Hans Springstein
15.05.2013 | 20:44 35

Vom Nutzen der Krise

Europa Erst sorgen wir für ihre Armut, dann locken wir sie zum arbeiten zu uns – ein mögliches Fazit angesichts der Krisen-Politik der Bundesregierung in der EU

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Vom Nutzen der Krise

Angela Merkel

Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images

"Merkel wirbt um Arbeitskräfte aus Euro-Krisenländern", meldet die FAZ, online am 14. Mai 2013, gedruckt am heutigen 15. Mai. Die sind in Folge der Krise auch deutlich billiger geworden als deutsche Arbeitskräfte. Deutschland biete gute Bedingungen für Zuwanderer, habe aber einen schlechten Ruf, beklagte Merkel dem Bericht zufolge auf dem "Demographiegipfel" am 14. Mai 2013.

"Sollte das Euro-Abenteuer am Ende gut ausgehen, dann gäbe es einen eindeutigen Gewinner: den deutschen Staat." Das stellte die WirtschaftsWoche vorsichtig am 9. Oktober 2012 fest. Griechenland, Spanien, Portugal und den anderen von der Krise am meisten betroffenen Ländern hat das "Abenteuer" wachsende soziale Probleme gebracht. Dazu trägt die angebliche Anti-Krisen-Politik der "Troika" und der Bundesregierung bei, die den schwachen Ländern Sparprogramme verordnet, die sie noch mehr schwächen. "Deutschland saniert sich auf Kosten seiner Nachbarn", titelte Cicero am 21. Januar 2013 und stellte fest: "Finanziell, wirtschaftlich und sogar demographisch profitierte Deutschland von der schwersten Krise seit Gründung der Währungsunion."

Zu den Folgen gehört u.a., was die Süddeutsche Zeitung am 27. Juli 2012 meldete: "Mehr als 5,7 Millionen Menschen sind in Spanien ohne Job. Von den Jugendlichen unter 25 Jahre haben deutlich mehr als die Hälfte keine Arbeit, bezogen auf den gesamten Arbeitsmarkt sind es fast 25 Prozent." "Die fortschreitende Arbeitslosigkeit, die Verarmung und die gesellschaftliche Ausgrenzung nehmen ein erschreckendes Ausmaß an", berichtete Ignacio Sánchez-Cuenca in einem von presseurop.de übersetzten Text vom 6. Mai 2013. "Es gibt bereits Kinder, die unter Fehlernährung leiden. Tausende von Familien wurden aus ihren Wohnungen vertrieben. Die Löhne und Gehälter sinken, während die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen." Der Autor meint: "Es mag brutal klingen, aber die Europäische Union und die spanische Regierung scheinen die Ansicht zu vertreten, dass die Krise nur gelöst werden kann, wenn die meisten Spanier in Armut versinken."

Zwar wurde am 8. April 2013 gewarnt: "Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat die Wirtschafts- und Währungskrise die Gefahr für soziale Unruhen in den Mittelmeerstaaten Zypern, Griechenland, Spanien und Italien erhöht." Inzwischen gebe es in der EU zehn Millionen mehr Arbeitslose als vor Ausbruch der Krise. "Besonders stark betroffen sind junge und gering qualifizierte Arbeitnehmer", stellt die Organisation fest. Hinzu kam eine andere Studie, der zu Folge die Eurokrise auch Todesopfer fordert, über die die Medien am 27. März 2013 berichteten: "Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen; Kranke, die sich die Spitalskosten nicht mehr leisten können und ihr Leben riskieren müssen".

"Und dennoch steigen die Spanier nicht auf die Barrikaden", stellt zum Beispiel Sánchez-Cuenca fest. Ein Bericht der Deutschen Welle vom 30. November 2012 zeigt die tatsächlichen Reaktionen: "Viele junge Spanier kehren dem Land nun den Rücken. Vor allem bei ambitionierten Ingenieuren gilt Deutschland als El Dorado." Der Mangel an Perspektiven vertreibe viele Spanier aus ihrem Land, so die Süddeutsche online am 20. April 2012. "Immer mehr landen in Deutschland, wie Mariola und Jordi", wird über zwei konkrete Beispiele berichtet. "In den vergangenen Jahrzehnten investierte Portugal massiv in Hochschulen und Erziehung", hieß es in einem Bericht von Euronews vom 8. Dezember 2011 aus dem Nachbarland Spaniens. "Doch aufgrund der Krise kann das Land die begabten Nachwuchskräfte nicht mehr halten." "Portugal lässt seine Zukunft ziehen", fasst der Titel des Berichts zusammen. Wissenschaftler würden vor den Folgen warnen: Portugal sei auf dem Weg ins wirtschaftliche Abseits.

