Hans Springstein
11.06.2012 | 10:35 8

"Rebellen" produzieren Opfer

Syrien Die syrischen "Rebellen" kennen in ihrem Krieg gegen Präsident Bashar al-Assad keine Gnade und keine Grenzen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Für ihr Ziel produzieren sie auch Opfer, wissen sie doch um deren Wirkung bei den westlichen Menschenrechtskriegern. Dabei machen sie anscheinend vor nichts und niemandem halt.

Der britische Journalist Alex Thomson hat am eigenen Leib erfahren, wie das funktioniert. Der Schweizer Tagesanzeiger macht auf den Fall aufmerksam: "Journalist bloggt über Fallenstellung syrischer Rebelle". Danach erhebt Thomson schwere Vorwürfe gegen die syrischen "Rebellen": "Die Regierungsgegner hätten ihn in der Nähe der libanesischen Grenze in eine Falle gelockt, damit er von syrischen Regierungstruppen erschossen würde, erklärte der Chefkorrespondent von Channel 4 News in seinem Blog. 'Tote Journalisten sind nicht gut für Damaskus', schrieb er.
Zu dem Zwischenfall kam es nach Angaben von Thomson am Montag in der syrischen Stadt Kusair, etwa eine halbe Stunde Fahrt von Homs entfernt. Er, sein Fahrer, ein Dolmetscher und zwei weitere Journalisten wollten hinter die Regierungslinien zurückkehren, als die Rebellen sie in eine Sackgasse geführt hätten. Ein Schuss sei gefallen. Dies sei kein Versehen gewesen, erklärte Thomson. 'Ich bin sicher, dass die Rebellen das bewusst arrangiert haben, damit wir von der syrischen Armee erschossen werden', schrieb er. Dem Wagen gelang die Flucht. Thomson hat Syrien inzwischen verlassen."

Der Originalbericht von Thomson ist noch interessanter: Niemand solle glauben, dass seine Erfahrung mit den "Rebellen" in Kusair eine einmalige sei. Er schreibt, dass ihm Nawaf al Thani, Menschenrechtsanwalt und Mitglied der Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien Anfang dieses Jahres, berichtete, er hätte die gleiche Erfahrung gemacht. "Man muss sich fragen, wer sonst noch diese Erfahrung gemacht hat beim Versuch herauszufinden, was los ist im von Rebellen kontrollierten Syrien."

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (8)

heidenplejer 11.06.2012 | 13:46

Es sieht ja im Moment so aus, als würde diese Strategie der Rebellen nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Wer schreibt oder bloggt eigentlich darüber, welche Bemühungen es in der deutschen Politik gibt, sich gerade nicht zur Geisel einer solchen Rebellenstrategie machen zu lassen? Oder wird von vornherein unterstellt, dass es sie garnicht gibt oder sie einfach nicht der Rede wert sind? Und stünde solches Berichten - auch wenn es inhaltlich zuträfe - von vornherein zu sehr unter dem Verdacht staatstragender Schönfärberei?

Vaustein 11.06.2012 | 13:52

Wenn die "syrischen Rebellen" über Assads Truppen siegen sollten, wird in Syrien keinesfalls etwas entstehen, was man im Sinne einer Demokratie für gut befinden könnte. Stammesgesellschaften, deren Loyalität in erster Linie ihren örtlichen "Häuptlingen" gilt haben für das Gemeinwesen Staat Syrien vermutlich nicht allzuviel Interesse. Das Gemeinsame der Stämme ist vermutlich nur der Hass auf den Nachbarn Israel. Aber als "raison d' état" ist das zu wenig.

Wie sich das entwickeln könnte, sieht man derzeit an der inneren Situation Libyens.

Dreizehn 11.06.2012 | 17:44

Vielleicht bin ich einfach zu wenig informiert, aber für mich, @Vaustein, ist genau das so erstaunlich. Du erfährst nichts mehr.

Vorher das einhellige Gegröle nach Menschenrechten, und es werden gewachsene Infrastrukturen plattgemacht. Und jetzt? Was, bitteschön, spielt sich ab im Irak? Und am Hindukusch wird die Freiheit verteidigt? Demokratie in Ägypten? Libyen, Tunesien, Marokko? Wo sind all die Schreihälse hin?

Gibt's jetzt Menschenrechte in den erwähnten Nationen? Weshalb tönt kein Triumphgeheul in den vertrauten Medien? Ist doch wieder das Gegenteil eingetreten, oder was? Und dieselbe Nummer dann in Syrien?

Ich les jetzt erstmal den Bericht von Thomson.

Hans Springstein 11.06.2012 | 18:15

@Vaustein
Ich meine auch, dass Libyen zeigt, was Syrien droht. Den arabischen Herrschern, Diktatoren, Despoten und als was auch immer sie tituliert werden, die sich nicht auf den Islam als Begründung für das Staatsgebilde stützten und stützen, vieles vorwerfen. Aber eines hatten sie erreicht, so etwas wie Modernisierung ihrer vorher rückständigen Länder, sie versuchten, mehr aus den Ländern zu machen als Ölquellen für den westlichen Wohlstand. Dass diese Modernisierung nicht ohne Zwang und Gewalt abging, hatte schon etwas mit dem Beharrungsvermögen von Traditionen zu tun. Auch die europäische Geschichte ist voll von diesem Kampf zwischen Tradition und Modernisierung und den dabei verursachten Zerstörungen und Opfern. Das vergessen wir bloß gern, wenn wir uns zu Lehrmeistern in Sachen Demokratie und Menschenrechte für andere Länder aufschwingen. Aber um beides geht es ja auch nicht eigentlich. Das ist nur vorgeschobene Propaganda für die eigene Bevölkerung, da selbst Menschenrechtskriege nicht geführt werden können, wenn die eigene Bevölkerung nicht wenigstens dazu schweigt, weil ja im Fernsehen immer so schlimme Bilder von schlimmen Massakern zu sehen sind, weil die Diktatoren mit Vorliebe ihre eigenen Völker abschlachten ...

mymind 12.06.2012 | 23:35

by the way, die vergleiche mit bosnien sind gar nicht so dusselig, da auch dort oft vor verhandlungen agreements ein massaker stattfand, wofür in sekundenschnelle, ohne prüfung etc. die serben verantwortlich gemacht wurden.

eigentlich ist vieles evident, wenn jeder sich einfach die frage stellt: wem nützen die gräuel? heute die berichte der uno über kinderschändereien, daraus entsehen dann auch tw. meldungen, sie werden darüber hinaus auf syrische armeepanzerr gesetzt, als schutzschilde sozusagen. wer prüft diese berichte, wo sind die beweise wiederum: wem nützt was verfolgt die verbreitung von derart abartigen szenarien? nur mal so zur erinnerung: ex-verteidigungsminister scharping verbreitete die behauptung: die serben schlitzen schwangeren muslimischen frauen die bäuche auf, entreissen die föten grillen sie! andere sagten, sie spielen damit fussball...

was oder wer soll nach assad kommen? diese ´rebellen´? ( diese bezeichnung ist eine schande für alle tatsächlichen rebellen), fragwürdige charaktere, für die offenbar ein mensch so viel zählt wie ihre bereitschaft zu frieden ernsthaften verhandlungen.

hoffentlich bietet wenigstens der bericht von thomson seinen verrannten kollegen den staatsmächten inkl. uno die gelegenheit mal zu reflektieren. resignierenderweise entpuppt sich inzwischen der eindruck, dass die meisten wissen, was abgeht. leider bedingt das dennoch kein wirkunsvolleres menschlicheres handeln, das alle seiten berücksichtigt, damit ist das syrische volk gemeint!