Hans Springstein
21.04.2014 | 00:38 51

„Ich wollte nicht töten. Ich wollte leben.“

Politisches Buch Es ist ein kleines Buch, aber dennoch ein gewichtiges und wichtiges Buch: „Niemals gegen das Gewissen“ von Ludwig Baumann

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

„Ich wollte nicht töten. Ich wollte leben.“

Foto: onnola / Flickr (CC)

Es ist das Plädoyer des letzten lebenden Wehrmachtsdeserteurs. Das Buch ist auch ein wichtiges Zeitzeugnis. Es zeugt davon, wie eine Gesellschaft mit jenen umging und umgeht, die Widerstand leisteten, indem sie Ja zum Leben und Nein zum Morden auf Befehl sagten.

Ludwig Baumann schreibt: „Ich bin kein Held. Aber auch kein Feigling.“ Er ist ein Held der anderen Art, die es viel zu wenig gibt, eben in dem Sinn, dass er unbeirrt seinem Gewissen folgte. Einer der Menschen, die für ihre Haltung eintreten oder sich gegen den Strom stellen. Von denen es zu wenig gibt, wie er feststellt. Das Buch, das er zusammen mit dem Journalisten Norbert Joa verfasste, zeigt ihn ebenso als Menschen, der beinahe daran kaputt ging, dass er für die Nachkriegsgesellschaft in der Bundesrepublik als „Verräter“ und „Straftäter“ galt. Das musste er bis 17. Mai 2002 erleiden, 57 Jahre lang seit der Befreiung vom deutschen Faschismus. Erst an dem Tag hob der Deutsche Bundestag alle Urteile gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und „Wehrkraftzersetzer“, die die Militärjustiz der faschistischen deutschen Wehrmacht gefällt hatte, pauschal auf. Es sei eine „innere Befreiung“ gewesen, berichtet Ludwig Baumann, eine „Befreiung vom Makel der Vorstrafe, aber auch von Demütigungen“. Er vergisst aber nicht, darauf hinzuweisen, dass die so genannten „Kriegsverräter“, Soldaten, die z.B. jüdischen Menschen helfen wollten oder Kriegsgefangenen Brot zugesteckt hatten, erst 2009 rehabilitiert wurden. Das hat nur er noch miterlebt. Und er erinnert daran, dass dieses Anliegen bis zuletzt vom CSU-Politiker Norbert Geis bekämpft wurde.

Bis zu dem Tag der eigenen inneren Befreiung musste Ludwig Baumann einen harten Weg gehen, seitdem er am 30. Juni 1942 als Deserteur zum Tode verurteilt wurde. Er hatte das Glück, zu zwölf Jahren Zuchthaus begnadigt zu werden, nicht einmal einen Monat nach dem Todesurteil. Aber er musste weiter in der Todeszelle ausharren: „300 Tage. Und 300 Nächte. Es hat mein Leben zerstört.“ Erst dann wurde ihm seine Begnadigung mitgeteilt. Er überlebte den Einsatz im „Strafbataillon“ an der Ostfront ebenso wie zuvor die Schikanen im „Emslandlager“ und im Wehrmachtsgefängnis Torgau. Und litt nach dem Ende des Krieges daran, dass ihn die Gesellschaft der Bundesrepublik als „Verräter“ behandelte. Noch 1993 schrieb ihm ein Ewiggestriger: “Ich kann nur bedauern, dass Sie nicht erschossen oder geköpft wurden.“ Deserteure seien nur „Halunken, Strolche, feige Schurken“, die „das Leben von Hunderttausenden Kameraden auf dem Gewissen“ hätten. Auch später erhielt Ludwig Baumann noch solche Briefe.

Er beschreibt, wie es ihm, der überlebte, nach dem Kriegsende erging und wie er lange nicht mit dem Leben im Nachkriegsdeutschland zurecht kam, auch von privaten Niederlagen und eigenem Versagen. „Von uns Deserteuren, die wir – aus welchen Gründen auch immer – Hitlers Krieg nicht mitmachen wollten, wurden 23000 erschossen, erhängt oder enthauptet. Und 100000 von uns sind im KZ oder in den Strafbataillonen gestorben. Keine fünf Prozent der Deserteure haben überlebt.“ Die rund 4000 Überlebenden litten in und an einem Land und einer Gesellschaft, wo die Täter belohnt und die Opfer verhöhnt wurden. „Unsere Leute sind früher gestorben als die Nazis oder überzeugten Kommunisten – diese lebenslange Erniedrigung raubt Kraft. Die meisten waren kaputt, keiner hatte Karriere gemacht. Keiner war im öffentlichen Dienst, wir waren ja weiterhin vorbestraft, und fast alle von uns waren arm geblieben, keiner hatte so recht Anschluss an die Gesellschaft gefunden. Wir hatten ja auch niemanden, der zu uns stand.“

Keiner der 3000 NS-Militärrichter sei später zur Rechenschaft gezogen worden. Im Gegenteil: „Die Militärrichter, welche uns verurteilten, haben mehr Todes- und Terrorurteile gefällt als der Volksgerichtshof und alle Sondergereichte zusammen, um anschließend in der Bundesrepublik bis in die höchsten Ämter Karriere zu machen.“ Sie waren sogar daran beteiligt zu verhindern, dass das faschistische Unrecht an den Deserteuren früher wieder gut gemacht wurde. Als ein Beispiel dafür wird der ehemalige Militärrichter Erich Schwinge erwähnt, der „selbst mindestens acht Todesurteile“ fällte. Der selbe Schwinge habe 1977 als Juraprofessor die NS-Militärjustiz als „antinationalsozialistische Enklave der Rechtsstaatlichkeit“ beschrieben.