"Deutlich feststellbar ist jedenfalls, dass in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer aus Spanien, Griechenland, Portugal oder der Slowakei ankommen: aus jenen EU-Ländern, die von Krise und Arbeitslosigkeit besonders schwer betroffen sind.", stellte die Deutsche Welle fest. Die bundesdeutsche Wirtschaft freut sich, klagt sie doch über "Fachkräftemangel". Da kommen die jungen, gut ausgebildeten Fachkräfte aus den Krisenländern anscheinend gerade richtig. Dabei ist der angebliche Mangel ist eine "Fata Morgana", worauf unter anderem Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin schon mehrfach hinwies, so 2010, erneut 2011, ebenso 2012. Für ein generell knappes Arbeitskräfteangebot ließen sich "keine Belege finden", erklärte Benke 2010. Und benannte eines der tatsächlichen Probleme: Die Löhne für Fachkräfte seien kaum gestiegen, zudem sei die Zahl der Arbeitslosen mit Qualifizierung größer als die Zahl der offenen Stellen. Statistiker Gerd Bosbach erklärte im Report-Beitrag "Die Legende vom heiß begehrten Ingenieur" vom 10. Juli 2012: Hätten die deutschen Unternehmen "tatsächlich Ingenieurmangel, dann würden die sich ganz anders um Bewerber kümmern. Sie würden ihnen Dauerstellen anbieten. Sie würden ihnen gute Löhne anbieten. Und alle diese Faktoren kann ich leider nicht beobachten." In einer Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration wurde dagegen 2009 schon festgestellt, dass seit 2003 rund 180.000 Fachkräfte Deutschland verlassen haben, berichtete u.a. Spiegel online am 26. Mai 2009. Ein Jahr später wurde das gleiche Ergebnis verkündet. Zu den Hauptmotiven der auswandernden Fachkräfte gehöre u.a. der Wunsch nach höheren Einkommen, so die Süddeutsche online am 17. Mai 2010.

Aber auch zu hohe Steuern und zuviel Bürokratie beklagen danach gerade jene mit hohen Abschlüssen, wie Ärzte und Ingenieure. Das gilt vielleicht für beruflich etablierte Fachkräfte. Im erwähnten Report-Bericht stellt Hermann Biehler vom IMU-Institut München fest: „Ich sehe die Entwicklung dahingehend, dass junge Ingenieure zwischen schlechter Beschäftigung und zwischen Arbeitslosigkeit erstmal wählen müssen.“ Bei den angeblich so gefragten Nachwuchskräften würden befristete Verträge und Zeitarbeit boomen. "Die erfahrene Ingenieurin Tanja Mett-Bialas würde sich schon über einen Job bei einem Dienstleister freuen – und auch Helmut Rasch wäre lieber Zeitarbeiter als Hartz IV-Empfänger."

Ein weiteres Motiv für einen Wegzug könne aber auch die mangelnde Anerkennung und zu hohe Belastung sein, zitierte der Tagesspiegel am 4. August 2010 Eberhard Jüttner, den damaligen Vorsitzenden des Paritätischen Gesamtverbands. Jüttner verwies auf die Situation des Pflege-Personals: "Jedes Jahr verlassen zig ausgebildete Pflegekräfte Deutschland, um in Skandinavien, Österreich oder der Schweiz zu arbeiten, was den Pflegenotstand in Deutschland verschärft. ... Die Leute gehen, weil die Akzeptanz für ihre Beschäftigung in diesen Ländern schlicht viel höher und die Belastung wegen größerer Personalschlüssel nicht so gewaltig ist."

Den vielfach beklagten Fachkräftemangel hält DIW-Forscher Brenke eher für einen Mangel an billigen und hochflexiblen Fachkräften, die jederzeit austauschbar sind, erklärte er 2012 in einem Interview. Da sind die gut ausgebildetenen jungen Fachkräfte aus den Krisenländern hochwillkommen, sind sie doch verständlicherweise bereit für eine Perspektive im Vergleich zu deutschen Fachkräften weniger Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen. So müssen dann die deutschen Unternehmen auch solche Forderungen wie nach einem gesetzlichen Mindestlohn in der Bundesrepublik für alle Branchen und in gleicher Höhe für Ost und West nicht so ernst nehmen. Die Bundesregierung kann Kritik wie die von der ILO, die Eurostaaten hätten zu großen Wert auf die Sanierung ihrer Budgets gelegt und dabei die soziale Komponente vernachlässigt, ignorieren, eben so die Forderung der UNO-Organisation nach einer Beschäftigungsgarantie für junge Menschen. Sie kann stattdessen gönnerhaft zeigen, was sie für diejenigen tut, die unter der von ihr in der EU durchgesetzten Sparpolitik leiden, wie sie ihnen eine Perspektive in der Bundesrepublik bietet – wenn sie jung, gut ausgebildet, flexibel und (selbst)ausbeutungswillig sind.

Welche "guten Bedingungen", von denen Merkel sprach, zum Beispiel spanische Fachkräfte vorfinden, beschrieb eine Reportage von Johannes Kulms auf DeutschlandRadio Kultur am 11. April 2013. Sebastian Gonzales wurde vorgestellt, einer von 14 spanischen Fachkräften, die seit Februar in Südthüringen leben und für sechs Monate auf Probe in Industriefirmen und der Gastronomie arbeiten. Das sogenannte Spanien-Projekt habe die Industrie- und Handelskammer von Suhl ins Leben gerufen. "1000 Euro brutto schreibt das IHK-Projekt als Mindestbezahlung vor." Gonzales habe in Spanien als Einrichter vor der Krise monatlich rund 4.000 Euro verdient, in Thüringen bekomme er etwa 1.400 Euro brutto monatlich. Seine neue Thüringer Firmenchefin gibt sich in der Reportage großzügig: "Wir haben ihn jetzt so eingestellt, wie wir jeden anfänglichen Einrichter einstellen würden. Also, mit einem Grundlohn von 8,50. Und ich denke schon, dass wenn er sich gut macht, nach oben wachsen kann. Aber in den ersten sechs Monaten mit Sicherheit nicht." Der Spanier ist froh: "In Spanien ist es jetzt schon etwas besonderes, überhaupt Arbeit zu haben. Wie viel man da verdient, ist gar nicht der Rede wert. Meinen früheren Kollegen aus Barcelona wurden die Löhne binnen mehrerer Jahre um 25 Prozent gesenkt."

