogen" worden, so der österreichische Autor. Die empörte US-Seite habe damals begonnen, Putin zu dämonisieren und als „neuen Mussolini“ zu bezeichnen.

Einen weiteren Bruch habe es 2008 mit dem Krieg in Georgien gegeben. Der damalige georgische Präsident Michail Saakaschwili habe, nachdem die Nato kurz zuvor seinem Land und der Ukraine die Aufnahme versprach, den Westen hinter sich geglaubt. Die Ereignisse in der Ukraine 2013/2014 hätten den Schlusspunkt in einer Entwicklung gesetzt, in deren Folge sich das Verhältnis des Westens zu Russland „um ein Vielfaches verschlechtert“ habe, stellte Hofbauer fest. Er verwies auf ein Zitat des US-Politikers John McCain, der im Dezember 2013 in Kiew war, um die Proteste zu unterstützen, und gegenüber CNN sagte: „Es gibt keinen Zweifel, dass die Ukraine von vitaler Bedeutung für Putin ist.“ Ohne die Ukraine sei Russland eine östliche Macht, mit ihr eine westliche. „Das ist der Anfang von Russland, genau hier in Kiew.“ Der österreichische Autor erinnerte in dem Zusammenhang auch an Zbigniew Brzezinski, der 1997 schrieb: „Ohne die Ukraine ist Rußland kein eurasisches Reich mehr.“ Der US-Geostratege folgte damit der „Herzland-Theorie“ des Briten Halford Mackinder: „Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland: Wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel (Eurasien). Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.

Die heutige Situation sei „extrem gefährlich“, warnte Hofbauer in Berlin mit Blick auf die Ukraine und Syrien. „Jeder Zeit kann eine ‚false flag‘-Operation einen weiteren Krieg auslösen.“ Er bezeichnete die antirussischen Sanktionen als „kleinen Wirtschaftskrieg“, als „Krieg auf kleiner Flamme“. Diese von Brüssel und Washington beschlossene Konfrontation gehe nun ins dritte Jahr. Sie richte sich vor allem gegen den russischen Energie- und den Finanzsektor. Aber während vor allem russische und auch westeuropäische Unternehmen davon betroffen seien, sei der Handel zwischen den USA und Russland sogar gestiegen. Hofbauers These dazu: Die Sanktionen richteten sich nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die EU.

Der Autor aus Wien ging auch noch auf die historische Entwicklung des Russlandbildes ein, bevor er mit dem Publikum diskutierte. Dabei meinte er u.a. auf die Frage nach der angeblichen Moskauer Unterstützung für rechte Kräfte in der EU, dass das eine Antwort auf die westliche Einmischung via NGO und Unterstützung oppositioneller Kräfte sei. Während Letzteres belegt ist, blieb leider auch der Buchautor Belege dafür schuldig, dass Moskau westliche Einmischung kopiert und umkehrt. Dafür setzt sich diese Behauptung selbst in linken Medien fort und zeigt, dass das Feindbild Russland nicht nur ein Sache rechter politischer Kräfte ist. Hofbauer erinnerte daran, dass auch in der deutschen Arbeiterbewegung im 19. und 20. Jahrhundert sich die Kritik am Zarismus mit antirussischen Zerrbildern mischte. Das setzt sich fort: Heute gilt Putin für viele, die sich hierzulande für links halten, nicht minder als das personifizierte Böse und Übel nicht nur Russlands. Sie würden die Behauptung von Madeleine Albright wahrscheinlich unwidersprochen unterschreiben. Dazu trägt Hofbauers Buch nicht bei, stattdessen klärt er auf, aus welchen politischen, wirtschaftlichen und geostrategischen Gründen das alte Feindbild neu aufgelegt wurde und weiter gepflegt wird.

Hannes Hofbauer: "Feindbild Russland – Geschichte einer Dämonisierung"
Promedia-Verlag Wien 2016
ISBN 978-3-85371-401-0
br., 304 Seiten
19,90 Euro
Auch als E-Book erhältlich
Verlagsinformationen

Interview mit Hannes Hofbauer: "Der russische Dämon"
Nachdenkseiten vom 18.3.2016

Frederick William Engdahl: "Das wahre Verbrechen von Chodorkowski"
In: Neue Rheinische Zeitung vom 1.1.2014

Kai Ehlers: "Der Fall Chodorkowski oder Russlands neue Rolle im aktualisierten "great game""
Manuskript Vortrag beim Friedesnpolitischen Ratschlag 3./4. Dezember 2005 in Kassel, AG Friedensforschung

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (88)

h.yuren 04.05.2016 | 19:50

lieber hans,

das thema trifft. fast täglich wird uns ein beispiel geboten.

aber der dissens ist nach meiner historischen erinnerung noch etwas älter. das große schisma ist tausend jahre alt.

die unfähigen eliten in der (fuck the)eu sind ebenso mitschuldig an den misssständen heute wie die konzernleitung in den usa.

dass diesseits des teichs nicht nur die politische klasse versagt hat, sondern auch genauso die medienmeute, macht die chose perfekt. böhmermanns ablenkung auf die türkei inclusive.

hierzulande muss die aufklärung noch schnell nachgeholt werden oder gute nacht, teutonien. von polen gar nicht zu reden. dass die usa bei diesen eulern verzweifeln möchten, kann ich verstehn.

Krysztof Daletski 04.05.2016 | 21:19

Lese Hofbauers Buch zufällig auch gerade und kann es nur wärmstens empfehlen. Wer die Entwicklung der Ostpolitik der letzten 30 Jahre mitverfolgt hat wird diesbezüglich nicht so viel Neues erfahren, aber die sehr solide recherchierte systematische Zusammenstellung kann als Nachschlagereferenz dienen, wenn man mal wieder mit isolierten Nachrichten überschüttet wird, die aufgrund tendenziöser Ausblendungen von Hintergründen nicht nachvollziehbar sind.

Die obigen Zitate möchte ich noch um zwei weitere Beispiele ergänzen. Die Eskalationsstufen im aktuellen Handleskrieg gegen Russland zeichnet Hofbauer detialliert nach und bemerkt:

"Die Terminwahl für die jeweiligen Ergänzungen bzw. Verschärfungen gegenüber immer mehr russischen Personen zeugt vom Willen zur unbedingten Eskalation." (p. 234)

Und zu den fast shcon rührend wirkenden von russischer Seite als Gegenmaßnahme verhängten Einreiseverboten ist diese Bemerkung nicht ohne Witz:

"Dass sich darunter [unter den Unerwünschten, KD] zwei Grüne - Rebecca Harms und Daniel Cohn-Bendit - befinden, zeigt, wie tief hinein in die politische Beduetungslosigkeit russische Behörden graben mussten, um der diplomatischen Reziprozität Genüge zu tun." (p. 236)

Fazit: für die vielen Bücher und Artikeln zu diesem Thema, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ist dies die m.E. am besten geschriebene Zusammenfassung, die zugleich so umfassend ist, dass man sich manch andere Lektüre sparen kann.

verpeiler 04.05.2016 | 21:55

Warum ist es eigentlich so schwer bei den Tatsachen zu bleiben? Die Ukraine als auch Georgien hatten 2008 einen formellen Antrag auf Mitgliedschaft in der NATO gestellt. Diese Anträge wurden zurückgewiesen! Stattdessen bekamen diese Länder das "Versprechen", dass sie irgendwann, vielleicht, möglicherweise mal in die NATO aufgenommen werden. Das ist Nichts weiter als eine unverbindliche Absichtserklärung genauso wie die Forderung der NATO, dass die Mitgliedsländer mindestens 2% ihres BIP für den Verteidigungshaushalt aufwenden sollen, die Aufforderung des Bundestages an die Regierung sich doch bitteschön für den Abzug der Nuklearwaffen aus Deutschland einzusetzen oder die Forderung nach einem "Veggieday". Derartig Erklärungen sind im Prinzip bedeutungslos, sie verpflichten zu gar nichts.

