Hans Springstein
09.03.2014 | 13:17 114

Kriegstreiber beim Namen nennen - Folge V

Kriegshetze Von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg ausgehen! Das gilt auch für Kriegshetze. Teil V einer notwendigen Serie

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Ich setze die Liste von aktuellen deutschen und deutschsprachigen Kriegstreibern und -hetzern fort. Hier ist Folge I zu lesen, und hier Folge II, hier Folge III, hier Folge IV.

• Die Ausgabe 11/2014 des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom 10. März 2014 mit dem Titel: "Der Brandstifter – Wer stoppt Putin?"

• Die Ausgabe 11/14 des Magazins Focus vom 10. März 2014 mit dem Titelbanner "Kalter Krieger – Warum Putin Russland wieder so gefährlich macht" und dem Radiospot "Der neue Focus: Wie Putin den Frieden gefährdet"

Es ist kein Journalismus, sondern übelste Propaganda, die leider nicht einfach mal so ignoriert werden kann: "Die verkaufte Auflage des Focus lag laut IVW bei knapp 510.000 Exemplaren. Mit mehr als 842.000 Exemplaren erzielte der Spiegel die höchste Auflage unter den Nachrichtenmagazinen." (Zahlen für das IV. Quartal 2013) (Quelle)

aktualisiert am 10.3.14, 14:02 Uhr

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (114)

mcmac 09.03.2014 | 14:43

Jenen würde ich durchaus auch noch mal beim Namen genannt wissen wollen (obwohl er in Folge 2 bereits einen Auftritt hatte). Dieser Mensch ist in meinen Augen einer der schlimmsten (deutschen) Kriegstreiber gegenwärtig, was ihn in seiner exponierten, fast sakrosankten Funktion ziemlich einflussreich und entsprechend gefährlich macht...

"[...]Was Gaucks Rede dagegen so problematisch macht, ist die Tatsache, dass sie sich einfügt in den konzertierten Versuch, einen Paradigmenwechsel in der deutschen Außenpolitik herbeizuführen. Und zwar in zweierlei Hinsicht: erstens den Wechsel von einer Kultur der Zurückhaltung zu einer „Kultur der Kriegsfähigkeit“(Josef Joffe), und zweitens den Wechsel von einer Kultur der Werte zu einer Kultur der Interessen.[...]"

=> Der nützliche Herr Gauck

lg-mcmac

Ernstchen 09.03.2014 | 15:23

Ich habe ja Verständnis und Respekt vor Ihrer Berichterstattung gegen den westzentrischen Tendenzjournalismus zum Thema Ukraine, aber man muss schon auch aufpassen dass man nicht irgendwann übers Ziel hinausschießt und Putin ein Unschuldsengel und Steinmeier & Co die personifizierten Teufel sind. Jetzt jede Formulierung aus irgendeiner Zeitung als Beweis für prowestliche propagandistische Kriegshetze gegen Russland zu verstehen halte ich für naja ein bisschen paranoid. Ich bin vielleicht naiv aber ich glaube nicht dass die gesamte deutsche Journaille aktivierte amerikanische CIA-Schläfer sind denen im Studium schon das Gehirn verpolt worden ist. Das soll keine grundsätzliche Kritik sein! Nur mein Eindruck einer naja Eskalation in die andere Richtung.

mcmac 09.03.2014 | 17:46

"[...]Seit Jahren verfestigt sich schon der Eindruck, dass die großen deutschen Medien in ihrer Auslandsberichterstattung (aber nicht nur dort) Einheitsbrei produzieren. Afghanistan, Irak, Georgien, Libyen, Ägypten, Syrien – bei ausländischen Konflikten blieben die journalistischen Deutungsmuster oft symmetrisch, ja geradezu austauschbar. Das Vokabular ist das Gleiche, egal ob bei phoenix oder RTL. Die Schlussfolgerungen sind dieselben, egal ob in der taz oder F.A.Z.: Der Westen muss helfen, Russland blockiert, Krieg ist die Ultima Ratio, Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen.[...]"

=> Ukraine-Konflikt: Wir sind die Guten

MfG-mcmac

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 18:06

Naja Herr Springstein, den Spiegel als Kriegshetzer darzustellen ist schon recht gewagt. Jemanden als "Brandstifter" zu bezeichnen und nach seinen Motiven zu fragen ist keine Hetze. Sie geben ja schon die Lösung vor, in dem Sie schreiben: "Es ist kein Journalismus, sondern übelste Propaganda, die leider nicht einfach mal so ignoriert werden kann." Ignorieren Sie doch einfach, was Ihnen nicht behagt! Zum Glück muss man ja nicht zwingend nur ein Blatt lesen, der Markt ist voll und bunt.

mcmac 09.03.2014 | 18:14

"[...]Überhaupt Putin. Immer wieder Putin. Er mag ein aggressiver Autokrat sein und ein autoritärer Machtmensch, der für vieles zu Recht kritisiert werden kann. Der Grad der Dämonisierung des russischen Präsidenten in deutschen Medien hat jedoch ein Ausmaß erreicht, das eher einer düsteren Verschwörungstheorie als realitätsnaher Berichterstattung entspricht. Hinter allem Schlechten, das in der Region geschieht, steckt Wladimir Putin. Medien attestieren ihm finstere Pläne und sehen ihn als berechnenden Strippenzieher im Hintergrund. Ob Umweltverschmutzung in Sotschi, Schwulenhass in der Gesellschaft, „Pussy Riot“ im Knast oder prügelnde Krimbewohner – für alles wird Putin höchstpersönlich verantwortlich gemacht. Deutsche Medienschaffende attestieren ihm eine fast gottgleiche Allmacht und grenzenlose teuflische Bosheit. Die mediale Anti-Putin-Hysterie in Deutschland erinnert mittlerweile an Symptome einer kollektiven neurotischen Störung. 1914 lässt grüßen.[...]"

=> Ukraine-Konflikt: Wir sind die Guten

MfG-mcmac

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 18:30

Naja MCMAC, auch Journalisten dürfen eine Meinung haben, die man nicht zwingend gut finden muss.

Putin zum Dämon zu machen bedeutet übrigens auch ihm Fähigkeiten beizumessen, die er objektiv gar nicht hat. Wenn Sie sich einmal ansehen, was der Mann als Offizier des KGB im Dienst (in Ostdeutschland) verzapft hat und wissen, dass der Vater von Medwedew ihn in einem Lebesnmittelskandal in St. Petersburg schützen musste, damit überhaupt etwas aus ihm wurde, sieht ihn anders. Das Problem mit Putin ist nicht, dass man in ihm einen Dämon sieht, sondern das Kernproblem ist, dass man ganz generell mehr in ihm sieht als er tatsächlich ist. Diese Fehleinschätzung ist die größere Gefahr.

h.yuren 09.03.2014 | 18:42

danke, hans und mcmac.

mir ist diese form der durchgedrehten jounaille zuerst im aufmarsch gegen jugoslawien begegnet. selbst so ein vorzeigephilosoph wie jürgen habermas war sich nicht zu schade, für den krieg zu hetzen. die medienmeute hatte witterung aufgenommen und jagte auf der spur des beutetiers durchs land.

wenn ich sowas sehe, begreife ich ein wenig besser, was in den 30er jahren des vergangenen jahrhunderts hier möglich war. jetzt ist es schon wieder soweit. es geht stets gegen den osten. die franzosenhetze im vorvorigen jahrhundert war schon mal das gleiche gen westen.

die besitzverhältnisse und prekäre lage der presse tragen sicher ein quäntchen zur hysterie bei. aber es muss auch noch ein erreger im spiel sein jenseits der hardware. teutonien kennt ja noch leibhaftige schutzengel und ähnliches interieur aus dem ruhmreichen kaiserreich.das sind die gespenster aus dem heiligen römischen reich deutscher nazion. dem hängen leute en masse hierzulande nach wie in britannien dem empire etc. die klare sicht ist vernebelt. eine andere erklärung gibt es nicht.

grüße, hy

Hans Springstein 09.03.2014 | 18:49

Ihre Bemerkungen sind bedenkenswert. Die Frage ist aber, welches Ziel gemeint ist.

Und deshalb muss ich Ihnen widersprechen, bzw. erläutern,w arum ich so und nicht anders auch den Spiegel in die Reihe der Kriegstreiber und -hetzer, wo er schon lang hingehört und ich ihn auch schon lang sehe.

Wissen Sie, nach all dem, was bisher passiert ist und nach all den Aufrufen zu Besonnenheit und zur Suche nach Lösung via Dialog, nach all den Hinweisen, dass Russland hier reagiert und nicht agiert, taucht eines der meinungsführenden und auflagenstärksten deutschen Medien mit solch einem Titelbild auf, dass mindestens als Stimmungsmache bezeichnet werden muss.

Sie müssen nicht verstehen, warum ich das so sehe. Und manchmal frage ich mich, warum ich alles wiederholen muss, ob wohl schon geschrieben, von mir und von anderen. Aber ich tue es in diesem Fall mal.