Nereida Ruiz, die der Reportage nach wie Gonzalez nach Thüringen kam, arbeite im Servicebereich eines Hotels in der Nähe von Suhl. Sie sagt: "Ich bin ja nicht die einzige Spanierin, die nach Deutschland geht. Ich finde es selbstverständlich, dass in einer europäischen Union das eine stärkere Land dem schwächeren hilft. Wer sagt denn, dass es morgen nicht genau umgekehrt sein könnte?" Und so sieht es aus, als habe doch noch jeder etwas von der Krise ...

aktualisiert: 22.52 Uhr

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Kommentare (35)

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Ehemaliger Nutzer 16.05.2013 | 12:17

Schon der erste Satz zeigt das Fehlen jeder ökonomischen Grundkenntnis. Nicht wir - gemeint ist wohl die bunte Republik Deutschland - sondern die Damen und Herren der Südländer sind allein schuld an ihrer Armut - wobei das für Italien gar nicht stimmt, die dortigen Menschen sind pro Person rund 40.000 € reicher als hier. Sie haben nach der Euroeinführung gelebt und Schulden gemacht, als gäbe es kein Morgen mehr und so das Anlagekapital aus Deutschland abgezogen. Das haben die deutschen Kapitalgeber jetzt als Targetforderung gegen die superbonen Medländer ! Großartig! Gewaltige Lohnerhöhungen in den Club Med Ländern führten neben den strukturellen Nachteilen dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit verloren ging : Griechenland ist ca. 30 % teurer als die Türkei, die auch noch über die moderneren Hotels verfügt. Der Süden kommt ohne Abwertung nicht aus der Krise raus, deshalb muss er aus dem Euroraum austreten , Strukturreformen und Entschuldung angehen. das wird in Deutschland politisch bisher aber nur von den klugen Köpfen der AfD vertreten.

Anderenfalls erledigt sich die Zukunft Europas von selbst: 7% der Weltbevölkerung erwirtschaften 23% des Bruttosozialprodukts und verbraten 43 % aller Sozialleistungen.

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Ehemaliger Nutzer 16.05.2013 | 13:51

Schöner Beitrag.

Allerdings steckt da als Auslöser kein zynischer Masterplan der deutschen Politik dahinter, sondern naivster Europa-Idealismus. Politisches lieb sein wollen.

Man sehe sich die politischen Spitzen-Gesichter jenes dumpfprovinziellen Deutschland einmal an, das von ewigem Frieden schwadronierend in den 90er Jahren mit Pauken und Trompeten einstimmig auf den Euro hinsteuerte...

Die Gesichter von Kohl und Waigel sind Symbole. Im großen, da wo er der Geschichtskanzler sein wollte und hehre Ziel anstrebte, hatte Kohl mehr von einem seicht-"visionären" Naivling als von einem Gangster.

Wie auch immer. Man hatte ein großes Kumbaya abgehalten (das können auch infizierte Konservative, man sehe sich nur die heutigen routinierten Geldbeschließer selbstlosen europäischen Visionäre in der Unionsfraktion einmal an) und den Südländern schließlich eine viel zu starke Währung gegeben - mit der Folge, das dort die Party losging. Halb zog man sie vor, halb sanken sie hin...

Und da liegt sie nun: die Rechnung, die keiner bezahlen will. Weil das nicht geht, werden Teile Südeuropas nun von internationalen Finanzgerichtsvollziehern gesundgeschrumpft fit gemacht für den internationalen Wettbewerb, das es nur so kracht.

Im überteuerten Altenheim tropft es dann durch die Decke. Und dass die jungen Leute weglaufen, gibt den Ländern dann noch den Rest.

Man hat eine Europapolitik betrieben - ach was! man betreibt sie immer noch und jeden Tag weiter! - in der die völlige Renaturierung der Euro-Gebiete am Mittelmeer währungspolitisch eine gute Meldung wäre. Das ist vollkommen krank.

Die Länder im Süden haben, Faktor 1, durchaus über ihre Verhältnisse gelebt und die nur vergleichsweise besser wirtschaftenden Deutschen (die ebenfalls über ihre Verhältnisse leben) und andere "Kernstaaten" haben, Faktor 2, einen, man kann es nicht anders sagen, saudummen politischen Fehler gemacht, den man nun mit germanischer Sturheit nicht mehr zu korrigieren bereit ist. So dass, Faktor 3, den Südstaaten kaum ein währungspolitisches Instrument mehr vorliegt...

