Hans Springstein
26.08.2013 | 20:26 37

Weg in den Krieg nach bewährtem Drehbuch

Syrien Die Reaktionen des Westens und seiner Verbündeten auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien folgen einem bekannten Muster. Das macht es nicht besser

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Weg in den Krieg nach bewährtem Drehbuch

Foto: ABO AL-NUR SADK/AFP/Getty Images

Die westlichen Kriegstreiber machen weiter mobil und stützen sich dabei auf die unbewiesenen Vorwürfe gegen die syrische Armee wegen des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes am 21. August 2013. US-Präsident Barack Obama hat seine vermeintliche Zurückhaltung aufgegeben und ist bereit, gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien auch ohne die UNO Syrien anzugreifen, wie die Medien am 26. August 2013 meldeten. Sie lassen sich von nichts und niemand beirren. Natürlich erst Recht nicht von der Bemerkung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im Interview mit der russischen Zeitung Iswestija, der Vorwurf des Giftgaseinsatzes gegen die syrische Armee stelle „eine Verhöhnung des gesunden Menschenverstandes“ dar. In dem am 26. August 2013 veröffentlichten Interview sagte Assad: „Wir werden beschuldigt, die Armee habe C-Waffen in einer Region eingesetzt, die angeblich von Regimegegnern kontrolliert wird. In Wirklichkeit aber gibt es in dieser Region keine klare Frontlinie zwischen der Armee und den Regimegegnern. Wie kann denn ein Staat C-Waffen beziehungsweise beliebige andere Massenvernichtungswaffen in einer Region einsetzen, wo sich seine eigenen Truppen befinden? Dies widerspricht jeder Logik.“ Es sei absurd: „Zunächst werden Anschuldigungen erhoben und erst dann Beweise gesammelt“.

Was tatsächlich absurd und wider jede Vernunft wirkt, folgt aber der Logik eines Drehbuches der westlichen Kriegstreiber und ihrer Verbündeten, das ich in einem Beitrag für Heft 7/2012 der Zeitschrift Ossietzky, erschienen am 31. März 2012, beschrieben habe. Aus aktuellem Anlass muss ich daraus zitieren: „Das klare Muster, je nach Bedarf in Details abgewandelt und angepaßt: Ein potentieller oder latenter Konflikt in dem »Schurkenstaat« (mit meist ethnisierten sozialen Ursachen) wird von westlichen Staaten angeheizt, indem eine Seite mit verschiedensten Mitteln bis hin zu Waffen und Ausbildung unterstützt wird. Das geschieht auch, indem die unterstützte Oppositionsgruppe unerfüllbare Maximalforderungen aufstellt. Anfänglich berechtigte soziale Proteste »entwickeln« sich mit Hilfe von außen aktiv zu Demonstrationen und Aufständen, die nur noch eine Forderung kennen: den Sturz der Regierung oder des jeweiligen »Diktators«. Gleichzeitig erhält die erwartungsgemäß schwächere Seite nicht minder übertriebene Versprechungen aus dem Westen, was bei ihrem »Sieg« alles für sie herausspringt. Dazu gehört, jegliche Dialog- und Verhandlungsangebote abzulehnen oder nur pro forma anzunehmen. Wie die Konflikte angeheizt werden und wer für ihren dann erwartbaren gewaltsamen Ausbruch entscheidend mitverantwortlich ist, das zeigte Jugoslawien seit 1990 samt NATO-Krieg gegen dieses Land. Wie das derzeit abläuft, hat kürzlich Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. in seiner Analyse »Syrien: Die Militarisierung der Proteste und die strategische Unvernunft der Gewalt« beschrieben.

Warnungen vor diesem Mechanismus und seinen Folgen bleiben ungehört. Die Gewalt der einen Seite wird verschwiegen, die der anderen überhöht und überdimensioniert. Und so machen die westlichen Politiker und Medien im Fall Syrien aus dem Kampf gegen bewaffnete »Rebellen« das Vorgehen der Armee gegen »die Opposition«. Die erwartungsgemäßen Reaktionen der angegriffenen Seite sowie die absehbaren Folgen und unbeteiligten Opfer dienen dann dazu, diese Seite zu dämonisieren. Spiegel online präsentiert den syrischen Präsidenten unter anderem als Teufel, der das Land zur »Hölle« macht. Auch das Muster ist bekannt. So erging es Slobodan Milosevic, Saddam Hussein oder Muammar al-Gaddafi. Ohne moralische Zustimmung der eigenen Bevölkerung trauen sich die westlichen Brandstifter nicht, die von ihnen gelegten Brände ausgerechnet mit Bomben zu löschen. Die Propagandamaschinerie, die gegen Syrien eingesetzt wird, ist erprobt und bekannt. Andreas Elter beschreibt sie in seinem Buch »Die Kriegsverkäufer: Geschichte der US-Propaganda 1917–2005«, Mira Beham in »Kriegstrommeln. Medien, Krieg und Politik«, Jörg Becker und Mira Beham in »Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod«, John R. MacArthur in »Schlacht der Lügen« oder Norman Solomon und Reese Erlich in »Angriffsziel Irak. Wie die Medien uns den Krieg verkaufen«. Das immer gleiche Drehbuch funktioniert in erschreckender Weise immer wieder. Die wenigen Stimmen der Vernunft kommen gegen den Einheitsbrei der Konzernmedien nicht an.

Mit der sich immer schneller drehenden Gewaltspirale steigt die Zahl der zivilen Opfer. Diese dienen dazu, den bekannten Interventionsmechanismus in Gang zu setzen: Maximalforderungen des Westens an die »Schurken«-Seite, Sanktionen, Schutzzonen, Flugverbot, Aufmarsch von Truppen und Waffen, Zuschlagen auf Grund eines schlimmen Ereignisses oder einer Greueltat in Folge des Konfliktes ... Nicht immer schickt der Westen neben den eigenen Bomben und Marschflugkörpern auch eigene Soldaten in den Krieg. Diese Aufgabe übernehmen gern auch Verbündete des Westens mit eigenen Interessen. Im Fall Syrien stehen unter anderem Saudi-Arabien, Katar und die Türkei längst bereit und sind auch schon aktiv. Was Assad dann blüht, das wurde an Milosevic und Gaddafi vorexerziert. Das Leid derjenigen, die zu Opfern dieser Gewaltspirale werden, ist denen, die dafür verantwortlich sind, auch im Fall Syrien egal. Sie interessieren nur als Propaganda-Argument bei der Kriegshetze.“

Leider sehe ich keinen Grund, an dem Text irgendetwas zu ändern. Auch die jüngsten Ereignisse bestätigen dieses Drehbuch derjenigen, die noch jeden ihrer bisherigen Kriege mit widerlegten Lügen begründeten. Und so kommt die vermeintliche Kurswende von US-Präsident Obama alles andere als überraschend. Die Kriegstreiber haben darauf hingearbeitet, worauf ich mehrmals aufmerksam gemacht habe. Dazu gehören auch die veröffentlichten Pläne des US-Generalstabes für einen Militärschlag gegen Syrien und Studien, wie einfach sich die syrische Luftwaffe und Luftverteidigung ausschalten lasse. Das war nicht nur eine Einladung an die „Rebellen“, für ein Ereignis zu sorgen, mit dem gerechtfertigt werden kann, die Pläne umzusetzen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow gehörte zu den wenigen auf der internationalen Bühne, die darauf hinwiesen, dass damit die Bemühungen um eine friedliche Lösung unmöglich gemacht werden.