Wiederholung 1: "Als ich im Herbst 2013 folgende Schlagzeilen las:

"Putin durchkreuzt Obamas Syrien-Mission"

"Putin spielt Katz und Maus mit Obama"

war mir klar, dass die westlichen Kriegstreiber das nicht tatenlos hinnehmen werden, egal, ob Obama Putin heimlich dankbar war, dass er den offenen Krieg gegen Syrien durchkreuzte. Ich war mir sicher, dass der Westen bzw. die daran interessierten Kreise im Westen die nächsten Chancen ergreifen werden, um zu versuchen, Russland in die Schranken zu weisen und Putin mit Problemen vor der eigenen Haustür zu beschäftigen. Allein die Aussicht, dass Russland auch nur ansatzweise befürchten könnte, den Zugang zum Schwarzen Meer über die Krim verlieren zu können, weil in Kiew eine russlandfeindliche Regierung den Zugang sperrt, und die zu erwartende russische Reaktion, sich das nicht gefallen lassen zu wollen, und so wieder mal zu zeigen, vor allen jenen in den eigenen Ländern, die das schon immer glaubten, wie vermeintlich gefährlich der russische Bär und Putin sind, ja, da muss doch den Kriegstreibern und Regimewechslern in den westlichen Regierungen gewissermaßen einer abgegangen sein, wie es so schön heißt ...

Und nun gehen die Schlagzeilen wieder andersrum: "Obama droht Putin""

Wiederholung 2: "Das ist ja auch was Albrecht Müller schon mehrfach eingefordert hat, erst am 4. März wieder, weg von der elenden Konfrontatation, eben, als wäre der Kalte Krieg nicht zu Ende, sondern nur eine der beiden Seiten hat verloren und als wolle die Gewinnerseite auch noch die letzten Reste des Verlieres beseitigen, vollständig unter Kontrolle bringen, ja vernichten, und stattdessen hin zu Kooperation, die beiden Seiten nutzt. Wobei dem wieder das kapitalistische Grundprinzip der Konkurrenz entgegensteht, wie mir grad einfällt ...

Interessant waren in dem Zusammenhang die Signale, die der damals neugewählte russische Präsident Dmitri Medwedew bei seinem ersten Besuch in der Bundesrepublik im Juni 2008 und bei der gemeinsamen Pressekonferenz am 5.6.08 mit Bundeskanzlerin Merkel aussandte. Leider ist die Mitschrift der PK online nicht mehr zu finden, ich habe sie nur als pdf-Datei abgespeichert. Hier ein Online-Beitrag, der Inhalte wiedergibt. Doch dann kam kurze Zeit später der Georgien-Krieg und Merkel durfte/musste Russland wieder kritisieren. Das ist immer noch online bei der Bundesregierung zu finden. Die Entspannungssignale, die Medwedew für mehr Kooperation aussandte, tauchen vielleicht nicht mal in den Geschichtsbüchern auf ..."

Wiederholung 3: "Was ich vorhin ahnungsvoll ohne vorherige gründliche Recherche schrieb

das zum Teil nicht mal russisch sein wird, also von Moskau kommandiert, sondern Reaktion der auf der Krim lebenden Russen auf den Staatsstreich in Kiew, was natürlich die russische Regierung nicht verhindern wird, nicht nur, weil sie das gar nicht könnte, also die Reaktion der Russen auf der Krim. Ich bin mir sicher, dass Russen nicht immer erst auf Befehl aus Moskau handeln.

fand ich eben in dem inzwischen auch im obigen Text verlinkten Beitrag von Uwe Klußman bei Spiegel online vom 3.3.14 bestätigt: "Die russische Bevölkerung der Krim erhob sich gegen die Zentralregierung, noch bevor Putin Truppen in Marsch setzte." Und auch, dass da ein anderer vetrag noch verletzt wurde, den sogar EU-Vertreter mit unterschrieben haben, darunter Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Aber alles schaut auf Putin, ob der nun mit freiem Oberkörper in die Ukraine einreitet ..."

Wiederholung 4: "Dazu, besonders zum ersten erwähnten Beitrag, passt wiederum, was ich vorhin an anderer Stelle schrieb: Mir ist im Laufe des Abends noch etwas dazu durch den Kopf gegangen: Faszinierenderweise, aber nicht wirklich überraschend, ist es den westlichen Kriegstreibern und Regimewechslern auch in diesem Fall wieder gelungen, von ihrer Verantwortung für die Entwicklung in der Ukraine und die Folgen abzulenken, in dem nur noch auf das Verhalten der russischen Regierung gezeigt und geschaut wird, ganz nach den alten Gangsterprinzip "Haltet den Dieb!"."

Und hier können Sie was nachlesen, und hier und hier und noch an anderen Stellen.

Ich halte es wie gesagt mit Albrecht Müller. Und es geht nicht darum ob der russische präsident ein "Unschuldsengel" oder ähnliches ist. Die Personalisierung politischer Konflikte samt Psychologisierung mit anschließender Dämonisierung halte ich für üble Meinungsmache und Propaganda. Auf diese Weise wird "eine einzelne Person zum hassenswerten Schurken, der das alles verursacht haben soll", gemacht, wie es Manfred Wekwerth mal beschrieb. "Die Kosten des Psychologisierens sind gering, die Wirkung enorm."

Und entschuldigen Sie, diesen Quatsch die gesamte deutsche Journaille aktivierte amerikanische CIA-Schläfer sind habe ich an keiner Stelle geschrieben, nciht mit eigenen oder anderen Worten. Allerdings wurde über die Rolle deutscher Journalisten im politischen gefüge schon manche Vermutung bestätigt. Dazu eine letzte Wiederholung: "Aber die Medien sind nicht nur Opfer solchen undemokratischen Verhaltens , für die andere Länder gern zu "Diktaturen" erklärt werden. Nein, stattdessen sind vermeintliche Spitzenjournalisten und Sender- und Verlagsfunktionäre "ganz auf Linie mit den Eliten". Sie widerlegen damit die Legende von den Medien als "vierter Gewalt" und deren Kontrollfunktion in einer demokratischen Gesellschaft. Telepolis berichtete am 11. Februar 2013 über eine entsprechende Studie des Medienwissenschaftler Uwe Krüger. Die Daten seiner Analyse von Netzwerken "deuten darauf hin, dass sich Journalisten vielerorts in vertraulichen Runden mit den Mächtigen treffen". Krüger sieht das zu Recht "in einem klaren Gegensatz zu der demokratietheoretisch begründeten Erwartung, Journalisten sollten Distanz zu den Mächtigen halten, um sie kritisieren und kontrollieren zu können". Am auffälligsten sei der Befund, "dass vier leitende Journalisten der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt und der Zeit stark in US- und Nato-affinen Strukturen eingebunden waren.""

Ach und wäre das schön, wenn ich mehr Dialog, mehr Kooperation, mehr Austausch statt all deren Gegenteile eskalieren lassen könnte ...

Hans Springstein 09.03.2014 | 19:03

Nein, wie schon gesagt, wenn ein auflagenstarkes und meinungsführendes und von vielen anderen zitiertes Magazin wie dieses solche Hetzpropaganda betreibt, kann das leider nicht so einfach ignoriert hat. Weil es leider Wirkung und Folgen hat. Weil es sich leider nicht um nicht weiter zu beachtendes Gurkenblatt handelt ...

Beim Bayrischen Rundfunk kann ein bisschen was zu "Propaganda und journalitischer Ethik" nachgelesen und gelernt werden: "Journalismus heißt zunächst einmal: etwas öffentlich machen, etwas mittels Bild, Schrift, Wort und Ton vielen anderen zeigen, andere mit etwas bekannt machen. Darin liegen sowohl die Chancen als auch die ruinösen Abwege des journalistischen Berufs: Man kann etwas einseitig zeigen, oder etwas so erscheinen lassen, wie es in Wahrheit nicht ist, also lügen. Man kann etwas einseitig preisen und zur Schau stellen, also für etwas werben, sei es für ein Unternehmen oder eine Regierung, im Dienste einer demokratischen Partei oder auch eines Gewaltsystems."

Siehe mehr auch in meinem Kommentar zu "Ernstchen"

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 19:15

Nun, Journalismus kann auch polarisieren, denn das führt am Ende zu einer Meinungsbildung auch derjenigen, die eine hohe Reizschwelle haben. Der Spiegel mit einem Bild-Mann Blome ist darüber hinaus auch nur noch ein winzigen Schatten eines Blattes, das einmal "meinungsbildend" war - was aber schon Jahre zurück liegt. Den Spiegel auch heute als meinungsbildend zu bezeichnen taugt nur noch als Satire.

Eine Lüge (wie Sie ausführen) ist es nicht, denn man kann, wie Sie wissen, jeden Menschen in gutem und schlechtem Licht zeigen. Das ist keine große Kunst, weil es einzig eine Frage der Interpretation ist.

Beim Spiegel hätte mich die Schlagzeile in der 80er oder 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erschrocken, heute ist er wie WELT und BILD, nur mit weniger Bildern.

Magda 09.03.2014 | 19:40

Eben hatten sie beim ARD-Weltspiegel einen Beitrag, in dem das Vorgehen Putins aus seiner schwierigen Kindheit in Petersburg erklärt wird. Man fasst es nicht. Aber, ich verlinke mal einen älteren Beitrag beim Deutschlandradio.

http://www.deutschlandradiokultur.de/aussenpolitik-vorsicht-funkenflug.1005.de.html?dram:article_id=279340

der ist wirklich sehr sachlich und kritisch. Was beim "Spiegel" los ist, das weiß der Himmel

Hans Springstein 09.03.2014 | 19:46

Ja, Wekwerth hat eben Recht: "Die Kosten des Psychologisierens sind gering, die Wirkung enorm." Und leider funktioniert es immer wieder bei zu vielen ... Zu wenige nehmen die Stimmen der Vernunft von Albrecht Müller, Reinhard Mutz und wie sie alle heißen, wahr. Selbst Gerhard Schröder hat anscheinend einen hellen Moment: "Ukraine-Konflikt:Schröder macht EU für Krim-Krise mitverantwortlich", meldet (ausgerechnet) Spiegel online.

