Hans Springstein
05.03.2014 | 17:26 86

Wer hat die Toten von Kiew auf dem Gewissen?

Ukraine Aktuellen Berichten zufolge waren die im Februar vielfach berichteten Scharfschützen in Kiew nicht im Auftrag der damaligen ukrainischen Regierung im Einsatz.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

Wer hat die Toten von Kiew auf dem Gewissen?

Foto: Alexander Solovyov/ Flickr (CC)

• Dmitry Orlov schrieb am 1. März in seinem Blog ClubOrlov Folgendes: „Am 23. Februar dieses Jahres fand in Kiew ein Putsch statt bei dem bewaffnete, militante Neonazis das Parlament umstellten und übernahmen sowie die Parlamentarier unter Zwang dazu brachten die gewählte Regierung durch Oppositionskräfte zu ersetzen. Dabei wurden sie von Vertretern der EU und des US-Außenministeriums nach Kräften unterstützt und verteidigt. Vertreter der gestürzten Regierungspartei—die Partei der Regionen—wurden zum Rücktritt gezwungen.

Als Rechtfertigung für den Umsturz gilt die Tötung von Demonstranten durch uniformierte Scharfschützen, die der alten Regierung angelastet werden. Der gestürzte Präsident, der mittlerweile nach Russland geflohen ist, wurde des Massenmordes beschuldigt, und die neue Regierung verlangt seine Auslieferung (eine dumme Aktion, denn Russlands Verfassung verbietet Auslieferungen). Aber es gibt ernsthafte Zweifel an dieser Interpretation der Geschehnisse: die Spezialeinheiten wurden nie mit Gewehren ausgerüstet und es gab auch keinen Befehl auf Demonstranten zu schießen; etliche Mitglieder der Spezialeinheiten wurden ebenfalls getötet; die Tötungen wurden auf eine Weise ausgeführt das der Protest eher angefacht als unterdrückt wurde, denn Ziele waren Frauen, Unbeteiligte und diejenigen die Verwundeten halfen. Den Tötungen folgte eine professionell durchgeführte Pressekampagne, inclusive eines eingänglichen Namens - “Des Himmels Hundert“ („Heaven's Hundred“, “Небесная сотня”) sowie mit Mahnwachen, sofortigen Aufräumarbeiten und Kranzniederlegung am Tatort des Verbrechens und so weiter.“

• „Die zahlreichen Zivilisten, die bei den Unruhen in Kiew ums Leben kamen, sind laut dem ukrainischen Innenministerium möglicherweise von radikalen Kräften getötet worden, denn die Ordnungshüter hätten keine Schusswaffen eingesetzt.“ Das hatte die Nachrichtenagentur RIA Novosti schon am 19. Februar gemeldet. „Die Zahl der getöteten Polizisten bei den Unruhen in Kiew ist auf 16 gestiegen, wie das ukrainische Innenministerium am Freitag mitteilte“, hieß es zwei Tage später.

Am 5. März meldete der Radiosender Voice of Russia: Die Scharfschützen, die in Kiew auf Demonstranten und Polizisten geschossen haben und zahlreiche von ihnen töteten, seien nicht vom ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch angeheuert, sondern von jenen Kräften, die die Proteste gegen ihn organisierten und anheizten.

Das habe der estnische Außenminister Urmas Paet in einem abgehörten und inzwischen online gestellten Telefonat mit der EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gesagt. Das Gespräch habe am 25. Februar stattgefunden, nachdem Paet in Kiew war. Dabei habe der Außenminister von seinem Gespräch mit einer Ärztin berichtet, derzufolge Demonstranten und Polizisten von den gleichen Leuten erschossen, worauf die verwendete Munition hinweise. Der Mitschnitte wurde laut dem Sender durch Janukowitsch-treue Offiziere des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU ) online gestellt, die die Telefone von Paet und Ashton Telefone gehackt haben sollen. Der estnische Außenminister protestierte RIA Novosti zufolge nur dagegen, dass das Gespräch veröffentlicht wurde und bestätigte die Echtheit.

• Zur Erinnerung: Die Gewalt brach prompt erneut aus, nachdem Regierung und Opposition in Kiew am 21. Februar eine Friedensvereinbarung und ein Abkommen für einen Übergang unterzeichnet hatten, samt der Unterschriften der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens, Frank-Walter Steinmeier, Laurent Fabius und Radoslaw Sikorski. Am Ende wurde Janukowitsch gestürzt, der eben noch Verhandlungspartner war. Schon zuvor war von Scharfschützen berichtet worden, die angeblich auf Demonstranten schossen. Interessant dabei, was u.a. der britische Mirror dazu am 20. Februar berichtete. Danach habe beispielsweise Sky News-Reporter David Bowden bei neuer Gewalt trotz vereinbarter Waffenruhe beobachtet, dass die Schüsse fielen, als die Polizeieinheiten auf dem Rückzug waren. Die Polizisten hätten einen überrumpelten Eindruck gemacht und auf Menschen geschossen.

• Der Publizist F. William Engdahl hatte in einem Beitrag für das Online-Magazin globalresearch.ca am 3. März die „bisher nicht beantwortete Frage" gestellt, "wer hat die Scharfschützen eingesetzt?“ Seine Antwort: Sie kamen aus einer ultrarechten paramilitärischen Organisation namens „Ukrainische Nationalversammlung – Selbstverteidigung des Ukrainischen Volkes“ (UNA-UNSO). Das hätten ihm Veteranen aus US-Geheimdienstkreisen berichtet, so Engdahl. Der Führer der UNA-UNSO, Andriy Shkil, sei Berater von Julija Timoschenko. Während „Orangenen Revolution“ von 2003/2004 in der Ukraine habe die Organisation Wiktor Juschtschenko gegen Janukowitsch unterstützt.