Jakob Augstein meinte bei Spiegel online am 26. August 2013: „Aber niemand glaubt im Ernst, der Westen sei willens oder in der Lage mit Panzern und Bomben in das riesige Syrien einzufallen.“ Während ich seiner Forderung „Finger weg vom Abzug“ zustimme, halte ich seine Einschätzung für einen Irrtum bzw. befürchte, dass er einen Irrglauben beschreibt. Das nicht nur, weil die Kriegstreiber bisher vor noch keiner Lüge zurückschreckten. In Syrien droht, dass das Muster aus dem Krieg gegen Libyen und Muammar al-Gaddafi wiederholt wird: Die NATO als Luftwaffe und die „Rebellen“, geführt von Spezialeinheiten des Westens und seiner Verbündeten, als Bodentruppen. Sie eint von Anfang an ein Ziel: Regimewechsel in Damaskus, notfalls mit allen Mitteln. Mir ist nichts bekannt, dass es da einen Kurswechsel des Westens gegeben hätte. Sie haben nichts getan bisher, was davon künden könnte, bei aller behaupteten Bereitschaft für eine friedliche Lösung. Selbst die schloss immer den Regimewechsel ein. An diesem arbeitet auch die Bundesregierung unter Angela Merkel aktiv mit (siehe hier und hier), die jetzt wahrscheinlich dem Wahlkampf geschuldet verkünden ließ, gegen eine militärische Lösung zu sein. An den unbewiesenen Vorwürfen, die syrische Armee habe angeblich das Giftgas am 21. August 2013 eingesetzt, hat auch auch Merkel wenig Zweifel.

Auf einen weiteren möglichen Beleg, dass die Vorwürfe falsch sind, machte die österreichische Zeitung Der Standard am 26. August 2013 aufmerksam: Die bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff eingesetzten Geschosse, von denen einige nicht explodierten, wirkten wie Marke Eigenbau. „Warum die Armee, die über Scud-Raketen aus sowjetischer und nordkoreanischer Produktion verfügt, improvisierte Waffen eingesetzt haben soll, bleibt allerdings ein Rätsel“, so die Zeitung. Sie verweist auf eine Recherche des auf Chemiewaffen und den syrischen Bürgerkrieg spezialisierten Bloggers "Brown Moses", der zu Folge die Geschosse aus Stellungen der syrischen Armee gekommen sein könnten. In dem Blog wird aber auf einen Text eines kurdischen Ingenieurs hingewiesen, dass nach Analyse von Fotos der Blindgänger diese darauf hindeuten, dass sie aus nördlicher Richtung kamen. Die beschuldigte Einheit der syrischen Armee sei aber im Süden von Damaskus stationiert. In die gleiche Richtung weist ein Bericht der libanesischen Zeitung As-Safir vom 23. August 2013, nach dem Russland dem UN-Sicherheitsrat während der Dringlichkeitssitzung am 21. August Satellitenbilder vorgelegt hat, aus denen hervorgeht, daß nicht die syrische Armee, sondern islamistische Freischärler mutmaßlich das Giftgas eingesetzt haben. Danach soll der Angriff aus einem Gebiet erfolgt sein, der von der Gruppe Liwa Al-Islam (Banner des Islam) kontrolliert werde. Die Raketen seien von den Terroristen selbst gebaut worden und hätten chemische Kampfstoffe transportiert.

In der österreichischen Zeitung Der Standard widerlegte der Chemiewaffenexperte Ralf Trapp am 26. August 2013 die Behauptung des britischen Außenministers William Hague und der US-Regierung, die Bereitschaft der syrischen Regierung, die UN-Inspektoren zum Tatort vorzulassen, komme zu spät und ein Chemiewaffeneinsatz lasse sich nun nicht mehr nachweisen. „Sarin etwa – jene Chemiewaffe, über deren Einsatz im aktuellen Fall spekuliert wird – sei durch ‚charakteristische Spuren‘ im Blut von Opfern meist noch Wochen nach einem Einsatz nachweisbar." Trapp meinte, durch die Angriffe der syrischen Armee auf das von „Rebellen“ gehaltene Gebiet ließen sich die Spuren nicht verwischen: "Natürlich kann durch das Bombardement etwas verlorengehen, es sollte aber in jedem Fall noch genug vorhanden sein." Auch andere Kampfstoffe als Sarin seien „aller Wahrscheinlichkeit nach“ noch nachweisbar: "Wenn Sie einen Einschlagkrater finden, dann können Sie auch feststellen, was da verwendet wurde."

All das wird die westlichen Kriegstreiber und ihre Verbündeten nicht stoppen können, befürchte ich. Ob es Russland und China mit ihren Warnungen an den Westen das vermögen, bezweifle ich. Wie sollten sie denn auf einen US-Militärschlag gegen Syrien reagieren, ohne einen größeren Krieg auszulösen? Oft schon haben die USA und ihre willigen Mitläufer ungestraft das Völkerrecht mißachtet und mit Bomben und Marschflugkörpern zerstört und das mit Lügen begründet. Niemand hielt sie auf oder stellte sich ihnen entgegen, niemand war dazu in der Lage. Schon warnte Venezuelas Präsident Nicolas Maduro vor einem Weltkrieg.

Mir bleibt nur ein weiteres Mal zu hoffen, dass ich mich irre mit meinen Befürchtungen und das tatsächlich die Vernunft die Oberhand behält.

aktualisiert am 27.8.2013, 2:41 Uhr

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (37)

mcmac 26.08.2013 | 22:36

Vielen Dank - Schaut man derzeit in die Mainstreammedien, könnte einem vor Kriegsgeilheit, Lügen/Rabulistik/Idiotie ganz schlecht werden; der Westen kippt alle seine Werte mit einer bislang nicht gesehenen Geschwindigkeit in den Ausguss der Geschichte.