Magda 09.03.2014 | 20:09

Ja, das mit Schröder ist interessant. Aber das ist eine Agenturmeldung nehme ich an. Die beziehen sich auf die ZEIT-Matinee, bei der Schröder wohl gesprochen hat. Er warnt vor Dämonisierung. Recht hat. Denn jetzt suchen sie "mit der Lupe" nach Gründen, den Putin zum Gottseibeiuns zu stilisieren.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-03/ukraine-russland-putin-schroeder

Dafür kriegt er bestimmt ziemlich viel Ärger.

Interessant fand ich beim Weltspiegel die große Zahl der westlichen Unternehmen, die in der RF agieren. Manchmal kann Wirtschaft ja auch ein bisschen "befrieden". Jedenfalls in diesem Falle.

JR's China Blog 09.03.2014 | 20:50

Nein, auf den Gehaltslisten einschlägiger Agenturen (Sie wissen schon) stehen die meisten Journalisten, Korrespondenten usw. wohl nicht. Aber man ist "vernetzt" bis sonstwohin - wer bei der "Münchener Sicherheitskonferenz" dabei ist, der ist jemand, und wer nicht dabei ist, aber Aussichten hat, wird in vielen Fällen geneigt sein, sich dafür entsprechend (auch ideologisch) abzustrampeln.

Das ist der Charme der Elite - und den einfach mal abtropfen lassen ist nicht für jeden Journalisten so einfach.

Vielleicht von Interesse dazu:

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38515/1.html

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 21:39

"Brandstifter" ist ein gutes Stichwort. Das hat eine lange Tradition.

Das Bezichtigen politischer Gegner einen Brand gestiftet zu haben, um einerseits den Volkszorn anzuheizen, die Massen auf die vermeintlichen Brandstifter zu hetzen und um gleich am nächsten Tag nach der Brandstiftung, die über Nacht "erkannten" und der Brandstiftung bezichtigten Gegner festzunehmen, wegzusperren, umzubringen.

Sie samt Sympthisanten per neu erlassenem Gesetz auszuschalten.

Jemanden als Brandstifter zu bezeichnen, der kein Brandstifter ist, ist keine Hetze? Und dient nicht dazu die Massen gegen diese Person aufzuhetzen? Einfach Augen zu und Klappe halten?

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 21:50

Habe ich Augen zu und Klappe halten gesagt?

Journalisten, auch die beim Spiegel, sind ja nicht blöd. Wenn die jemanden als Brandstifter titulieren, und hier sprechen wir vom Aufmacher, wird das in der Regel im Text weich gekocht. Soweit ich das Überblicken kann (nach nur 1x lesen), ist da nichts drin, was juristisch angreifbar ist.

ELISREA, auch wenn es schwer fällt und es gerade Mainstream ist auf den Spiegel einzudreschen, zwischen dem Gebrauch des Wortes "Brandstifter" im Völkischen Beobachter und dem Gebrauch im Spiegel liegen Welten, wenn nicht sogar ganze Galaxien. Sorry! Der Spiegel ist nicht mehr was er einmal war, gut, aber vollkommen jenseits von Gut und Böse sind die noch nicht.

karamasoff 09.03.2014 | 23:12

Gleichschaltung ist kein Patent von Diktaturen.

Der Begriff strukturelle Korruption trifft das schon exakt.

Ich würde auch gerne mal wissen, was genau die Begriffe "Welten" und "Galaxien" inhaltlich auffüllt oder was der Spiegel einma l war und jetzt ist oder wie es im Jenseits ausieht, wo "die" (..,wo vom Spiegel sind - nehm ich mal so an) sich nun aufhalten.

Ernstchen 09.03.2014 | 23:37

Welches Ziel gemeint ist, über das Sie evtl Gefahr laufen hinauszuschießen? Das Ziel tendenziöse journalistische Arbeit durch mehr unabhängige Informationen und Standpunkte zu relativieren und in Frage zu stellen. Ein ehrbares Ziel für dessen Umsetzung ich Ihnen wie viele hier in der FC sehr dankbar bin. Das darüber hinausschießen ist, den Eindruck zu vermitteln dass alles was der Westen macht, opportunistische Kriegshetze ist und alles was Russland macht, verständliche Realpolitik. Sie merken dass ich dazu neige zu überspitzen, wie auch bei dem CIA-Spruch. Das ist nicht WÖRTLICH gemeint sondern tendenziell. Ich übertreibe gerne ein bisschen um auf etwas hinzuweisen. Natürlich haben Sie nirgends ein derartiges Szenario nahegelegt. Und was Ihre Wiederholungen angeht: Vielen Dank. Ich lese hier quer, ich lese nicht immer alles was Sie veröffentlichen, was eine Menge ist, und auch wenn ich einen anderen Text einmal gelesen habe, ist der mir bei der Lektüre eines anderen vielleicht nicht total präsent. Ich will Ihnen doch nichts unterstellen! Ich hatte nur so ein Bauchgefühl dass Ihre Gegendarstellung zum tendenziösen vorherrschenden Journalismus beim Thema Ukraine irgendwann nicht mehr die Dinge ins richtige Verhältnis rücken könnte sondern einfach umkehren. Und die Wahrheit, dieses Biest, liegt eben dennoch immer irgendwo dazwischen. ;)

Hans Springstein 10.03.2014 | 01:04

Kein Problem, von wegen nicht alles von mir lesen können. Das wäre auch ein bisschen viel verlangt, bei all dem, was ich auch an Kommentaren zu anderen Texten schon geschrieben habe. Zuspitzungen sind auch ok, wenn sie zu Diskussion anregen.

Bloß das mit der Wahrheit in der Mitte, da würde ich Ihnen doch glatt wieder widersprechen, wenn es nicht so schon so spät wäre. Das wäre schön, wenn es so einfach wäre.

Auf jeden Fall Danke für den Anreiz, nochmal etwas genauer zu erklären, warum ich den Spiegel in die Kriegstreiber und -hetzerreihe einreihe, übrigens schon lange, aber da wiederhole ich mich schon wieder.

Sikkimoto 10.03.2014 | 02:09

Wehret den Anfängen. Es stimmt, der Spiegel ist nicht der völkische Beobachter. Aber es werden "Paradigmen gewechselt", Tabus abgeschafft. Ich sehe in meinem Umfeld schon einfältigere Zeitgenossen, die ein "härteres", auch militärisches Vorgehen gegen Russland fordern. Solche Dummheit hat es vor 30 Jahren kaum gegeben und wenn, dann wurde sie belächelt. Ja, die Mainstreampresse mag keine direkte Kriegshetze betreiben, aber sie macht diese salonfähig.

In einem Punkt muss ich noch widersprechen: Es gibt keinen wirklichen Paradigmenwechsel von Idealen zu Interessen. Vermeintliche Ideale werden nur martialischer, dafür mit altbekanntem Feindbild vorgetragen. Die Ukraine will zurecht niemand in der EU haben. Nun ist man aber soweit Milliardenkredite zu offerieren. Gegenüber Russland werden Wirtschaftsanktionen erwogen, in der naiv-blöden Vorstellung diese würden der westlichen Wirtschaft nicht ebenso schaden. Mit einer nüchternen Interessenspolitik hat all das nichts zu tun.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 10:17

"... zwischen dem Gebrauch des Wortes "Brandstifter" im Völkischen Beobachter und dem Gebrauch im Spiegel liegen Welten, wenn nicht sogar ganze Galaxien...."

Ich habe das Titelblatt gesehen. Und ich kenne die Russen- und Kommunistenhetzplakate der Nazis. Erzählen Sie in Anbetracht des Ernstes der Lage bitte keine Märchen. Und wenn - dann wenigstens russische Volksmärchen oder solche von Andersen und Hauff. Die haben wenigstens Niveau.

Auf dem Spiegeltitelblatt steht: "Der Brandstifter. Wer stoppt Putin?"

Ich hätte erwartet, dass dort steht: "Wer stoppt die Nazis?"

Wenn den Nazis gelingt, was ihnen in anderen Ländern gelungesitz von Atom- und anderen Waffen. Gnade uns und Ihnen Gott oder sonstwer.

Jeder, der jetzt gegen Putin hetzt lenkt nicht nurvon der wirklichen Gefahr ab, sondern fördert und unterstützt die Machergreifung von Nazis.

Wer das tut, mach sich mitschuldig. Genauso wie sich diejenigen m itschuldig gemacht haben, die 33 die Nazis direkt oder indirekt unterstützt und den Massen die angeblich "jüdische und rote Bolschewistengefahr aus dem Osten" suggeriert hat.

Wir wissen, wohin das geführt hat.

Ob die Spiegelredakteure, die ein solches Titelblatt zu verantworten haben (und ihre Verteidiger) noch ruhig schlafen können?

Grüße, elisRea

Dersu Usala 10.03.2014 | 10:54

@Ernstchen (und @Hans Springstein)

Ich möchte den Spiegel auch nicht als Kriegstreiber bezeichnen. Den Print-Spiegel, wohlgemerkt. Der Online Spiegel ist deutlich weniger ausgewogen (Artikel von R. Salloum kannste gleich wegklicken), der Aktualitätsdruck spielt gewiss eine Rolle. Den Vergleich mit den 90ern kann ich nicht ziehen, da konnte ich mir das Abo nicht leisten. Dass innerredaktionelle Richtungskämpfe stattfinden, kann man sekundär manchmal nachlesen. Zuletzt sollen hieß es, die ziemlich getrennten Chefredaktionen sollen mehr zusammenwachsen. Ich fürchte, das heißt nichts Gutes.

Das aktuelle Titelbild ist schon mal unpassend. Gelesen habe ich die Ausgabe noch nicht.