Allerdings braucht man diese eben doch - und mißbraucht die EZB. Und den größten Anteil an dieser Müllhalde für niemals rückzahlbare Anleihen - hält wer nochmal? :)

Insofern ist das alles verrückt, im Süden wie im Norden.

Historiker der Zukunft werden den Selbstmord der EU dereinst als hoffnungslos Koinzidenz einer naiven Fleißkultur und einer cleveren Lebenskunstkultur beschreiben, in der die Anhänger der ersten ihre Werte dadurch zu propagieren dachten, dass sie die andere versehentlich und besten Willens zerstörten - und schließlich sogar dafür noch eine Rechnung im Keller fanden.

iDog 16.05.2013 | 16:05

"Sollte das Euro-Abenteuer am Ende gut ausgehen, dann gäbe es einen eindeutigen Gewinner: den deutschen Staat."

Dieser Konjunktiv relativiert natürlich und glücklicherweise gleich zu Anfang den gesamten Artikel, der sich sehr gelungen mit der Beschönigen von Tatsachen und Symptomen der Krise beschäftigt.

Das eigentliche Drame ist und bleibt aber der Hintergrund dieses Konjunktiv irrealis.

Es wird nichts gut ausgehen - nicht diese Krise - im Zitat fälschlicherweise als "Eurokrise" bezeichnet.

Das für ein "gutes Ende" zu erfüllende Paradigma ist Wachstum. Wachstum und somit unserer gesamte Gesellschaft, seine Strukturen, unsere Lebensweise , die soziale Sicherheit etc. basiert zum allergrößten Teil auf dem Verbrauch bzw. der Transformation von fossiler Energie. Unsere Ökonomie=Gesellchaft ist nichts weiter als eine riesige Maschien zur Transformation von Resourcen - vor allem der fossilen Energieresourcen: Kein Produkt, kein Service ohne erheblichen Energeiverbrauch. Diese Resourcen stehen immer weniger zur Verfügung. Peak oil ist jetzt, wenn nicht vorgestern. Der Verbrauch an fossiler Energie ist zB. in Europa seit 2006 um 10% zurückgegeangen. Dieser Rückgang ist nicht wegen der Krise ( oder gar wegen der erneuerebaren Energien) erfolgt, sondern er ist die Krise selbst, hat sie maßgeblich ausgelößt. Diesen unangenhemen Zusammenhang will niemand sehen. Keine Berufspolitiker meint sich Erkenntnisse dieser Art leisten zu können. Denn es hieße nichts andreres als sich offizielle vom Wachstumsparadigma zu verabschieden.

Ohne Energieresourcen kein Wachstum. Für die meisten Läander der Eurozone und der Erde stehen keine Alternativen zur Verfügung. Aufholen lässt sich das enorme Defizit durch andere Energiequellen nur sehr bedingt - zumal in einer unendlichen "Rezession", aus der es aus simplen physikalischen Gründen keine Erhohlung geben kann.

Am besten werden also die Länder abschneiden, die sich so frühzeitig wie möglich und ganz klar auf der Suche nach Lösungen abwenden werden vom Paradigma des Wachstums. Nur diese werden den Schock halbwegs abpuffern und überleben können. Eine angebotsorientierte Ökonomie ohne eine ausreichende Rohstoffbasis kann logisch nicht funktionieren. ( sie die "Ölkriege")

Welche Varianten sind möglich ? Ultrakompetitativer Kapitalismus as usual für die Reichen? ... haben wir schon.

Armenspeisung für die Ärmsten? ... haben wir auch schon ( siehe u.a. USA). ... und langsame Verarmung für den Rest? ... haben wir auch schon in Südeuropa (siehe Artikel) .

Ich sage also: Versorgungssicherheit vor schwachsinnigem Bemühen um unmögliches Wachstum ! Ende der kapitalistischen Profitbilanz zugunsten von Versorgungssicherheit. Ende der kompetitiven Wirtschaft zugunsten einer kooperativen Versorgungsstruktur, um das Schlimmste zu vermeiden. Es ist bereits viertel nach 12.

Das alles geht nicht ohne ein Ende der privaten Geldschöpfung, nicht ohne eine wirklich demokratische Kontrolle der Ökonomie.

Denn diese Ökonomie, und das ist wohl der Kern unserer Wirklichkeit, dient zu aller erst einaml unser aller Versorgung mit dem Notwendigsten und nicht dazu, einige Fat Cats noch fetter werden zu lassen.

Wir haben also die Wahl : entweder wir verlieren alles und gehen unter, oder wir gewinnen in dieser Krise ein Demokratie, die ihrem Namen Ehre macht, und gelangen damit zu einer Vernunft jenseits jeder Pervertierung durch pseudoökonomische Dogmen, die anstatt der Macht der Wenigen zumindest unsere Existenz sichert.

Zu schwarz gemalt ? Ich denke nicht ... denn man kennt das ja alles seit Jahren und jeder weis , dass es kein unendliches Wachtum ohne unendliche Resourcen geben kann. Wir sind angekommen. Wir wissen endlich, dass wir beim Verbrauch der Rohstoffe schneller waren als bei der Zerstörung der Natur. Zumindest das ist ja auch schon ein Glück trotz Dummheit, das genutzt werden könnte. Konjunktiv irrealis?

