Hans Springstein
11.05.2014 | 12:13 15

Nun doch: US-Söldner in der Ostukraine

Ukraine Nun werden die Informationen über US-Söldner in der Ukraine doch vorsichtig bestätigt

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Ich habe ehrlich geglaubt, ich lese nicht richtig, als ich Folgendes vorhin bei Spiegel online sah:

"Einsatz gegen Separatisten: Ukrainische Armee bekommt offenbar Unterstützung von US-Söldnern
400 US-Söldner sollen in der Ostukraine gegen die Separatisten kämpfen. Das berichtet "Bild am Sonntag" und beruft sich dabei auf Geheimdienstinformationen. Die Kämpfer kommen demnach vom Militärdienstleister Academi, früher bekannt als Blackwater.
...
Ein Zeitungsbericht legt nun nahe, dass an der Sache womöglich doch etwas dran sein könnte: Laut "Bild am Sonntag" werden die ukrainischen Sicherheitskräfte von 400 Academi-Elitesoldaten unterstützt. Sie sollen Einsätze gegen prorussische Rebellen rund um die ostukrainische Stadt Slowjansk geführt haben. Demnach setzte der Bundesnachrichtendienst (BND) die Bundesregierung am 29. April darüber in Kenntnis. Wer die Söldner beauftragt habe, sei noch unklar.
Die Informationen sollen vom US-Geheimdienst stammen und seien während der sogenannten Nachrichtendienstlichen Lage, einer regelmäßigen Besprechung unter Leitung von Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), vorgetragen worden. ..."

Ich hatte am 8. März 2014 Folgendes geschrieben: "Verschiedenen Informationen zufolge halten sich ausländische Söldner in der Ukraine auf. Zudem gibt es Warnungen vor "Operationen unter falscher Flagge"". Mehr kann hier nachgelesen werden.

Hier noch mehr Informationen, die ich alle schon mal in Mopperkopps Reihe "Machtergreifung" gebracht hatte, zum Nachlesen:

"Die Söldnerfirma, die unter dem Namen "Blackwater" bekannt ist und inzwischen "Academi" heißt, bietet Scharfschützen-Kurse an, für "Basic Sniper" und "Advanced Sniper"" (Kommentar vom 7. März)

Zu den Söldnern gab es in der letzten Zeit verschiedene Meldungen:
"Russlands Außenamt hat seine Besorgnis über die Verlegung zusätzlicher Armeeeinheiten in den Osten der Ukraine geäußert. Zu diesen Einheiten gehören auch Vertreter der US-Organisation Greystone, heißt es in einem Appell des Ministeriums auf der offiziellen Facebook-Webseite.
Nach Angaben des Ministeriums werden in den Südosten der Ukraine, darunter auch nach Donezk, Einheiten der Truppen des Innenministeriums und der Nationalgarde verlegt, aber auch Kämpfer aus der illegalen bewaffneten Formation Rechter Sektor. ..." (RIA Novosti, 8.4.14)
Später wurde die Firma Greystone von RIA Novosti zitiert, die bestritt, Mitarbeiter nach Kiew geschickt oder einen Auftrag dazu bekommen zu haben. ...

RIA Novosti, 9.4.14: "Die Präsenz ausländischer Söldner in der Ukraine ist unzulässig. Mitarbeiter von privaten Militärunternehmen können Kampfhandlungen provozieren, wie Dennis Kucinich, Ex-Kongressabgeordneter und ehemaliger Anwärter auf das Amt des US-Präsidenten, in einem Interview für RIA Novosti sagte.
Früher hatte das russische Außenministerium Beunruhigung darüber zum Ausdruck gebracht, dass zusätzliche Kräfte der ukrainischen Armee im Osten der Ukraine zusammengezogen werden. In ihrem Bestand gibt es Vertreter des Unternehmens Greystone Ltd., Einheiten der Einsatztruppen und der Nationalgarde der Ukraine sowie Kämpfer der illegitimen bewaffneten Formation „Rechter Sektor“."

Russia Today, 15.4.14: 15:24 GMT: There are currently no Ukrainian army vehicles inside the Donetsk region city of Slavyansk, say live reports on anti-government channels set up by eastern Ukrainian activists.