@Hans Springstein _ Apropos einseitige Berichterstattung, ihre Artikel, Herr Springstein, sind in einer Unerbittlichkeit pro-russisch, dass es mir auch schon mal bange wird. In der Gesamtheit der Medien ist das in Ordnung. Andererseits zwingen Sie mich damit auch dazu, Spiegel online etc. zu lesen…

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 11:22

Um sich selbst eine Meinung bilden zu können, finde ich es zwingend notwendig Pro- und Kontrameinungen zu hören bzw. zu lesen, damit nicht anstelle von Denken und Diskutieren Manipulieren und Indoktrinieren tritt.

Deshalb bin ich für jeden Artikel dankbar, der eine andere Position vertritt, als die in nahezu allen Massenmedien gleichgeschaltet hinausposaunten.

Erst Recht, wenn so gut wie keine konträren Auffassungen mehr (öffentlich) zu finden sind.

Richtig schlimm wird es allerdings dann, wenn eine Seite die Rolle der Opposition gleich mitübernimmt und trojanische Pferde ins Rennen schickt.

Hans Springstein 10.03.2014 | 11:27

Sorry, aber bei dieser Bemerkung musste ich ein bisschen schmunzeln: ihre Artikel, Herr Springstein, sind in einer Unerbittlichkeit pro-russisch, dass es mir auch schon mal bange wird.

So ergeht es sicher nicht nur mir beim Versuch, auch eine andere Sicht darzustellen und auch auf die Interessen, Hintergründe usw. die andere Seite betreffend hinzuweisen. Da gibt es ja ganz andere, die mit einer ganz anderen fachlichen und sonstigen Autorität das Gleiche versuchen, siehe die "Medizin gegen die Krim-Krise" und was Albrecht Müller schreibt und und und ... Ich verweigere mich auf jedem Fall einem: bei der Kritik an der Politik der fürhenden Kreise der führenden westlichen Staaten und ihrer Handlanger auch in den Medien den Gesslerhut "Der böse Putin und das imperialistische Russland" zu grüßen, bevor ich meine Kritik anbringe.

Ich erkläre es Ihnen mal, weil es vielleicht nicht so klar wird bisher: Ich muss hier auf dieser Plattform bei meinen Beiträgen nicht wiederholen, was eben schon an anderen Stellen, Plätzen und in anderen Medien schon zur Genüge und mit viel mehr Verbreitung und Wirkung beschrieben und vertreten wird. Das muss und will ich nicht tun, auch weil es zu oft Meinungsmache, Propaganda und Manipulation ist. Die ist überall nachlesbar, nachsehbar und nachhörbar. Deshalb äußere ich meine Zweifel daran und mögliche Gegenbelege dazu auf dieser Plattform, immer in Erwartung und gespannt auf Gegenargumente, und ja auch Gegenfakten. Ich versuche ein Angebot zu machen, die Dinge auch aus einer anderen perspektive zu betrachten, ein bisschen mehr zu erfahren, für jene, die es vielleicht interessiert und die aus verständlichen Gründen nicht so viel Zeit haben für die notwendige Recherche und das Schreiben, wie ich sie mir nehme, da ich mir diese Zeit ab und zu organisieren kann und dank dieser Plattform und jener, die sie bereitstellen, die Texte auch veröffentlichen kann. Eines schaffe ich rein ressourchenmäßig gar nicht: Auch noch jedes Mal ausführlich wiederzugeben, was der Mainstream sagt, sendet, schreibt, druckt ... Aber immer wieder zitiere ich ohne Probleme mainstreammediale Quellen, auch Spiegel online, nämlich dann, wenn sie Informationen vermitteln und nicht erkennbar Meinungsmache betreiben.

Ja, und dafür lasse ich mich gern auch in die pro-russische Ecke stellen, wenn alles immer nur im Entweder-Oder einsortiert werden kann, wenn das Hinweisen auf die andere Seite und die andere Sicht nicht anders verstanden werden kann als unkritische Parteinahme für die andere Seite. Ich habe mich ja schon an anderer Stelle geoutet, selbst enttarnt: Ich gehöre zu einer russischen Propagandaabteilung.

Und Herrje, nie würde ich Sie zwingen, etwas zu lesen ... Sie sollen dem vertrauen und das glauben, was ich hier aufschreibe! Das muss doch reichen, was ich von Spiegel und Co. zitiere! Aber verraten Sie es nicht weiter: Ich kaufe mir nachher wieder mal die FAZ, was ich immer wieder tue. Ich lese sie auch. Muss ja wissen, was die andere Seite so von sich gibt ...

berlino1010 10.03.2014 | 11:39

Zum Glück muss man ja nicht zwingend nur ein Blatt lesen, der Markt ist voll und bunt.

Entschuldigung, aber wie naiv muss man sein, um das zu glauben? Es sind doch dieselben 5-6 Medienkonzerne, die Tausende Titel in einer nur scheinbaren Vielfalt auf den Markt werfen.

Das Propagandamodell der Amerikaner Noam Chomsky und Edward S. Herman, beschreibt den schon seit Jahrzehnten zunehmenden, manipulierenden Einfluss politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen auf die Berichterstattung der Massenmedien in Demokratien.
Pressfreiheit und Vielfalt gibt es bei uns nur theoretisch. Die veröffentlichten Medien spiegel nicht im Erntferntesten das Spektrum der Meinungen der Leser wieder.

Wenn wir tatsächlich Pluralität und Qualitäts-Journalismus hätten, dann gäbe es wenigstens noch eine Gabriele Krone-Schmalz im Staatsfernsehen, ein Peter Scholl-Latour würde in der Ukraine-Frage nicht boykottiert und es gäbe nicht nur einzelne kritische, kurzlebige Online- Feigenblätter-Artikel, sondern ganze Titel, die die verschiedenen Skandale um die Maidan-Vorkommnisse untersuchen würden. Oder auch mal von den vielen Zehntausend pro-russischen Demonstranten in Donezk, Kharkiw, Luhansk, Mariupol, Odessa, Mykolajiw, Dnepropetrowsk berichten, den Sturz der Gouverneure, was diese Menschen bewegt, und nicht nur erwähnen an irgend einem unsichtbaren Rand.

Nein, wir haben einen systemischen, wirtschaftlichen, politischen, einen äusserst undemokratischen Druck auf die Medien, transatlantische, neoliberale Einheis-Soße zu verbreiten.

Hans Springstein 10.03.2014 | 11:47

Und ich freue mich über jedes Gegenbeispiel, Belege dafür, dass es auch anders geht als so, wie ich es kritisiere, wie z.B. den Beitrag von Gabriele Krone-Schmalz, frühere ARD-Korrespondentin in Moskau, in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Cicero: Es ist mal wieder soweit. Die Russen sind schuld. Wenn ein Dritter Weltkrieg droht, dann nur, weil die Russen, allen voran Putin, ihre imperialen Machtgelüste nicht in den Griff kriegen und ihre Einflusssphäre weiter nach Westen ausdehnen wollen. Von „Putins Psychokrieg“ ist in einschlägigen Sondersendungen die Rede und davon, dass der Kreml versucht, einseitig Grenzen zu verschieben. „Putin rudert zurück“, heißt es, weil Moskau jetzt Gesprächen zustimmt. Die Frage ist nur, wer denn da wirklich zurückrudert? Russland hat schon vor Monaten Gespräche zwischen Brüssel, Kiew und Moskau angeboten, die damals von EU-Seite schroff als völlig absurd zurückgewiesen wurden. Nach dem Motto: was hat Moskau damit zu tun, wenn die EU mit der Ukraine ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet. – Eben doch eine ganze Menge. ..."

Das müssen Sie lesen!

Hans Springstein 10.03.2014 | 12:04

Ein verspäteter Nachtrag, ausgelöst durch den Kommentar von BERLINO1010 an Sie: Ein Blick auf die freie Medienlandschaft hierzulande und ihre Vielfalt und ihre Freiheit: "Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Frei ist, wer reich ist. Das Verhängnis besteht darin, daß die Besitzer der Zeitungen den Redakteuren immer weniger Freiheit lassen, daß sie ihnen immer mehr ihren Willen aufzwingen." (Der Hamburger Publizist Paul Sethe in einem Leserbrief an den Spiegel vom 5. März 1965 - Quelle)

Hans Springstein 10.03.2014 | 12:05

Ich stimme Ihnen zu, mit einem Zitat: "Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Frei ist, wer reich ist. Das Verhängnis besteht darin, daß die Besitzer der Zeitungen den Redakteuren immer weniger Freiheit lassen, daß sie ihnen immer mehr ihren Willen aufzwingen." (Der Hamburger Publizist Paul Sethe in einem Leserbrief an den Spiegel vom 5. März 1965 - Quelle)

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 12:13

Das sehe ich nicht so.

Sie hätten recht, wenn es nur das gäbe, was man am Zeitungsstand an der Ecke kaufen kann. Wenn Sie sich aber in Deutschland einmal die engagierten freien Journalisten und Blogger ansehen, die sich bemühen auch andere Sichtweisen in Worte zu fassen, ist Ihr Urteil ungerecht. Schlimm ist, dass diese engagierten Journalisten und Blogger so wenige Leser haben !!!

Darüber hinaus sind Sie, außer wenn Sie ausschließlich lokale Nachrichten lesen wollen, recht gut bedient, wenn Sie englisch-sprachige Zeitungen auswählen, die Sie im Internet in der Mehrzahl sogar kostenlos aufrufen können.