... und Merkel wirbt für die Macht des Geldes: Dumm kommt weiter? Ich denke selbst diese Wahrheit findet in der gegenwärtigen Krise ihr endgüliges Ende.

Hans Springstein 16.05.2013 | 19:10

Hallo Herr Kuntz,

nein, kein zynischer Masterplan der deutschen Politik. Da gebe ich Ihnen Recht. Es geht um wirtschaftliche Interessen, die ohne Rücksicht auf soziale Interessen durchgesetzt werden, zu letzteren gehören für mich auch die kulturellen Interessen.
Deutsche Pläne für Europa, ausgerichtet an deutschen Interessen gibt es schon lange, zu finden u.a. in dem Buch "Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945", herausgegeben von Reinhard Opitz, 1994. Da klingt manches sehr aktuell.
Dazu ist weiterhin Otto Köhlers Beitrag zum Thema in Ossietzky 1/2013 zu empfehlen: "Wir, die Beherrscher Europas".
Interessant auch die griechische Sicht bzw. eine Stimme aus Griechenland dazu: „Hier und heute findet in Griechenland ein gigantisches gesellschaftliches Experiment statt. Wir sind zu Versuchstieren gemacht worden, um beispiellose Maßnahmen auszuprobieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, bevor die gleichen Maßnahmen den anderen europäischen Ländern auferlegt werden. In nur 18 Monaten ist das 20. Jahrhundert im Bereich der Arbeitsrechte ganz abgeschafft worden.“
Ja, die kulturellen Folgen und Verluste gehören ebenso zu den letzten, die dabei eine Rolle spielen bzw. beachtet werden.

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Ehemaliger Nutzer 17.05.2013 | 10:34

Wenn ich solche Sätze lese, dann frage ich mich immer: Gibt es denn wirklich nur "deutsche wirtschaftliche Interessen."? Wer genau ist damit gemeint? Solche Allgemein-Vokabeln sagen alles und nichts. Und was ist mit den Interessen der spanischen, italienischen usw. Konzerne? Spielen die bei solchen Überlegungen bewußt keine Rolle, weil sie die Analyse schwerer machen würden? So einfach: Hier die böse deutsche Wirtschaft (???), dort der gute arme arbeitslose spanische Jugendliche ist es leider nicht. Es ist sehr wahrscheinlich viel komplexer, als es in solch einem Artikel behandelt werden kan.

Oberham 17.05.2013 | 17:47

... habs hier schon öfter geschrieben - bei 8 Mrd Menschen könnte man jedem Menschen auf der Welt - gesunde, saubere, Wohnmöglichkeit, sinnvolle Arbeit, Grunderversorgung im Bereich Krankheit, Kultur und Mobilität, und vor allem sauberes Wasser und gesunde Nahrung ermöglichen.

Das wäre möglich, ohne nachhaltige ökologische Verwüstungen die in sämtlichen Bereichen ja immanent geschaffen werden .

Wie das möglich wäre, welche Prozesse man dazu einführen müsste, das ist im Grunde seit vier Dekaden bekannt - durch neue Technologien und vor allem Erkenntnisse der ökologischen Zusammenhänge inzwischen mehr den je - gut durchführbar , vor allem mehr den je, als absolut überlebensnotwendig angesehen, möchte man nicht in einer Dystopie globalen Ausmaßes enden (ich behaupte die hälfte der Menschen lebt heute schon unter dyspotischen Bedingungen - wenn nicht sogar mehr!)

Genauso wie regelmäßig einige kreative und kluge Menschen konkrete Vorschläge unterbreiten, werden diese vom Establishment weggebügelt, als utopische Spinnerei, oder schlicht "unbezahlbar".

willkommen im Club - das Sinnvolle ist das einzige was nicht das Leben unserer Nachkommen und der Artenvielfalt kosten wird - doch ich bin Pessimist - meine Prognose, wir erleben noch in den nächsten zwei Dekaden den atomaren Kriegsfall.

Warum? Weil sich die Oligarchen in den einzelnen Blöcken nicht auf die Verteilung der letzten verfügbaren Ressourcen werden einigen können, weil die Menschen ohnehin in einem dermaßen hoffnungslosen Dilemma stecken werden, dass eine radikale Reduktion der Lebenden eine post atomare Zukunft auf abgelegenen Refugien für einige Wahnsinnige, eine tragbare Option darstellen dürfte.

Ich weiß, diese Variante wurde schon oftmals in der SF-Literatur bemüht - nun - die Autoren dieser Werke waren meiner Meinung nach, wesentlich klüger und vernünftiger als die Herrscher unserer Zeit.