Die wenigen Stimmen der Vernunft kommen gegen den Einheitsbrei der Konzernmedien nicht an.

Das steht zu befürchten. Bleiben Sie bitte trotzdem dran. Vielen Dank nochmals.

lg-mcmac

Hans Springstein 27.08.2013 | 01:16

RIA Novosti meldete u.a. am 19. Juli 2013 u.a. meldete: "Kürzlich kam heraus, dass Großbritannien nicht eindeutig klassifizierbare Substanzen nach Syrien geschickt hatte, mit denen chemische Kampstoffe hergestellt werden können. Nach Angaben des britischen Parlamentsausschusses für Waffenexporte soll es sich um Natriumfluorid handeln. Was mit dieser Substanz in Syrien in Wirklichkeit angestellt wird, konnte nicht festgestellt werden."

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.08.2013 | 07:19

ja, ich kenne diese meldung auch - vielleicht habe ich sie auch in einem syrien-blog verlinkt - muss gleich los und schau vielleicht später nochmal nach - es ging darum, dass sich anfangs wohl die syrischen rebellen aus verteidigungsgründen gegen assad stellten, jedoch vom westen keine unterstützung bekamen (medizinisch/nahrung) und mit der zeit immer mehr "fremde rebellen" aus den nachbarländern - unterstützt mit "materialien" aus england über die grenze nach syrien kamen - vor denen sich selbst die syrischen rebellen fürchteten - dies ist niemals in den westlichen medien differenziert worden - rupert deudeck von den grünhelmen war vor ort und hat darüber berichtet - doch niemand hat das aufgegriffen ... man hat alles "soweit" kommen lassen und jetzt:

Dienstag, 27. August 2013 06:00 Uhr

Syrien: US-Außenminister Kerry spricht von Beweisen für Chemiewaffeneinsatz der Assad-Regierung

Die USA haben nach eigenen Angaben Beweise für einen groß angelegten Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Außenminister Kerry sagte in Washington, es gebe zudem klare Hinweise darauf, dass das Regime von Machthaber Assad dafür verantwortlich sei. Diese Beweise würden in den kommenden Tagen öffentlich gemacht, erklärte Kerry. Die Erkenntnisse seien auf Berichte, Zahlen und Fakten von internationalen Organisationen begründet. Präsident Obama hat nach Angaben des Weißen Hauses noch nicht entschieden, wie die USA reagieren werden. - Kritik an der Vorgehensweise Obamas übten die Republikaner. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Boehner, sagte, Obama sei verpflichtet, dem amerikanischen Volk die Beweggründe für sein Handeln zu erklären. Es müsse klar definiert werden, was mit einem Angriff auf Syrien erreicht werden sollte. Experten der Vereinten Nationen setzen heute in Syrien ihre Arbeit fort. Unterdessen bestätigte das US-Außenministerium, dass ein Treffen zwischen amerikanischen und russischen Diplomaten in Den Haag abgesagt wurde. Es sollte der Vorbereitung einer Konferenz zur politischen Lösung des Syrien-Konflikts dienen. Zur Begründung wurden die laufenden Untersuchungen des Chemiewaffen-Einsatzes angeführt.

http://www.dradio.de/nachrichten/201308270600/1

mcmac 27.08.2013 | 09:57

Mon Aug 26 2013

Diese Syrien-Nummer ist ja auch mal wieder herzallerliebst. Wir haben da ein Land, das diplomatisch isoliert ist. Dessen Terroristen/Rebellen vom Ausland mit Waffen versorgt werden. Das sehen kann, dass die Amerikaner händeringend einen Vorwand suchen, um einen Befreiungskrieg zu startet. Um sich selbst von der NSA-Affäre zu befreien meine ich natürlich.

Regiert wird das Land von einem Diktator, der im Westen Medizin studiert hat. Er war Chef der Computer Society und war Internet-Vorreiter in Syrien. Will sagen: Der ist nicht doof, der hat gesehen, wie Medien funktionieren, und der hält sich im Internet auf. Der muss wissen, was die Welt von ihm und seinem Regime hält. Und der muss die NSA-Geschichte gesehen haben. Der hat live beobachten können, wie das damals mit dem Irak-Krieg losging mit den angeblichen Inkubator-Babies. Und DER soll jetzt Chemiewaffen gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt haben? Dass da Chemiewaffen eingesetzt wurden, erscheint ziemlich klar, aber was hat denn Assad dabei zu gewinnen? Bzw in welchem Szenario hat der damit etwas anderes als massive Verluste zu erwarten?

Das erscheint mir alles ausgesprochen unglaubwürdig, was da gerade abläuft.

Auch die Geschichten mit den Uno-Beobachtern ist so ein Ding. Ich finde es ja alleine schon grotesk, dass ausgerechnet die USA es wagen, überhaupt den Mund aufzumachen beim Thema Chemiewaffen und Uno-Inspektoren. Aber hey, ignorieren wir das mal. Syrien lässt also Inspektoren rein. Und beschießt sie dann mit Scharfschützen. Ergibt das für irgendjemanden auch nur den Hauch eines Sinns? Für mich nicht.

Dann stellt sich natürlich die Frage, ob man den Rebellen zutrauen kann, diese ganze Geschichte zu inszenieren. Das kann ich nicht einschätzen. Aber ganz ohne Hilfe ausländischer Geheimdienste werden die nicht auskommen müssen.

(Quelle: Fefes Blog)

mcmac 27.08.2013 | 10:12

"[...]Niemand fragt danach, warum gerade jetzt Assad Giftgas einsetzen sollten, wo seine Truppen auf dem Vormarsch sind, wo gerade UN-Inspekteure ins Land hereingelassen wurden und warum er sich jetzt nicht den Westen provozieren sollte, sondern auch noch die Russen zum Gegner machen sollte, die schließlich gleichfalls auf Aufklärung drängen.[...]"

Wolfgang Lieb (u.a.) heute auf NachDenkSeiten

mcmac 27.08.2013 | 11:31

"Wag The Dog" wedelt mir schon die ganze Zeit durch die Überlegungen.