Ihr Problem kann ich einfach nicht sehen, es sei denn, Sie wollen eine einzige Zeitung, die exakt Ihre Meinung schreibt. Die müssten Sie dann aber wohl auch selbst herausbringen.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 12:18

Das galt, bevor das Internet erfunden wurde. Heute kann jeder seine eigene Zeitung herstellen und vertreiben.

Lassen Sie sich doch durch eine endliche Auswahl an Zeitungen keine beschränkte Meinungsvielfalt vorgaukeln. Im Internet gibt es tolle Projekte auch die Meinungen zu artikulieren, die jenseits des Mainstream vorortet sind.

Alle Zeitungen sind Wirtschaftunternehmen, selbst Parteizeitungen. Wenn Sie das ändern wollen, müssten Stiftungen als Herausgeber funktionieren - etwas, was es auch schon gibt.

freedom of speech? 10.03.2014 | 12:38

Lieber Springstein, es gibt auch etwas aktuellere Analysen.

Zum Beispiel von den Reportern ohne Grenzen.

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/publikationen/russland-bericht/?no_cache=0

Der Kreml auf allen Kanälen. Wie der russische Staat das Fernsehen lenkt

Zum Beginn des Olympischen Fackellaufs in Moskau am 7. Oktober stellten wir den BerichtDer Kreml auf allen Kanälen“vor. Die Publikation basiert auf rund 30 Interviews mit Journalisten, Medienexperten und Beobachtern, die unsere Pressereferentin Ulrike Gruska im Sommer 2013 in Moskau und Berlin geführt hat. Viele Kollegen – vor allem aus staatlichen oder staatsnahen russischen Medien – waren nur anonym dazu bereit, mit Reporter ohne Grenzen zu sprechen, um ihre weitere Tätigkeit nicht zu gefährden.

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/images/Kampagnen/Sotschi/ROG-Russland-Bericht-2013_web.pdf

Viele Grüße

fos?

berlino1010 10.03.2014 | 12:40

Ich bitte Sie, natürlich kann man sich Inhalte, Informationen mühsam im Internet zusammen suchen. Aber wer macht das schon? Wer hat so viel Zeit? Maximal 10% kritischer Bürger macht sich da die Mühe. Der Rest ist der Mainstream-Propaganda ausgesetzt.

Letztendlich sind wir da nicht weit von der Russischen Medienlandschaft entfernt. 80-90% der Russen informieren sich ausschließlich über das Fernsehen, das zu 100% staatlich kontrolliert ist und worauf sich der Kreml konzentriert. Und unzensierte, engagierte freie Journalisten und Blogger finden sich in RUS auch.

freedom of speech? 10.03.2014 | 12:50

"...Ich bitte Sie, natürlich kann man sich Inhalte, Informationen mühsam im Internet zusammen suchen...."

Stimmt nicht.

Man kann sich ununterbrochen von russischer Staatspropaganda berieseln lassen. Was Einige wohl auch tun.

Das, was bei unseren russischen Freunden aud dieser Karte noch rosa ist, ist derzeit auf dem Weg zu lila.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/RWB-PressFreedomIndex2013-WorldMap.svg

Viele Grüße

fos?

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 12:50

Wer sagt denn, dass "der Zustand des gut informatiert sein" keine Mühe kosten darf, wo doch die Verfügbarkeit gegeben ist?

Die Massenmedien richten sich an eine Klientel mit zwei Ohren, denn da gehen News rechts rein und links gleich wieder heraus, meist berührungslos und ohne nachhaltige Wirkungen. Das gibt es in allen Staaten und in allen Systemen, es ist das Grundrauschen.

Das zu reformieren hieße doch, dass alle Menschen einen gewissen Anspruch an ihre eigene Bildung haben müssten, etwas, was Idealisten für möglich halten, was aber durch den Alltag seit Jahrhunderten widerlegt wird.

berlino1010 10.03.2014 | 12:50

Es gibt keine Partei-Zeitungen mehr. Das war in der Weimarer Republik noch anders. Da konnten sich noch Zeitungen weitgehend frei bilden. Es gibt nämlich auch keine Leser finanzierten Zeitungen mehr. Auch das ist vorbei. Jede Zeitung braucht Anzeigen-Kunden. Die werbetreibenden Konzerne sind alle durchweg transatltantische Groß-Konzerne wie Unilever, Procter & Gamble, Nestle ... die schaltenden Media-Agenturen ebenso.

Was glauben Sie, für wieviel Werbe-Umsatz RUS steht? Und für wieviel die transatlantischen Konzerne? Dagegen sind die Kreml- Millionen für internationale Medien im unteren Promille-Bereich.

Und die Markteintritts-Barrieren für zeitungen, Zeitschriften sind enorm hoch. Wer kann denn schon Millionen investieren in ein neues Medien-Projekt, das nur in 10% der Fälle überhaupt erfolgreich ist? Genau, nur die diversifizierten Medienkonzerne, alle transatlantisch.

Also erzählen Sie keine Märchen über Chancengleichheit und frie Presse.

berlino1010 10.03.2014 | 12:56

Natürlich kann man Russische Propaganda empfangen. Aber wer will das? Ich bin an Informationen und Wahrheiten interessiert. Und die gibt es bei uns zwar noch mehr, aber viel zu wenig.

Wer diskutiert und informiert über Russische Sichtweisen des Konflikts? Niemand ausser den Russen selbst. Bei uns liest man nur gequirlte Scheisse oder Propaganda, was wir glauben, was die Russen denken. Anstatt sie mal selbst zu fragen ...

Hans Springstein 10.03.2014 | 13:17

Die mediale vermittelte "Meinungsvielfalt" ist beschränkt. Das hat sich selbst durch das Internet nicht gebessert, wenn das qualitativ und nicht rein quantitativ beurteilt, indem bei letzterem Blick die Vielzahl der Blogs erwähnt wird, die berühmte "Facebook"-Revolution, etc. Das haben andere schon viel fundierter als ich auseinander genommen und analysiert.

Heute kann jeder seine eigene Zeitung herstellen und vertreiben. Das ist ein interessanter Vorschlag, der eben rein theoretisch auch machbar ist. Aber auch da ist die Frage des Geldes dazwischen: Immer mehr Inhalte online werden kostenpflichtig, das Urheberrrecht wird zu Geld gemacht, die Materialien für eigene Recherche (PC etc.) kosten Geld, der Druck, der Vertrieb undsoweiter undsofort. Ich kenne die Probleme, die damit zusammenhängen und die an sich gute, aber leider nur theoretische Möglichkeit verhindern, beruflich sehr gut.

Das ist an sich alles interessant, spannend und diskussionswürdig, aber führt soweit weg vom Thema ...

berlino1010 10.03.2014 | 13:24

Was ich will ist sekundär. Zunächst einmal gilt es zu analysieren, wie es ist mit unserer Medien-Vielfalt. Und die gibt es eben in zentralen Themen nicht mehr. Da fällt auf uns RUS ähnlicher Propaganda-Regen auf uns herab. Selbst wenn Ihnen die Inhalte genehm sein dürften, sollten sie feststellen, dass auch die Bereiche jenseits der Kommentare mit Desinformation und subjektiven Bewertungen derart verunstaltet sind, dass man von Qualitäts-Journalismus nicht mehr sprechen kann, von dem Weglassen gar nicht zu reden.

Selbst Fritz Pleitgen konstatierte letzte Woche:

"Auch wir erfahren nicht mehr die ganze Wahrheit."

Der Kommentar wurde versteckt
Hans Springstein 10.03.2014 | 13:50

Eines erreichen Sie auf jeden Fall: Sie nerven. Und manches Mal überlege ich, die Kommentarfunktion einfach abzuschalten, weil mich diese ewige Anfüllen mit Links auf das, was überall in den Mainstream-Medien zur Genüge verbreitet wird und zur Genüge zu lesen ist, nervt. Das ist nicht mal 'ne Diskussion, sondern wirkt eher wie absichtliches Nerven, damit auch alle anderen keine Lust mehr haben, sich zu äußern. Und das könnte tatsächlich ein Auftrag sein ...

Das haben Sie bisher schon erreicht, dass Sie mich nerven. Darauf können Sie wirklich stolz sein und das ihren gedachten oder echten Auftraggebern oder wem auch immer mit Freude mitteilen.

freedom of speech? 10.03.2014 | 13:54

"....Dieses immer wieder ewige Abschweifen in den Kommentar-Threads vom eigentlich Thema finde ich persönlich nervend, nicht nur bei meinen Texten...."

Sehr gut! Thema: Kriegstreiber

Als was bezeichnen Sie es, wenn man mit eigenen Truppen einen Teil des Nachbarlandes besetzt, dortige militärische Anlagen des Nachbarn belagert, die Binnengrenzen kontrolliert und keine internationalen Beobachter hinein lässt.

Als Betriebsausflug?

Viele Grüße

fos?

berlino1010 10.03.2014 | 14:05

Früher haben ARD, ZDF zumindest ein neutraleres Weltbild geliefert. Man muss das anklagen, dann bekommt man wenigstens in der ARD noch ab un zu einen halbwegs vernünftigen Weltspiegel wie gestern, auch wenn dort auch wieder ein Maidan-Apologet, als Experte getarnt, sein Unwesen treiben durfte. Aber diese Sendung vermittelte wenigstens ansatzweise Einblicke. Es ist ja nicht so, dass nur linke Spinner mit Sorgen nach Kiew blicken, wenn sie das Nazi-Gesindel dort wüten sehen, von EU-Gnaden.