Der Hinweis auf Brzezinski ist mittlerweile so ausgelutscht, dass ich ihn eigentlich nicht mehr hören kann. Der Mann hat seitdem seine Ansichten bezüglich Russland mehrfach revidiert ( wenn ich wissen will, welche Ansichten ein Jürgen Elsässer oder Horst Mahler verteten würde ich mich doch auch nicht auf Das verlassen, was diese Leute vor einigen Jahrzehnten so von sich gegeben haben ).

Wenn man schon die Mainstreammedien wegen ihrer einseitigen Berichterstattung kritisiert, warum zum Teufel kann man selber nicht objektiv bleiben?

Hans Springstein 04.05.2016 | 23:06

Eigentlich nerven mich solche Klugscheißer wie Sie, mit Verlaub gesagt, die von anderen fakten einfordern und sie selbst nicht bringen. Ignorieren ist eigentlich die einzig angebrachte Methode für Leute wie Sie, die was auch immer beim Verpeilen antreibt.

Doch einmal will ich Ihnen antworten, nur dies eine Mal, wenn Sie schon Faktentreue und Objektivität einfordern:

Das hat die Nato im April 2008 in Bukarest nach ihren eigenen Worten u.a. beschlossen:
"23. NATO welcomes Ukraine’s and Georgia’s Euro-Atlantic aspirations for membership in NATO. We agreed today that these countries will become members of NATO. Both nations have made valuable contributions to Alliance operations. We welcome the democratic reforms in Ukraine and Georgia and look forward to free and fair parliamentary elections in Georgia in May. MAP is the next step for Ukraine and Georgia on their direct way to membership. Today we make clear that we support these countries’ applications for MAP. Therefore we will now begin a period of intensive engagement with both at a high political level to address the questions still outstanding pertaining to their MAP applications. We have asked Foreign Ministers to make a first assessment of progress at their December 2008 meeting. Foreign Ministers have the authority to decide on the MAP applications of Ukraine and Georgia."

Wenn Sie das nochmal unverpeilt lesen, erfahren Sie schon in Satz 2, dass die Nato mitteilte, dass "vereinbart (wurde), dass diese Länder Mitglieder der NATO werden". Dazu gab es einen Membership Action Plan (MAP), der den Ländern erklärte, welche Schritte sie zur Mitgliedschaft führen. Das ist alles andere als ein "Versprechen", dass sie irgendwann, vielleicht, möglicherweise mal in die NATO aufgenommen werden., wie Sie herauszudeuten versuchen. Das ist tatsächlich eine Zusage, wie sie Hofbauer erwähnte, wenn auch ohne genauen Terminplan, aber nicht minder für die nächste Zukunft und mit der Zusage, schon im Dezember 2008 über die Fortschritte der beiden Kandidaten zu befinden, und wurde nicht zu Unrecht als solche von Georgien und der Ukraine verstanden. Was u.a. Saakaschwili draus machte, das zumindest wurde in Bukarest tatsächlich nicht vorgeschrieben. Dass "die meisten westeuropäischen Staaten, darunter Deutschland und Frankreich", das Vorhaben zu dem Zeitpunkt ablehnten, wie u.a. der Stern am 1.4.08 über "Die Nato in Moskaus Vorgarten" berichtete, führte nicht dazu, dass die Nato der Ukraine und Georgien zwei Tage später zusagte, dass sie aufgenommen werden.

Ich schöre, dass ist meine einzige Antwort, die Sie, verpeilt wie Sie sind, bekommen.

Aussie42 05.05.2016 | 00:18

Lieber Hans,

ich denke Du siehst Gespenster der Vergangenheit, wo es nur dummes Journalisten-Geschwafel gibt. Klar, die verkaufen wieder Russophobie. Dafuer gibt's in D immer dankbare Abnehmer.

In der Realpolitik ist die Sache ganz anders. Da ist Russland laengst Partner. Die Befriedung von Syrien waere ohne die aktive Beteiligung Russlands nicht moeglich gewesen. Steinmeier, Kerry etc. wissen das natuerlich, sagen aber nichts davon, weils u.a die Schwaeche der USA weltoeffentlich machen wuerde.

Nee, es ist eher ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland moeglich. Vermutlich noch in diesem Jahr. Und in der Ukraine backt der Westen derzeit sehr kleine Broetchen. Und die Aufruestung der paranoiden Osteuropaer ist eher symbolisch.

Man darf sich von den deutschen Medien nicht irritieren lassen.

verpeiler 05.05.2016 | 01:36

Ach Springstein, abgelehnt ist abgelehnt. Lassen Sie es sich von einem "Verpeiler" sagen: kurz- bis mittelfristig werden weder die Ukraine noch Georgien in die NATO aufgenommen. 2008 war ein Rausschmiss wenn auch höflich formuliert.

Die russische Führung prügelt im Moment auf die Ukraine ein um mit den USA auf "Augenhöhe" zu kommen.

Es ist mir ehrlich ein Rätsel, wie jemand der sich als politisch innerhalb des linken Spektrums verordnet, Das verteidigen oder auch noch gut finden kann. Es ist schlichtweg erbärmlich.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2016 | 07:56

Ich sehe das wie der Aussie,

einfach mal auftippen lassen. Es ist ja gerade das Schöne an diesem neuen Cold-War-Scenario;

dass die Russen gelernt haben, sich nicht über Gebühr provozieren, gar instrumentalisieren, nach weissem Sand schicken lassen,

dass die Großmedien hierzulande -wenngleich nun etwas bunter- genau zu dem verkommen, was uns bis 1989 als gleichgeschaltete Ostpropaganda vorgeführt wurde.

Dann also, am 8. Mai in Treptow ...

Hans Springstein 05.05.2016 | 12:33

Lieber Aussie,

das klingt plausibel und könnte stimmen. Aber dennoch ist nicht entschieden, wer zum Beispiel in der US-Politik das Heft in der Hand behält, die Realisten, zu denen Präsident Obama gehören könnte oder jene kriegstreibenden und stärker mit dem Militärisch-Industriellen Komplex verbundenen Neocons egal welcher Partei, zu denen auch Hillary Clinton zählt. Da wird allem Anschein nach öfter mal gegeneinander gearbeitet, nicht von außen, sondern von innen.

Das alles macht aber das mediale und politische Aufrüsten nicht besser, auch nicht das neue Pflegen des alten Feindbildes. Letzteres kommt Untersuchungen zufolge hierzulande gar bei gebildeteren Schichten besser an als bei jenen, die keine höheren Bildungsabschlüsse und sich ihren Alltagsverstand und -instinkt bewahrt haben. Das habe ich selbst schon in meinem Umfeld bemerkt.

Aus meiner Sicht bleibt der Ausgang des Konfliktes offen. Wir sollten ihn nicht schöner reden als er ist, aber auch nicht schwärzer und bedrohlicher als er ist. Die beteiligten kräfte denken nicht in Wahlperioden. Aus meiner Sicht bleibt er gefährlich, so dass ich Warnungen davor für berechtigt halte. Aber auch kritische und zweifelnde Sichten.