RIA Novosti, 10.4.14: "Private US-Sicherheitsfirmen haben Informationen zurückgewiesen, an den Ereignissen in der Ukraine beteiligt zu sein, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.
Russlands Außenministerium hatte der Regierung in Kiew vorgeworfen, rund 150 Spezialisten der US-Sicherheitsfirma Greystone angeheuert zu haben, um die Unruhen in der Ostukraine zu unterdrücken.
„Unsere Mitarbeiter arbeiten nicht in der Ukraine und wir haben nicht vor, sie dorthin zu schicken“, hieß es in einer Mitteilung der US-Sicherheitsfirma.
Nach der Besetzung des Verwaltungsgebäudes in Donezk berichteten Vertreter der Organisation „Selbstverteidigung des Donezkbeckens“, ausländische Söldner bei ihrer Ankunft am Donezker Flughafen gesehen zu haben. Am Dienstagmorgen seien 200 ausländische „Legionäre“ am Flughafen eingetroffen."

RIA Novosti, 8.4.14: "Mit dem Entsenden von Kämpfern der privaten US-Militärfirma Greystone in die Ukraine setzen die Vereinigten Staaten nach der Einschätzung des russischen Experten Igor Korotschenko ihre gewaltsame Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser ehemaligen Sowjetrepublik fort.
„Weil die ukrainischen Sicherheitsstrukturen faktisch versagen, sollen die ausländischen Söldner die Proteste im Osten und Süden niederschlagen“, kommentierte Korotschenko, Chefredakteur des Magazins „National Defence“, die Mitteilung des russischen Außenministeriums, dass mindestens 150 Spezialisten aus der privaten US-Militärorganisation Greystone in die Ost-Ukraine geschickt worden seien. Die Amerikaner seien in die Uniform der ukrainischen Spezialeinheit „Sokol“ gekleidet worden."

Hier ein Video, aufgenommen am 11.4.14 am Flughafen Donezk, das Uniformierte zeigt, die nicht nach ukrainischen Soldaten o.ä. aussehen, sondern eher wie Söldner, z.B. von der Blackwater-Nachfolgefirma Academi/Greystone ... aber davon gibt es sicher mehr als eine.

Hier weitere Informationen dazu: "Nach Angaben aus Donezk ist eine weitere Gruppe der amerikanischen Söldner am Flughafen der Stadt eingetroffen. Die Maidan-Regierung plant, diese Söldner bei Säuberungsaktionen im Gebiet einzusetzen. Sergej Zyplakow, stellvertretender Leiter der Volkswehr vom Gebiet Donbass behauptet, die Landtruppe zähle 100 Söldner. Amerikanischen und britischen Presseberichten zufolge beträgt die Zahl der Söldner, die die Kiewer Führung im Südosten der Ukraine einsetzen will, bis zu 1.800 Menschen." (Stimme Russlands, 10.4.14)

ITAR TASS, 25.3.14: Die Entscheidung ausländische Söldner zu engagieren, stammt von dem Oligarchen Ihor Kolomoyskyi, Miteigentümer der ukrainischen Privatbank, und Serhiy Taruta, Chef der Industrievereinigung von Donbass, einem Kohlebecken im Osten der Ukraine, die von den neuen Machthabern in Kiew als Statthalter in der Region Dnepropetrovsk und östlichen Region Donetsk ernannt wurden. Den offiziellen ukrainischen Strafverfolgungsbehörden werde nicht zugetraut, gegen die Widerständigen in der Ostukraine vorgehen zu können. Die Entscheidung sei dem sogenannten Interimspräsidenten Turtschinow mitgeteilt worden.
Hier ein Bericht von Russia Today vom 9.4.14, der ebenfalls sagt, dass Kiew ausländische Södner engagierte, um gegen die Widerständigen vorzugehen. Dass die Söldnerfirma Greystone dementiert, gehöre zum Geschäft, sagt in dem Bericht David Becker von der Anti-War Answer Coalition in den USA

Hier wird ein Video gezeigt, eingestellt am 10.4.14, in dem Widerständige in Charkow einen vermutlichen Söldner überwinden, der englisch spricht und erkennbar eine "Sokol"-Uniform trägt

Nachtrag: In dem Zusammenhang muss an die unheilvolle Tradition der US-Einmischung in der Ukraine erinnert werden, das u.a. dieser von Willy Wimmer schon 2001 beschriebenen Linie folgt: "4. Der Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien sei geführt worden, um eine Fehlentscheidung von General Eisenhower aus dem 2. Weltkrieg zu revidieren. Eine Stationierung von US-Soldaten habe aus strategischen Gründen dort nachgeholt werden müssen." Es geht generell um die Korrektur der Geschichte nach dem 2. Weltkrieg, unter dem Stchwort "Neue Weltordnung".