Wie wäre es (in aller Kürze) mit dieser Verschwörungstheorie: Der (britische?) Geheimdienst lässt auf Umwegen kriminellen Warlords in Syrien Grundstoffe für chemische Waffen zukommen. Die basteln genau das daraus und setzen diese auch ein. Der Westen ("rote Linie") sieht "sich gezwungen", militärisch zu reagieren - ein ohnhin instabiles Land wird völlig destabilisiert. Übrig bleibt Anomie und Chaos als bester Nährboden für kriminelle Warlords und ihre Banden. Und natürlich auch als bestes Feld für jahrelange Bemühungen des Westens für profitgenerierende "Friedenseinsätze" seiner Truppen. Mal abgeshen davon, dass der Erzfeind Iran wesentlich geschwächt würde. So betrachtet, machte dieser Giftgasangriff einigermaßen Sinn (aktuell überlager er -"Wag The Dog"- natürlich auch die Verbrechen von NSA, GCQH & Co.).

Anbei noch einmal (ich verweis bereits gestern darauf; TP greif es heute ebenfalls auf):

Reagan tolerierte Saddam Husseins Giftgaseinsatz im Iran/Irak-Krieg

Die Zeitschrift Foreign Policy hat freigegebene Dokumente der CIA aus 1980er Jahren publiziert, welche die Zusammenarbeit der USA mit dem Irak bei Giftgasangriffen gegen den Iran belegen. So war der Reagan/Bush-Administration bekannt, dass der damals von den USA hochgerüstete treue Partner Saddam Hussein Senfgas und Sarin bei vier großen Angriffen auf den Iran einsetzte. Dennoch stattete die US-Regierung Hussein mit Satellitenaufnahmen und militärischen Karten des Iran aus.

lg-mcmac

Hans Springstein 27.08.2013 | 12:08

Sie haben eine friedliche Lösung nie gewollt: "Das US-Außenministerium hat ein geplantes Treffen mit russischen Vertretern über eine neue Syrien-Friedenskonferenz abgesagt. Das Gespräch war für Mittwoch angesetzt gewesen. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte am Dienstag, der Termin sei wegen der Konsultationen über die angemessene Reaktion auf den Giftgasangriff in Syrien verschoben worden. ...

Moskau reagierte enttäuscht auf die Absage des Treffens der Uno-Vetomächte in Den Haag. "Eine Ausarbeitung von Optionen für eine politische Lösung in Syrien wäre gerade jetzt wichtig gewesen, wenn dem Land ein Militärschlag droht", schrieb Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am Dienstag bei Twitter. Er betonte, die Entscheidung sei von den USA im Alleingang getroffen worden.
Bei dem Treffen in Den Haag sollten die Pläne für eine internationale Friedenskonferenz beraten werden, um den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden." (Spiegel online, 27.8.13)

Rosa Sconto 27.08.2013 | 12:32

Ein Hinweis aus der DailyMail der sich auf eine Veröffentlichung im Internet bezieht, eigentlich ein yellowpress Ding:

Britam Defence, David Goulding and Philip Doughty
An article on 29 January reported allegations on the internet that the US Government had backed a plot to launch a chemicals weapons attack in Syria and blame it on the Assad regime.
The reports made reference to an email said to have been from David Goulding, the Business Development Director of Britam Defence, to company founder, Philip Doughty. The email had been published on the internet after Britam’s computer system was illegally hacked in Singapore. It referred to a proposal that Britam would deliver chemical weapons to Syria for enormous financial reward and suggested that the directors were willing to consider the illegal proposal.

hier auch eine andere Quelle: http://voiceofrussia.com/2013_01_31/Syrian-e-mails-hacked-on-Britam-Defense/

wwalkie 27.08.2013 | 13:27

Man ist fassungslos. Der UN-Sicherheitsrat wird gar nicht mehr gefragt. Wrumm! Cameron. Wrumm! Hollande. Wrumm! Merkel. Ein kleines wrumm! Die Mehrzahl der Journalisten. Wrumm!

Nur noch traurig ist das Verhalten der französischen Sozialisten. Da hatten ja Villepin und Chirac mehr "couilles". Aber: Die gerade veröffentlichten Umfragewerte Hollandes steigen.

In einem Nachrichtensender wurde heute morgen Jean-Luc Mélenchon vom Partti de gauche befragt. Zu glauben, ein Eingreifen würde Frieden schaffen, sei ein "gigantischer Irrtum", sagte er. Die Begründung sei nur ein Vorwand. England und Frankreich seien die Lakeien der "Nordamerikaner", wie er verallgemeinernd formuliert.

Und wie reagiert sein Interviewer? As usual: so würde Marine Le Pen auch argumentieren. "Ja und?" entgegnete Mélenchon, der diese Taktik ad nauseam kennt.

Hans Springstein 27.08.2013 | 14:02

Die Story ist mir bekannt und sie scheint zu passen. Aber als ich mich im Januar damit beschäftigte, stieß ich auf diesen Text vom 29. Januar 2013 des Bloggers apxwn, der ebenfalls sehr kritisch die Ereignisse in und um Syrien begleitet. Danach hat er sich mal mit den Britam-Dateien genauer beschäftigt und festgestellt, dass es sich um Fakes handeln kann höchstwahrscheinlich. Sieht so aus, als wäre die Story zu passend, um wahr zu sein ...

Dreizehn 27.08.2013 | 17:34

Danke für all die regelmäßigen Artikel. Heute war sogar mal über unsere zwei Deutschlandsender zu erfahren, daß der "Einsatz" auch in England nicht unumstritten ist. Vermutlich wird sowas nur weitergegeben, weil Camerons Mehrheit gesichert ist.

Mal so gesagt: Die haben echt nicht mehr alle Tassen im Schrank, das sind Fälle für die Psychiatrie. In den USA lodern die jahrlichen Brände schlimmer als je zuvor, Detroit meldet Insolvenz an, und der Nobelpreisträger hat nichts Besseres zu tun als Blitzkrieg und verbrannte Erde.

Was geschieht denn in den "entstaatlichten" Regionen? Außer daß sich Clanstrukturen etablieren. Sind die Ölquellen im Irak in der Hand von US-Firmen, militärisch geschützt, der Rest ist egal? Oder konnten sie sich noch nicht mal das unter den Nagel reißen? Welche Positionen vertreten Brasilien und Indien? Vom unseren Trommlern im Mainstream erfährt man rein gar nichts außer wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.08.2013 | 18:33

Angeblich haben die USA den Globus mit einem dichten Spionagenetz überzogen; überall stehen, schwimmen oder fliegen Abhör- und Aufklärungsgerätschaften umher. Wenn es aber um die Frage geht, wer wann wo welches Giftgas eingesetzt hat oder nicht, dann schweigen die Horcher und Gucker betroffen und lassen alle interessanten Fragen offen. Statt ihr Nichtwissen zu offenbaren, raten die Freunde „gezielter Luftschläge“, einen Teil der syrischen Armee „auszuschalten“. Und dann?