Stine 05.05.2016 | 13:38

Es ist nicht nur die geringe Wertschätzung der Russen bis hin zur offenen Diffamierung sondern auch das Verschweigen und Verfälschen historischer Tatsachen. Umfragen haben ergeben, dass in westeuropäischen Ländern und den USA die entscheidende Rolle der Sowjetunion beim Sieg gegen Hitlerdeutschland unter den Tisch gekehrt wird und stattdessen die USA diesen Platz erhalten.

http://de.sputniknews.com/panorama/20160505/309633058/rolle-ud-ssr-sieg-nazismus.html

Unabhängig von irgendwelchen lange zurückliegenden Vorurteilen und Klischees, die es auch gegen andere Völker gibt, geschieht die Meinungsbildung gegen Russland und vorher Sowjetunion ganz systematisch und aus einer bestimmten Perspektive.

z.B. so:

http://www.dekoder.org/de

Magda 05.05.2016 | 14:32

Ich habe - bei den Nachdenkseiten (gaaaanz unverdächtig) - einen Beitrag gefunden Zum Ukraine Konflikt. Geschrieben hat ihn: Peter Becker, Rechtsanwalt und Co-Präsident der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Und der enthält - was den NATO-Eintritt der Ukraine betrifft, auch eine interessante Aussage:

Im Januar 2008 löste Jazenjuk eine politische Krise aus, als er gemeinsam mit Staatspräsident Juschtschenko und Ministerpräsidentin Tymoschenko einen Brief an die NATO unterschrieb, in dem um die Aufnahme der Ukraine auf dem anstehenden NATO-Gipfel in Bukarest gebeten wurde. Angela Merkel verhinderte auf diesem Gipfel in letzter Minute einen Beschluss über den Beitritt der Ukraine zur NATO.

Fand ich sehr interessant. Die Nachdenkseiten haben das offensichtlich nicht bemerkt, sonst wäre der Beitrag vielleicht nicht erschienen.

Der Hinweis auf Brzezinski ist mittlerweile so ausgelutscht, dass ich ihn eigentlich nicht mehr hören kann. Der Mann hat seitdem seine Ansichten bezüglich Russland mehrfach revidiert

Genau, aber das interessiert nicht, wenn man Feindbilder pflegen will.

Man soll denken, die "Mächtigen in den USA" sitzen mit aufgeschlagenem Brzezinski und ziehen durch, was da - per Rezept - aufgeschrieben steht.

Jenseits von Putindämonisierung und jenseits von "Philoputinismus" gibt es noch viele , viele Aspekte, die zu bedenken wären.

Hans Springstein 05.05.2016 | 15:03

Da habe ich mich doch vertippt. So muss es richtig heißen: ... führte nicht dazu, dass die Nato nicht der Ukraine und Georgien zwei Tage später zusagte, dass sie aufgenommen werden. Das ist natürlich ein wichtiger Unterschied.

Das was nachlesbar ist auf der Nato-Website hat auch die Merkel nicht verhindert. Aber das muss nicht zur Kenntnis genommen werden was da steht bei der Legendenpflege vom vermeintlich tapferen deutschen Widerstand im Hintergrund. Diese Legende ist echt interessant, auch wie sie sich hält. Sie ist auch nützlich und wirkt ein bisschen wie das Spiel Böser Cop - Guter Cop.

Dass Georgien 2008 mit dem Überfall auf Südossetien und Abchasien und die Ukraine spätestens seit 2014 sich da selbst in ihrem Überschwang dank des westlichen Rückenwindes einiges vermasselt haben, das gehört natürlich zu der Geschichte. Aber das hat ja bestimmt der Putin eingefädelt, unterstützt von der Merkel, weil die sich eigentlich total gut verstehen und ihr anders wirkendes Verhältnis auf der Bühne nur vorspielen, damit die US-Amerikaner und solche wie ich nichts merken. Die kriegen das eben auch nicht mit, weil Putin und Merkel sich ganz undigital austauschen und da kann die NSA nicht mithören. Ich hab mal einen Schlapphut erklären hören, dass zunehmend auf nichtdigitalen Austausch zurückgegriffen wird, um der digitalen Überwachung zu entgehen. Und Putin hat gekriegt, was er wollte, keine Nato in der Ukraine und Georgien, dank Merkel. Allerdings übt die gerade ziemlich nahe vor St. Petersburg, hm, blöd, das auch noch samt Bundeswehr. Die Nato braucht also Ukraine und Georgien gar nicht, was schon Helmut Schmidt sagte, bevor er starb. Hm, aber sicher hat Merkel die Bundeswehr nur mitmachen lassen an der russischen grenze, um die "Abschreckung" zu sabotieren, weil die deutschen Waffen ja nichts taugen, wie sich mehrfach zeigte. Und da hat sie dem Putin gesagt, dass der sich keine Sorgen machen muss, weil sie verhindert, dass die Budneswehr mit funktionsfähigen Waffen an der russischen Grenze auftaucht.

Es kann nur so sein.

Hans Springstein 05.05.2016 | 15:14

An dieser Stelle muss ich mal loswerden, was ich dachte und denke, als ich nach einiger beruflich bedingter digitaler Abwesenheit auf dieser Plattform erst vor ein paar Tagen bemerkte, dass sich weitere Blogger bzw. Autoren zurückgezogen, abgemeldet, oder was auch immer haben, vieleicht auch rausgeschmissen wurden. Ich hoffe, dass es sie im realen Leben noch gibt. Auch die Gründe für manchen Rückzug, soweit ich sie gelesen habe, kann ich nur bedauern, manche auch gut verstehen.

Ich bedaure auch ehrlich, dass zu viele derjenigen zurückbleiben auf dieser Plattform, von denen ich gar nichts lesen will, die sich aber immer von allein melden per Kommentar, ganz ungefragt und auch ehrlich unerwünscht, die sich wie Blogwarte aufführen, wie Hüter der wahren Sicht, die hinter allem, was sie nicht verstehen die Querfront sehen, usw. Die können und sollen auf dieser Plattform ruhig schreiben und äußern was sie wollen, in eigenen Texten. Das interessiert mich gar nicht und ist sowieso ihr gutes Recht. Aber ich finde sie weiterhin nervend und störend, wenn sie sich ungefragt unter meinen Texten zu Wort melden. Das wird mich aber nicht dazu bringen, gar die Kommentarfunktion auszublenden. das wäre schade wegen jener, deren Bemerkungen mir etwas bringen, auch wenn sie kritisieren, mich auf andere Fakten hinweisen usw.

Zum Glück ist das hier für mich immer noch keine "Community", keine "Gemeinschaft", sondern eben eine dankenswerter Weise zur Verfügung gestellte Plattform zum Veröffentlichen von Texten. Meistens gelingt es mir auch, das so und nicht anders zu sehen. Nur manchmal nehme auch ich es zu ernst, ehrlich gesagt.

Hans Springstein 05.05.2016 | 15:46

Und nochmal zum Nachlesen die Nato-Deklaration von Bukarest auf deutsch, zu finden auf der Website der ständigen bundesdeutschen Vertretung in der Nato:

"...
23. Die NATO begrüßt die euro-atlantischen Bestrebungen der Ukraine und Georgiens, die dem Bündnis beitreten wollen. Wir kamen heute überein, dass diese Länder NATO-Mitglieder werden. Beide Staaten haben wertvolle Beiträge zu Bündnisoperationen geleistet. Wir begrüßen die demokratischen Reformen in der Ukraine und in Georgien und hoffen auf freie und faire Parlamentswahlen in Georgien im Mai. MAP‑Status ist für die Ukraine und Georgien der nächste Schritt auf ihrem direkten Weg zur Mitgliedschaft. Heute machen wir deutlich, dass wir die MAP-Anträge dieser Länder unterstützen. Daher werden wir jetzt mit beiden in eine Phase intensiven Engagements auf hoher politischer Ebene eintreten, um die noch offenen Fragen im Zusammenhang mit ihren MAP-Anträgen zu lösen. Wir haben die Außenminister gebeten, auf ihrer Tagung im Dezember 2008 eine erste Bewertung der Fortschritte vorzunehmen. Die Außenminister sind befugt, über die MAP-Anträge der Ukraine und Georgiens zu entscheiden. ..."