Ludwig Baumann erzählt in dem Buch auch von seinen beiden Freunden Kurt und Johann, die ihr Nein mit dem Leben bezahlen mussten. Und er schreibt von dem harten Weg und Kampf, um die eigenen Würde zurückzuerlangen. Als er endlich die Kraft dafür fand, engagierte er sich in der Friedens- und Eine-Welt-Bewegung und gründete mit anderen Überlebenden 1990 die „Interessenvereinigung der Opfer der NS-Militärjustiz e.V.“. Er berichtet von seinem Kampf gegen alte und neue Nazis, wie er sich für Frieden und gegen Kriegsverherrlichung einsetzte und weiter engagiert. Und ihm ist klar: „Kein Kulturkreis hat so viel Unrecht begangen wie der Westen. Und immer ging es um Geld und Macht. ... Und wir können auch nicht erwarten, dass die Dritte Welt gewaltfrei für unseren Wohlstand hungert.“ Er kritisiert Bundespräsident Joachim Gauck, der jüngst forderte, dass Deutschland in der globalisierten Welt wieder mehr mitmischen müsse und „die Zeit eines ganz grundsätzlichen Misstrauens“ gegenüber der deutschen Rolle vorüber sein müsse. „Solche Worte aus dem Mund eines Pastors – da wird mir angst und bang. Ich sage: Die Mächtigen der Welt fürchten uns Deserteure, Abweichler, weil wir ihre Absichten durchkreuzen.“ Ludwig Baumann stellt fest: „Man kann nichts Besseres tun, als auch in Zukunft jeden Krieg zu verraten!“ Er werde nicht müde zu rufen: „Lebt gewaltfrei! Lasst euch nicht für Kriege missbrauchen und von den Medien täuschen.“

Der 1921 Geborene stellt fest: „Ich bin nun wohl der letzte Deserteur. Lange dachte ich, mein Leben sei wertlos, ich sei wertlos. Darum habe ich mich auch lange geweigert, über mein Leben zu schreiben. Und auch, weil das Erinnern schmerzte. Das sehe ich nun anders. Ich möchte dass mein Schicksal der Nachwelt erhalten bleibt.“

Menschen wie Ludwig Baumann haben Anerkennung und Hochachtung verdient, für ihr Nein zum Krieg und ihr Ja zum Leben. Seinem Buch ist zu wünschen, dass es viele lesen und dass es manchen, der Krieg immer noch für notwendig und unabwendbar oder gar „gerecht“ hält, zum Nachdenken bringt.

Ich wünsche Ludwig Baumann, dem ich vor mehreren Jahren einmal persönlich begegnet bin, dass sein Wunsch, niedergeschrieben am Ende des Buches, in Erfüllung geht: „Nun, ich möchte noch so lange wie möglich wach und tatkräftig bleiben.
Und dann in Würde sterben können.“

Ludwig Baumann:
Niemals gegen das Gewissen – Plädoyer des letzten Wehrmachtsdeserteurs

Verlag Herder
2014
128 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-451-30984-7
12,99 Euro

Verlagsinformationen

Diese Rezension ist gedacht als geschriebener Beitrag zur einst großen Ostermarschbewegung, verfasst an dem Ort, an dem die Urne der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner aufbewahrt wird, die 1914 kurz vor Ausbruch des mörderischen Ersten Weltkrieges forderte: Die Waffen nieder!

Danke an die Redaktion für das passende Bild

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (51)

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 08:06

oh, so ein wirklich mutiges leben, dass eigentlich JEDEM zeigen müsste, was die wahren ... wie auch immer genannten ... interessen des westens sind >>> solche menschen wissen es aus eigener erfahrung

>>> doch der verständliche, aber sooo selten hinterfragte "trost" eines auf schuld aufgebauten materiellen "wohlstandes" lenkt die blicke in die schaufenster der verführung und für die meisten endet er auch dort

>>> das der westen diese blickrichtung einseitig und fleissig beeinflusst - wusste ich schon immer ... erschreckt hat mich immer der preis dafür ... und erscheint er auch noch so "niedrig" und "bezahlbar" ... jedoch auch das ignorieren der WAHREN preisgestaltung, die keinerlei ideelle werte kennt >>> diese als naiv "belächelt" und die goldene tür einer goldigen hölle weit öffnet ... "hereinspaziert ..."

>>> und wehe dem, dem das nicht gefällt ...

janto ban 21.04.2014 | 08:37

|| oh, so ein wirklich mutiges leben, dass eigentlich JEDEM zeigen müsste, was die wahren ... wie auch immer genannten ... interessen des westens sind >>> solche menschen wissen es aus eigener erfahrung ||

Ekelhaft. Widerlich. Langsam nur noch schwer zu ertragen.

Dann will ich euch beiden Westen-Hassern und Osten-Vergötterern nochmal kurz meine eigene Erfahrung in Erinnerung rufen. Mein Vater hat zweieinhalb Jahre lang in einem DDR-Folterknast gesessen, weil er mit einigen anderen zusammen ein paar eurer ausreisewilligen Leute aus dem totalitären Drecksloch helfen wollte, auf das ihr bis heute kein schlechtes Wort kommen zu lassen in der Lage seid. Mit einem gebrochenen und für's Leben gezeichneten Vater aufzuwachsen, war mein Schicksal.

