Hans Springstein
20.12.2016 | 23:54 31

Nachrichtenmosaik Berlin 19.12.16

Breitscheidplatz Gesammelte Informationen zum mutmaßlichen Anschlag in Berlin am 19.12.16 und zur notwendigen Erinnerung zum angeblich darin verwickelten "Islamischen Staat" (IS)

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

• „IS beansprucht Berliner Anschlag für sich
Die Polizei ermittelt noch zu den Hintergründen des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt. Der Täter ist auf der Flucht. Mit einer Meldung im Internet reklamiert die Terrormiliz Islamischer Staat den Angriff nun für sich.
Die Terrormiliz Islamischer Staat hat den Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch genommen. Das IS-Sprachrohr Amak meldete im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich gewesen. Er sei damit dem Aufruf gefolgt, die Staaten der Anti-IS-Koalition anzugreifen, die den IS in Syrien und im Irak bekämpft. …
Die Ermittler wollten sich bisher nicht auf einen islamistischen Hintergrund der Tat festlegen. Ein Bekennervideo gebe es nicht, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Nachmittag. …
“ (n-tv, 20.12.16)

• "Interview: «Ohne Frieden in Syrien gibt es Terror» Ob der Attentäter von Berlin dem Islamischen Staat angehöre, sei nicht klar, sagt Experte Volker Perthes. Der IS werde aber weiteren Terror nach Europa bringen.
Haben Sie mit einem Anschlag wie jenem auf den Berliner Weihnachtsmarkt gerechnet?
Nicht konkret, nicht an dem Ort, nicht zu der Zeit. Aber die Sicherheitsbehörden wie auch unser Institut haben wiederholt davor gewarnt, dass Anschläge auch in Deutschland wahrscheinlich sind, wobei Massenveranstaltungen besonders gefährdet seien. Das war indes nicht besonders kreativ oder vorausschauend, denn es gab ja bereits Versuche in Deutschland, etwa bei einem Musikfestival in Süddeutschland. ...
Aber radikalisieren die Ereignisse in Syrien, insbesondere so dramatische Bilder wie jene aus Aleppo, potenzielle Attentäter nicht zusätzlich?
Ja. Krieg radikalisiert Leute in den betroffenen Ländern und in Ländern, die sich solidarisch fühlen. Wobei der Krieg in Syrien und der Fall Aleppos nicht die einzigen Ereignisse sind, die Organisationen wie al-Qaida zur Propaganda dienen. Al-Qaida ist sehr viel älter als der Krieg in Syrien, ebenso der Islamische Staat, der sich wegen des Bürgerkriegs in Syrien einfach ausbreiten konnte. ...
Wir wissen noch nicht, ob der Täter zum IS gehört – oder ob er sich von ihm inspiriert gefühlt hat. Das ist denkbar. Wir haben erwartet, dass wenn der IS in Syrien und im Irak in Bedrängnis gerät und Territorium verliert in Mosul oder Raqqa, dass der IS versuchen wird, mehr Terror nach Europa und in andere Länder zu exportieren. Aber ob das auch für den Anschlag in Berlin gilt, wissen wir noch nicht.
Müssen wir also mit einer weiteren Terrorwelle rechnen, weil der IS dermassen unter Druck steht?
Die Sicherheitsbehörden und -experten rechnen damit. ...
Ohne Frieden in Syrien gibt es weiterhin Terror. ..." (Tages-Anzeiger online, 20.12.16)

• „IS veröffentlichte im November konkrete Tat-Anleitung
Die Motive des Angreifers vom Breitscheidplatz in Berlin sind noch unklar. Aber seine Vorgehensweise folgt genau einem Muster der Terrororganisation "Islamischer Staat".
… Bundesregierung und Bundesanwaltschaft gehen von einem Terroranschlag aus.
In der November-Ausgabe des IS-Propagandamagazins "Rumiyah" lieferten die Dschihadisten des "Islamischen Staats" detaillierte Tipps zu einem Anschlag mit einem Lastwagen. Der Truck sollte möglichst schwer und hoch sein und schnell beschleunigen können, um Bordsteinkanten und Absperrungen zu überwinden. Als ideale Ziele nannte der IS Fußgängerzonen und öffentliche Feiern. Ausdrücklich wiesen die Terroristen auch auf die Möglichkeit hin, einen Lkw zu entführen …
Nicht erst seit dem Anschlag von Nizza, bei dem ein Anhänger des IS mit einem Lastwagen während der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 14. Juli in eine Menschenmenge raste, gehören Attentate mit Fahrzeugen zur Taktik der Dschihadisten. …
“ (Spiegel online, 20.12.16)