So schön kann also klingen, wenn angeblich einer an der Tür sagt: "Du kommst hier nicht rein!"

Was dieses vermeintliche Nein an Georgien und die Ukraine vor allem aus Paris und Berlin, sicher nicht allein von Merkel, wenn überhaupt von ihr, sondern eher von besonnen Außenpolitikern im französischen und budnesdeutschen Apparat aufgrund der Sorge um das Verhältnis zu Russland, tatsächlich bedeutete, zeigt nicht nur, dass die Nato heute direkt an der russischen Grenze übt, wie im Baltikum, sondern auch was im April 2008 u.a. auf der Website des Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) veröffentlicht wurde: "... Dabei sind die Ukraine und Georgien bereits stark in die Arbeitprozesse der NATO integriert. Beide Länder sind seit der Geburtsstunde im Jahr 1994 Teil des „Partnership for Peace“ Programms des Nordatlantischen Bündnisses, welches die Zusammenarbeit zwischen NATO und Nicht-NATO Staaten auf individueller Ebene fördern soll. Die Kooperation wurde in der Folge weiter ausgebaut. So verabschiedete man während des Gipfels in Madrid im Jahr 1997 den „NATO-Ukraine Action Plan“. Dessen generelle Zielsetzung umfasst die Identifizierung der strategischen Prioritäten des Landes, um eine vollständige Integration in das euro-atlantische Bündnis herbeizuführen. Auch Georgien vereinbarte mit der NATO im Jahr 2004 einen „Individual Partnership Action Plan“ (IPAP). Beide Länder sehen in ihren bilateralen Kooperationsvereinbarungen mit der NATO eine Annäherung an das Verteidigungsbündnis durch tief greifende Reformen innerhalb des eigenen Landes. ...
Der Fortschritt der Integration in die NATO-Verteidigungsstrukturen relativiert die während des Bukarest-Gipfels aufgekommene Frage des weiteren Vorgehens der Ukraine und Georgiens nach dem vorläufigen „Nein“ zur Aufnahme in den Membership Action Plan. Ihr Weg wird sie zwangsläufig in die NATO führen. ..."Da ist auch zu lesen: "... Zwar wird in der Schlusserklärung des Gipfeltreffens beiden Staaten zugesagt, dass die Tür zur NATO für sie weiterhin offen bleibe. Doch diese Option bestand bereits vor dem Gipfel. Was fehlt sind feste Zusagen anstatt offener Türen. Hierbei wird die zukünftige Haltung Russlands eine entscheidende Rolle spielen. ... Zudem sind die Bündnispartner Russland in ihren Zugeständnissen entgegengekommen, um die Option auf eine Verbesserung des Verhältnisses zu Moskau unter Putins Nachfolger Dmitry Medvedev offen zu halten. ..."
Russland ist heute sicher in einer anderen Position als noch 2008, als Putin in Bukarest sogar kurz für einen Tag dabei sein durfte und warnen konnte. Dass sich immer wieder auch vernünftigere Positionen in der westlichen Politik durchsetzen, zum Glück, ist sicher kein Verdienst einer einzelnen Bundeskanzlerin, wie auch immer sie heißt, sondern dank vieler in dem Apparat, die noch nicht ganz ungehört auf Zusammenhänge, Risiken und langfristige Perspektiven aufmerksam machen, samt wirtschaftlicher Interessen. Dass es solche Leute im politischen Apparat der Bundesrepublik gibt ist mir wohlbekannt. Einer von ihnen, allerdings nicht mehr im aktiven Dienst, Botschafter a.D. Frank Elbe hat in Cicero 5/2016 aufgefordert, die Spaltung zwischen Europa und Russland zu überwinden: "Wir Europäer haben ein großes Interesse daran, mit Russland zu kooperieren." Da ist sehr viel Interessantes und sehr viel deutliche fundierte Kritik an der derzeit herrschenden westlichen Politik zu lesen.

Ich werde daraus in Kürze etwas mehr zitieren.

Hans Springstein 05.05.2016 | 17:03

Ach ja, leider ist mir eben erst richtig aufgefallen, wie unsinnig und am Thema vorbei die nervenden Kommentare einiger hier sind: Niemand hat an irgendeiner Stelle gesagt oder geschrieben, dass die Nato 2008 Georgien und die Ukraine aufgenommen habe. Hofbauer nicht, ich nicht, niemand. Es wurde nur sachgerecht darauf hingewiesen, dass wie bei der Nato nachzulesen ist den beiden Ländern die Aufnahme zugesagt wurde. Und dass das zu einem der Brüche im westlich-russischen Verhältnis der letzten jahre führte. Daran ist nichts falsch und alles tatsachengerecht.

Schade, dass es immer noch solch dümmliche Reaktionen wie des Verpeilten, der Magda Merkel u.a. gibt, anscheinend darauf aus, zu nerven, zu stören, zu provozieren. Manchmal gelingt es ihnen sogar. Naja.

pleifel 05.05.2016 | 18:00

"Fand ich sehr interessant. Die Nachdenkseiten haben das offensichtlich nicht bemerkt, sonst wäre der Beitrag vielleicht nicht erschienen."

Interessante Einschätzung der Nachdenkseiten, zumal das mehr als bloße Nachlässigkeit voraussetzen würde.

(...) "gibt es noch viele, viele Aspekte, die zu bedenken wären."
Da kann man schon recht mutlos werden, was es beim Denken alles zu bedenken gibt. Ich jedenfalls finde das bedenklich.

mymind 05.05.2016 | 18:29

Na ja _ ob bzgl. Syrien bereits von Befriedung geschrieben werden kann, ist MM nach zu optimistisch gedacht. Es gibt zu viele unberechenbare Beteiligte, die diesen Krieg von Anfang an forcierten & weiterhin dranbleiben.

Und die Aufruestung der paranoiden Osteuropaer ist eher symbolisch.

Das mag ja sein. Dennoch dienen die Maßnahmen im europäischen Westen wie Osten zur Beeinflussung der Bürger. Die Russophoben werden in ihren paranoiden Ängsten vor den Russen & ihrem Rassismus bestärkt, der vorwiegende Rest vom Schützenfest fühlt sich tatsächlich bedrohter durch die RF als durch ihren BigBrother. Daran ändern auch Ereignisse wie in London, Madrid, Paris & Brüssel nichts, der der Kontext nicht öffentlichkeitswirksam herausgestellt wird…

Worum es allerdings in Hofbauers Buch als auch in diesem Beitrag von Springstein geht, ist das Prinzip Feindbild, das insbesondere verschiedene europäische Mächte & spätestens nach WK II auch die neue Supermacht USA bzgl. Russland aufbauten & aktuell zu perfektionieren versuchen. Das ist in vielerlei Hinsicht interessant zu betrachten, auch die Zustimmung vieler Linker in diesem Szenario_ als auch jener, die sich so bezeichnen.

Man darf sich von den deutschen Medien nicht irritieren lassen.

Was aber, wenn die Irritation in der Bevölkerung gesteuert wird?

Magda 05.05.2016 | 18:40

So schön kann also klingen, wenn angeblich einer an der Tür sagt: "Du kommst hier nicht rein!"