Und jetzt verbreitet weiter eure Mär vom menschenverachtenden Westen und vom friedliebenden Osten. Ich will nicht weiter stören.

Fröhliche Ost-ern.

h.yuren 21.04.2014 | 08:57

lieber hans

wenn ich die leidensgeschichte des deserteurs ludwig baumann lese, muss ich sogleich ans milgram-experiment denken, das immer weniger menschen kennen. leider.

das experiment hat gezeigt, wie wenige versuchspersonen in der lage waren/sind, ihrem gewissen (oder dem, was man dafür hält) zu folgen. die übergroße mehrheit ist aus ganz unterschiedlichen motiven willig und fähig zu allem, auch zu folter und mord.

es ist wohl zwangsläufig, dass die ergebnisse des milgram-experiments allmählich verblassen. ganz im sinne der machtkranken. das ist kein zufall.

grüße, hy

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 09:03

ich vergöttere den osten nicht ... war dort stets kritisch und hab mir meine "karriere" dafür gern und freiwillig versaut ...

jedoch ist meine erfahrung, dass der westen seinen dreck nicht so offensichtlich zeigt, wie der osten ... im osten konnte jeder recht klar sehen was stinkt und dreck ist

im westen gibt es weisse westen und aroma-duftstoffe >>> und JETZT lebe ich im westen >>> und es gibt mehr nazis als ich mir je vorstellen konnte >>> getarnt als demokratische politiker ...

kannst du dir nicht vorstellen, dass man systemunabhängig ein gewissen hat, dem man im leben folgen will? warum soll ich das unrecht und die unmenschlichkeit in einem system abschaffen wollen, um es im einem anderen zu tolerieren?

viele der ausreisewilligen sind wieder in den "osten" zurückgekehrt ... die ausreisegründe waren so vielfältig, wie die menschen selbst >>> für mich war es kein "totalitäres drecksloch" >>> sowas sehe in guantanamo und lampedusa viel eher ... in griechenland, wo die menschen krepieren oder selbstmord machen, weil sie kein geld für gesundheit haben

>>> ich lebe heute!!! die "reformierung" der ddr hat nicht geklappt >>> dafür alle dreckkübel auf sie!!! >>> lenkt gut ab!!!

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 10:26

hm, ob es dafür eine statistik gibt??? ich schau mal, ob ich was finde

in meinem umfeld sind 90% der freunde ausgereist ... haben mir noch durch die mauergezogene telefonleitung ihre erfahrungen berichtet ... und die erlebten unterschiede zwischen wunschtraum und wirklichkeit ... auch der letzte von ihnen ist jetzt wieder hier eingetrudelt ... nach umwegen über usa und düsseldorf ...

hab ehrlich gesagt keine grosse lust da zu recherchieren - denn es war nur mein persönliches erleben ... hier gibt es einen artikel über zahlen vor der "wiedervereinigung" ... ich meinte jedoch >>> bis heute!!! 25 jahre danach ... wenn es dich statistisch genau interessiert ...

andererseits gibt es wohl gegenden im osten, die fast ohne jungen leute vor sich hindümpeln ... ist aber ein anderes thema

Die Rückkehrer machten zwei Drittel der Gesamtzahl der Übersiedler aus. Viele von ihnen verspürten Heimweh, konnten sich in die westdeutsche Gesellschaft nicht integrieren, waren in ihren Erwartungen enttäuscht oder blieben bei der Arbeitssuche erfolglos und gingen deshalb zurück

http://www.zeitgeschichte-online.de/kommentar/das-wahre-vaterland

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 10:55

naja, dazu sagt der oben verlinkte artikel eine ganze menge ...

da sind auch private geschichten mit drin ... da kann ich mir meine "geschichten" zu dem thema sparen;))) >>> die prägen jedoch, wie auch die erlebnisse, um die es in der "geschichte" dieses blogs meine haltungen ... da hilft auch keine propaganda, von welcher seite auch immer

eigentlich ist in meinem alltag das ost-west schon ewig vorbei ... doch durch die ukraine irgendwie wieder in erinnerung gekommen

>>> "dr.schiwago" ist halt nicht nur eine dramatische liebesgeschichte;)))

und für mich stellt sich die frage ... bist du mutig oder verrückt, wenn du dich auf superdünnes eis begibst???

ich hab die frag für mich beantwortet: das entscheide und verantworte allein ich :-))))

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 11:07

Ihr Kopf tickt in den Nicht-Farben schwarz und weiß. Das ist ihr Bunt.

wenn das ihre wahrnehmung ist , ist das ihre wahrnehmung ... nicht mehr und nicht weniger

wie ich sie wahrnehme, behalte ich für mich, ich weiss jedoch, dass ich meine schubladen schon seit ewiger zeit entsorgt habe und diese nicht als ersatz für "kommunizierende röhren" benutzen will ... so simpel kann und will ich nicht ... verstehe aber alle, die dies praktizieren ...