• zum Stichwort Nizza: „Bedenken von Sicherheitsexperten
Zweifel an IS-Bekennerschreiben

Das Bekenntnis des "Islamischen Staates" enthält nur die Aussage, dass der Attentäter von Nizza "ein Soldat des IS" gewesen sei. Es fehlt an Täterwissen, weshalb Sicherheitsexperten skeptisch sind, ob das Schreiben ernst zu nehmen ist.
Die Nachricht erschien auf einer Internetseite des Dienstes Amak - einer Nachrichtenquelle, die dem sogenannten Islamischen Staat nahe steht und in der immer wieder Botschaften des IS verbreitet werden. Allerdings sagt Amak nur, dass der Fahrer des Lkw "ein Soldat des IS" gewesen sei - und das man sich über die Tat freue. Die Botschaft enthält keinerlei weitere Einzelheiten.
In deutschen Sicherheitskreisen herrscht nicht nur deshalb große Skepsis, ob dieses Bekenntnis ernst zu nehmen ist. …
Zudem gibt es nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden bislang nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass der Fahrer des Lkw islamistisch radikalisiert gewesen sein könnte. Auch bei französischen Behörden wächst die Skepsis, ob die frühe Festlegung zum Motiv des Täters richtig war. …
“ (ARD tagesschau.de, 16.7.16)

• zum Stichwort Islamischer Staat: „Pentagon-Bericht enthüllt
USA ließen den IS gewähren

Eine der gängigsten Verschwörungstheorien zum Islamischen Staat ist, er sei ein Produkt der USA. Die Enthüllung geheimer Dokumente zeigt, dass die Amerikaner der Entstehung des IS zumindest nichts entgegensetzt haben - weil sie darin ein Chance sahen.
Die Regierung der USA ahnte schon vor drei Jahren, dass eine islamistische Terrororganisation im Osten Syriens einen eigenen Staat ausrufen könnte. Das belegen Dokumente der amerikanischen Defense Intelligence Agency (DIA), die der britische Enthüllungsjournalist Nafeez Ahmed ausgewertet hat. Der Artikel ist auf der durch freiwillige Spenden ("Crowdfunding") finanzierten Plattform "Insurge Intelligence" erschienen.
Ahmed schreibt unter Berufung auf die Dokumente, dass die USA und westliche Staaten gemeinsam mit der Türkei und sunnitischen Golfstaaten wissentlich radikal-islamische Gruppen in Syrien unterstützt hätten. Dabei hätten sie in Kauf genommen, dass sich diese im weiteren Verlauf des Krieges zu einer großen neuen islamistischen Terrorgruppe zusammenschließen könnten.
Genau das ist mit dem "Islamischen Staat" vor etwa zwei Jahren auch geschehen. Es wurde vom Pentagon jedoch - trotz aller ebenfalls erkannten Gefahren - als hilfreich bei der Destabilisierung des syrischen Regimes gesehen. …
“ (n-tv, 27.5.15)
siehe auch Luftpost vom 27.5.15
siehe auch Rainer Rupp im Mai 2015: „Der DIA-Bericht prognostiziert den Aufstieg eines solchen »Islamischen Staats« als direkte Folge der US-Destabilisierungsstrategie.