Beide Staaten sind ja auch noch immer nicht der der NATO. Je schöner das klingt, umso geringer ist die Bereitschaft. Man müsste jetzt mal gucken, wie blumig die einstigen Wortlaute zum gewünschten Eintritt der Türkei in die EU gewählt waren. Heute werden sie nüchterner sein und die Wahrscheinlichkeit des Eintritts .... größer.

Wir merken uns: Je blumiger umso eigentlich ablehnender.

.

Dass sich immer wieder auch vernünftigere Positionen in der westlichen Politik durchsetzen, zum Glück, ist sicher kein Verdienst einer einzelnen Bundeskanzlerin, wie auch immer sie heißt,

Ich habe aus einen Beitrag zitiert, den ein kritisches Nachrichtenportal veröffentlicht hat. Und fand das sehr interessant. Dass es Merkels Verdienst allein war, habe ich nicht gschrieben.

Botschafter a.D. Frank Elbe hat in Cicero 5/2016 aufgefordert, die Spaltung zwischen Europa und Russland zu überwinden: "Wir Europäer haben ein großes Interesse daran, mit Russland zu kooperieren." Da ist sehr viel Interessantes und sehr viel deutliche fundierte Kritik an der derzeit herrschenden westlichen Politik zu lesen.

Dass die Europäer ein großes Interessse haben, mit Russland zu kommunizieren- das sagen sowohl Regierung als auch Opposition und sie haben ja recht. Achten Sie mal drauf.

Das ist das eine:

Was mir aber immer wieder auffällt, lieber Hans Springstein, dass Sie eine andere Sichtweise oder auch nur das Anführen von Argumenten überhaupt nicht vertragen.

Noch nie. Sie werden sofort ausfällig.

Magda 05.05.2016 | 18:45

In der Realpolitik ist die Sache ganz anders. Da ist Russland laengst Partner. Die Befriedung von Syrien waere ohne die aktive Beteiligung Russlands nicht moeglich gewesen. Steinmeier, Kerry etc. wissen das natuerlich, sagen aber nichts davon, weils u.a die Schwaeche der USA weltoeffentlich machen wuerde.

Das stimmt auf jeden Fall: Die wirklichen "Einpeitscher" sind die Medien. In der Politik siehts in der Tat anders aus.

Hans Springstein 05.05.2016 | 19:05

Mit Verlaub, Sie merke(l)n tatsächlich nichts.

Ich bitte Sie ganz höflich, mich nicht auch noch direkt anzuschreiben. Ich schreibe Ihnen das mal ganz deutlich auf: Ich will von Ihnen nichts wissen, nichts erklärt bekommen und nichts lesen! Schreiben Sie Ihre Texte auf dieser Plattform, lassen Sie sich dort aus, die ignoriere ich und lasse sie jene lesen, die das wollen. So einfach ist das. Ich bitte Sie höflich, das zu berücksichtigen.

mymind 05.05.2016 | 19:13

Und Minsk II ist - trotz allem - auch unter ihrer Mitwirkung enstanden.

Ja, sie war dabei. &????

Merkels Einfluss an die Kiev-Combo ist marginal. Wer auf die Idee kommt, einen bescheuerten Boxer zu protegieren, verdient auch nicht mehr. Es waren wohl die atomaren Signalwirkungen seitens der RF, die Merkel & Hollande ins Benehmen setzen & ihre Hintern schleunigst nach Minsk flogen.

Eines sollte nicht unberücksichtigt bleiben: Diese absolut hirnrissige EU-Politik, hinter der sich Merkel gern versteckt, aber die sie maßgeblich zeichnet, hat nicht zuletzt zu dem Desaster in der Ukraine geführt!

Hans Springstein 05.05.2016 | 19:39

Ein Letztes an Sie: Wenn Sie meine Bemerkungen zu Ihren Worten, ob nun direkt oder indirekt, als "sofort ausfällig" klassifizieren, dabei all meine geduldigen Hinweise auf Fakten und Tatsachen ignorierend, dann zeigt das, welche wahrscheinlich selbstgewählte Rolle Sie auf dieser Plattform spielen oder spielen wollen, die der Aufpasserin, Aufseherin, der "Kommissarin", wie ein anderer Autor Sie nannte.

Wie ich schon mal an anderer Stelle schrieb: Ihnen vertraue ich nicht mehr. Ihnen traue ich höchstens alles zu, ob das berechtigt oder unberechtigt ist.

Ob Sie in der Lage sind, meinem höflichen Wunsch, mich mit Ihren Kommentaren zu verschonen, Folge zu leisten, wird sich zeigen und wieder Einiges über Sie aussagen.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2016 | 19:40

Diese Gedanken von Hauke Ritz klingen irgendwie fast beruhigend, weil sie eine mögliche Erklärung liefern könnten. Interessant sind sie allemal.

Wie soll man dieses Trommelfeuer aus Anschuldigen verstehen? Der Eindruck drängt sich auf, dass Teile der westlichen Elite aktuell von einer Art Panik erfasst sind, wenn es um Russland geht. Jede Gelegenheit wird zur Negativdarstellung genutzt. Doch warum berichten unsere Medien so überzogen? Warum lassen sie jegliche Souveränität und Ruhe vermissen, wenn es um Russland geht? So handelt doch niemand, der sich in einer starken Position befindet, der sich sozusagen auf der Gewinnerseite weiß? Übertriebene Angriffe sind nicht ein Zeichen der Stärke, sondern der Schwäche.

Das fragt Hauke Ritz in einem Gastbeitrag bei RT und versucht auch eine eigene Antwort darauf zu geben.

Die Schwäche des Westens, die in dieser Berichterstattung zum Ausdruck kommt, ist nicht wirtschaftlicher oder militärischer Natur. Wirtschaftlich ist die Europäische Union Russland bei Weitem überlegen. Und auch militärisch stellt Russland für die EU keine Bedrohung dar. Nicht weil das russische Militär an sich schwach wäre, sondern weil es defensiv strukturiert ist. Das russische Militär ist stark in der Verteidigung, wohingegen es für große expansive Operationen nach Mitteleuropa nicht ausgelegt ist. Doch warum dann die Hysterie in der deutschen Presse? Die Antwort lautet: Wegen der ideologischen Schwäche des heutigen Westens. Von Jahr zu Jahr wird immer deutlicher, dass sich die heutige westliche Welt in einer tiefgreifenden geistigen und kulturellen Krise befindet. Die Ausstrahlungskraft des westlichen Systems ist im Abnehmen begriffen. Seine Versprechen tragen nicht mehr und seine Überzeugungen werden zunehmend hinterfragt. Man könnte auch sagen, der Westen ist mit einer Krise seiner Ideologie konfrontiert.

Diese ideologische Krise des Westens hat viele Ursachen, die hier nicht alle behandelt werden können. Doch der wichtigste Grund besteht darin, dass die westliche Welt ein falsches Bild von sich selbst und damit auch eine falsche Vorstellung von ihren Beziehungen zu anderen Kulturen entwickelt hat. Diese Fehlentwicklung kam zustande, weil die USA und ihre Verbündeten in den 1990er Jahren die Entwicklung einer außenpolitischen Strategie für die Zeit nach 1989 lediglich einer sehr kleinen Gruppe von Menschen anvertraut hatten.

Es handelte sich hauptsächlich um in sogenannten Think Tanks oder auch Denkfabriken beschäftigte Akademiker, die größtenteils einen ähnlichen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergrund hatten. Die meisten von ihnen hatten bereits während des Kalten Krieges ihre Karriere begonnen und deshalb die westlichen Positionen in der Systemauseinandersetzung tief verinnerlicht. Da es sich bei ihnen in der Mehrzahl um Akademiker und nicht um Intellektuelle handelte, legten sie sich keine grundsätzliche Rechenschaft über die Grundkategorien ihres Denkens ab.