Nur - sie haben keine Macht und ihre Geschichten halten zwar viele für plausibel, aber die Masse steckt - gutes Bild - in der Maschine.

iDog 17.05.2013 | 19:13

Lieber Oberham, da sind wir ja schon 2 , die wissen , dass alles möglich ist. Ich denke es gibt mittlerweile sehr viele Menschen , die sich auf eine globalhumanitäre Ethik einlassen, die sich von der elenden Iconografie neureligiösen Formats verabschieden, sich überhaupt vor dem angeblichen Sinn, besser Unsinn des herrschenden, illusionären Weltentwurfs zu ekeln beginnen, da dieser sich als hohles Exklusivabonnement für Halsabschneider , intellektuelle Zombie, unterwürfiges Bodenpersonal und andere Masochisten und Sadisten entpuppt. Die Würde ist den Eliten und ihren Adepten längst abhanden gekommen - zuletzt angesichts ihrer pragmatismusgetriebenen Systemkrise. Immer öfter müssen sie in den eigenen Reihen aufräumen, um sich um diese Wahrheit weiter herumlügen zu können. Aber sie werden dabei so aufmerksam beobachtet wie schon lange nicht mehr. Jeder Wendehals möchte wissen , wann er sich wenden muß.

In der entlarvenden Sinnlosigkeit ihrer instrumentalisierten "Vernunft" liegt schon immer eine revolutionäre Chance: Die Freiheit des einzelnen , der endlich aufgeben kann sich nach einem Sinn zu sehnen, aufhört zu glauben, was ihm als Sinn um die Ohren gehauen wurde, anfängt zu beobachten , selber denkt.

Freilich teile ich deinen Pessimismus, den ich eher als historisch gewachsen bezeichnen würde, in gewissem Maße. Es ist jedoch noch nicht aller Tage Abend. Das einzige was wir wirklich zu fürchten haben ist die Dummheit der Gewalt. Schon wahr. Aber die Analysen weisen auf einen Zusammenbruch der kapitalisitischen Ökonomie , eine weitergehende Deindustrialisierung hin, auf wenig Mobilität, auf sehr wenig Energieresourcen etc. und das gilt auch für die Eliten. Deren Machtverfall ist bereits zu beobachten. Das geht manchmal schneller als man zu hoffen wagt. Ihre geschwächte Situation ist an der Kreation faschistoider Feindbilder zu ermessen. Propaganda ist veräterisch. Die Rufe der Eliten nach dem preventiven Schutz der Staatsgewalt vor den Bevölkerungen zeigt Hilflosigkeit und Schwäche. Was geschieht wenn die "Sklaven" nicht mehr unterhalten werden können ? Eine rhetorische Frage sicher.

Oberham 17.05.2013 | 19:35

... gerade diese Schwäche der Eliten wird uns die Welt um die Ohren fliegen lassen.

Die einzige Hoffnung bestünde darin, dass sie selbst erkennen, für Ihre Nachkommen wäre eine sozial friedliche und ökologisch intakte Welt von Vorteil - nur - sorry, die Option dürfte nicht gezogen werden.

Das was ich oben schrieb, schrieb ich in einer Facharbeit WiSo fürs Abi - als Ableitung der Trasformationskurve vor nunmerh 35 Jahren - damals inspiriert von der Meadows Studie und dem Morgentauplan für Deutschland - sowie den Auswirkungen der permanenten Kriege - dem Hunger in Afrika (damals war in Athiopien eine extreme Hungersnot - über die medial sehr intensiv berichtet wurde.... - heute - geht der Hunger völlig nebenher - als Grundrauschen sozusagen...).

Wir sind nicht alleine - ich denke mal die Gedanken sind im Prinzip sogar das natürliche Empfinden aller Menschen - wir sind der Nahrungkette entkommen, der Angst Beutetier zu sein, der Ständigen Angst vor Hunger, Kälte und Durst - doch leider haben wir daraus die falschen Prozesse entwickelt - bzw. hat die Mehrheit diese getan - eine Minderheit stellt sich dagegen, doch diese Minderheit hat keinerlei Einfluß, eine andere Gruppe von etablierten Leuten - spricht die Dinge an, lebt aber selber vollkommen assimiliert in den gängigen Prozessen - eine rießige Gruppe von Menschen erkennt das Dilemma, sieht sich aber gezwungen gegen ihre Überzeugungen zu leben - tja - und ich fürchte - in der Tat, ebenso viele betrachten die Welt nur noch aus der Perspektive von Maschinenmenschen - effizient die Abläufe bedienen und dafür belohnt werden - egal was passiert.

Diese Debatte ist ein Kreisel, ein Kreisel der sich langsam aufhört zu drehen, wenn er steht, ist es zu Ende.

(.... ok - für Optimisten - dann hat der Mensch doch noch den Weg gefunden, er ihn seine genialen Möglichkeiten in Eintracht entfalten läßt.....)

die Realistin 18.05.2013 | 14:42

Bin keine Ökonomin, habe nur einen, denk ich mal, gesunden Menschenverstand und 70 Jahre Lebenserfahrung...

So, wie die Menschheit heute lebt, kommt ein bitteres Ende sicher!

Geld-und Machtgier, Betrug, Gewalt, Mißachtung der Umwelt...

Zum Optimismus gibt es absolut keinen Grund!

Aber die Generation meiner Enkelinnen braucht fun and action und immer das neueste Handy-Modell...

Wenn ich dann mal gehen muss wie jeder Sterbliche, so werd ich es ohne Bedauern tun.

Dem Menschen und schon gar nicht den Politikern trau ich nichts Vernünftiges zu.

die Realistin 18.05.2013 | 14:42

Bin keine Ökonomin, habe nur einen, denk ich mal, gesunden Menschenverstand und 70 Jahre Lebenserfahrung...