Jürgen Todenhöfer dazu im Mai 2015: „Ein salafistischer Terrorstaat in Ost-Syrien war ihnen nicht nur egal. Sie ‚wollten‘ ihn. Sie nahmen zusätzlich bewusst in Kauf, dass der ISI einen islamistischen Terrorstaat gründen konnte, der Teile des Irak umfasste. Der DIA-Bericht ist in diesem Punkt unmissverständlich.
Deshalb planen die USA zur Zeit auch nicht, den ‚Islamischen Staat‘ völlig auszuschalten. Selbst wenn sie wüssten wie. Sie brauchen den IS noch. Iran würde ihnen sonst zu stark. So kämpfen sie mit angezogener Handbremse.
Wetten, dass die westlichen Politiker und die Mainstream-Medien alles tun werden, um diese Perversion der offiziellen westlichen Anti-Terrorpolitik herunterzuspielen oder totzuschweigen? Die DIA-Analyse ist der Offenbarungseid einer abenteuerlichen und leider auch kriminellen Strategie. Obama und der Westen als vom US-Geheimdienst überführte Terrorpaten – das ist schwer zu verdauen.

Herbert Ludwig auf Fassadenkratzer am 10.2.16 über das „Das Zerstörungswerk der USA im Irak und die Bildung des „Islamischen Staates“": „Der IS ist ein fanatisches Instrument in den Händen der USA, das ungewollt für deren gnadenlose Weltherrschafts-Ziele kämpft. Tod und Leid, Not und Vertreibung, die der IS verbreitet, gehören ebenso auf das Unheil-Konto der scheinheiligen US-Machtelite, das sie im Vorderasien seit Jahrzehnten angehäuft hat. Und die europäischen Vasallen-Regierungen, auch die deutsche im Verein mit ihren permanent die Wahrheit verschleiernden Propaganda-Medien, haben ihren schändlichen Anteil daran.

• Jürgen Todenhöfer in seinem Buch „Inside IS – 10 Tage im ›Islamischen Staat‹“: „… Für die Störungsfreiheit der Ölförderung und des Öltransports waren die USA stets bereit, Kriege zu führen. Solange die IS-Kämpfer nur in Syrien, fernab der viel größeren irakischen Ölfelder, mordeten und köpften, ließen die USA sie gewähren. Sie unterstützten sie sogar indirekt. Über die mit ihnen verbündeten Golfstaaten. Der Exchef des Geheimdiensts des US-Verteidigungsministeriums DIA, Michael Flynn, hat hierzu sehr offene, erschreckende Werte gefunden. Auch die Geld- und Waffenlieferungen an die anderen großen syrischen Terrororganisationen Jabhat Al Nusra, Islamic Front oder Ahrar Al Sham winkten die USA durch. Teilweise koordinierten sie sie sogar durch ihre Geheimdienste. Weil sie Assad bekämpfen. Den Verbündeten des Iran, der den USA durch den Irakkrieg 2003 und den Sturz seines Gegners Saddam Hussein zu mächtig geworden ist. …“ (S. 17)

• Ex-DIA-Chef Michael Flynn sagte im August 2015 in einem Interview mit Al Jazeera, dass es sich beim geförderten Aufstieg des IS um eine “bewusste Entscheidung” seitens der US-Führung gehandelt habe - „...the White House’s sponsoring of radical jihadists (that would emerge as ISIL and Nusra) against the Syrian regime was “a willful decision.”“: „Former DIA Chief Michael Flynn Says Rise of Islamic State was “a willful decision” and Defends Accuracy of 2012 Memo"

• noch was zum Stichwort Islamischer Staat: „"Ich bitte um Verzeihung"
Ex-Premier Blair: IS ist Folge von Irakeinsatz

Großbritanniens ehemaliger Premierminister Tony Blair hat zugegeben, dass der Irakkrieg aufgrund falscher Informationen begonnen wurde und die Folgen schlecht durchdacht waren. "Ich bitte für die Tatsache um Verzeihung, dass die Geheimdienstinformationen, die wir bekommen haben, falsch waren", sagte der ehemalige Labourchef dem US-Sender CNN. …
Auf die Frage von Moderator Fareed Zakaria, ob der 2003 begonnene Irakkrieg der Hauptgrund für das Erstarken der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gewesen sei, sagte Blair: "Ich denke, das ist in Teilen wahr." …
“ (n-tv, 25.10.15)

• Phyllis Bennis, Institute for Policy Studies, Washington D.C., am 2.12.16 auf Kontext-TV über den „komplizierten Syrienkrieg, den IS und das Terrorzüchtungsprogramm der USA“: „Die Geburt und Stärke des IS ist eng dabei gekoppelt an den Widerstand gegenüber jenen Regierungen, die wir eingesetzt haben. Das sind nun aber Dinge, die wir ändern könnten. Wir müssen beginnen, die tieferen Ursachen in den Blick zu nehmen.