Ich halte es durchaus für möglich, dass syrische Truppen Nervengas eingesetzt haben. Die Armee verfügt über solche Waffen – aber ein Teil der Aufständischen ebenfalls. Solange keine Fakten auf dem Tisch liegen, können nur Interessenlagen analysiert werden. Den Regierungstruppen gelangen in jüngster Zeit erhebliche Geländegewinne, sie drängten die radikalislamistisch durchsetzen Milizen und deren Al-Kaida-nahe Vordenker in die Defensive.

Diese haben plausible Gründe, einen Giftgasangriff zu inszenieren, ihn dem Assad-Regime anzulasten, um so westliches Eingreifen zu provozieren. Warum sollte der von Deutschen am 31. August 1939 begangene, dann Polen untergeschobene „Überfall auf den Sender Gleiwitz“ in Syrien keine Nachahmer finden?

Anders als die von Niederlagen bedrohten Aufständischen hatte Assad am vergangenen Mittwoch keinen mir ersichtlichen Grund, ein Giftgasverbrechen zu begehen – die UN-Inspektoren waren soeben angekommen, die militärischen Positionen stabilisiert. Diese Überlegung schließt Handlungen nicht aus, die keinem rationalen Kalkül folgen, sondern Rachsucht und Blutdurst. Aber warten wir ab, was die Inspektoren in den nächsten Tagen zu sagen haben.

Nun, da die heftig geforderte Inspektion von der syrischen Regierung binnen drei Tagen genehmigt wurde, zu behaupten, es sei ohnehin zu spät, Beweise zu erheben, klingt wenig überzeugend. Zumal die UN ihre Inspektoren nach Syrien geschickt hatte, um angebliche oder tatsächliche Giftgasangriffe zu untersuchen, die mehrere Monate zurückliegen.

In diesen Tagen liefern die feudal-diktatorischen Unterstützer des syrischen Aufstandes in den arabischen Emiraten 400 Tonnen neue Waffen an die Rebellen – unter aktiver Mithilfe des Nato-Mitglieds Türkei. Gleichzeitig kündigt die auf diese Weise mitbelieferte terroristische Al-Nusra-Front Massaker an Zivilisten an, die sie der Partei Assads zurechnen: Für jede Chemiebombe „soll eines der Dörfer der Alawiten zahlen“, „zusätzlich werden wir tausend Raketen vorbereiten, die wir auf ihre Städte feuern, um das Massaker bei Damaskus zu rächen“. Wer solche politischen Kräfte mit Worten oder Taten unterstützt, hat den Verstand verloren.

Geschichtlich erinnert die aktuelle Situation daran, wie die USA einst die Taliban gegen die Sowjetunion aufrüsteten oder Saddam Husseins Angriffskrieg gegen den Iran massiv förderten. Ist die Welt, ist das Leben im Iran und in Afghanistan davon besser geworden?

http://www.berliner-zeitung.de/meinung/kolumne-giftgas-in-syrien,10808020,24125036.html

Avatar
Ehemaliger Nutzer 27.08.2013 | 18:49

STIMME RUSSLANDS Der syrische Außenminister Walid Muallem hat erklärt, dass Russland die syrischen Behörden nicht im Stich lassen wird.

"Ich kann Ihnen versichern, dass Russland Syrien nicht aufgegeben hat. Unsere Beziehungen gehen in allen Bereichen weiter, und wir bedanken uns bei Russland für seine Unterstützung", sagte der Minister.

Muallem erklärte auch, dass "an der Aggression gegen Syrien und der Fortsetzung des Konflikts im Land am meisten der Staat Israel interessiert ist".

Seiner Ansicht nach ist die Entscheidung der USA, die für Mittwoch angesetzten Gespräche mit Russland über die politische Beilegung der syrischen Krise zu verschieben, auf den Einfluss seitens Israel zurückzuführen. "Es ist eine israelische und keine amerikanische Entscheidung", fügte Muallem hinzu.

http://german.ruvr.ru/news/2013_08_27/Syrische-Behorden-rechnen-mit-Russlands-Hilfe-6358/

Angelika Gutsche 27.08.2013 | 19:03

Hier der Link zu einem wie ich finde sehr aufschlussreichen bzw. schlüssigen Artikel über Ägypten von Pepe Escobar, die auch die Vorgänge in Syrien betreffen. Da mussten also erst die MB in Aegn weg, damit man sie in Srn gefahrlos installieren kann.

http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/MID-04-160813.html

Es steht wohl fest, dass die USA bombardieren werden, nachdem am Wochenende die UN-Inspektoren draußen sein werden: des nachts Militärische Einrichtungen und Reg.gebäude. Von allem anderen abgesehen: Das ist ein Spiel mit dem Feuer, denn können sich die Russen das gefallen lassen? Das könnte auf einen sehr langen und grausamen Stellvertreterkrieg hinaus laufen, auf ein arabisches Vietnam.

Dank an Hans Springstein für seine Beiträge!

mcmac 27.08.2013 | 21:16

Lieber Hans Springstein,

auch hier noch einmal (als Kopie des Kommentars unter Lutz Herdens Beitrag; vielleicht wissen Sie ja etwas dazu - Danke!):

>Syrer streiten wegen des Giftgaseinsatzes

Wer ist für den Chemiewaffenbeschuss verantwortlich? Lokale syrische Kommandeure wehren sich laut Medien: Sie hätten nicht gewusst, dass Raketen Nervengas enthielten. (ZO heute, 19:08)

Sollten diese Ausführungen zutreffen, dann handelt es sich mindestens um ein schweres Versehen, dass zu diesem Giftgaseinsatz führte.

Vielleicht könnte jemand mal ursprüngliche die ursprüngliche Quelle verifizieren?..<

lg-mcmac

weinsztein 28.08.2013 | 04:23

Auf Zypern liegen zwei britische Militärbasen, Akrotiri und Dekelia, die als Exklaven völkerrechtlich zu Großbritannien gehören.

William Hague, so ist manchen Medien zu entnehmen, plant von Zypern aus den britischen Militärschlagsbeitrag gegen Syrien.

"Die Insel liegt nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie von der syrischen Hauptstadt Damaskus entfernt und könnte ein zentraler Ausgangspunkt für die britischen Operationen werden", so ein Hinweis der "Zeit" von gestern.

Andererseits sind es auch nur wenige Hundert Kilometer von Damaskus bis zu den britischen Stellungen auf Zypern. Dann wäre per syrischem Gegenschlag auch jäh die EU direkt betroffen.