So, wie die Menschheit heute lebt, kommt ein bitteres Ende sicher!

Geld-und Machtgier, Betrug, Gewalt, Mißachtung der Umwelt...

Zum Optimismus gibt es absolut keinen Grund!

Aber die Generation meiner Enkelinnen braucht fun and action und immer das neueste Handy-Modell...

Wenn ich dann mal gehen muss wie jeder Sterbliche, so werd ich es ohne Bedauern tun.

Dem Menschen und schon gar nicht den Politikern trau ich nichts Vernünftiges zu.

Oberham 18.05.2013 | 20:59

... das ist das Schöne am nüchternen Beobachten, man freut sich auf die nächste Etappe und malt sich schon aus, in welcher Galaxie das sein könnte - ganz ohne Trauer und mit entspannter Haltung - nur - dort wo die Natur noch unverletzt besteht, berauscht sie uns mit ihrer unglaublichen Kraft und Schönheit doch so sehr, dass selbst das Treiben unserer Artgenossen für einen Moment in Vergessenheit gerät und man das Leben schlicht zu lieben beginnt.

Ach - der Herbst, oh - der Winter

Ach - der Frühling, oh - der Sommer

da das Licht so rar und so wundervoll

da die Luft so voll und so lebendig

ich schließ die Augen und es ist alles inwendig!

Weh tut nur -

das der Mensch auch mit offenen Augen blind ist!

anne mohnen 20.05.2013 | 10:13

Das aggressive deutsche Werben um Ärzte führt dazu, dass z.B. unsere polnischen Nachbarn in vielen Regionen inzwischen unter akutem Ärztemangel leiden. Die jungen, kostenlos in Polen ausgebildeten Ärzte und Ärztinnen wandern nach Europa ab wegen der Bezahlung. In Polen arbeiten inzwischen 70jährge Ärzte immer noch: wegen der niedrigen Renten zum einen und zum anderen aus Verantwortungsbewusstsein: „Wir können doch unsere Bevölkerung nicht im Stich lassen.“

In Deutschland brauchte es weder Pflegenotstand noch Ärztemangel zu geben. 56% der Medizinz-Absolventen sind Frauen. Es sind die Arbeitszeiten, die Randbedingungen, die dieser Beruf mit sich bringt, die viele Frauen ausbremst. Das ändert sich derzeit ein wenig (demographischer Wandel), aber solange man die Verhältnisse durch ausländische Ärzte kompensieren kann, stabilisiert das die Verhältnisse im Gesundheitssystem. Das ist von der Politik so gewollt; schließlich betrifft es den vermeintlichen Pflegenotstand in noch schlimmerem und folgenreicherem Ausmaß.

anne mohnen 20.05.2013 | 10:23

Natürlich habe ich prinzipiell nichts dagegen, dass junge Leute hierher kommen, ein Lehrstelle bekommen etc.

Doch Frau Merkel & Co, also Niederlande, Belgien, Skandinavien, GB, verhalten sich beim Abwerben der süd- und osteuropäischen Intelligenz bzw. Fachkräften primär aufgrund nationaler Interessen. Ansonsten müsste das Auswandern doch Sorge bereiten und andere Maßnahmen in Gang setzen.

eldorado 20.05.2013 | 10:50

Ja, und deutsche Aerzte kommen zu uns in die Schweiz, sowie auch Pflegepersonal, weil es bei uns zuwenige hat oder zuwenige ausgebildet werden.

Ebenso ist es mit den Lehrern. Gebietsweise hat es immer mehr deutsche Lehrer an unseren Schulen. Was ja auch nicht unbedingt schlecht ist. So lernen diese Kinder vielleicht ein besseres Hochdeutsch, so dass es auch in deutschen Ohren nach Hochdeutsch tönt und dass sie nicht mehr meinen, dass sie so gut Dialekt verstehen, weil sie das stark schweizerdeutsch gefärbte Hochdeutsch als Dialekt interpretieren.

eldorado 20.05.2013 | 11:58

Der Kapitalismus macht es schwierig wirklich griffige Massnahmen zu ergreifen. Der Kapitalismus ist eine sehr perfide Diktatur, die nur an der eigenen Bereicherung interessiert ist. Sie beherrscht die Menschen und deren Länder. Wir sind die moderne Art der Untertanen. Die Wirtschaft bewegt sich sehr gekonnt im Kapitalismus und bereichert sich auf eine Art, dass das fatal ist.

Als Schweizerin kann ich da nur eines sagen: Grüssen wir den Gesslerhut nicht mehr, sondern gehen achtlos an ihm vorüber. So wurde das Fundament der Schweiz mit den ersten drei Urkantonen gegründet.

Wir alle sind erstarrt in diesen Zwängen. Es bleibt uns nichts anderes übrig als diese Fesseln zu sprengen, so wir uns denn von diesen Zwängen befreien wollen.

Ueberall gibt es Bewegungen, die dem System entgegenwirken können. Als prominentes Beispiel kann ich da das BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) nennen. In der Schweiz haben wir schon mal die 100'ooo Unterschriften, die es braucht überschritten. Dann muss abgestimmt werden und in Bern wird es heisse Köpfe geben. Es wird etwas in Bewegung und ins Rollen kommen.