• Dazu noch der Hinweis auf Erkenntnisse aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) über die Folgen des Terrors, veröffentlicht am 25. Januar 2010: "Anti-Terror-Maßnahmen und Freiheitsrechte – meist geht das eine zu Lasten des anderen. Jetzt haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) empirisch nachgewiesen, was politische Beobachter seit langem vermuten: Die Bereitschaft, Freiheitsrechte mit dem Ziel verschärfter Sicherheitsmaßnahmen einzuschränken, steigt nach einem Anschlag oder vereitelten Anschlag phasenweise deutlich an. ...
Politische Brisanz gewinnen die Ergebnisse der DIW-Untersuchung vor dem Hintergrund der Medien- und Politikspirale, die sich nach jedem Anschlag oder vereitelten Anschlag neu zu drehen beginnt – zumindest, wenn er sich in Westeuropa oder den USA ereignet hat. Für Befürworter möglichst harter Anti-Terror-Maßnahmen käme es demzufolge darauf an, beschlussfähige Vorschläge bereits in der Schublade zu haben und die breite öffentliche Zustimmung dafür so schnell wie möglich in politische Beschlüsse umzusetzen. ..."

• Aus einem Interview der Nachdenkseiten mit Paul Schreyer, veröffentlicht am 7.12.15: "... Im Online-Magazin Telepolis haben Sie in den letzten Jahren ja immer wieder auf Unschlüssigkeiten und Eigenartigkeiten bei bekannten Terroranschlägen, die hiernach noch jedes Mal dazu genutzt wurden, um den Abbau von Grund- und Freiheitsrechten zu forcieren, hingewiesen. Warum ist dieses Thema so wichtig für Sie?
Mit Terror wird Politik gemacht, überall, und eigentlich auch schon immer. Der Abbau von Bürgerrechten ist das eine. Zugleich werden mit Terroranschlägen weiterhin Kriege im Ausland legitimiert, die man sonst kaum durchsetzen könnte. Wir erleben es ja gerade wieder. Kurz nach dem Blutbad in Paris schickt die Bundeswehr Soldaten nach Mali und Tornado-Jets nach Syrien.
Man sollte sich dabei immer wieder klar machen, dass eine Unterscheidung zwischen Terrorismus und Krieg völlig willkürlich ist. Der Krieg ist seinem Wesen nach eine Abfolge von Terrorangriffen. Der „Krieg gegen den Terror“ ist also zutreffender ein „Terror gegen den Terror“, oder noch zutreffender häufig ein „Terror zur Erlangung von Bodenschätzen“.
Gerade deshalb ist es so wichtig, darauf zu beharren, dass Terroranschläge transparent aufgeklärt werden. Da gibt es große Lücken. Auch das erleben wir gerade wieder. Einen Tag nach den Pariser Anschlägen wurde behauptet, man kenne die Täter und inzwischen fragt kaum noch jemand nach einer detaillierten, sauberen Aufklärung mit Fakten, Indizien, überprüfbaren Beweisen und transparentem Strafprozess. Alles scheint längst geklärt, die Attentäter sind tot oder verschwunden, die Entsendung von Militär als „Antwort“ nur noch Formsache. Dabei sind auch bei diesem Terroranschlag viele Fragen offen. ...
"

Das könnte zu der Frage führen, wer uns wirklich gefährdet … An dem Punkt muss ich erst mal aufhören. Irgendwie hoffe ich immer noch, dass es "nur" eine Amokfahrt oder ein Unfall gewesen ist ...

aktualisiert: 21.12.16; 00:38 Uhr

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (31)

Achtermann 21.12.2016 | 08:34

Das könnte zu der Frage führen, wer uns wirklich gefährdet

Ja, was gefährdet uns? Wer in D weiß schon, dass dieses Land einen Krieg führt? Die Bundesregierung informiert uns wie folgt:

Der Einsatz erfolgt vorrangig im und über dem Operationsgebiet des IS in Syrien, im östlichen Mittelmeer, im Persischen Golf, im Roten Meer sowie den angrenzenden Seegebieten. Die Bundeswehr kann auch auf dem Territorium von Staaten eingesetzt werden, deren Regierungen einem Einsatz zugestimmt haben.