Da gibt es eine unheilvolle Verbindung in die Geschichte: "Ab Ende der 40er Jahre begannen US-Dienststellen gezielt mit der Anwerbung von ehemaligen Nazi-Kollaborateuren und SS-Veteranen für den Widerstand in der Ukraine und im Baltikum. Denn aus Sicht der Amerikaner waren es genau die Leute, die man dort brauchte. Die Aufständischen vor Ort wurden mit Waffen und Sprengstoff versorgt und von Radio Free Europe zum Durchhalten ermuntert. Dazu wurden immer wieder kleine Teams von Spezialisten mit Fallschirmen abgesetzt, die für Propaganda, Sabotage und Attentate ausgebildet waren. Ein Oberst erzählte später noch mit einer gewissen Begeisterung: "Einige dieser Männer waren die besten Berufskiller, die ich je kennengelernt habe." Man sollte wie gesagt nicht denken, dass es sich bei diesem vergessenen Krieg um eine Kleinigkeit gehandelt hat. Der CIA-Leiter für Geheimoperationen Frank Wisner schätzte, dass allein in der Ukraine bis 1960 etwa 35.000 sowjetische Kader durch Guerillas ermordet wurden. Dass die Zahl derer, die durch die Unterdrückung des Aufstandes ums Leben kamen, um ein Vielfaches höher lag, versteht sich von selbst."

Aus einem Kommentar aus dem März von mir: Der Westen führte auch einen Untergrundkrieg gegen die UdSSR nach 1945, auch auf dem Boden der Ukrainischen Sowjetrepublik: "Bandera, dessen Milizen im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Massaker begingen, darunter Massaker an Juden, erhielt nach Kriegsende Zuflucht in der Bundesrepublik - wie zahlreiche andere ukrainische NS-Kollaborateure auch. Andere wurden von der CIA in die Vereinigten Staaten verbracht, um dort für die Unterstützung verdeckter Operationen auf sowjetischem Territorium zur Verfügung zu stehen. Gemeinsames Ziel der Bundesrepublik und der USA war es, durch Unterstützung der ukrainischen Nationalisten die Sowjetunion zu schwächen und einen Sieg im Systemkampf herbeizuführen." (Quelle) In der TV-Doku "Hinter den feindlichen Linien - Geheimoperationen im Kalten Krieg" gibt es ebenfalls Infos dazu, u.a. hier nachschaubar

aktualisiert um 15:32 Uhr mit Informationen, die ich im März und April bereits online veröffentlicht habe

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (15)

MO 11.05.2014 | 12:26

Wer kann was zu einem angeblichen zweiten Pogrom in Mariupol sagen, von dem Consortiumnews berichtet?

Es scheint so, dass der Bürgerkrieg nicht startet, weil Ukrainer nicht gegen Ukrainer kämpfen wollen. Lediglich die Nazi-Truppen und, wenn sich die Söldner-Geschichte bewahrheitet, dann auch die privaten Killer, kennen keine Skrupel.

Robert Parry schreibt: "However, as resistance to Kiev’s right-wing regime expanded in the ethnic Russian east and south, the coup regime found itself unable to count on regular Ukrainian troops to fire on civilians. Thus, its national security chief Andriy Parubiy, himself a neo-Nazi, turned to the intensely motivated neo-Nazi shock troops who had been battle-tested during the coup."

saalewasser 11.05.2014 | 15:09

Ich bin immer noch sprachlos vor Entsetzen. Auch über die Unverfrorenheit mit der Merkel immer noch Sanktionen fordert. Mir wird erst langsam bewußt, dass die deutsche Regierung den Krieg will. Um jeden Preis. Sie haben kein Feigenblatt mehr, aber das ist Ihnen nun auch schon egal.

Die Amis können doch da Ihre Blackwater-Schlächter nur hinschicken, weil Sie niemand daran hindert.

Sollte Putin so besonnen sein, dass er sich nicht provozieren lässt (aber warum sollte er noch), haben wir nochmal Glück gehabt. Und dann sollten wir unser Schicksal nicht mehr Lügnern und Kriegstreibern überlassen.

Davon erholt sich Merkel nicht. Das Blut kann Sie nicht mehr abwaschen.

karamasoff 11.05.2014 | 21:07

Das dürfte niemanden überraschen, der sich auch nur halbwegs kritisch dem entgegengestellt, was Johannes Stern in seinem Artikel hier über die Renaissance des Upperclass-Militarismus in Deutschland zusammengestellt hat.

Es ist nichts mehr als die Antwort der Eliten auf die Krise des Kapitalismus. Wer denkt, daß da nur die ewig Gestrigen dahinterstecken der irrt. Selbst Teile aus "Die Linke" gehen konform.