Außenminister William Hague weiß das und nimmt einen nahöstlichen Weltkrieg in Kauf. Geht es jetzt um Großreinemachen in der Region, angeführt von den USA und Großbritannien? Ok, Frankreich wäre auch wieder gern dabei, wie in Libyen - und immer schon zu kurz gekommen, diesmal mit dem Sozialisten Hollande.

Friedensnobelpreisträger Obama, David Cameron (Premier und Ex-Member of the famous Bullingdon Club) und der Sozialist Hollande treiben den Westen in die nächste Nahostexpedition.

Ob die US-Streitkräfte beim Militärschlag gegen Syrien auch Agent Orange einsetzen werden? Man weiß es nicht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange

Ein wenig Lektüre: http://de.wikipedia.org/wiki/Syrien

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.08.2013 | 07:12

zur zeit des vietnamkrieges flimmerten die greuel-bilder über den bildschirm und riefen weltweit eine friedensbewegung hervor ...

heute wird im vorfeld eines krieges alles getan - durch bilder und meldungen - seine "legitimation" zusammenzubastlen

warum denke ich nur jetzt gerade an 9/11 ??? und an die veränderung der welt danach?

warum spricht westerwelle von "den deutschen" - liest er die lesermeinungen von der faz bis zur jungen welt nicht?

ist die friedensbewegung aktivierbar? nach 9/11 ein "feindbild" in der öffentlichkeit relativierbar? warum beherrschen mich abscheu und misstrauen??? >>> ich sollte doch ganz einfach + klar für frieden eintreten können - dabei den nebelkerzen keine priorität geben - mich davon nicht ablenken lassen ... alle akteure zu verhandlungen - durch den druck vieler menschen - zwingen und die verweigerer als kriegstreiber bloßstellen ...

mcmac 28.08.2013 | 08:54

>>>8. Propagandablatt der Blatt der Scheichs

The National ist ein Propagandablatt der Regierung der VAE. Es gehört der Regierung, die starken Einfluss auf die Berichterstattung ausübt.

In a 2012 article in the American Journalism Review, former foreign desk editor Tom O'Hara contended that coverage was skewed to favor the agenda of the government of the United Arab Emirates. He said that the newspaper had a "meticulous censorship process" that directly influenced coverage and word usage in the newspaper, such as prohibiting use of the term "Persian Gulf." He said that the newspaper engaged in self-censorship, suppressing coverage of subjects deemed as casting an unfavorable light on hte UAE royal family. He said that, among other things, coverage of the Libyan uprising was suppressed, as were articles about Wikileaks and gay rights.

http://en.wikipedia.org/w...

Wenn man jetzt noch bitte zur Kenntnis nimmt, dass die Scheichs erbitterte Gegner Assads sind, kann man diese Meldung mit gutem Gewissen in die Propagandatonne schmeissen.<<<

(recht einleuchtender Kommentar bei ZO)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.08.2013 | 09:10

Wegen einer Scharfschützen-Attacke ist es den UN-Experten nicht gelungen, an den Ort des jüngsten Kampfstoff-Einsatzes in Damaskus zu kommen. Das Magazin „Foreign Policy“ berichtete unterdessen unter Berufung auf CIA-Daten, die USA hätten Saddam Hussein bei seinen Giftgas-Attacken gegen den Iran geholfen. Gibt es einen Zusammenhang?

Am 17. März 1988 hat eine Giftgas-Attacke im nordirakischen Dorf Halabdscha zahlreiche Todesopfer gefordert. Rund 5.000 Kurden sollen innerhalb einer Stunde getötet worden sei. Ein UN-Expertenteam konnte nicht eindeutig klären, wer den Kampfstoff eingesetzt hatte, obwohl die Stadt „seit Mitte März von iranischen Truppen besetzt war“. Wie es hieß, hatten „beide Konfliktparteien“ im Kampf um die Ortschaft Giftgas eingesetzt.

Die Todesursache der Kurden sei aber ein Kampfstoff auf Zyanid-Basis gewesen, der dem Iran zur Verfügung stand. Ob der Irak zu jenem Zeitpunkt darüber verfügte, sei nicht bekannt gewesen, so der damalige Befundbericht.

Es war allerdings etwas seltsam, den Iran wegen einer Giftgas-Attacke gegen die Kurden zu verdächtigen, denn die irakisch-kurdische Miliz Peschmerga kämpfte ausgerechnet für die Iraner. Die Wahrheit kam erst später ans Licht. Am 17. Januar 2010 hat ein irakisches Gericht den mittlerweile toten Diktator Saddam Hussein wegen jener Giftgas-Attacke für schuldig befunden und zum Erhängen verurteilt.

Wie „Foreign Policy“ berichtet, haben US-Beamte ihre Nachsicht in Bezug auf irakische Chemie-Attacken lange abgestritten. Sie argumentierten, Saddam habe nie einen C-Waffen-Einsatz angekündigt. Der ehemalige US-Luftwaffenoffizier Rick Francona (US-Militärattaché in Bagdad im Jahr 1988) sagte jedoch dem Magazin: „Die Iraker haben uns nie gesagt, dass sie Nervengas einsetzen wollen. Sie brauchten das auch nicht zu sagen. Denn wir haben schon alles gewusst“.

Ein Kommentar zum Artikel lautete: „Im Jahr 1984 wurde ich als ABC-Schutz-Fachmann in Fort McClellan (Alabama) ausgebildet. Auch irakische Offiziere waren dort als Auszubildende“.

Ein früherer CIA-Mitarbeiter sagte, vor jeder Offensive hätten die Iraker Kampfstoffe in ihre Stellungen transportiert, es gebe entsprechende Fotos. Wenn man alle irakischen Chemiewaffen-Einsätze in jenem Krieg betrachtet, entfallen zwei Drittel davon nach CIA-Angaben auf die letzten anderthalb Jahre des Krieges.
Weiterlesen:

http://german.ruvr.ru/2013_08_27/Die-giftige-Wahrheit-1353/

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.08.2013 | 09:13

Wie kann ein US-Militäreinsatz gegen Syrien dabei helfen, die Probleme der Region zu lösen, anstatt sie zu schüren und eine Katastrophe zu verursachen? Danach fragte der russische Außenminister Sergej Lawrow telefonisch seinen US-Amtskollegen John Kerry. Dieser mahnte laut Lawrow die Regierungen in Moskau und China dazu, sich den „Bemühungen um die Ausrottung chemischer Waffen“ anzuschließen, damit diese Waffen nicht in die falschen Hände gelangen.