Außerdem entsendet Deutschland Personal in Stäbe anderer Staaten und der internationalen Allianz. Diese Stäbe leiten und koordinieren den Einsatz, zum Beispiel von Kuwait oder Katar aus.

Deutschland beteiligt sich beim Schutz eines Flugzeugträgers, bei der Luftbetankung und der militärischen Aufklärung.

Eine deutsche Fregatte mit rund 200 Mann Besatzung wird den französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle im östlichen Mittelmeer schützen. Dieser Flugzeugträger dient als schwimmende Luftwaffenbasis vor der syrischen Küste. Auf ihm sind Jets stationiert, die Luftangriffe gegen den IS in Syrien fliegen.

Tankflugzeuge können die Jets in der Luft betanken, damit sie länger über dem Einsatzgebiet fliegen können. Diese Spezialmaschinen sind knapp: Frankreich und die gesamte Anti-IS-Koalition sind für jeden weiteren Tanker dankbar. Die deutsche Luftwaffe unterstützt die internationale Koalition mit Maschinen des Typs Airbus A 310 MRTT.

Die militärische Aufklärung erfolgt aus dem All und der Luft. Dabei sammelt die internationale Koalition Informationen über den sogenannten Islamischen Staat, aber auch über die Lage ziviler Objekte.

Das deutsche Satelliten-System SAR Lupe kann Radarbilder aus dem All beisteuern, die die französischen Satellitenbilder ergänzen.

Die sogenannten Recce-Tornados können bei Tag und Nacht hochauflösende Bilder des Einsatzgebietes machen. Noch während des Flugs überträgt der Tornado die Daten in Echtzeit an die Bodenstation. Die Bundeswehr wird bis zu sechs Maschinen zur Verfügung stellen. Zusammen mit einem Tankflugzeug sind sie im türkischen Incirlik stationiert.

Insgesamt können sich bis zu 1.200 Soldatinnen und Soldaten an diesem Einsatz der Bundeswehr beteiligen. Bei der Zahl handelt es sich um eine Obergrenze. Sie ist bewusst hoch angesetzt, um einen Wechsel, zum Beispiel zwischen den Schiffsbesatzungen oder den Technik-Crews für die Tornados zu ermöglichen.

Dazu kommt der US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz. Der SWR berichtete am 01.12.16: "Ramstein spielt zentrale Rolle im Drohnenkrieg."

Wahrscheinlich braucht man nicht die Geheiminformationen von Sicherheitsbehörden, die vor Anschlägen warnen. Eigentlich liegt nahe, dass aufgrund der Syrien-Aktivitäten der Bundeswehr Deutschland zur Zielscheibe terroristischer werden kann. Die Bundesregierung arbeitet eng mit Katar zusammen, das seinerseits Interessen in Syrien verfolgt. Letztendlich gehe es um Energievorkommen.

Zwei Pipelines erklären den Konflikt. "Alles begann im Jahr 2009, als Katar Damaskus den Bau einer Pipeline vorschlug. Sie sollte von seinem Vorkommen im North Field - angrenzend an das South Pars Field in Iran - über Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien in die Türkei führen, um die EU mit Erdgas zu versorgen." Doch entschied sich die syrische Regierung 2010 für ein Konkurrenzprojekt, eine Pipeline von Iran nach Syrien, die über den Irak verläuft.

Wolle Ing 21.12.2016 | 08:53

Wer gefährdet uns wirklich? JA - das ist hier die Frage!

Trotzdem. Der MODUS OPERANDI der Anti-Humanisten wird unseren Glauben an Menschlichkeit nicht zerstören. Atheisten, Christen, Muslime, Juden, andere Gläubige - sie Alle stehen in dieser Überzeugung zusammen.

WIR TRAUERN (wie immer) um die OPFER DIESER WELT - die Opfer eines Tages, dem 19.12.2016 - die Opfer von Berlin, Ankara, Zürich in einer Moschee, Aleppo, Afghanistan, Eritrea - auch in Jemen mittels saudischer Streubomben und deutscher Waffen.