Der Intellekt war für sie hauptsächlich ein Werkzeug zum eigenen beruflichen Fortkommen.

Humanistische Bildung spielte fast keine Rolle, ja sie wurde von dieser Gruppe im Großen und Ganzen als ein Relikt der Vergangenheit angesehen. Wahr war in ihren Augen lediglich das, was funktionierte und Einfluss und Macht vergrößerte. Von dieser Geisteshaltung geleitet verlängerten sie einfach die ideologische Selbstbeschreibung des Westens während des Kalten Krieges in die Zukunft.

Die westliche Außenpolitik der letzen 15 Jahre ist eine Aneinanderreihung von Fehlschlägen. Sie hat sich auf der Weltbühne blamiert und dem Image des Westens in der Welt großen Schaden zugefügt. Dies hat zu einer ideologischen Krise im Westen geführt. Zurzeit kann diese ideologische Krise aber noch nicht eingestanden werden. Und so rüstet man rhetorisch gegenüber dem geopolitischen Konkurrenten auf, macht ihn für die eigenen Misserfolge verantwortlich, um so von eigenen Fehlern abzulenken.

" Am Ausgangspunkt dieses neuen Kalten Krieges, den wir heute erleben, steht somit eine – vorsichtig ausgedrückt – nicht sehr realistische Grundidee: nämlich die, dass es möglich wäre, die gesamte Welt mit ihren vielen, oft Jahrtausende alten Kulturen zu verwestlichen. Diese Vorstellung ist eigentlich zu unrealistisch, um zum Ausgangspunkt einer groß angelegten außenpolitischen Strategie zu werden. Und doch ist in den vergangenen 25 Jahren genau das passiert."

Krysztof Daletski 05.05.2016 | 21:49

Wie gerne würde ich Ihren Optimismus teilen, sehe aber wenige Anzeichen dafür. Klar kann man sagen "Die da oben werden schon wissen, was sie tun und beschimpfen sich in der Öffentlichkeit, aber sind sonst pragmatisch und streben keinen Endsieg an, sondern einen Modus vivendi". Aber da muss man so viel orakeln, um die Entwicklungen so positiv zu sehen, dass es schon fast wie eine (positive) Verschwörungstheorie wirkt.

Klar, die verkaufen wieder Russophobie. Man darf sich von den deutschen Medien nicht irritieren lassen.

Zwei Gründe, warum mich die deutschen Medien trotzdem beunruhigen: a) Die letzten Male, als sie "Russophobie verkauften" blieb es nicht bei gehässigen Worten ('14 und '39 sind klar, aber auch in den 80er Jahren sind wir nur knapp am Atomkrieg vorbeigeschlittert). b) Die Leitmedien bewegen sich innerhalb des Elitenkonsenses und können somit als Indikator für das dort zulässige Meinungsspektrum dienen.

Es ist eher ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland moeglich.

Wieso? Als die Brücken zum Abbau der Sanktionen vergoldet waren (direkt nach Minsk II), hat die EU auch auf Drängen von Merkel die Sanktionen verschärft, was einen starken Willen zur Eskalation belegt, der sich nicht von den Entspannungsbemühungen der Gegenseite beirren lässt.

Und die Aufruestung der paranoiden Osteuropaer ist eher symbolisch.

Die Paranoia der Osteuropäer wird von NATO-Verteretern gezielt gefördert: wie oft haben wir schon gehört "Wir müssen den Balten und Polen beistehen" und "Das Baltikum ist nicht zu verteidigen" (Herbeireden einer nicht vorhandenen Bedrohung)? Die plausibelste -und am stärksten zu ihren Gunsten unterstellende- Absicht der Spitzenpolitikerinnen diesseits und jenseits des Atlantiks ist, dass sie mit ihrer "Speerspitze" und der Erhöhung der Rüstungetats keinen heißen Krieg anstreben, sondern eine Rüstungswettlauf befeuern möchten, der in Kombination mit dem laufenden Wirtschaftskrieg gegen Russland (Sanktionen, Ölpreisverfall, Blockade der Finanzmärkte) zum wirtschaftlichen Zusammenbruch wie einst bei der UDSSR führen wird.

Stine 05.05.2016 | 22:14

Heute gilt Putin für viele, die sich hierzulande für links halten, nicht minder als das personifizierte Böse und Übel nicht nur Russlands.

Der emotional negativ behaftete Begriff Sowjetimperialismus war früher beim KB gängig. Die Nachfolger dieser Gruppe haben den Inhalt relativ pauschal auf Putin und Russland übertragen. So triggert und schlafwandelt man sich durch die Geschichte ohne solche Bedeutungen mit dem Verstand zu hinterfragen und aktuelle Ereignisse und ihren Kontext zu analysieren..

Wenn dann noch Flashbacks auf real früher erlebte oder in der Familie überkommene traumatische Ereignisse folgen, ist die Obsession besonders groß und die Bereitschaft aggressiv gegen Russland vorzugehen steigt.

Stine 05.05.2016 | 22:22

Danke, das war ein wichtiger Beitrag. Über die französische Beteiligung hatte ich mal gelesen. Mir gefiel auch, dass Hollande Putin und die sowjetischen Veteranen eingeladen hatte.

Dieses Jahr wird das französische Paar auf Einladung von Putin an der Feier des 9. Mai in Moskau teilnehmen, das der Ehefrau des russischen vor Palmyra gefallenen Soldaten Prochanov ihre französischen Orden geschenkt hat. Eine große Geste.

mymind 05.05.2016 | 22:30

Meinst Du dieses Gespräch?

Hauke Ritz gehört zu den wenigen & gerade deswegen umso wichtigeren Köpfen, die eine klare Meinung & Einschätzung über die Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre haben.

Am Ausgangspunkt dieses neuen Kalten Krieges, den wir heute erleben, steht somit eine – vorsichtig ausgedrückt – nicht sehr realistische Grundidee: nämlich die, dass es möglich wäre, die gesamte Welt mit ihren vielen, oft Jahrtausende alten Kulturen zu verwestlichen..

Es geht dabei auch immer um Dominanz & nicht zuletzt um Absatzmärkte westlicher Produkte. .

mymind 05.05.2016 | 22:57

Zum 70-jährigen Gedenktag 2015 wollte oder traute sich kein EU-MP|Präsi nach Moskau zu reisen. Merkel hätte auch gekniffen, wenn die deutsche Geschichte eine andere gewesen wäre. Dafür revanchierte sie sich bei der anschließenden Pressekonferenz mit einem bodenlosen Statement, das im Grunde viel aussagt über Merkels Anerkennung des sowjetischen | russischen Kampf gegen das faschistische Deutschland als auch über ihre Empathie über das unsägliche Leid, dass Deutsche in Russland verursacht haben.

Ist es dann ein Wunder, dass so viele Bürger gar nicht wissen & | oder auch nicht wissen wollen, welchen Anteil die Rote Armee an der Niederschlagung des deutsch Faschismus hatte?

Stine 06.05.2016 | 00:04

Ich bin gespannt, welche ausländischen Gäste nächste Woche am Gedenktag in Moskau teilnehmen werden.