Offensichtlich haben die USA keine umfassende Vision für Syriens Zukunft. Was nach dem Sturz von Baschar Assad kommen soll, wissen sie nicht und wollen darüber nicht nachdenken. Sonst hätte die US-Regierung eine unangenehme Parallele zu dem Krieg gegen Saddam Hussein gezogen. Die Amerikaner waren in den Irak einmarschiert, um die Welt angelblich vor den dortigen Massenvernichtungswaffen zu retten. Pawel Solotarjow, Vizechef des russischen Instituts für die USA und Kanada, kommentiert:

„Es ist schwer zu sagen, wie weit Barack Obama gehen wird. Doch Parallelen liegen natürlich nahe. In ihrer Außenpolitik lassen sich die USA in der Regel von ihren nationalen Interessen leiten, ohne auf Völkerrechtsnormen zu achten. Sie sind bereit, Fakten zu fälschen, wenn das ihren Interessen entspricht.“

Der Irak wurde erobert, Saddam erhängt. Nachweise für ABC-Waffen im Land bleiben bis heute aus. Die USA haben Milliarden Dollar für den sinnlosen Versuch ausgegeben, eine orientalistische Autokratie nach einem westlichen Muster umzugestalten. Der Irak wurde ins soziale und politische Chaos gestürzt. Nun befürchten Experten, dass eine „Demokratisierung“ Syriens noch mehr Probleme verursachen würde.

http://german.ruvr.ru/2013_08_27/Keine-klare-Strategie-fur-Syrien-Krieg-1315/

Hans Springstein 28.08.2013 | 09:33

Lieber Mcmac,

gestern abend habe ich versucht, mich durch Medienabstinenz zu entspannen, aber naja ...

Zu Deiner Frage habe ich mich oben im Text schon geäußert: Auf einen weiteren möglichen Beleg, dass die Vorwürfe falsch sind, machte die österreichische Zeitung Der Standard am 26. August 2013 aufmerksam: Die bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff eingesetzten Geschosse, von denen einige nicht explodierten, wirkten wie Marke Eigenbau. „Warum die Armee, die über Scud-Raketen aus sowjetischer und nordkoreanischer Produktion verfügt, improvisierte Waffen eingesetzt haben soll, bleibt allerdings ein Rätsel“, so die Zeitung. Sie verweist auf eine Recherche des auf Chemiewaffen und den syrischen Bürgerkrieg spezialisierten Bloggers "Brown Moses", der zu Folge die Geschosse aus Stellungen der syrischen Armee gekommen sein könnten. In dem Blog wird aber auf einen Text eines kurdischen Ingenieurs hingewiesen, dass nach Analyse von Fotos der Blindgänger diese darauf hindeuten, dass sie aus nördlicher Richtung kamen. Die beschuldigte Einheit der syrischen Armee sei aber im Süden von Damaskus stationiert. Gemeint ist da genau die bei Zeit online erwähnte 155. Brigade des syrischen Armee. Ansonsten ist immer auch wichtig, sich die Herkunft des Mediums anzuschauen, die Herausgeber, soweit das möglich ist. Denn die Herausgeber bestimmten die Linie eines Mediums. Kein Medium ist objektiv, wie eine Legende behauptet. Aber das hast Du ha schon getan, wie Deine weiteren Kommentare zeigen.

Ich bin übrigens froh über die Kommentare von Dir und anderen hier zum Thema, weil sie mir zeigen, dass sich wenigstens einige nicht verarschen lassen, um es mal offen zu sagen. Danke auch für all die weiteren Hinweise.

Beste Grüße

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.08.2013 | 09:37

USA wollen griechische Luftwaffenstützpunkte nutzen

Die US-Armee bereitet auf Kreta und der Peloponnes einen Angriff auf Syrien vor. Die Briten sammeln ihre Luftwaffe auf Zypern – in geringer Entfernung zu Damaskus.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-08/syrien-angriff-usa-griechenland-zypern

kommentare dazu:

Großartig! Klingt nach einer sehr hilfreichen Einnahmequelle für Griechenland.

Neues Rettungspaket für Griechenland ?

Na bitte; so kann man also leere Staatskassen auffüllen ! Da sollte ich mal fragen ob die Amis meinen Garten nutzen wollen ? Mensch; hier kann man ja ordentlich Geld verdienen.

ACH SO VON GRIECHENLAND ???

Ich dachte schon unser Geld wäre für die armen griechischen Bürger, geglaubt hat es keiner.

... die Intervention in Irak hat 100.000-600.000 Tote Zivilisten gefordert. Unter anderem hier nachzulesen: http://de.wikipedia.org/w...

Ich zitiere: "Zivilisten:
ca. 115.000–600.000 Tote bis zum Ende der Besetzung 2011[3][4]"

Diesen Krieg als Akt für die Zivilbevölkerung zu verkaufen ist anbetrachts der Toten zynisch.

Einfach unverschämt, das ein souveräner Staat, ohne das ein UNO Mandat, von Aggressoren wie die USA und ihre kettenhunde England und Frankreich militärisch angegriffen wird und die Welt schaut zu. Wo ist der Aufschrei im Bundestag?

Ich finde es schön und rührend,

wie Deutschland weitere Solidarpakete für Griechenland und Zypern schnürt. Das muß so sein, in einem geeinten Europa muß man sich gegenseitig helfen.

Das hat doch mit Luftwaffenstützpunkten nichts zu tun - I wo! Selbstverständlich würden die beiden Pleitekandidaten ihre Unterstützung ohne jede Gegenleistung anbieten. Aus Solidarität dem Nato-Partner gegenüber.

h.yuren 28.08.2013 | 09:47

warum beherrschen mich abscheu und misstrauen???

liebe rere,

was sollte uns anderes beherrschen?!

die lage ist - wie seit 6000 jahren staatlicher ära - eine vorkriegs- und zugleich nachkriegsszene. die waffenstillstände halten selten lange.

mein letztes blog hieß vita pugna und bezog sich aufs individuum. der titel imperium bellum wäre eine parallelgeschichte für die ganze welt. das meint nicht bloß das imperium romanum, sondern das imperium, das in jedem stück herrschaft steckt, mehr oder weniger sichtbar.

die öffentlich rechtlichen, die ich bezahle, beliefern mich mit lügen. toll im tollhaus. lasst uns weiter über demokratie und olympia reden. über die erbstücke aus dem alten hellas. das ist sooo zeitgemäß...

grüße***, hy

Hans Springstein 28.08.2013 | 13:17

RIA Novosti am 28.8.2013:

Aussagen von Zeugen, die von der jüngsten C-Waffen-Attacke betroffen waren, bestätigen laut Carla del Ponte die Vermutung, dass das Giftgas von syrischen Regimegegnern eingesetzt wurde.

Die namhafte Schweizer Juristin gehört zur Uno-Sonderkommission zur Ermittlung von Menschenrechtsverletzungen in Syrien.