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 11:34

na, dann läuft es doch prima für sie und "fast aller hier"... ;))))

meine kleine "minderheitenmeinung" entspricht meiner überzeugung und hat nicht ihre demokratischen mehrheitsverweise nötig ... und sollte ich mich damit irren, werde ich das auch mitteilen

beunruhigend finde ich den ton bei der angeblich mehrheitlichen wahrnehmung >>> ich war schon immer mit einer leichten allergie gegen massenveranstaltungen ausgerüstet ... ihre berufung DARAUF gibt mir einen grund mehr dafür

vielleicht nehmen sie meine kommentare als "schubladen" deshalb wahr, weil die für sie in ihre GROSSE "passt nicht für mich" nicht der inhaltlichen auseinandersetzung wert sind

>>> wertloses aus ihrer "wertvollen" sicht >>> entartete kunst, nach ihrer selbstgewählten definition

über geschmack möchte ich mich ihnen nicht streiten ... und auch nicht den richter spielen, was guter oder schlechter ist

>>> für immer punk!

fahrwax 21.04.2014 | 12:31

"Trolle können sogar – aus Gründen siehe oben – recht höflich sein, wenn es der Sache dient. Sie können sich einschleimen, dass es nur so glitscht, denn einerseits versuchen sie gern, das Publikum zu spalten, andererseits ist unerwünschte Nähe ebenso unangenehm wie rüpelhafte Distanz. Das provoziert so schön. Generell ist ihnen das Kommunizieren auf der persönlichen Ebene am liebsten. Sie bewerten die Kommentare anderer – negativ wie positiv – weil diese Anmaßung herrlich nervt."

http://feynsinn.org/?p=929

Magda 21.04.2014 | 12:45

Mein Vater hat zweieinhalb Jahre lang in einem DDR-Folterknast gesessen, weil er mit einigen anderen zusammen ein paar eurer ausreisewilligen Leute aus dem totalitären Drecksloch helfen wollte, auf das ihr bis heute kein schlechtes Wort kommen zu lassen in der Lage seid.

Das ist bitter. Mir wird dennoch ganz unheimlich, wenn ich auf einmal so eine Wendung lese wie "totalitäres Drecksloch".

Die Totalitarismus-Doktrin in ihrer schlichten und trivialen Form wird angewendet, wenn die Argumente ausgehen.

Kritik an der DDR wurde und wird noch immer reichlich - von den ehemaligen Bewohnern des "Drecklochs" - geübt.

Aber, die hätten es gern differenzierterter. Deine Sicht auf die DDR ist genau so schwarz-weiß, wie Du es hier anderen vorwirfst.

Magda 21.04.2014 | 12:49

Danke für die Rezension.

Ich fand es bezeichnend, dass bei der pauschalen Aufhebung aller Verurteilungen der NS-Militärgerichte - nach langer Debatte zwischen 1998 und 2002 - die CDU/CSU und die FDP argumentierten: "Im Übrigen entstünde durch die pauschale Rehabilitierung der Deserteure die Gefahr, alle übrigen Soldaten moralisch abzuqualifizieren und auch die Richter der Militärjustiz pauschal zu verurteilen".

Ludwig Baumann hat sich - in einem Gespräch mit dem Spiegel 1998 auch sehr erstaunt gezeigt, "wie schnell der Gesetzgeber war, als es darum ging, die Terrorjustiz einer anderen deutschen Diktatur aufzuarbeiten.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7810455.html

Schon drei Jahre nach der Wende war 1992 das "Erste SED-Unrechtsbereinigungsgesetz" in Kraft getreten. Da ging es um die Waldheim-Prozesse.

Die DDR jedenfalls hat die Deserteure aus der faschistischen Armee sofort rehabilitiert und teilweise hoch geehrt. In der entsprechenden Wikipedia Abteilung fehlt allerdings komplett die Behandlung der Opfer der NS-Militärjustiz in diesem Teil Deutschlands.

fahrwax 21.04.2014 | 13:09

Leider ist mir aktuell, von deutschen Brunnenbohrern nichts zu Ohren gedrungen, weil die ja humanitär unterwegs sind?

"Dieses Video habe ich heute über das News-Mail von Cynthia McKinney bekommen. Die Älteren werden sich noch an die Welle von US-Deserteuren entsinnen, die in der Zeit des Vietnam-Krieges nach Kanada und auch Europa schwappte. Wir hatten auch einen GI aufgenommen, an den wir allerdings nicht so gute Erinnerungen haben, da er eines Tages spurlos verschwunden war - mit unserer Kamera. Aber eines wusste ich nicht - dass diese Bewegung so früh begann und so umfassend war, so dass die US-Armee quasi von innen ausgehöhlt wurde. Wahrhaft ein Grund, den Krieg schnell zu Ende zu bringen. Relativ betrachtet. Wie konnte dieses progressive Bewusstsein von tausenden und aber tausenden Menschen so rapide und spurlos verschwinden?"

http://www.einarschlereth.blogspot.se/2014/01/sir-no-sir-die-gi-revolte.html

janto ban 21.04.2014 | 13:24

Ich erkläre mich gleich in einem Blog, Magda. Wenn ich "totalitäres Drecksloch" schreibe, weiß ich, was ich damit emotional anzurichten in der Lage bin. Aber du weißt, dass ich so nicht denke. Ich annektiere da nur für einen kurzen Moment die Mittel meines Gegenübers und negiere sie. Mache aus "Drecks-West" kurzerhand und gewissenlos "Drecks-Ost". Angesprochen waren nicht die multimillionen Ex-DDR-Bürger (m/w), sondern die dFC-Nutzerin Rechercheuse mitsamt ihrem nicht aufhören wollenden Extrem-Sprech, den sie als unangreifbare Reflektiertheit verkauft..