Was die Rote Armee betrifft, denke ich die deutschen Soldaten, Gefangenen usw. haben Schweres mitgemacht. Allerdings betrifft das auch die Gefangenschaften in anderen Ländern. Die Ostdeutschen sind laut Umfrage recht gut informiert über den 2.WK. Im Westen haben in der Nachkriegszeit die uSA sich von der besten Seite gezeigt und eine sachlich objelktive ghistorische Aufarbeitung allein schon durch den Antikommunismus abgeblockt und nach der Wiedervereinigung hat sich dieses bewährte Vorgehen der westlichen sog. Elite wiederholt. DDR Historiker verloren, soweit mir bekannt ist, meistens ihre Arbeitsplätze.

mymind 06.05.2016 | 00:24

Seitens der EU wird dort keiner anwesend sein. Auch nicht aus USA. Emir Kusturica erzählte mal, dass dort die meisten ohnehin glauben, dass der Soldat J. Ryan & seine Kumpels den deutschen Faschismus besiegt haben….

In diese Tendenz geht es hier inzwischen auch. Die ostdeutschen EU-Länder _ aber nicht jur die _ bieten diesbezüglich ein Zerrbild, das erschreckend & beschämend ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass der Faschismus an sich relativiert wird. Es ist alles auf dem besten Weg in diese Schiene. Das Zitat von Ignazio Silone _ Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus _ bewahrheitet sich…

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Hans Springstein 06.05.2016 | 12:32

Jetzt hat doch diese Person, die sich hier Magda nennt, tatsächlich meinen Kommentar mit meiner Vermutung, welche Rolle sie hier spielt oder spielen will, an die Community-Moderation gemeldet.

So läuft das hier. Dabei weiß diese Person nicht einmal, was eine Verleumdung ist. Das überrascht mich nicht, dass sie nicht weiß, wovon sie schreibt.

Da es hier keine Ignorierungs-Funktion gibt, werde ich ab sofort jeden Kommentar von ihr unter meinen Texten wegklappen. Angemeldete können diese ja bei Interesse trotzdem lesen.

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Aussie42 06.05.2016 | 13:06

Nur ein paar kurze Anmerkungen:

Es gibt zu viele unberechenbare Beteiligte, die diesen Krieg von Anfang an forcierten & weiterhin dranbleiben.

Wenn man sich die syrische Karte ansieht, wird klar dass "die Rebellen" nur noch geringe Gebiete im Westen "halten" koennen und meist nur mit Hilfe von von Djihad-Milizen wie Al-Nusra etc. So wars ja auch in Aleppo. Da mussten die guten Milizen sich von den boesen trennen und schon konnten sie sich nur noch durch den Waffenstillstand halten.
Im Grunde wird jetzt in Syrien nur noch militaerisch "aufgeraeumt". Die weiterhin bekaempften Islamisten verlieren ihre Rebellen-Tarnung und sind nur noch "Feind" Und dieser Feind ist militaerisch aeusserst schwach. Das sieht man u.a. an den Erfolgen der Kurden gegen den IS.

Die Russophoben werden in ihren paranoiden Ängsten vor den Russen & ihrem Rassismus bestärkt,

Na klar. Das macht Auflagen in Deutschland. Medienpolitisch wird sich das dennoch in wenigen Monaten aendern. Russland weiss das. Die Bei Springer auch. Die muessen demnaechst die schaerfsten Kurve kriegen.
Und die "Supermacht USA" ist erkennbar auf dem Weg zur Isolation. Damit geht auch der "Linken" der wichtigste Feind verloren. Auch da ist umschwenken angesagt...

Aussie42 06.05.2016 | 13:28

@MyMind hatte ganz aehnliche Einwaende wie Sie. Ich habe darauf eben geantwortet.
Zwei zusaetzliche Berkingen

Parallelen zu '14 und '39 passen nicht, weil die Grossmaechte von damals heute bestenfalls Mittelmaechte sind, die allesamt von den USA abhaengig sind, und die USA machen sich gerade "vom Acker" (Isolationismus).

Uebrigens, dass wir in den 80er Jahren sind wir nur knapp am Atomkrieg vorbeigeschlittert sind, trifft nicht zu.
Die flapsige Bemerkung Reagans war nur das.
Der Atomkrieg waere mehrfach in den 50er Jahren moeglich gewesen, vor allem wegen unzureichender Informationen. Technisch waren aber beide Seiten nicht in der Lage, den Gegner aschnell und vollstaendig zu vernichten. Beides aenderte sich erst Mitte der 60er Jahre. Danach gabs keine wirklich gefaehrliche nukleare Situation mehr.

Die Medien dienen heute dazu, die Bevoelkerung moeglichst ruhig zu halten. Mehr nicht.

Dieter Lange 06.05.2016 | 14:52

Ich habe die bisherige Diskussion mit Interesse verfolgt. Mir fiel allerdings auf, dass das Thema der wirtschaftlichen Entwicklung in Rußland bis auf die EU-Sanktionen kaum einen breiteren Raum einnahm. Mich beschäftigt vor allem die Frage, inwieweit Putin Rußland aus der m.E. recht einseitigen und auch sehr instabilen (sinkende Rohstoffpreise) Rolle als Rohstofflieferant herausführen und den Sektor der verarbeitenden Industrie incl. Forschung verstärken will. Mir fehlen dazu jegliche Informationen, kann mir aber nicht vorstellen, dass Putin dieses Problem nicht erkennen würde. Sollte sich Rußland auf dem Weg in eine nachhaltige technologische Entwicklung (u.U. Erneuerbare Energie) befinden, könnte sich daraus auch ein Motiv für die derzeitigen politischen Vorgehensweisen der EU und der USA ergeben. Vielleicht kann mir jemand mit einer besseren Informationsdicht helfen.

Krysztof Daletski 06.05.2016 | 17:21

Beides aenderte sich erst Mitte der 60er Jahre. Danach gabs keine wirklich gefaehrliche nukleare Situation mehr.

Ich bezog mich auf die in diesem Artikel zitierten US-Qellen: "Um Haaresbreite" (Telepolis, 10.11.2015)

Aktuell wird die Situation wieder kritisch durch den US-Raketenschirm, der die NATO erstschlagsfähig machen soll. Dabei ist es nicht entscheidend, ob er das wirklich tut: es reicht wenn eine der beiden Seiten das glaubt.

die USA machen sich gerade "vom Acker" (Isolationismus).

Naja, wenn sie (und, quasi als Echo, auch die bundesdeutsche Führungsriege) davon reden, dass die US-Verbündeten "mehr Verantwortung" übernehmen sollen, sind damit wohl kaum eigene Ambitionen gemeint, sondern Aufgaben unter Führung der USA. Woraus lässt sich schließen, dass die USA diese Führungsrolle aufgeben wollen?

Aussie42 07.05.2016 | 02:04

Den Telepolis Artikel habe ich jetzt gelesen. Danke fuer den link. Der passt in die These "Isolationismus". Der Rueckzug aus der Weltpolitik ist seit gut 2 Jahren Thema der amerikanischen Aussen- und Militaerpolitik. Da unterstuetzt die "Freigabe" dieses Berichts von '90 natuerlich die Anti-Isolationismus Fraktion der USA.

Der Bericht selber (wenn er denn authentisch ist), passt jedenfalls ausgezeichnet in das Jahr in dem (angeblich) erstellt wurde. 1990 liefen die Vorbereitungen fuer den Sturz Gorbatschows. Eine Aktion mit sehr grossen Risiken fuer die USA, deren Notwendigkeit mit dem Bericht ueber die 83 Jahre gestuetzt werden sollte.
Der Bericht von '83 (wenn er denn authentisch ist) koennte eine aehnliche Funktion gehabt haben, schliesslich war abzusehen, dass eine Machtwechsel in der SU bevorstand.

(Die fact's vom Anfang der 80er Jahre mussten im Bericht zumindest sehr einseitig interpretiert worden, um den gewuenschten Effekt zu erzielen.)