Analysieren, feststellen ... ggfls. sich etwas überlegen ... es gibt ja noch einige Ewiggestrige, die Journalisten und unsere Medien für eher links halten ... *prust*

berlino1010 10.03.2014 | 14:10

Zu dem FOS-Schwätzer fällt mir nur ein:

Nahezu immer klagen unsere Mainstream-Medien einseitig RUS und den so besonders dreisten Schurken Putin an. Versucht man diesen Propaganda-Wellen ein bisschen was entgegen zu setzen, kommt der daher und beklagt fehlende politische Korrektheit - absurd.

Um den Ernst nehmen zu können, müsste er mir erst einmal 20 Stunden nachweisen, in denen er die Nachrichten-Presse auf ihre Verfehlungen hinweist, bevor er ein Nischen-Meinungs-magazin mit seinen Ansprüchen belästigt.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 14:55

Das Weltbild in ARD und ZDF habe ich nie als neutral empfunden.

Zuerst schaue ich mir an wie die Gewichtung von Nachrichten ist. Ich übertreibe es zur Anschauung einmal:

Fiktive Tagesschau am 30.02.2014,5

Bericht Maidan/Ukraine: 60 Sekunden

Bericht 2. Bundesliga: 60 Sekunden

Bericht 1. Bundesliga und Spielausschnitt: 120 Sekunden

Frühlingsbilder und Kommentar aus dem Breisgau: 120 Sekunden

Gut, das ist jetzt ein wenig überzeichnet, aber sehen Sie die Tendenz? Wie kann etwas neutral sein, wenn es schon an der Gewichtung scheitert?

Hans Springstein 10.03.2014 | 15:21

Mich erinnert sein Treiben an etwas, was bei Telepolis am 6.2.13 berichtet wurde: "EU plant Propaganda-Patrouille"
Da hieß es u.a.: "Dem Daily Telegraph gelang es, an "Politische Richtlinien für eine institutionelle Informations- und Kommunikationskampagne" der EU zu gelangen. In diesem als vertraulich gekennzeichneten internen Papier (zu dem man im EU-Parlament bislang keine Stellungnahmen abgeben möchte) wird beschrieben, wie "institutionelle Kommunikatoren" die öffentliche Meinung im Internet mit Hilfe von "Werkzeugen" beobachten und beeinflussen könnten. Sie sollen bereits "in einem frühen Stadium" herausfinden, ob "Debatten politischer Natur" auf Twitter, in Facebook, in Foren und in Blogs ein "Potenzial haben, Interesse von Medien und Bürgern auf sich zu ziehen".
Ein besonderes Augenmerk legt man dabei auf "Euroskeptizismus": Denn trotz der – so das Dokument wörtlich – "unbestreitbaren Erfolgsgeschichte" habe man feststellen müssen, dass aufgrund der "gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Krise" und hoher Arbeitslosigkeit das Vertrauen in die Brüsseler Institutionen schwinde. Man müsse deshalb, die Wahrnehmung, dass die EU eine Ursache dieser Probleme ist, "umdrehen" und die Parole kommunizieren, "mehr Europa und nicht weniger" sei die Lösung. ..."

Die Methoden klingen ähnlich bzw. gleich.

mymind 10.03.2014 | 21:13

Es geschehen noch mediale Zeichen & Wunder _ selbst beim DLF. Das heutige Interview mit Otfried Nassauer gehört z. gr. Teil dazu, auch wenn ich die ´Gesichtwahrung´ etwas überbewertet fand, verständlicher klingt:

>>Deswegen argumentiere ich immer für eine große Tugend des Kalten Krieges, die eigentlich durchgängig funktionierte. Abschreckung basierte darauf, dass man auch verbale Eskalationskontrolle praktizierte. Dann konnte sie kriegsverhindernd sein. Wenn ich verbal eskaliere und dabei keine Grenzen kenne, dann ist möglicherweise auch die Funktion von Abschreckung in Gefahr, nämlich kriegsverhindernd zu wirken.<<

http://www.deutschlandfunk.de/konfliktforscher-zur-krim-krise-verbale.694.de.html?dram:article_id=279650

Eben dieser Hang zur Konfrontation, die verbale Eskalation als auch das permanente Drohen & Warnen hat seit Jahren die US-Diplomatie sowie ihre Bereitschaft zu Gesprächen ersetzt. Unerträglich dabei ist zudem, dass die meisten Konflikte mit ihrem Support überhaupt derart eskalieren. Wenn die Rechnung aufgeht, schreit kein Hahn danach, wenn nicht, folgen sogleich aggressive Töne, unangemessene Aktionen & eben verbale Eskalationen.

Wie lange wollen sich die EU-Rpräsentanten bzw. deren Bürger dieses ramboeske Gebaren gefallen lassen & sich bez. der dahinterliegenden Absichten wegducken? Klar ist, dass unser aller Interessen hier keine Rolle spielen, weder zwischenmenschliche, wirtschaftliche noch friedliche!

In einem weiteren DLF-Beitrag wird der konservative Pragmatiker Peter King, Mitglied im Heimatschutzkommittee des Repräsentantenhauses zitiert:

>>Wir müssen unsere Exportrestriktionen für Erdgas aufheben. Dann können sich Länder wie Großbritannien oder Deutschland zumindest teilweise aus der Abhängigkeit russischen Gases befreien. Wir haben genug Erdgas für viele weitere Länder in der Welt, und wir sollten sofort mit dem Export beginnen. Das löst das Problem nicht kurzfristig, aber langfristig können diese Länder ihre Abhängigkeit vom russischen Erdgas verringern.<<

Hier das Original-Interview

http://www.youtube.com/watch?v=Xn7dnP0r5xE

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 22:38

Hallo Herr Springsteen, ich wage es einfach mal, noch etwas zu diesem Thema zu ergänzen...

Wenn Sie mal etwas vollkommen Abgefahrenes, oder, sachlich politisch meinungsschizoides lesen wollen, dann schauen Sie mal in den gedruckten Spiegel. Im ersten Teil des Titelthemas ist allein Putin schuld (als Einzelperson natürlich) - ehe dann so im letzten Drittel die Sprache darauf kommt, dass "die Europäer" ja eine hummeldumme Diplomatie betrieben haben und man die russische Sicht der Dinge ja durchaus verstehen könne. Aber auf dem Cover: Putin der Bösewicht.

Auch solche international ja durchaus wahrgenommenen medialen Mollies haben neben dem politischen Treiben des Westens an Russlands Haustür zumindest psychologisch zum Überlaufen des Fasses beigetragen. Am Rande Ihres Themas, aber nicht außerhalb.

mymind 10.03.2014 | 22:55

MM behauptet: Diese Beispiel zeigt _ neben vielen _, dass der Journalist vermutlich die Angelegenheit reflekriert betrachtet & recherchiert hat, aber diese Quintessenz nicht den ´Richtlinien´ entsprach. Dann heißt e entweder: Artikel zurückziehen, aber wenn das Portemonnaie es nicht erlaubt, bedeutet es Umschreiben. Hier werden schließlich keine kritischen Journalisten gefeuert oder gar eingesperrt, sondern, bei zuviel Widerstand bzw. Aufrichtigkeit, nicht mehr beauftragt.

Hans Springstein 10.03.2014 | 23:11

Hallo Herr Kuntz, danke für den Hinweis. Ich habe das Heft zwar, kam aber noch gar nicht zum Lesen.

Dafür habe ich was anderes gelesen, was ich heute fand und mich im ersten Moment verblüffte, aber mir folgerichtig erscheint, also den nächsten Zug des Westens gegen Russland auf dem geopolitischen Schachbrett nach der Ukraine andeutet: Im aktuellen Heft des Magazins Zenith (März/April 2014) schreibt der Orientwissenschaftler Prof. Udo Steinbach auf S. 50, die EU sei zu "einem Faktor im Kräftespiel im südlichen Kaukasus geworden". Die Region sei für die EU "um so essentieller, je mehr sein Interesse an den Öl- und Gasreserven Aserbaidschans und des kaspischen Raums wuchs." Und weiter: "Georgien entwickelt sich mit Nachdruck auf Europa hin. ... Das autokratisch regierte Aserbaidshan sucht über sein energiepolitisches Gewicht eine strategische Beziehung mit der EU einzugehen. Russland ist bemüht, diesen Prozess der Abkoppelung der ehemaligen Teile seines Imperiums zu blockieren. ...
Armenien aber ist der Punkt, an dem Moskau besonders nachhaltig angesetzt hat, das Abdriften der Kaukasusrepubliken aus seinem Orbit zu verhindern. Wie die Ukraine hätte Armenien Ende November 2013 auf dem Gipfeltreffen in Vilnius der 'Östlichen Partnerschaft' mit der EU beitreten sollen. Mit der gleichen politische und wirtschaftlichen Brachialgewalt wie im Falle Kiews [EU-Botschafter Jan Tombinski: "Die Kredite der EU und des Internationalen Währungsfonds waren gebunden an Reformen. Das ist die Hilfszahlung Russlands nicht." Epoch Times, 21.12.13] wurde Yerevan daran gehindert, diesen Schritt zu tun. Die von Moskau verordnete alternative Marschrichtung heißt Eurasische Zollunion.Das aber ist nicht das letzte Wort. Die EU ist attraktiv im südlichen Kaukasus. Nach den Spielen von Sotschi sie Sorge tragen, dass sich die russische Führung auch den Anliegen der Völker des nördlichen Kaukasus öffnet. Die Anerkennung ihrer Identität im Licht der Geschichte steht hoch auf deren Agenda."

So schreiben und denken (intellektuelle) Kalte Krieger, Kriegstreiber und Regimewechsler, die mit Moskau noch lange nicht fertig sind ...