Hans Springstein 21.04.2014 | 19:31

Als Autor des Textauslösers und weil Tlacuache sicher kein "Westenhasser und Osten-Vergötterer" ist, also ich anscheinend auch gemeint bin, mal ein paar deutlich Worte an Sie:

Sie sollten sich mal überlegen, was Sie aus welchem Anlass von sich geben und auch nicht mit Schnappatmung, ausgelöst durch was auch immer, was auch immer kommentieren. Das geht meist nach hinten los.

Wie Rechercheuse den Text aufnimmt und was sie darauf für sich für Schlußfolgerungen zieht, ist ihr gutes Recht und ihre ganz eigene Freiheit. Und wenn es Ihnen nicht gefällt, müssen Sie es erstens nicht lesen und zweitens nicht runtermachen. Niemand hat das, was Sie Ihren Worten nach erlebten, in irgendeiner Weise angesprochen, noch in Frage gestellt. Und es hat gelinde gesagt nichts mit dem Thema meines Textes zu tun. Ich finde es insgesamt bedauerlich, wie schnell Kommentare immer wieder vom Thema abdriften und in eigenartige Auseinadersetzungen, fern des Themas, abgleiten.

Zur Erinnerung: Es geht in meinem Text um die Erinnerungen und das Plädoyer eines Menschen, dem wie vielen anderen Unrecht widerfahren ist und der lange darum ringen musste, dafür nicht weiter moralisch und rechtlich bestraft zu werden. Sie wollen doch nicht etwa mit Ihrem Einwurf das relativieren oder in Frage stellen? Das hoffe ich nicht. Das eine Leid gegen das andere aufzurechnen wäre unsäglich. Und grundsätzlich: Was an Unrecht und Willkür in der DDR geschah, mit allen schlimmen Folgen für die Betroffenen, rechtfertigt doch in keiner Weise zum einen das Unrecht, das in der Bundesrepublik geschah und geschieht, keinen Krieg im Namen von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, usw. Ich finde es beschämend und traurig, wenn das was Ludwig Baumann mit seinen Mitstreitern leistete mit irgendwelchen Vergleichen relativiert oder kleingeschrieben wird, nur weil Ihnen irgendeines meiner oder jemandes anderen Worte nicht passt.

Es ging mir auch überhaupt nicht daraum, was nun besser war oder ist, um keinerlei Ost-West-Vergleich o.ä. Es geht mir mit meinem text um einen Menschen, der sein Nein im Krieg bitetr und hart bezahlen musste, auch wenn er überlebte. Um einen Menschen, der später Kraft fand, für seine und die Würde der anderen, die wie er Nein sagten, einzutreten und auch gegen den Krieg auf- und einzutreten, auch gegen jene, die ihn heute noch propagaieren und daran verdienen. Ludwig Baumann äußert sich mehrfach in seinem Buch dazu. Z.B. angesichts der Tatsache, dass dass der Bundestag am 8.9.2009 nicht nur endlich alle "Kriegsverräter" rehabilitierte, sondern in der gleichen Sitzung über das von einem deutschen Offizier befohlene Bombenmassaker von Kunduz debattierte und ein Ehrenmal für in Afghnaistan ums Leben gekommene Soldaten diskutierte: "Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass deutsche Soldaten je wieder töten und sterben müssen. Und wieder und noch immer die Frage: Für was? Für wen?"

Und ich frage mich, warum wird jenen, die "den Westen", genauer die Mächtigen und Herrschenden der führenden westlichen Staaten für ihr heutiges Tun kritisieren und darauf aufmerksam machen, unerstellt, unktirisch gegenüber "dem Osten" zu sein? Entschuldigung, aber was für ein Kurzschluß ... Meine Kritik an "dem Westen" hat eben genau die Werte zur Grundlage, die propagiert werden, die aber von den Mächtigen und ihren politischen Lakaien mit den Füßen getreten werden: Menschenrechte, Freiheit, Demokratie. Im "Osten" wurde das als "Unterschied zwischen Theorie und Praxis" bezeichnet. Und dass dieser Unterschied in seiner westlichen Variante für viel zu viele Menschen tödlich auf die eine oder andere Weise ist, darauf macht eben auch Ludwig Baumann zu recht aufmerksam und fordert zu Widerstand dagegen auf. So wie ich den Unterschied kritisierte, als ich in der DDR lebte, kritisiere ich ihn heute in der Bundesrepublick, die sich gerade wieder aufschwingt, in der Welt mitzumischen, samt Krieg. Ich tue das auch, weil "der Westen", der kapitalismus, für mich keine Alternative war und keine ist, so wie er sich heute zeigt, seit dem er übrig blieb beim Streit der Systeme. und cih werde mich weiter dazu äußern, ohne immer dazu zu setzen: Ja, aber der Osten ... Auch, weil es "den Osten" nicht mehr gibt und selbst Russland nicht die Sowjetunion ist, usw.