Mehr dazu unter:
https://www.freitag.de/autoren/wolle-ing/modus-operandi

h.yuren 21.12.2016 | 08:55

Das könnte zu der Frage führen, wer uns wirklich gefährdet …

lieber hans,

weer oder was uns wirklich gefährdet,ist leicht zu beantworten, auch ganz ohne rückgriff auf die sogenannten verschwörungstheorien.

es sind die parteien und interessengruppen im land und international, die sich für aufrüstung ins zeug legen. aufrüstung im umfassendsten sinn des wortes. das heißt, durch den ausbau

der rüstungsindustrie, durchden ausbau der geheimdienste und nicht zuletzt durch den immer weiter globalisierten handel. der handel als konkurrenzgeschäft ist eine als harmlos verkaufte form des kriegs. schon im alten griechenland.

Sünnerklaas 21.12.2016 | 09:40

Ich bitte auch zu berücksichtigen, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt absolut nichts über die Hintergründe der Tat wissen. Die Berichte, die wir zur Zeit bekommen, werden zunehmend abenteuerlich.

Da soll z.B. der polnische Fahrer vom Täter überfallen worden sein. Der Täter - so die Vermutung - habe den LKW gelenkt und gleichzeitig den Fahrer mit einer Waffe bedroht und ihn dann kurz vor oder nach der Tat erschossen und sei dann seelenruhig vom Tatort weggegangen.

Die heutigen LKWs fährt man nicht so ohne weiteres als Laie - erst recht nicht einen LKW mit Auflieger. Zudem musste, um den Anschlag durchzuführen, der Fahrassistent ausgeschaltet werden - das alles müssen der oder die Täter gewusst haben. Dafür sind umfassende praktische und theoretische Kenntnisse erforderlich. Auch ist es sehr schwierig für einen Laien und Ungeübten, so ein Fahrzeug innerhalb eines Stadtgebiets zu lenken.

Merkwürdig halte ich auch die "Verfolgung" des Täters. Die Person, die da dann vorübergehend festgenommen wurde, hatte nichts mit dem Anschlag zu tun. Hat man da jemanden bloß wegen seines Aussehens verfolgt? Die Sache wirft ein bemerkenswertes Licht darauf, wohin Privat-Fahndungen und selbsternannte Bürgerwehren führen können. In diesem Fall haben der oder die Täter einen enormen Zeitvorsprung bekommen, weil die Ermittler mit anderen Dingen beschäftigt waren.

Ja - und dann wäre das "Bekennerschreiben". Der IS meldet sich erst 25 Stunden nach der Tat. Ein Bekennervideo fehlt. Man könnte dieses Bekennerschreiben auf Grund seiner enormen Verspätung auch als Dementi bezeichnen...

Es sind sehr, sehr viele Fragen offen. Inzwischen wollen sich die Behörden auch nicht unbedingt auf einen islamistischen Hintergrund genau festlegen.

Ich meine, man sollte jetzt einfach mal abwarten.

GEBE 21.12.2016 | 12:01

Wie ich soeben in der „BZ“ und andernorts las, hat man nun im Fußraum des Tat-Lkw „Duldungspapiere“ eines jungen Tunesiers gefunden - (gefunden!), der angeblich schon als „Gefährder“ polizeibekannt sein soll. Man sucht nun nach ihm mit Foto, wobei allerdings das dort eingestellte Foto verpixelt ist. Übrigens: hat man beim Attentat auf Charly Hebdo nicht auch die Ausweise im Fluchtfahrzeug gefunden und beim Anschlag auf das WTC seinerzeit oben auf dem pulverisierten Trümmerhaufen Ausweise der „Attentäter“. Terroristen sollten sich wohl zukünftig mal Knöpfe an die Klamottentaschen machen lassen. Es wird immer bizarrer. Wer verarscht hier eigentlich wen, frage ich mich so langsam? So blöd, Ausweis oder gar Visitenkarten zu hinterlassen, waren ja nicht einmal die Walt Disneyschen Panzerknacker im Comic.

calamity.jane 21.12.2016 | 12:42

"Das könnte zu der Frage führen, wer uns wirklich gefährdet … An dem Punkt muss ich erst mal aufhören. Irgendwie hoffe ich immer noch, dass es "nur" eine Amokfahrt oder ein Unfall gewesen ist ...!