Und all die linksextremen Bewegungen, die auf der friedlichen Schiene bleiben, die durch ihre Art das System in Frage stellen.

Dann die Anarchisten, Occupy und auch die Piratenpartei. Da sie auf die Integrität des einzelnen Menschen achten, haben sie es alle schwer sich durchzusetzen. Um sich durchsetzen zu können, darf das Individuum nicht allzusehr oder gar nicht gewichtet werden. So lässt sich besser etwas durchsetzen, als wenn der Einzelne respektiert wird. Mit dem Grundsatz, dem einzelnen Menschen Luft zu geben, lassen sich keine schlagkräftigen Parolen machen, die die Massen anziehen.

Ich bin zuversichtlich, dass es immer mehr Menschen geben wird, die nicht wie Lemminge einem Führer folgen wollen.

Die Globalisierung hat leider nur auf wirtschaftlicher Basis stattgefunden. Den Rest überlässt man non-profit-Organisationen, die bis jetzt noch ein Schattendasein führen. Allerdings liegt es an jedem Einzelnen, dass sich das ändern kann.

Die französische Revolution, anno dazumal, hat uns den Impuls gegeben: Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit.

Dieser Impuls wurde damals zerschlagen und ist bis heute nicht umgesetzt worden. Das kann auch nicht wundern, weil damit den Mächtigen der Boden unter den Füssen weggezogen wird.

Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben: Damit ist gemeint, dass nicht mehr für irgend eine Obrigkeit gearbeitet wird, sondern dass die Bürger untereinander und füreinander da sind, um sich gegenseitig zu helfen und sich mit Ware zu versorgen. Das ist auch das Ziel der Anarchisten.

Gleichheit vor dem Gesetz: Dazu muss ich wohl nicht viel sagen., ausser vielleicht, dass Querschläger, die nicht ins System passen schon mal im Gefängnis oder Psychiatrie landen ohne Rechtfertigung.

Freiheit im Geistesleben: Das ist die Kunst und die Bildung und auch Religion. Heute hat die Wirtschaft einen immer grösseren Einfluss auf die Bildung und setzt dementsprechend Druck aus. Da haben wir ein gutes Beispiel in der Schweiz. Das ist Pestalozzi. Materiell war sein Leben ein Desaster und er musste immer wieder von neuem Beginnen. Seine Ueberzeugung war, dass die Kinder in Kopf, Herz und Hand gebildet werden müssen. Heute ist es sehr einseitig der Kopf in der Abstraktion. Daneben gibt es die Montessoribewegung, sowie die Bewegung der Rudolf-Steiner-Schulen und noch andere.

Freiheit im Geistesleben bedeutet auch, dass Erfindungen und Entwicklungen frei sein müssen. Ich spreche da vom "Geistigen Eigentum". Geistiges kann nicht Eigentum von einem Menschen oder einer Gruppe sein. Geistiges ist Allgemeingut. Dem haben sich die Piraten stark angenommen. Es muss eine andere Art der Finanzierung gefunden werden für Erfindungen. Sie müssen vom Besitz losgelöst werden.

Fazit:

Die Globlaisierung nur auf wirtschaftlichem Gebiet mit Kapitalbildung ist gegen die Menschen gerichtet.

Die drei Gebiete - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - dürfen sich gegenseitig nicht dreinreden.

Heute ist es so: Es wird lokal (gemeint ist damit in Eigeninteressen) gedacht und global gehandelt.

Es sollte eine Umkehrung stattfinden: Um den Menschen gerecht zu werden, sollte global gedacht und lokal gehandelt werden.

Hans Springstein 01.06.2013 | 19:13

Nachtrag vom 1.6.13: "... Ich sage nicht, dass Deutschland nicht profitiert hat. Allerdings ging das Wachstum auf Kosten der anderen europäischen Länder. Deutschland hat die anderen an die Wand gedrückt.

Deutschland soll also schuld sein an der Euro-Krise. Ist das nicht etwas verkürzt?
Nicht allein, aber zu einem erheblichen Teil. Deutschland hat ein völlig absurdes Wirtschaftsmodell. Die Haushalte sparen, der Staat spart, die Unternehmen sparen - alle sparen. Nur: Wenn auf der einen Seite gespart wird, muss sich jemand auf der anderen Seite verschulden. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die anderen europäischen Länder bei uns verschuldet. Doch dieses Modell ist jetzt gescheitert. ..."
Heiner Flassbeck im Interview mit dem Handelsblatt am 29.5.13

Hans Springstein 05.06.2013 | 21:32

Nachtrag vom 5.6.13: "Ausländische Berufseinsteiger verdienen nur knapp zwei Drittel des Durchschnittslohnes der deutschen Arbeitnehmer, sagte ein Sprecher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Nach acht Jahren hätten die ausländischen Arbeitnehmer dann knapp drei Viertel des 'deutschen' Durchschnittslohnes erreicht, so das Ergebnis einer Studie des IAB." (Bayrischer Rundfunk - Regionalnachrichten Franken, 9.1.2013)