Zur Erinnerung: All das, die Teilung des Landes, in dem wir jetzt gemeinsam leben und in dem Ludwig Baumann um seine Würde kämpfte, die Bundesrepublik und die DDR hätte es ohne den deutschen Faschismus und seine millionenfachen Verbrechen nicht gegeben. Das gilt selbst für das, was an Unrecht und Unterdrückung in der DDR im Namen einer "besseren Sache" geschah. Wenn schon in Zusmannehängen denken, dann richtig. Und um so wichtiger ist es aus meiner Sicht, darauf hinzuweisen, auch darauf, dass der Schoß, aus dem der Faschismus kroch, immer noch fruchtbar ist ...

Übrigens erzählt Ludwig Baumann in dem Buch auch von einem Erlebnis in der DDR: "Später stand ich einmal vor der Neuen Wache in Ostberlin und sah mir den Wachwechsel an. Mir fiel auf, dass die NVA-UNiform vom Schnitt her ähnlich war wie die unsere bei der Wehrmacht. und dazu noch dieser Stechschritt. Da stieg in mir ein ganz ungutes Gefühl hoch. Ich denke, es gibt keine gute Armee. Soldaten wurden immer dazu missbraucht, alles zu zerstören: das fremde Land, das eigene Land und sich selber." An dem Punkt würde ich ihm widersprechen, könnte ich ihm noch einmal begegnen, und ihm von einem Berliner Taxifahrer erzählen, der, von mir auf seine NVA-Erkennungsmarke im Auto angesprochen, sagte, dass er stolz sei, in der einzigen deutschen Armee gedient zu haben, die keine anderen Länder überfallen hat und in den Krieg zog für fremde Interessen.

Und bei allem Unrecht, das in der DDR geschah, ist das allein von der Diemension her nicht mit dem vergleichbar, für das jene Faschisten und ihre Handlanger verantwortlich waren, die in der "alten" Bundesrepublik wieder zu Amt und Würden kamen, während sie unwidersprochen Menschen wie Ludwig Baumann das Recht auf Würde versagten.

Menschen wie Ludwig Bauman zu ehren und zu achten, das muss ohne Wenn und Aber endlich möglich sein, auch auf dieser Plattform. und es muss auch möglich sein, weiter zu tragen, was er mit all seinen Erfahrungen Jüngeren vermitteln möchte, nämlich die letzten Worte seines Freundes Johann, der enthauptet wurde, "Nie wieder Krieg."

PS: Ludwig Baumann hat auch Folgendes aus dem Jahr 1981 aufgeschrieben: "Ich bin sicher, die Menschen in Russland wollen keinen Krieg – vor allem aber wollen sie nicht, dass er von deutschem Boden ausgeht."

Hans Springstein 21.04.2014 | 19:44

Ludwig Baumann erinnert übrigens in seinem Buch auch an Filbinger als ein Beispiel für jene faschistischen Mordrichter, die in der Bundesrepublik zu Amt und Ehren kamen:

"2003: Zum 90 Geburtstag von Hans Filbinger lädt die Landesregierung zum Empfang ins Ludwigsburger Schloss. Zu Fischterrine, Kalbsrücken und zwetschgen-Parfait würdigt Ministerpräsident Teufel (CDU) vor 130 Gästen das "ganzheitliche Denken und die Klarheit des juristischen Denekns des Jubilars.
Was für eine Verhöhnung unserer Opfer. Ich erstatte Strafanzeige gegen Erwin Teufel – wegen Beleidigung von Wehrmachtsdeserteuren. Natürlich leitet die Justiz in Stuttgart kein Verfahren ein.

Und auch nicht nach meiner zweiten Anzeige im April 2007 – diesmal gegen Ministerpräsident Oettinger (CDU), nach seiner Rede im Freiburger Münster zum Tod von Hans Filbinger:
'In Trauer, aber auch voller Respekt und Hochachtung verneigen wir uns vor einer großen Persönlichkeit, einem herausragenden Politiker und vor seinem Lebenswerk ... Hans Filbinger war kein nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein gegner des NS-Regimes (...) Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte. Und bei den urteilen, die ihm angelastet werden, hatte er entweder nicht die Entscheidungsmacht oder aber nicht die Entscheidungsfreiheit, die viele ihm unterstellen.'
Das stimmte schlicht nicht. Er hätte es beim Matrosen Walter Gröger sehr wohl bei einer Zuchthausstrafe belassen können. Aber er hielt die Todesstrafe für den Deserteur schlicht für richtig.

Dieser Mann zeigte zeitlebens keine Einsicht, nicht einmal den Ansatz zur Selbstkritik. und dieser Hans Filbinger wurde nun zu Grabe getragen als 'Gegnder des NS-Regimes'.

Im Namen der Opfer der NS-Militärjustiz erstatte ich Anzeige wegen 'Beleidigung und Verhöhnung unserer Opfer'. Zehn tage später wird mir der Eingang meiner Strafanzeige bestätigt. Das war's dann aber auch."

janto ban 21.04.2014 | 20:16

So viel text. Du liebe Güte.

|| Wie Rechercheuse den Text aufnimmt und was sie darauf für sich für Schlußfolgerungen zieht, ist ihr gutes Recht und ihre ganz eigene Freiheit. Und wenn es Ihnen nicht gefällt, müssen Sie es erstens nicht lesen und zweitens nicht runtermachen. ||

Ach so. Habe ich kein gutes Recht und keine ganz eigene Freiheit..? Das wusste ich nicht. Entschuldigung.