Die verlogenen Entsender von friedensstiftenden Brunnnbohrern können nun, nach ausreichender Bestellung des gewalttätigen Saatbeetes, die wohlverdiente Ernte einfahren: Aufrüstung zur (erneuten) "Befreiung" von "Kornkammern" und anderer, unverzichtbarer Beute.

Leben um sterben zu lassen - so ticken die realen "Gefährder" in aller imperialer & alternativloser Schlichtheit.

Robert Zapf 21.12.2016 | 12:48

Werter Gebe,
...hat man nun im Fußraum des Tat-Lkw „Duldungspapiere“ eines jungen Tunesiers gefunden...
Gestern noch erklärte man die Freilassung des ersten Tatverdächtigen damit, dass man keine DNA Spuren von ihm im Fahrerhaus gefunden hätte.
Warum man dabei aber diese Papiere nicht gefunden hat ist mir auch nicht verständlich.
Und warum man dann nach dem Verdächtigen mit verpixelten Bildern sucht, erschließt sich mir noch weniger...

Hans Springstein 21.12.2016 | 13:09

Das ist auf jeden Fall bedenkenswert, was Du schreibst. Und es erinnert mich daran, dass ich im Herbst dieses Jahres von Befürchtungen hörte, dass es hierzulande zu einem Anschlag kommen könnte, der gewissermaßen organisiert wurde, weil er mit seinen Folgen bestimmten Kreisen nutzen würde. Diese Befürchtung wurde in Folge zahlreicher Politiker"warnungen" vor einer Terrorgefahr hierzulande geäußert. Daran musste ich auch gestern wieder denken.

Die „terroristische Gefahr“ ist ein ideales Instrument um die Bevölkerung, aber auch Politiker und Regierungen zu manipulieren, stellte mal ein kluger Mensch fest. Die einstige „sowjetische Bedrohung“ habe sich zumindest geographisch festlegen lassen, sie kam von einer Himmelsrichtung her – vom Osten. Der Terrorismus, insbesondere der nun "islamistische", aber drohe überall, auf der Straße, im Supermarkt, im Kino, in der Diskothek. Der Mensch, der das sagte, war George Pumphrey, der das 2011 bei einem Vortrag in Heidelberg tat. Seine Worte zum Thema Terrorismus sind hier nachlesbar. Er zitierte darin auch Andeutungen des damaligen Oberbefehlshabers der NATO Alexander Haig in seinem Abschiedsbrief 1979 an den NATO-Generalssekretär Joseph Luns: “Wenn unsere Argumente, Überzeugungsarbeit und unser Einfluss auf die Medien keinen Erfolg haben, dann bleibt uns nichts Anderes übrig als die Zögernden in Europa aufzurütteln, in dem wir Land für Land eine Situation schaffen, die ihnen deutlich macht, wo ihre eigenen Interessen liegen. Dazu benötigen wir jene angemessenen und wirkungsvollen Aktionen sensitiver Natur, über die wir schon oft diskutiert haben (…).
Pumphrey verwies auf drei Arten des Terrorismus: "... 1. Terrorismus der Revolte – Dieser Terrorismus wird verübt von Gruppen mit unterschiedlicher Weltanschauung und politischen Zielen. Sie wollen die Herrschenden oder Teile der Bevölkerung einschüchtern und zu Zugeständnissen zwingen. Die Aktionen sind isoliert und meist eher symbolisch als politisch effektiv. Wichtig ist: Dieser Terrorismus wird verübt ohne Einfluss eines gegnerischen Staates. Wenn man den Begriff „Terrorismus“ hört, denkt man meist an diese Art des Terrorismus.
2. Von False Flag Terrorismus („Terrorismus unter falscher Flagge“) spricht man, wenn Geheimdienstagenten Gruppen infiltrieren und schließlich lenken, oder wenn Leute, die in ihrer Revolte zu Terrorismus neigen, von Agent provocateurs rekrutiert und verleitet werden, sich geheimdienstlich gelenkten terroristischen Gruppen anzuschließen. Die Bezeichnung „unter falscher Flagge“ geht darauf zurück, dass diejenigen, die von Geheimdiensten manipuliert sind, glauben, im Sinn ihrer eigenen Ziele zu handeln, während sie tatsächlich die Interessen des Gegners bedienen.
3. Die dritte Kategorie würde ich als Friendly Fire Terrorismus bezeichnen. Ein oder mehrere Geheimdienste organisieren ein Attentat gegen die eigene Seite und bezichtigen andere dafür – eine Gruppe, Organisation oder einen anderen Staat. Sie schaffen sich also eine „terroristische Gefahr“ und einen Kriegsgrund. ...
Um zu verstehen, um welche Kategorie es gehen könnte, sollten wir nicht automatisch die offizielle Verschwörungstheorie übernehmen, sondern uns auf jeden Fall fragen: Cui bono? ..."
Pumphrey zählt zum False Flag Terrorismus auch die sogenannten „Sting Operationen“.
Sein Vortrag hatte die Überschrift: "Nachdenken tabu?"