„Vorerst hat die Expertenkommission keine Beweise dafür bekommen, dass die C-Waffen von der Regierungsarmee eingesetzt wurden“, fügte sie hinzu.

toxicbuddha 28.08.2013 | 18:04

Endlich fasst mal jemand kompetent und konzise die verbrecherische und menschenverachtende Politik zusammen. Es ist ja fast nicht mehr möglich, andere als Pentagon-verseuchte Schmierereien in den Medien zu finden. Als Günter Grass von der Gleichschaltung der Medien in Deutschland sprach, hat er leider nicht übertrieben.

In GB fordert jetzt Lord Blair ein Strafgesetz, das whistleblowing unter Strafe stellt, sozusagen das unverletzliche Grundrecht des Staates auf Geheimnisse. Dann werden nicht nur Enthüllungen, sondern kritische Analysen bald auch unter dieses Gesetz fallen. Vorschlag zur Namensgebung: Antidefätismusgesetz.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.08.2013 | 19:14

The bulk of evidence proving the Assad regime's deployment of chemical weapons – which would provide legal grounds essential to justify any western military action – has been provided by Israeli military intelligence, the German magazine Focus has reported.

The 8200 unit of the Israeli Defence Forces, which specialises in electronic surveillance, intercepted a conversation between Syrian officials regarding the use of chemical weapons, an unnamed former Mossad official told Focus. The content of the conversation was relayed to the US, the ex-official said.

The 8200 unit collects and analyses electronic data, including wiretapped telephone calls and emails. It is the largest unit in the IDF.

Israel has invested in intelligence assets in Syria for decades, according to a senior government official. "We have an historic intelligence effort in the field, for obvious reasons," he said.

Israel and the US had a "close and co-operative relationship in the intelligence field", he added, but declined to comment specifically on the Focus report.

Senior Israeli security officials arrived in Washington on Monday to share the latest results of intelligence-gathering, and to review the Syrian crisis with national security adviser Susan Rice.

In northern Israel, a military training exercise began on Wednesday in the Golan Heights, Syrian territory that has been occupied by Israel since 1967. There have been numerous incidences of mortar shells and gunfire landing on the Israeli-controlled Golan over the past year, prompting return fire by the IDF on occasion.

The Israeli prime minister, Binyamin Netanyahu, was due to convene the security cabinet on Wednesday to discuss impending US military intervention in Syria. Officials are assessing the chances of Syrian retaliation against Israel following US action.

An unnamed senior Syrian army officer told the Iranian news agency Fars: "If Syria is attacked, Israel will also be set on fire and such an attack will, in turn, engage Syria's neighbours."

Israel was "prepared for every scenario" and would respond forcefully if necessary, Netanyahu said after the meeting.

http://www.theguardian.com/world/2013/aug/28/israeli-intelligence-intercepted-syria-chemical-talk

mcmac 28.08.2013 | 22:13

...und während die Weltöffentlichkeit gebannt auf die amerikanisch-britisch-französischen-... Beweise für Assads Giftgaseinsatz wartet, kann man zwischendurch, so quasi zum Zeitvertreib, noch einmal in diesen Bericht des von Moskau ferngesteuerten WDR von vor 2 Monaten hereinschauen. Interessant hierbei, dass die Nummer von vor 2 Monaten höchstwahrscheinlich noch ohne echtes Nervengas auskam (gleichwohl war sich der Westen schon damals absolut und ohen jeden Zweifel sicher, dass es ein Giftgaseinsatz war und dass - natürlich - nur Assad zu so etwas fähig sein könne und mithin der einzige Schuldige sei. Da die Ente seinerzeit ein bisschen verpuffte, hat man nun wohl nachgelegt – mit ein bisschen echtem Giftgas...

Rosa Sconto 29.08.2013 | 09:46

Richtig, es wurde auf einen Fake hingewiesen, darum hatte ich auch diese Quelle herran gezogen. Aber gerade im Umfeld von der Aufschlüsselung von kriegerischen Konfliktsituation wird es immer schwere Quellen zu verifizieren. Einer sagt dies und dann kommt BND, Verfassungschutz, MI5 oder NSA und behaupten das Gegenteil. Von den letzteren wissen wir aber das die nicht nur einfach ganz banale Lügen parat haben sondern das sie sich auch über jedes Gesetz hinweg setzen. Darum ist es gut wenn Du das so kritisch siehst. Und auch Lutz, der einfach nicht aufgibt. Also immer schön am Ball bleiben.

tytus 29.08.2013 | 13:44

Vieln dank für diesen aufschlussreichen Artikel und die Kommentare sind auch sehr informativ, da hab ich noch hoffnung das nicht alle die Bild lesen :-D

Ich würde behaupten das Syrien nur ein weiterer Dorn im auge einiger weniger ist.

Erstns ist es ein Markt denn man nicht kontrolliert, was kein MCDonadsl das ist schonmal Kriegsgrund für sich ;-) *überspitzt ausgedrückt*

Weitere wirtschaftliche Interessen wird es auch geben, wie Erdöl, siehe Berichte das Iran eine Pipline durch Syrien plannt, was erklären würde warum einige Katar dabei ist.

http://www.presseurop.eu/de/content/editorial/3830081-syrien-ein-machtkampf-um-energie

Die Förderung der heimischen Rüstungsindustire in denn USA wäre ein witererGrund, sozusagen eine "Abwrackprämie" für die Rüstugnsindustrie.

Das denn drahtziehen im endeffekt Zivile Opfer völlig egal sind wissen wir spätestens seit Irak, aber ich würde auch sagen das auch die einheimische Wirtschaft, wie auch zivilie & Co folgen föllig irrelevant erscheinen, kurzfristige lösungen und Profite werden bevorzugt (siehe auch afganistan in denn 70ern!)

Die frage ist, ob man sich hier wieder für die Zukunft einen gefallen tut mit der Unterstützung einiger "Rebelen" Gruppen, oder schon die nächste Kriese Züchtet?

Auch eine ablenkung vom NSA & Co Skandal dürfte als praktisch erscheinen.

Die Militärschläge werden meiner Meinung nach früher der später kommen, ob der Bericht der UN inspektuere was daran ändern wird bezweifle ich stark, aber wir werden sehen.

Nicht zu vergessen ist das Russland in Syrien ein militär stützpunkt besitzt, das hat Pulverfass Potential!

Das sind nur paar gedanken die ich mir da gemacht hatte, vielleicht habt ihr weiterführende infos oder ihr widerspricht mir in einigen Punkte, damit hab ich auch kein Prob.