Hans Springstein
18.06.2013 | 11:37 10

Lang vorbereiteter Krieg gegen Syrien

Syrien Der ehemalige französische Aussenminister Roland Dumas erzählte am 10. Juni 2013 im französischen Parlaments-TV LCP von Kriegsplänen vor dem "Arabischen Frühling".

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Darauf macht das Co-op Anti-War Café Berlin auf seiner Website aufmerksam. Die Originalsendung, eine Diskussionsrunde von LCP zu Syrien, kann hier nachgeschaut werden. Die Aktivisten zitieren Dumas aus der Diskussionsrunde:

”Ich werde Ihnen etwas sagen. Ich war zwei Jahre vor dem Beginn der Gewaltausbrüche in Syrien wegen anderer Unterredungen in England. Während meines Aufenthaltes dort traf ich mich mit britischen Spitzenbeamten, die mir gegenüber äusserten, dass man sich darauf vorbereite, etwas in Syrien zu unternehmen.”

“Dies war in Großbritannien und nicht in den USA. Großbritannien bereitete die Organisation einer Invasion von Rebellen in Syrien vor. Sie fragten mich sogar, obwohl ich nicht mehr Außenminister war, ob ich mich an den Vorbereitungen beteiligen wolle.
Natürlich weigerte ich mich, ich sagte ihnen, ich bin aus Frankreich, das interessiert mich nicht.”

”Dieser Vorgang geht weit zurück. Alles war vorbereitet, vorausberechnet und geplant … in dieser Region ist es wichtig zu wissen, dass das syrische Regime eine sehr anti-israelische Haltung hat.”

“Nach diesem Schema bewegt sich alles, was in der Region geschieht, und ich habe dies vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten, der mir sagte: “Wir werden versuchen, wieder mit unseren Nachbarn auszukommen, aber diejenigen, die nicht mit uns einverstanden sind, werden vernichtet.”

Zu letzterem passt auch, dass Israels Präsident Shimon Peres die US-Pläne zur Bewaffnung syrischer Rebellen begrüßt. "Sie hatten keine andere Wahl", sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters anlässlich seines kommenden 90. Geburtstags, berichtet der österreichische Standard am 18. Juni 2013.

Nachtrag: Ich habe die Originalaussagen von Dumas vom 10. Juni 2013 in der LCP-Sendung noch einmal von einer Journalistin, die schon bei der UNO in Genf arbeitete und Französisch quasi wie ihre Muttersprache beherrscht, übersetzen lassen. Das zeigt mir, dass die von mir im Juni zitierte Übersetzung der Friedensaktivisten vom Co-op Anti-War Café Berlin nicht ganz korrekt war. Dumas sagte tatsächlich, dass er die britischen Verantwortlichen erst 2011 traf: "Vor etwa zwei Jahren, bevor die ganzen Feindseligkeiten in Syrien ausgebrochen sind, da war ich in Großbritannien ..." Und weiter: "Die haben mir gesagt, dass sich in Syrien etwas vorbereite. Das war in Großbritannien, nicht in den USA. Großbritannien bereitete die Invasion von Rebellen in Syrien vor. Man hat mich gefragt, als ehemaligen Außenminister Frankreichs, ob ich mich beteiligen würde. Ich habe das Gegenteil gesagt, ich bin Franzose, dass mich das nicht interessieren würde. Dies nur um zu sagen, dass diese Operation von langer Hand vorbereitet wurde. Sie wurde vorbereit, geplant ..."
Nach der Zwischenfrage gibt Dumas die Äußerungen des israelischen Premiers zu den Nachbarstaaten so wieder: "Und die, mit denen wir uns nicht verstehen, werden wir erledigen." Das ist auch ein kleiner Unterschied. Auch zu dem "vernichten", wie es die Friedensaktivisten übersetzten.

aktualisiert am 18.3.2014, 23:03 Uhr

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Kommentare (10)

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Ehemaliger Nutzer 18.06.2013 | 14:29

Indizien und Belege gab es ja schon zuhauf und wer diesbezüglich auch nur Fragen stellte, bekam schon den modernen Maulkorb verpasst: Verschwörungstheoretiker.

Apropos Maulkorb: warum macht Dumas eigentlich erst jetzt oder gerade jetzt seinen Mund auf – zeitgleich mit dem Assad-Interview in der FAZ?

Ein (Hinter)Grund ist sicherlich das Scheitern des strategischen Hauptzwecks „Regime Change“ und die derzeitige Offensive des syrischen Widerstands gegen die Söldnerbanden.

Bei einem mit allen diplomatischen Wassern gewaschenen Politiker ist allerdings davon auszugehen, dass so einer sehr vorsichtig mit seinem Wissen umzugehen versteht – bis zu dem Zeitpunkt, wo eine kleine Preisgabe von Interna in der gleichgeschalteten Öffentlichkeit Zweckmäßig und überhaupt möglich(!) gemacht wird.

Aber für welchen Zweck?