Fazit: keine Panik. Das neue Dreieck der Weltpolitik (EU, Russ, China) hat sich m.E. laengst installiert. Die USA wollen sich weit weniger einmischen als bisher. Die EU gehoert zur "Anti-Isolationismus"-Fraktion weil Weltpolitik teuer ist. Darum will die EU, dass die USA sich mehr einmischen. Das gab's noch nie.

Man muss schon etwas "um die Ecke denken" wenn man solche Konstellationen verstehn will. (Natuerlich kann man auch dabei Fehler machen. Klar.)

smukster 07.05.2016 | 03:07

Heiteres Begriffe-Prägen...erfinden wir hier gerade das "Eurasische Dreieck"? Bis dieses "aus dem Schatten treten" kann, wird es noch ein bisschen dauern, und welche Rolle die EU darin spielt ist die große Frage. Derzeit versucht sie scheinbar zu vermitteln und ein Hochkochen des Konflikts zu verhindern, was mir eine etwas überzeugendere Erklärung für den "anti-Isolationismus" zu sein scheint als der schnöde Mammon.

Insofern (und weil letztlich immer erst das Fressen kommt) sehe ich keinen Grund, die vielbesungene "Russophobie" allzu ernst zu nehmen. Sie lässt sich aus objektiven Gründen nicht aufrechterhalten und ist zur Kühlung mancher Gemüter ev. einfach notwendig.

(ich weiß schon, warum ich Artikel zu diesem Thema normalerweise meide...was für sinnfreie Diskussionen...)

smukster 07.05.2016 | 03:11

Putin bzw. Russland bemüht sich seit vielen Jahren um wirtschaftliche Modernisierung - darüber wie erfolgreich das ist gehen die Meinungen auseinander. Viele geben Deutschland eine erhebliche Mitschuld an den mäßigen Fortschritten der propagierten "Modernisierungspartnerschaft", da Zusagen zum Technologietransfer folgenlos bleiben.

Außer bei Waffen ist Russland m.W. auch im Bereich Biotechnologie relativ fortschrittlich, von Erneuerbaren wäre mir das hingegen nicht bekannt.

Aussie42 07.05.2016 | 15:29

(Als Ergaenzung der Antwort von @Smukster)

Russland hat die Erschliessung der Rohstoffreserven in Sibirien deutlich modernisiert. (Auch die Anlagen in Workuta, wo bis '55 deutsche POW's arbeiten mussten.). Das ist ja technisch schwierig, wegen Permafrost. Ausserdem hat Russland den Bau von Pipelines auf den neuesten Stand gebracht.

Am wichtigsten ist aber wohl die Militaertechnologie. Die war ja schon in der SU Weltspitze. Heute sind diese Ausruestungen zudem deutlich preiswerter als "Vergleichsprodukte" aus den USA.

Ob einem das passt oder nicht, in den USA wie in Russland ist die Militaertechnologie die Grundlage ziviler Entwicklungen (nicht anders herum wie immer gern behauptet wird).

Aussie42 08.05.2016 | 00:29

Die Frage verstehe ich gut, weil ueblicherweise lediglich die Herkunft der Teflon-Pfanne aus der Weltraumfahrt genannt wird. Und die Pfanne ist krebserregend wenn man draufrumkratzt.

Darum geht's auch gar nicht.

Das bekannteste Beispiel ist das "Internet", dass die Amis zur Sicherung der militaerischen Kommunikation nach einem Atomwaffenangriff entwickelt hatten. Dazu gehoeren natuerlich auch alle elektronischen Geraete. (Darum war der Streit zwischen apple und dem FBI neulich so laecherlich. Selbstverstaendlich nimmt sich auch auch Apple Geld von "defense".)

Kugellager oder Staehle beispielsweise, die extreme Dauerbelastungen aushalten braucht man in militaerischen Ausruestungen, aber eben auch in Autos, Zuegen etc. ICE oder Airbus basieren auf urspruenglich militaerischen Technologien. Die grossen Konzerne "bedienen" daher immer beide Seiten. Meist finanzieren sie Neue-Entwicklungen aus den Militaerhaushalten.

Es geht bei dem Thema also nicht um "Freundlichkeiten" fuer "mum and dad" (wie man in Australien sagt), sondern um Ruestungsgeschaeft, die oft auch "zivil" angewendet werden.

Selbstverstaendlich "braucht" man die militaerischen Anwendungen "eigentlich" nicht. Und die Konzeren deklarieren ihre nicht so populaere Entwicklung von Waffen gern als "Produkte ihrer Tochtergesellschaft fuer Verteidigung". Wenn es um Technologie geht ist es aber umgekehrt.

Hans Springstein 08.05.2016 | 01:03

Ich musste diesen einen Kommentar der Person, die die Redefreiheit als Nick missbraucht, um anderen zusagen, was sie reden bzw. schreiben sollen, wieder aufklappen und stehen lassen, weil es schon wieder zu schöner Unsinn ist. Und er passt indirekt zum Thema des Beitrages, weil er ungewollt zeigt und bestätigt, welche Auswüchse das beschriebene Feindbild hervorbringt. Solche wie dieser Kommentar sind wenigstens noch zum Lachen. Das will und kann ich niemandem vorenthalten.

Aussie42 08.05.2016 | 04:35

Schnell und langsam sind ja relative Begriffe fuer den Abschied von den USA....

Was anderes. Ich las gerade, dass es in Saudi-A. "Bewegung" gibt.

Koennte es sein, dass der Sohn in Schwierigkeiten ist, und darum der koenigliche Vater einige Opponenten in die "Wueste" (sehr passend diesmal) schickt? Die Umbesetzungen zeigen m.E. dass es eine massive "konservative" Opposition gegen den neuen (neo-con?) Kurs gibt. Ob ein paar Umbesetzungen ausreichen werden? Ich habe das Gefuehl der bin Salman pokert mit einem schlechten oekonomischen Blatt. Als Verteidigungsminister muss er zudem das Jemen-Desaster verantworten. Demnaechst muessen die Karten auf den Tisch.

Und der Aussenminister ist wieder nicht betroffen.

Stine 08.05.2016 | 16:20

Genau, auch die USA können wesentliche Wirtschaftsinteressen, diplomatische Potenziale und geografische Möglichkeiten nicht unter den Tisch fallen lassen. Bitten, Drohungen und Armumdrehen haben nur eine begrenzte Reichweite.

Im Übrigen ist auch Madeleine Albright nicht der Nabel der Welt. Wenn laut der aktuellen Umfrage von YouGov zu den meistbewunderten Menschen der Welt W. Putin schon den Dalai Lama überholt, scheint sich doch der Wind bereits zu drehen. Unsere MM sind allerdings die Letzten, die es merken ...

https://yougov.de/news/2016/05/05/wma-deutschland/

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denkzone8 09.05.2016 | 10:01

mag sein,daß der krieg der vater aller dinge ist.

daß aus dem balg sich was nützliches entwickelt, ist ergebnis sorgsamer erziehung.

sprich: die idee des radios mag aus der nachrichten-technik

des weltkriegs eins entstanden sein.

die entwicklung zur markt-reife,

zum segen/schaden der menschheit,

die entwicklung zum un-befragten,

billigen gebrauchs-gegenstand in jedermanns hand,

setzt entfaltete massen-produktion/konsum voraus,

der: uri,uri! aus dem status der begehrten kriegs-beute rausführt. verstehbar?

will sagen: das russische potential ist seit jahrhunderten riesig, der einstige wunder-knabe ist längst im renten-alter, ein nicht-notwendiger appendix möglicher china-partner-schaft.