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 23:22

Oder man war sich schlicht nicht einig in der Redaktion und wollte irgendwie beides reinbringen. An einem Spiegel-Titel-Thema-Text sind ja locker eine handvoll Redakteure beteiligt, die auch alle genannt sind. Titelblätter wiederum sind eine Sache für die Chefredaktion. Der ranghöchste, den die Titelgeschichte nennt, ist wiederum Blome, der dieser angehört und bei A&B schon wenig begriffen hatte und in einen erbärmlich selbstverliebten Progressismus verfiel a la "19. Jahrhundert! Nicht mit mir!". Ungefähr so.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 23:47

Also sagen wir es mal so: Dass Armenien, ein christliches Land zwischen der Türkei, seinem Feind Aserbaidschan und dem Iran in die andere Richtung orientiert, ist naheliegend.

Armenien von Westen her gegen Russland in Stellung bringen zu wollen ist allerdings in der Tat gefährlicher Unfug. Ich bin mir zwar nie so sicher, ob die EU nun dumm oder kriminell ist (ich glaube eher das erste, sehe das Grinsen darüber aber überm Teich), aber das Ergebnis ist dasselbe. Zwar wäre Armenien nicht ganz so gaga wie Ukraine, weil Brüssel es ganz hätte aufnehmen können ohne es erst zerreißen zu müssen. Trotzdem keine gute Idee. Ein orthodoxes Land. Schon die Bindungen Zypern an Moskau sind viel enger als an jedes EU-Land.

Würde man nach und nach eine wirklich eurasische Union gründen, also eine Fusion von EU und Putins Union andenken, gewissermaßen "Alexander Dugin minus russische Leitkultur" auf der Fläche der UEFA umsetzen, wovon ich persönlich ein ganz großer Fan bin und was auch der Experte Alexander Rahr fordert, der davon mehr versteht als der kleine Konfuzi, es würde dann auch Armenien dazugehören. Ohne vom Westen vergewohltätigt mißbraucht oder von Russland gemaßregelt zu werden.

Und für die beiden großen Schwesterkulturen, die in der Ukraine den billigsten Modernisten und Koffermännchen mit ihrem ach so rationalen Denken in Märkten und Effizienz wieder dunkel in Erinnerung kamen, ließen sich in so etwas wie den Reichskreisen des alten Deutschland organisieren. Lemberg und Charkow wären "unterschiedlich zugeordnet" und es wäre doch eins.

mymind 11.03.2014 | 00:05

Der ´Spiegel´ ist für mich schon lange ´out of true information´, zumindest mdst. bez. Auslandspolitik, insofern hat mich der Personalzuwachs mit Blome nicht gewundert. Die Rolle, Anteile & Mitspracherechte von Augstein sind mir nicht ganz klar & geläufig...

Redakteuren, die im Rahmen von Beiträgen über bestimmte Länder, unabhängig ob es um Kunst, Kultur, Natur etc. geht, immer auch bekannte negative Slogans darunter mischen müssen, damit der Beitrag abgenommen wird.

Das hat auch schon zu heftigen Auseinandersetzungen in meinem Bekanntenkreis geführt, was mir dann auch sehr verdeutlichte, wie blauäugig hierzulande nicht nur die 4. Gewalt sondern auch Propaganda betrachtet & übersehen wird.

mymind 11.03.2014 | 00:26

Für die große Eurasische Union grätscht nicht nur BigBrother von drüben rein, sondern diverse EU-Mitglieder, insbesondere jene auf der Insel & der ehem. SU-Staaten. Vergessen Sie auch nicht sämtliche Bürger, die Angst vor allem haben, was russisch ist...

Was gegen ein Konzept einer zukünftigen Annäherung & in Folge eines Ankommens zwischen EU & einer Eurasischen Union, die erst am Entstehen ist, spricht, leuchtet gar nicht ein. Zumindest nicht was u.a. das größte EU-Interesse sein sollte, nämlich friedlich mit den Nachbarn zu kommunizieren & zu handeln.

Es ist schon klar, wem es nicht gefällt. Doch wer sich selber ausknockt, aufgrund eines chauvinistischen Besser-Wessi-Denkens, wird ohne Bewußtseinstransformation nicht locker lassen. Das muss betrachtet & in Konsequenz behandelt werden.

Hans Springstein 11.03.2014 | 00:49

Was gegen ein Konzept einer zukünftigen Annäherung & in Folge eines Ankommens zwischen EU & einer Eurasischen Union, die erst am Entstehen ist, spricht, leuchtet gar nicht ein.

Ich sehe das ja gar nicht konfuzikuntzianisch kulturell, sondern materialistisch: Dagegen spricht eines der beiden Grundprinzipien des Kapitalismus (neben dem Profit): Das Konkurrenzprinzip. "Die einzige Weltmacht" (Brzezinski) wird alles, was sie kann und so lange sie kann, dafür tun, um das Heranwachsen, den Aufstieg einer anderen Macht neben ihr zu verhindern, ob das nun China ist oder ein tatsächlich vereinigtes Europa mit einem Teil Asiens. Zwietracht säen ist eines der dabei eingesetzten Mittel, neben Korrumpierung durch Einbeziehung in elitäre Kreise (Council on Foreign Relations, Atlantik-Brücke, etc.) und ähnliches.

Das funktioniert selbst mit "Linken", nebenbei bemerkt und zitiert, wie das Magazin Politik + Kommunikation in einem Beitrag vom Dezember 2013 (Heft 7/2013) über das "Team America – Die neuen Transatlantiker" im Bundestag zeigt: "Einer von Nouripours Vorstandskollegen in der Parlamentariergruppe USA ist Stefan Liebich von der Linken. Bei den Reformern in seiner Fraktion gilt der 41-Jährige nicht nur mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen als kommender Mann. Liebich, der am 22. September das Direktmandat in Berlin-Pankow gewann, saß bereits in der letzten Wahlperiode im Auswärtigen Ausschuss und wird ihm wohl auch diesmal wieder angehören.
'Schon aufgrund seines Alters hat er eine andere Sicht auf die transatlantischen Beziehungen als so manch anderer in der Fraktion', lobt Dietmar Bartsch den jüngeren Kollegen, der im Sommer 2002 unter dem Eindruck der Terroranschlägen des 11. September erstmals die USA besuchte. 'Das bedeutet überhaupt nicht, dass er den USA unkritisch gegenübersteht', betont der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion. 'Aber er sieht sie eben auch nicht als reinen Hort des Imperialismus. Und diese Sicht bringt er auch in die Fraktion ein.'"

Ernstchen 11.03.2014 | 09:22

Also wenn einer (!) in der Linken der Ansicht ist, dass die USA nicht ein reiner (!) Hort des Imperialismus ist, dann ist das der Beweis dass die US-Imerialistische Propaganda auch bei den Linken nicht halt macht und bald alle brainwashed sind. Hab ich das so richtig verstanden? Ich habe Ihnen weiter oben im Text dafür gedankt dass Sie dem tendenziösen Journalismus in der Ukraineberichterstattung versuchen etwas entgegenzusetzen. Jetzt nach Durchlesen des weiteren Verlaufs, lese ich nur noch teils an den Haaren herbeigezogene Einzelbeispiele die irgendwas beweisen sollen. Was genau wird nicht mehr klar, außer dass über alles und jeden mit der roten Spraydose PROPAGANDA!!! ALLES PROPAGANDA!!! gesprüht wird. Das bekommt leider langsam Züge von Paranoia mit extremem Tunnelblick. Und das wovor ich oben noch nur gewarnt habe ist eingetreten: Westen böse, Putin super. Putin super sagt hier zwar niemand laut, aber wer nur auf eine Seite eindrischt und zwar so dass man das Gefühl bekommt dass Putin Kinder mit der Axt erschlagen könnte und der Spiegel wäre immernoch der größere Übeltäter, der ist genauso einseitig fixiert wie es viele große deutsche Medien sind. Und nein, das ist dann nicht mehr hilfreich! Ich würde mich freuen wenn hier wieder ein wenig mehr Vernunft einkehren würde anstatt heißen Medienhasses.

Meyko 11.03.2014 | 10:57

Zufällig habe ich die Pressekonferenz von Putin am Di. 04.03.14, 11.30 Uhr live verfolgt. Die Medien, die seine Aussagen anschließend zusammenfassten und interptretierten, erschienen wahrhaftig gruselig tendenziös. Heutzutage kann man sich ja vergangene Sendungen zur Überprüfung nochmals ansehen. Interessant waren auch die zum Teil recht kritischen Fragen einiger Journalisten.

Zu den Sanktionen sagte Putin z.B. (ca. ab Min. 22:30): Über die Folgen müssen sich in erster Linie die Gedanken machen, die sie einführen wollen. Ich glaube , dass in einer Welt, in der alles eng miteinander verbunden ist und jeder von jedem abhängt, da kann man natürlich einander irgendwelchen Schaden zufügen. Aber diese Schäden werden gegenseitig sein, das sollte beachtet werden....

In den Nachrichten hörte ich völlig überraschend: Putin hat bei Sanktionen mit Gegenmaßnahmen gedroht...

Naja. Usw.

@ Springstein: Danke für den Beitrag!

Hans Springstein 11.03.2014 | 13:55

Ich vergaß vorhin: In einem haben Sie Recht: Ich nenne Propaganda Propaganda, ob sie nun direkt und plump oder geschickt und versteckt daher kommt, erst Recht gilt das für Kriegspropaganda und -hetze, ob das ganzen Völkern gegenüber geschieht oder einzelnen Politikern gegenüber, die als Sündenböcke dämonisiert werden. Das werde ich auch weiter tun.