Am deutschen Wesen soll wiedereinmal nicht nur der Kapitalismus, sondern auch die Welt genesen. Wer nicht konform geht, wird Opfer dieser Totenkopfallianz werden.

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Ehemaliger Nutzer 12.05.2014 | 15:01

…es spricht doch alles eher dafür, dass diese jüngsten Meldungen auf einen gezielten Leak basieren, der genau von denjenigen „Kräften“ ermöglicht wurde, die die Herstellung eines „Bürgerkrieges“ in der Ukraine zur offiziellen Angelegenheit des US-amerikanischen Außenamtes machen wollen. Dieser Leak dient doch eher der Befeuerung eines nicht so recht in Gang kommenden Krieges, nicht nur über eine erfolgreichere Provokationsstrategie gegenüber Russland, sondern auchindem er Außenamt und Weißes Haus zum Zuschlagen pressen will, da sich diese schon aufgrund ihres imperialen Renommees und Prestiges, weder irgendeine Rechtfertigung noch einen Rückzieher leisten dürfen. Dann ist es auch nicht mehr verwunderlich, dass es ausgerechnet eine deutsche Filiale der fanatischsten US-Fraktion globaler Weltkrieger war (Springers Bild am Sonntag), die diese außerhalb des „Mainstreams“ längst kursierenden Vermutungen, nun plötzlich in den Medienhimmel hängt…

Serg Derbst 12.05.2014 | 15:30

Soweit ich das beurteilen kann, ist das korrekt. Davon wurde auch schon anderswo berichtet. Hier ist ein Video von dem brennenden Gebäude:

https://www.youtube.com/watch?v=PzGVBbmwIsM

Was auch auffällt, wenn man sich die vielen Videos aus Mariupol anschaut, in denen man die Junta-Kämpfer sehen kann, ist, dass fast keiner von denen reguläre Armeeuniformen trägt. Manche sind schwarz, manche grün, manche tarn und manche tragen sogar "zivile" Kampfkleidung (Hoodies und Springerstiefel mit Kalashnikov). Das spricht alles dafür, dass dort verschiedene Verbände gemeinsam gegen die Zivilbevölkerung vorgehen. Man darf auch nicht vergessen: Neben der Nationalgarde der Junta und den Nazi-Banden - und nun ganz offensichtlich auch US-Söldnern (wenig überraschend, genau für den schmutzigen Krieg hat Rumsfeld die ja eingeführt) - haben auch einige der Oligarchen ihre Milizen gegen die Ost-Ukrainer am Start. Selbst die Saudis sollen eine Einheit geschickt haben, als Rache für Russlands Unterstätzung von Assad in Syrien (die Meldung gab es auch verschiedentlich):

http://english.farsnews.com/newstext.aspx?nn=13930214000824

Scheint, dass sich eine neue "Achse des Bösen" gebildet hat, um Kriegsverbrechen zu begehen.

Serg Derbst 12.05.2014 | 15:45

Es ist schon eigenartig, dass diese Meldung ausgerechnet jetzt und ausgerechnet in der Blöd erscheint. Man kann das aber auch anders interpretieren. Ich hätte zwei Varianten anzubieten:

1) Als Feigenblatt für die Transatlantikpresse. Söldner kennen wir schon und Söldner ohne direkt zuzuordnende Verbrechen sind weniger peinlich als die tatsächlichen Massaker der Junta und deren Nazi-Schergen, welche ja in den Light-Medien weitgehend ausgeblendet oder verfälscht werden. Nun können sie uns wieder weismachen, dass sie "ausgewogen" berichten, nach den Wochen des shit storms der Leser.

2) Das war ein Leak aus deutschen Regierungskreisen, um den Amis ein Zeichen zu setzen: Wir wissen, was Ihr da treibt. Die deutsche Regierung ist derzeit die Wurst im Sandwich. Oben pressen die Amis mit dem ihnen eigenen Druck des Herrschers und Besatzers. Unten sind aber die deutschen Wirtschaftsinteressen, die eigentlich KEINE weiteren Sanktionen wollen. Auf offenem Parket kann das nicht-souveräne Deutschland nicht wirklich gegen die USA protestieren, so aber schwächen sie die US-Position in Verhandlungen - wenigstens ein bißchen. Merkel wirkte schon recht nervös bei der Androhung weiterer Sanktionen, wie überhaupt in letzter Zeit.

Wie gesagt, nur zwei mögliche Interpretationen.

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Ehemaliger Nutzer 12.05.2014 | 16:47

Die (mediale) Öffentlichkeit einer (auch demokratisch regierten) Nation im Krieg bedarf keiner „ demokratischen Feigenblätter“, sondern ausschließlich (bedingungslose) Gefolgschaft.

