Hans Springstein
15.12.2016 | 19:39 4

Ein Abschied: Eckart Spoo verstorben

Medien Der Journalist Eckart Spoo ist am 15. Dezember kurz vor seinem 80. Geburtstag verstorben. Zur Erinnerung an ihn hier die Pressemitteilung der Zeitschrift Ossietzky

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

"Der Journalist und Publizist Eckart Spoo ist am Donnerstag, dem 15. Dezember, in Berlin gestorben, vier Tage vor seinem 80. Geburtstag. Als Kind erlebte er Krieg und Faschismus in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach und im Fluchtort Harz; dies hat sein ganzes Leben geprägt. Mehr als drei Jahrzehnte schrieb er als Korrespondent der Frankfurter Rundschau Zeitungsgeschichte. Er galt als unbequemer Fragesteller in Pressekonferenzen und deckte manchen Skandal auf. Von 1970 bis 1986 war er Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union (dju).

Pressefreiheit, auch die „innere Pressefreiheit“ in den Redaktionen und die damit erforderliche Abschaffung des Tendenzparagraphen waren Forderungen, die den Journalisten Spoo bis zu seinem Tode umtrieben. Die voranschreitende Monopolisierung der Zeitungsverlage und die damit einhergehende Vereinheitlichung und Verflachung der Zeitungslandschaft prangerte er an.

Spoo sah die Pressefreiheit vom Grundrecht für alle zum Privileg einiger weniger Pressekonzerne verkommen, deren Eigentümer ihre Aufgaben darin sehen, den Kapitalismus und die von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Verhältnisse zu rühmen und vor Kritik zu schützen – auch durch Verschweigen von Tatsachen, Verleugnen von Wahrheiten – und aus diesem Missbrauch der Pressefreiheit möglichst viel Profit zu ziehen. Spoo hielt publizistische Monopole für verfassungswidrig.

In der Konsequenz gründete er 1997 zusammen mit weiteren Publizisten eine eigene Zeitschrift: Ossietzky. Die Zweiwochenschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft steht in der antimilitaristischen und antifaschistischen Tradition der Weltbühne. Spoos Anspruch als langjähriger Ossietzky-Chefredakteur: jedes Heft voller Widerspruch gegen angstmachende und verdummende Propaganda, gegen Sprachregelungen, gegen das Plattmachen der öffentlichen Meinung durch die Medienkonzerne, gegen das vermeintliche Recht des Stärkeren und gegen die Gewöhnung an den Krieg. Zu diesen Themen veröffentlichte er auch eine Vielzahl aufklärerischer Bücher. Verlag und Redaktion Ossietzky werden Spoos Vermächtnis fortführen."

Ich kannte Eckart Spoo persönlich, habe ihn schätzen gelernt und werde ihn vermissen. Journalisten wie ihn braucht dieses Land und diese Gesellschaft gerade in diesen Zeiten.

Redaktioneller Hinweis:

Das Online-Archiv der Zweiwochenschrift Ossietzky finden Sie unter:

http://www.ossietzky.net/archiv

Auswahl von in Ossietzky erschienenen Artikeln Eckart Spoos zum Thema Presse:

„Die Monopol-Tendenz“ (Tendenzparagraph im Betriebsverfassungsgesetz, Monopolstrukturen in der Presse), http://www.ossietzky.net/7-2014&textfile=2611Presse- und andere Freiheiten, http://www.ossietzky.net/9-2012&textfile=1849
Normale Zeitungsgeschichte, http://www.ossietzky.net/2-2012&textfile=1725Mein mokantes Lächeln (Tendenzparagraph), http://www.ossietzky.net/23-2015&textfile=3311Ein Erfurter Reformbündnis? (Erfurter Erklärung), http://www.ossietzky.net/24-2014&textfile=2887Sorgsame Nachrichtenauswahl, http://www.sopos.org/aufsaetze/4f771b89e953a/1.phtml

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (4)

Richard Zietz 15.12.2016 | 20:13

Eine traurige Nachricht.

Mir – wenn auch nicht persönlich – ist Eckart Spoo erinnerlich als jemand, der gegen die einseitige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien im Ukrainekonflikt 2014 klar Position bezogen hat. Eine Haltung, deren Mut mit zwei Jahren Abstand umso mehr zu würdigen ist. Teilweise, weil (linke) Medienkritik nach wie vor dringend erforderlich ist, teilweise aber auch, weil die Bemühungen von Eckard Spoo und anderen zumindest in Teilbereichen zwischenzeitlich Erfolge gezeitigt haben.

Darüber hinaus war mir die Person natürlich seit x-Jahren ein Begriff – als einer, der im linken Gewerkschaftsumfeld ebenso präsent war wie im kritischen, engagierten Journalismus. Nicht zu vergessen natürlich sein Engagement gegen den Irak-Krieg 2003. Leider wird durch seinen Weggang die politische Luft noch etwas dünner. Vielleicht muß man es einfach dialektisch sehen: Nach schlechten Zeiten kommen auch mal wieder gute.

pleifel 26.12.2016 | 12:08

Danke, dass Sie den Nachruf verfasst haben, so kann ich mich dem hier anschließen. Bekannt wurde er mir vor allem durch die Zeitschrift Ossietzky, wo ich viele Beiträge von ihm lesen konnte.

Jeden dieser standhaften, aufrechten und friedensbewegten Menschen zu verlieren, ist ein unersetzlicher Verlust in einer Zeit des neuen Militarismus.

Noch ein Link zur jw, wo man ihn ebenfalls ab und an lesen konnte: "Kämpferischer Humanist" ( jw 17./18.12.16)