|| Zur Erinnerung: Es geht in meinem Text um die Erinnerungen und das Plädoyer eines Menschen, dem wie vielen anderen Unrecht widerfahren ist und der lange darum ringen musste, dafür nicht weiter moralisch und rechtlich bestraft zu werden. Sie wollen doch nicht etwa mit Ihrem Einwurf das relativieren oder in Frage stellen? ||

Nein, will ich nicht. Wollen Sie wissen, wie viele Jahre mein Vater von der viel zu spät beschlossenen Opfer-Rente profitierte, bevor er im letzten Jahr starb..? Ich suche Ihnen die Zahlen raus und reiche sie nach.

|| Das eine Leid gegen das andere aufzurechnen wäre unsäglich. ||

Ist das so..? Und was wäre Rechercheuses abartige Instrumentalisierung Ihres Textes..? Säglich..? Folgen Sie doch einfach Ihrem eigenen Ratschlag und lesen Sie meine Kommentare nicht. Dann wäre doch allen geholfen.

|| Und grundsätzlich: Was an Unrecht und Willkür in der DDR geschah, mit allen schlimmen Folgen für die Betroffenen, rechtfertigt doch in keiner Weise zum einen das Unrecht, das in der Bundesrepublik geschah und geschieht, keinen Krieg im Namen von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, usw ||

Stimmt. Komisch, dass das Unrecht des Westens seit Wochen herhalten muss, Russlands Unrecht zu rechtfertigen. Ich bin erschüttert.

|| Es ging mir auch überhaupt nicht daraum, was nun besser war ||

Das weiß ich und das habe ich Ihnen auch nicht vorgeworfen. Zu Eingang Ihres Kommentars wussten Sie doch noch, dass ich mich an Rechercheuse wandte. Und warum.

|| Wenn schon in Zusmannehängen denken, dann richtig. Und um so wichtiger ist es aus meiner Sicht, darauf hinzuweisen, auch darauf, dass der Schoß, aus dem der Faschismus kroch, immer noch fruchtbar ist ... ||

Ist richtig. Dazu habe ich heute lange an einem Blog geschrieben. Und dass ich in Zusammenhängen falsch denke, war ja klar. Wundert mich nicht.

|| "(...) Ich denke, es gibt keine gute Armee. Soldaten wurden immer dazu missbraucht, alles zu zerstören: das fremde Land, das eigene Land und sich selber." An dem Punkt würde ich ihm widersprechen ... ||

Dann war mein Gefühl, dass das Anrollen der russischen Panzer mit Freude erwartet wird, ja vielleicht doch nicht so falsch.

|| Menschen wie Ludwig Bauman zu ehren und zu achten, das muss ohne Wenn und Aber endlich möglich sein, auch auf dieser Plattform. und es muss auch möglich sein, weiter zu tragen, was er mit all seinen Erfahrungen Jüngeren vermitteln möchte, nämlich die letzten Worte seines Freundes Johann, der enthauptet wurde, "Nie wieder Krieg." ||

Ja, ja und nochmals: ja. Ja! Was ziehen Sie da jetzt auf..? Was wollen Sie mir damit nachsagen..? Sagen Sie mal, geht's eigentlich noch..? Für wieviel besser halten Sie sich eigentlich..?

|| Ludwig Baumann hat auch Folgendes aus dem Jahr 1981 aufgeschrieben: "Ich bin sicher, die Menschen in Russland wollen keinen Krieg – vor allem aber wollen sie nicht, dass er von deutschem Boden ausgeht." ||

Natürlich. Ich will Krieg. ich bin ein Wetsdeutscher, der in den dekadenten 90ern zu Verstand gelangte. Ganz klar: Ich will Krieg. Mit sehr viel Blut und ganz vielen Panzern. Brumm brumm. Und Kampfdrohnen, die alles abschießen, was falsche facebook-Einträge macht. Sssssssssss. Weil ich gedankenlos mit dem Strom schwimme. Deshalb.

Unfassbar alles. Tschüss.

Irgendwie links 21.04.2014 | 20:43

Großartig, die Endlosrecherche hat ja doch was Gutes: sie lässt Dich zur Hochform auflaufen, man müsste ihr ja fast dankbar sein, (nein, war ein Scherz).

Ich hoffe ja, dass jene Altvorderen dFC, die sich in grenzenloser Arroganz hier über Andere erheben und ihre unerträgliche Dauerpropaganda absetzen, etwas aus Deiner Erwiederung "lernen" (man darf ja noch hoffen) statt mit unfairen konzertierten Aktionen im Hintergrund ihre Kritiker raus zu ekeln versuchen.

Zum Blogthema selbst kann ich nur sagen, das mir die wenigen dürren Sätze zu dem Leid und der Benachteiligung der ehemaligen "Fahnenflüchtlinge" viel zu mager, zu unkonkret und nicht mehr als allgemeine Floskeln und Gemeinplätze, als dass sie in mir irgendeine konkrete Empathie erzeugen könnten.

Dafür hätte der Blogautor bedeutend mehr Information liefern müssen, auch für die nur als "die anderen" als betroffenen erwähnten.

So kommt der Beitrag bestenfalls als eine Promotion für den Buchautor, das Buch und den Herder-Verlag rüber. Viel mehr kommt jedenfalls bei mir nicht an.