Wir sollten uns zumindest auch nach dem schrecklichen Ereignis vor zwei Tagen in Berlin das Nachdenken nicht selbst verbieten, auch wenn wir nur beobachten und abwarten können, was die "Sicherheitsbehörden" herausfinden.

Ja, und wer will das jetzt noch kritisieren: "Bundeswehr und Polizei üben gemeinsam für den Ernstfall"? Das wurde mit den mutmaßlichen und angeblichen Anschlägen der letzten Zeit begründet. Das gehört dazu: "Probe für den Ernstfall: Armee und Polizei üben für Terrorszenario im November"

pleifel 21.12.2016 | 13:39

Es mag zwar seltsam klingen, wenn bei Attentätern (falls zutreffend) der Tod eingetreten ist (oder eingeplant wird), dass ein am Tatort platzierter Identitätsnachweis dem Ruhm gereichen soll, die bei Gleichgesinnten wichtig ist und in Erinnerung bleiben soll. Vielleicht zählt dazu auch noch die hirnrissige Vorstellung einer „ewigen Belohnung“, die zur Motivation oder Ursache ausschlaggebend ist.

Andererseits werde ich mich auch nicht allzu sehr mit diesen nun hier wahrscheinlich zu erwartenden neuen Gegebenheiten beschäftigen, weil das meine Denke irendwie „infizieren“ würde.

gelse 21.12.2016 | 13:50

>>Etwas Disziplin darf man doch bitteschön wenigstens erwarten<<
Das meine ich auch. Erst die Papiere versehentlich mitnehmen und erst, als er mitbekommt, dass sie gestern offenbar nicht gefunden worden waren, sich noch mal an den mittlerweile von der Spurensicherung irgendwo platzierten LKW ranschleichen und die Papiere nachträglich ins Führerhaus schmeissen: Das ist nicht professionell!

GEBE 21.12.2016 | 13:51

Na ja, vorstellen kann man sich viel, die Phantasie ist eben schier unbegrenzt und wird nur affiziert durch die Lust am Affekt.^^ Vielleicht - dies auch eine mögliche Phantasieoption - hat der Hinterlasser der Papiere ja auch nur Tage zuvor mal in einer Verladestation schwarz beim Beladen des Lkw mitgeholfen und die Dokumente sind ihm in der Pause mitsamt dem Butterbrotpapier runtergefallen.^^

Dampfbacke 21.12.2016 | 23:08

Entweder Islamisten sind besonders dumm oder das Hinterlassen von amtlichen Dokumenten am Tatort ist sowas wie das hinterlegen einer Visitenkarte; "Hey ich wars!"

Auch das Pegida-Bachmann schon eine Stunde nach dem Blutbad auf seinem Twitteracount gepostet hat: "Interne Info aus Berliner Polizeiführung: Täter Tunesicher Moslem. ..."

Es gibt auch Gerüchte hinsichtlich der "politischen Orientierung" des sehr eifrigen Augenzeugen/Verfolgers des fälschlich zu erst Verdächtigten Pakistanis.

Ist mir momentan doch alles sehr suspekt und es scheint kompexer und vielschichtiger zu sein, als es den Anschein hat.

Man wird sehen.