Hans Springstein 18.06.2013 | 17:40

Natürlich gilt: Ein zu welchem Zeitpunkt auch immer gefasster Plan bedeutet nicht, dass er dann auch gleich umgesetzt wird oder umgesetzt werden kann. Die entsprechende Situation muss meist erst "reifen", wenn sie sich nicht anders entwickelt und die Pläne unmöglich macht. Wenn die Situation dann aber "reif" ist, ist interesant zu beobachten, wie immer wieder alte Pläne umgesetzt werden, natürlich modifiziert und dass es sich z.B. bei der westlichen Politik und Einmischung in Syrien eben nicht um "spontane" Reaktion auf eine sich herausgebildete Situation handelt, sondern um das simple Zugreifen, wenn sie die Zeit dafür als reif einschätzen ...

Das lief ja auch bei Libyen schon so: "Inzwischen gibt es auch Hinweise, dass der Krieg des Westens gegen Gaddafi schon vor der Rebellion in Ostlibyen vorbereitet wurde, wie Abou Hassan und Michael Opperskalski in der NRhZ berichteten(24). Joachim Guilliard hat in seinem Internet-Blog einen Text von Heinz Eckel veröffentlicht, in dem zahlreiche Fakten zusammengetragen werden, die darauf hindeuten, dass der Kriegseinsatz gegen Libyen schon vor dem Ausbruch der Unruhen im Februar nicht nur vorbereitet sondern sogar geübt wurde. Da wird nicht nur von dänischen Kampfflugzeugen berichtet, die in Italien den Einsatz gegen Libyen übten, sondern auch von einem von Frankreich und Großbritannien im November 2010 beschlossenen gemeinsamen Manöver im März 2011 unter dem Namen "Southern Mistral" ("Südlicher Mistral"). Szenario des Manövers sei der Einsatz auf Grundlage einer UNO-Resolution gegen eine Diktatur in einem imaginären Land namens "Southland“ ("Südland“), die „verantwortlich für einen Angriff auf Frankreichs nationale Interessen“ sei. Das sind nicht die einzigen "Zufälle“, auf die der Text aufmerksam macht.(25)"

Quelle

Hans Springstein 18.06.2013 | 17:43

Die Frage, warum solche Politiker erst im Ruhestand (oder ruhig gestellt) Klartext reden, beschäftigt mich auch. Aber täten sie das eher, würden sie wahrscheinlich tatsächlich eher ruhig gestellt und aus dem Kreis der Macht ausgeschlossen ...

Zu welchem Zweck sie dann reden, das weiß ich auch nicht. Aber immerhin bestätigen sie so, dass es sich nicht um ausgedachte "Verschwörungstheorien" handelt.

Hans Springstein 18.06.2013 | 18:22

Und es wird immer gern auch nachgeholfen, was die kritische Situation angeht, so weit das möglich ist: US-Organisationen haben die syrische Opposition mit Millionen Dollar seit 2005 unterstützt, zitierte selbst Die Welt am 18. April 2011 einen Beitrag der Washington Post, die sich wiederum auf Wikileaks-Doumente stützte. Ein Bericht des United States Government Accountability Office, des Rechnungshofes des US-Kongresses, über „Democracy Assistance“ weist für 2009 7,5 Millionen Dollar für "Demokratieförderung" in Syrien aus, der Großteil von der US-Regierung.

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Ehemaliger Nutzer 18.06.2013 | 18:35

Gewissensdrangsale und persönliche Läuterungsbedürfnisse kann man wohl bei diesen Typen generell ausschließen – egal ob sie Roland, Giscard oder Helmut heißen.

Dumas Äußerungen inkl. ihrer möglich gemachten medialen Verbreitung, halte ich auch deswegen nicht für einen zufälligen Unfall.

Deshalb meine an die Allgemeinheit gestellte Frage nach dem politischen Zweck.

h.yuren 19.06.2013 | 09:23

lieber hans,

danke für die erinnerung an die spielchen der weltpolitik.

der staat als konstrukt ist ohne imperialismus nicht denkbar, wenn der begriff auch gern übersetzt wird als 'verfolgung nazionaler interessen'. solange es staaten gibt, solange die staatliche ära andauert, wird das treiben so weiter gehen. wenn die menschheit ein interesse hat zu überleben, muss sie die ära der erniedrigung des menschen beenden.

konkret hat doch schon der christlich besoffene bush die marschroute verraten. syrien stand auf seiner liste der schurkenstaaten bzw. war teil der achse des bösen.

grüße, hy

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Ehemaliger Nutzer 23.06.2013 | 16:34

Das bisherige und allumfassende Schweigen der öffentlich/privaten Medienmatrix in Deutschland (ob und wie das in Frankreich aufgenommen wird, weiß ich nicht) und die dortige Verunmöglichung jeglicher Verlinkung auf diese Diskussionsrunde, lässt nun eher die Vermutung zu, Dumas Äußerungen könnten doch mehr „spontaner“ Natur entsprungen sein und nicht dem geplanten Störfeuer einer Kriegspartei innerhalb der „Freunde Syriens“.

Bei aller Vermutung bleibt festzustellen:

Die hiesigen Lügenprofis von der „Vierten Gewalt“ scheinen diese Äußerungen als eklatante Störung einzustufen – (noch?) völlig unbrauchbar bei der Selektion und Fabrizierung ihrer Wirklichkeit.