Dass, was in der öffentlichen Debatte noch „nuanciert“ als unterschiedliche Bewertung und „Meinungsvielfalt“ in Erscheinung tritt, ist ausschließlich Ausdruck der Gespaltenheit deutscher Eliten, dessen erbitterte Kämpfe untereinander für einen einheitlichen (Kriegs) Kurs, noch nicht entschieden sind. Wenn das klar gestellt ist, gibt es auch keine Brüche mehr in der öffentlichen Propaganda.

Dass dieses alles wiederum „nur“ Resultat einer wesentlich heftigeren Auseinandersetzung US-amerikanischer Kapitalfraktionen ist, - eines Fraktionskrieges, der mittlerweile schon bestimmender Teil globaler bewaffneter Konflikte ist und für den Außenstehenden Betrachter als „bizarre“ und „sinnlose“ Angelegenheit in Erscheinung tritt - sollte allerdings bei jeder Überlegung und Spekulation nicht außer acht gelassen werden.

Daniel Uxa 13.05.2014 | 18:00

Wenn die Blackwater-Söldner sich in der Ukraine ebenso danebenbenehmen wie ihre Kameraden das ihrerzeit im Irak getan haben, dann wünsche ich denen schon mal viel "Erfolg" bei ihrer Mission. Da Söldner ja leider bzw. praktischerseits (je nach Sichtweise) keinerlei Kriegsrecht unterliegen, können sie ja i.d.R. hausen, wie sie wollen.

Im Georgienkonflikt ist Blackwater ja dadurch unangenehm aufgefallen, dass man an die georgischen Truppen neueste H&K Waffentechnik verkauft hat, die nach Waffenexportbeschränkungen nie dort hätten hingelangen dürfen. Aber als Privatarmee ist man auch da rechtlich fein raus ... ?

http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsche-waffen-in-georgien-immenser-politischer-sprengstoff-1.571722

Richard Zietz 17.05.2014 | 21:23

Hm … Denken konnte man es sich schon. Bereits bei der Geschichte mit der Maidan-Revo-louschen sind einem die Ungereimtheiten nur so aus Zeitung, Netz und Glotze entgegengesprungen. Etwa die (auf ***sehr*** kleiner Flamme gehaltenen) Infos, dass bewaffnete Maidan-Schützen (vermutlich vom Rechten Sektor) Demonstranten der eigenen Seite unter Feuer genommen haben, um die Eskalation voranzutreiben. Ebenso Hinweise, dass Gladio-Teams (in Form israelischer Söldner) beim Umsturz mit von der Partie waren. Auch über die westukrainischenMilizen in der Ostukraine wird man, falls überhaupt, nur in sehr verhaltener Form informiert. Insofern ist eine Involvierung von Blackwater (oder vergleichbaren Unternehmen) nur logisch.

Persönlich interessant finde ich, wie die Berichterstattung der hiesigen Leitmedien nach der Odessa-Katastrophe umgeschwenkt ist hin zu einer deutlich runtergefahrenen Low-Intensity-Berichterstattung. Auch das hat seine Logik. Armee-Aktionen gegen eine feindselig gesinnte Bevölkerung haben halt nicht den erwünschten einnehmenden Effekt. Darüber hinaus ist der komplette Konflikt zurzeit von In-Deckung-gehen, Sondieren und auf-die-nächste-Gelegenheit-warten bestimmt – Aktivitäten also, wo ebenfalls nur schwer »Gute« auszumachen sind. Das wird sich vermutlich schon bald ändern. Für die Situation hierzulande bedeutet dies allerdings, dass die Chose keinesfalls überstanden ist. Nach den Wahlen in der (West)Ukraine dürfte er – auch dank unserer tatkräftigen westlichen Bündnispartner – bald wieder an Brisanz gewinnen.

Zwischenzeitlich setzt man halt weiter seine Spins – so etwa den OSZE-Bericht über Menschenrechtsverletzungen in der Ostukraine. Wird man nicht definitiv bestreiten wollen (die Umgangsweise mit den nicht gerade auf Vorzugsberichterstattung geeichten westlichen Medienvertretern etwa war in der Tat etwas ruppig), ist allerdings wieder mal auf das höchste einseitig und exklusiv auf eine ausgemachte Feindseite fokussiert. Nunja, auch die Vereinnahmung der Medienkonsumenten in den westlichen Ländern ist aktuell etwas heruntergefahren. Das könnte sich aber ebenfalls schneller wieder ändern, als unsereins »Holla« sagen kann.