Und eine Frage: Wenn Sie auf etwas aufmerksam machen, wie viele Beispiele führen Sie dann immer an als Beleg für das, worauf Sie aufmerksam machen wollen? Aber ich gebe zu, es handelt sich nur um eine theoretische Frage.

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Ehemaliger Nutzer 11.03.2014 | 17:42

NSA hat versagt ...

Ex-CIA-Mitarbeiter und Buchautor Bob Baer sagt, Putin bespreche seine Strategie weder per Handy noch auf Facebook oder Twitter. Die alte CIA hätte laut Baer versucht, einen V-Mann im militärischen Apparat des Kreml zu finden. Jetzt habe man stattdessen auf digitale Spähprogramme gesetzt und letztendlich versagt, so der US-Experte. Der Westen startete eine Operation, um einen Machtwechsel in Kiew zu erzielen, entdeckte aber plötzlich, dass Putin einen Gegenplan hat. Worin dieser Plan besteht, davon hatte man im Westen keine Ahnung. Trotz ihres uneingeschränkten Zugriffs auf Daten sind die US-Geheimdienste also nicht omnipotent.

http://german.ruvr.ru/2014_03_11/Wie-die-NSA-in-Sachen-Krim-versagt-hat-8321/

navigant 11.03.2014 | 22:45

Der sogenannte Westen, unter der Führung der USA, hat sich selbst in einen unaufhaltsamen Sinkflug gesteuert und ist nicht mehr in der Lage diesen zu beenden um wenigstens in einen kontrollierten Horizontalflug überzugehen. Die Geister die damals Reagan und Thatcher in Form von Hedgefonds, Spekulanten und kriminellen Finanzjongleuren auf den Plan riefen, werden sie nun nicht mehr los. Obama versucht die unmittelbar bevorstehende Staatspleite u.a. durch Schrumpfen der Streitkräfte auf das Niveau von 1940 abzuwenden. Für den militärisch-industriellen Komplex in Amerika der schlimmste aller Albträume. Fazit, es muss ein potenter Gegner her um Obama zur Umkehr zu zwingen. (Janukowitsch hat ihnen die Steilvorlage geliefert). Aber das wird den Sinkflug letztendlich nur noch beschleunigen. The american dream is over, including his way of life... Ein europäischer Großkonflikt spielt einzig und allein nur den Amerikanern in die Karten. Neu entstehende Allianzen zwischen alten Verbündeten und neuen aufstrebenden Mächten müssen aus ihrer Sicht um jeden Preis gestört oder noch besser unterbunden werden. Mit einer militärischen Auseinandersetzung in Europa, wären gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Noch halten sich die Chinesen auffallend zurück, weil sie wissen dass sie die nächsten auf der Liste sind. Die europäische Außenpolitik macht nur Sinn mit Hinblick auf die noch zu starken Verflechtungen des alten Europa durch übermächtige europäisch/amerikanischen Interessengruppen. Diese könnten sich aber mittelfristig als fatal herausstellen. Allerdings, schaut und hört man genau hin, kann man erkennen, dass hinter den europäischen Kulissen bereits andere Pläne nicht nur geschmiedet werden. In Russland nimmt man das sehr wohl zur Kenntnis... Wir sind Zeugen von sich grundlegend ändernden globalen Kräfteverhältnissen und einer sich in ihrer Entwicklung befindlichen neuen Weltordnung. Ob sie friedlich von Statten gehen wird, hängt sehr stark von den handelnden Personen ab...

Hans Springstein 12.03.2014 | 18:50

Stefan Meister, Russland-Experte des Think-Tanks European Council on Foreign Relations (ECFR), am 1.3.14 gegenüber tagesschau.de: "tagesschau.de: Welches Ziel verfolgt Wladimir Putin mit der Besetzung der Krim?

Stefan Meister: Ein aus seiner Perspektive ganz rationales, strategisches Ziel: Die Verhinderung eines NATO-Beitritts der Ukraine. Nachdem Präsident Viktor Janukowitsch abgesetzt wurde und eine pro-europäische Regierung die Geschäfte übernommen hat, war klar, dass die russische Politik des vergangenen Jahres, die Ukraine in den russischen Einflussraum zu holen, gescheitert ist. Also hat Russland von Soft- auf Hard-Power umgeschaltet. Im Kreml läuteten die Alarmglocken, dass mit einer pro-europäischen Regierung und mit diesem Druck der Bevölkerung nach einer EU-Integration bald ein NATO-Beitritt anstehen könnte. ...

Wir sind viel zu sehr auf diese Person Putin fixiert. Putin ist der Moderator zwischen verschiedenen Interessengruppen in der russischen Elite. ...

Und dann gibt es auch eine tiefe Enttäuschung über den Westen und die EU. Putin hat verschiedene Kooperationsangebote in Bereichen wie Sicherheit und Energie gemacht, hat eine Bundestagsrede gehalten und es gab nie eine Reaktion darauf. Und er hat das Gefühl, man kann sich auf niemanden verlassen: Zuerst hieß es, eine NATO-Erweiterung wird es nicht geben - die gab es dann aber doch. Jetzt gibt es den nächsten Membership Action Plan der NATO für Georgien. Putin sagt sich, wenn die anderen ihre Einflusszonen ausbauen, dann tue ich das jetzt auch. ...

Die EU beziehungsweise ihre Mitgliedstaaten tragen eine große Mitschuld an der jetzigen Situation, schon in der Vorbereitung auf den Vilnius-Gipfel wurden Fehler gemacht. Die EU hat ein Angebot an ukrainische Eliten gemacht, das überhaupt nicht deren Bedürfnissen entsprach. Gleichzeitig hat sie diese Eliten unter Druck gesetzt, dieses Angebot anzunehmen und hat die gesellschaftliche Dynamik dabei überhaupt nicht bedacht. Und sie hat völlig außer Acht gelassen, was das für Russland bedeutet: Der Verlust der Ukraine ist für Russland viel wichtiger als der Gewinn der Ukraine für die EU. Die EU hat hier einen Konflikt kreiert, auf den sie gar nicht vorbereitet ist. Es gibt überhaupt keine Instrumente, um angemessen auf diese Krise reagieren zu können. ...

Wir reagieren ja quasi hysterisch auf das, was da passiert, bedienen historische Bilder und Bilder des Kalten Krieges. Wir schieben Putin die Schuld zu und verschweigen unseren eigenen Anteil daran. Auch unser Blick auf die ukrainische Opposition oder auf Julia Timoschenko ist sehr einseitig. Hier fehlt eine kühle Analyse der Realität. ...

Die derzeitigen Ereignisse stärken Putin zwar nach innen, aber sie schwächen das Land regional und international."

12.3.14: Der friedenspolitische Sprecher des Komitees für Grundrechte und Demokratie, Andreas Buro, legt ein Papier als Diskussionsgrundlage für eine konstruktive Erörterung dieser bedrohlichen Situation vor.
Es war am Ende des West-Ost-Konflikts als US-Präsident Bush sen. und US-Außenminister Baker Michael Gorbatschow versicherten, die Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts würden nicht Mitglieder der NATO werden. Die NATO würde also nicht an die Grenzen der Sowjetunion rücken. Man konnte sich demnach vorstellen, es würde ein cordon sanitaire entstehen – bestenfalls sogar eine Zone der Vermittlung zwischen West und Ost.
Nichts dergleichen geschah. NATO und EU expandierten gen Osten. Nach 1999 traten Polen, Tschechien, Ungarn, nach 2004 Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und nach 2009 Albanien und Kroatien der NATO bei. Alles Länder die einst zum sogenannten Ostblock gehörten. Beitrittsbemühungen gab es ferner um Georgien und Armenien. Vor diesem historischen Hintergrund wird der Kreml nicht die Perspektive akzeptieren, die Ukraine solle der nächste NATO-Kandidat werden.
Diese Annahme ist angesichts der vehementen Unterstützung der aufständischen Kräfte aus dem Westen keineswegs abwegig. ...
Meine Schlussfolgerung lautet: Eine friedliche Lösung ist möglich, wenn die alten Verhaltensweisen der Konfrontation zugunsten einer Politik der Kooperation und der zivilen Konfliktbearbeitung in Europa aufgegeben werden. Abbau von Misstrauen und Aufbau von Vertrauen sind erforderlich. Wie können die Zivilgesellschaften aller beteiligten Länder dazu beitragen?"

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Ehemaliger Nutzer 13.03.2014 | 06:44

ja, da gibt es schon viel zu viele mit-spieler ... und alles ist zu unterstützen, was diese gedopten-unsauberen spielregeln offenlegt und sich ihnen verweigert !

alles, was richtung augenhöhe tendiert sollte unterstützt werden

ich sehe dabei jedoch die schwierigkeit, dass dies weder auf knopfdruck von 0 auf 100 passieren KANN ... sondern jeder sich die arbeit machen muss, die verfolgten tendenzen genau zu beobachten und sich nicht von "unvollkommenen" einzelaktionen in die irre führen lässt ...

apatit 15.03.2014 | 08:13

+++19:22 Uhr: Lawrow: US-Drohne über Krim abgefangen +++
Über der Krim ist nach Angaben eines russischen Rüstungsunternehmens eine US-Überwachungsdrohne abgefangen worden. Der Flugkörper mit der Identifizierungsnummer UAV MQ-5B sei nach einem elektronischen Störmanöver „nahezu intakt“ in die Hände von „Selbstverteidigungskräften“ gefallen, teilte das Unternehmen Rostec mit. Zuvor sei der Kontakt zwischen der Drohne und der US-Kommandozentrale durch ein Rostec-Kampfsystem unterbrochen worden. Das Ding soll aus Bayern sein!