Hans Springstein 21.04.2014 | 22:58

Eines verspreche ich Ihnen: Selbst wenn Sie noch einmal etwas zu einem meiner Texte kommentieren, werde ich es nicht beantworten, darauf nicht reagieren. Weil ich Ihre Worte nicht mehr ernst nehmen kann und werde, allein dafür: das Anrollen der russischen Panzer

Ich wiederhole es nochmal, nur zu Ihrem Verständnis: Ich werde Ihre Worte nicht mehr ernst nehmen, wenn es um Texte von mir oder andere geht, um politische oder andere Themen.

Auch wenn es eigentlich schwer zu trennen ist, trenne ich Ihre Worte mal von Ihrer Person und auch von dem, was Sie von sich erzählen. Beides kann und will ich schon deshalb nicht beurteilen, weil wir uns nicht kennen. Das kann auch so bleiben. Das ist ja auch bei Künstlern angeraten, das Werk von der Person des Erschaffenden zu trennen. So werde ich es mal bei Ihnen halten, so viel Respekt haben Sie als Mensch unabhängig von Ihren Worten auf dieser Plattform wie jeder andere zumindest verdient.

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2014 | 23:48

"...das ist der unbedingte Wille zum "Mitmachen" kurz vorm Einschlag. Ohne kompletten Wahnsinn gelingt das normal bleiben einfach nicht mehr..."

schrieb ich grad einer ehemaligen Freitagsbloggerin betreff den jüngsten Pro-Nato Blog mit "KenFM" - Aufhänger.

Passend aber auch für einige Kommentare hier...

balsamico 22.04.2014 | 12:39

Ich habe das Buch von Ludwig Baumann nicht gelesen. Aber eins ist klar: Wer in politisch und rechtlich schlimmen Zeiten entgegen den herrschenden Anschauungen seinem Gewissen folgt, bekommt das Risiko gratis, u.U. mit seinem Leben dafür bezahlen zu müssen. Das liegt doch, sozusagen, in der Natur der Sache. Oder glaubt jemand, die jeweils Mächtigen ließen sich von so etwas Diffusem beirren, wie von dem Gewissen der Einzelnen? Wie das Beispiel Ludwig Baumann zeigt, gilt das sogar noch dann, wenn sich die Zeiten geändert haben. Von Filbinger stammt der Satz: "Was damals Rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein." So problematisch dieser Satz für den Gebildeten ist, so einleuchtend ist er für den Ungebildeten. Denn die Auswechselung von Recht und Gesetz und der damit einhergehenden Anschauungen gelingen ja nie auf Knopfdruck. Vielmehr handelt es sich um träge und Generationen übergreifende Prozesse, die im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext nicht selten in der Art der Echternacher Springprozession ablaufen. Daher reißt es mich überhaupt nicht vom Hocker, dass Ludwig Baumann und seine Leidensgenossen viel zu lange auf ihre Rehabilitierung warten mussten. Denn auch dies ist Teil des Risikos, das sie 1939 ff eingegangen sind. Oder meint man, die Deutschen hätten sich Schlag 08.05.1945 mehrheitlich vom Saulus zum Paulus wandeln müssen?

knattertom 23.04.2014 | 14:44

" Ich sage: Die Mächtigen der Welt fürchten uns Deserteure, Abweichler, weil wir ihre Absichten durchkreuzen.“ Ludwig Baumann stellt fest. „Man kann nichts Besseres tun, als auch in Zukunft jeden Krieg zu verraten!“ Er werde nicht müde zu rufen „Lebt gewaltfrei! Lasst euch nicht für Kriege missbrauchen und von den Medien täuschen.“ "

Cinco Estrellas!

Thomas Mank 23.04.2014 | 20:24

Obwohl ich das natürlich in keinster Weise miteinander vergleichen will, erinnert mich das an meine Kriegsdienstverweigerung 1981. Ich saß einem gelangweilten Gremium älterer Herren mehr als drei Stunden gegenüber und beantwortete deren sinnlose Fragen mit meinem jugendlichen Ernst, fest von der Richtigkeit meiner Haltung überzeugt. Die Wand hinter den Herren wurde von einer riesigen Deutschlandfahne bedeckt, Fragen und Antworten auf Band aufgezeichnet, allerdings nur in kurzer Zusammenfassung durch den Vorsitzenden, den ich dabei immer wieder korrigieren musste.

Es zog sich endlos, ich gab es schon verloren, als der Vorsitzende eine letzte Frage stellte: Was ich wohl zu machen gedenke, wenn ich im Kriegsfalle zwangseingezogen werden würde. Ich antwortete, dass ich dann zwar passiven, aber absoluten Widerstand leisten würde. Seine Antowort: Dann würde ich am nächsten Baum aufgehängt werden.

Ich weiß nicht, ob es den Anderen hier eine Spurz zuviel wurde, jedenfalls wurde nach dieser Antwort meiner Verweigerung stattgegeben.

Noch heute erinnere mich mich an den anderen jungen Mann, der mit mir auf seine "Verhandlung" gewartet hatte; er war Soldat und hatte während seiner Wehrdienstzeit erkannt, dass er den "Dienst an der Waffe" nicht leisten will und kann. Ihn habe ich bewundert. Seine Verweigerung wurde nicht annerkannt.

Was wohl aus den Tonbandprotokollen geworden ist, überhaupt aus all den Aufzeichnungen, jenen Dokumenten eines absurden Kampfes um Anerkennug von etwas doch ganz Selbstverständlichem, wie ich meine.