Mitglieder der UNA-UNSO stellten u.a. damals das Sicherheitspersonal für Juschtschenko und Timoschenko, wie u.a. ein von der Zeitung Seattle Times veröffentlichter Bericht von Anfang 2005 belegt. Der Organisation werden, ebenso wie der Partei „Swoboda“, Verbindungen zur NPD nachgesagt, schrieb Engdahl. Mitglieder dieser rechtsextremen paramilitärischen Truppe seien in jedem Konflikt seit dem Untergang der Sowjetunion aufgetaucht: in Litauen 1991, im sowjetischen Putsch-Versuch im Sommer 1991, in Transnistrien 1992, im Abchasien-Krieg 1993, im Krieg in Tschetschenien und im Georgien-Krieg 2008. Sogar im Kosovo seien sie gesichtet worden, gab Engdahl die Informationen der Geheimdienstveteranen wieder. Der „rote Faden“ bei allen Aktionen der UNA-UNSO sei „stets ihre feindliche Haltung zu Russland“. Diese Gruppe gebe sich bei Ihren Einsätzen „als russische Spezialeinheiten aus“ zitiert Engdahl seine Quellen. Das seien die „bad guys“, „vergesst die Nationalisten, die nur Schaufensterdekoration sind, das hier sind die Männer hinter den Scharfschützen-Attacken“.
Engdahl bringt weitere Beispiele für die Zusammenarbeit von Kriegstreibern und Regimewechslern aus den USA wie Victoria Nuland und John McCain mit rechtsextremen Kräften in der Ukraine.

• Die UNA-UNSO wurde 1990 in Lviv in der westlichen Ukraine gegründet, schrieb Ulrich Heyden am 4. Dezember 2013 auf Telepolis. „Beide Organisationen stehen in der Tradition der 1929 in Wien gegründeten Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN).“ Und weiter: „Von 1992 bis 1994 kämpften UNSO-Mitglieder in Transnistrien zusammen mit russischen Nationalisten für "angestammte ukrainische" und "russische Erde" gegen die Moldauer Zentralregierung. 1996 bis 2003 kämpften UNSO-Mitglieder gegen russische Truppen in Tschetschenien und 2008 - im russisch-georgischen Krieg - kämpften nach Mitteilung des russischen Ermittlungskomitees 200 UNA-UNSO-Mitglieder auf Seiten der Georgier.“

In einem anderen Text von F. William Engdahl heißt es, Mitglieder der UNA-UNSO seien 2006 in Estland auf einer NATO-Basis geschult worden. Ihnen sei vermittelt worden, wie Terrorangriffe durchgeführt werden können, daneben Schießtraining und der Umgang mit Sprengstoffen. Die so Ausgebildeten seien in Georgien eingesetzt worden. Ein russischer Blog-Autor veröffentlichte Fotos von der Schulung der UNA-UNSO-Mitglieder in Estland.

Am 19. Februar schrieb Albrecht Müller, die Toten von Kiew sind Opfer der wahnsinnigen Konfrontationspolitik des Westens gegenüber Russland. Sollten die angeführten Informationen weitere Bestätigung finden, zeigt sich, dass die Opfer bewusst in Kauf genommen wurden von den für die Konfrontation Verantwortlichen.

Nachtrag: Die junge Welt hat am 7. März den übersetzten Wortlaut des Telefonats zwischen Paet und Ashton veröffentlicht.

Nachtrag 2: Russia Today, 13.3.14: Former chief of Ukraine’s Security Service has confirmed allegations that snipers who killed dozens of people during the violent unrest in Kiev operated from a building controlled by the opposition on Maidan square.
Im Interview wird von Aleksandr Yakimenko, dem ehemaligen Chef des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) bestätigt, das "ohne Zweifel" Söldner auf dem Maidan-Platz in Kiew aktiv waren. In einem Beitrag der Tageszeitung Die Welt vom 6. März über die unbekannten Scharfschützen in Kiew war u.a. Folgendes zu lesen: "'Die Scharfschützen waren ausländische Söldner, Amerikaner, Deutsche', sagte ein ehemaliger Berkut-Polizist im Gespräch auf der Krim, noch bevor das Telefonat von Ashton veröffentlicht wurde."

Nachtrag 3: Am 6. März berichtete u.a. Focus online ebenfalls Interessantes: "Auch Kommandeure der damals eingesetzten Antiterroreinheiten und des Geheimdienstes hatten stets bestritten, Todesschüsse abgegeben zu haben. „Wir haben niemanden umgebracht", sagte der Kommandeur der Sondereinheit Omega, Anatoli Streltschenko. Es sei nur darum gegangen, bewaffnete Demonstranten durch Schüsse in die Beine unschädlich zu machen. Der Funkverkehr scheint dafür zu sprechen. ... Fragen wirft dagegen ein auch im russischen Fernsehen gezeigtes Video eines Mitglieds der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko auf. Sergej Paschinski heißt der Mann. Die am 18. Februar veröffentlichte Aufnahme zeigt ihn, wie er angeblich ein Scharfschützengewehr transportiert. Noch am selben Tag gibt es Tote, die Lage eskaliert. Der 47-jährige Paschinski ist inzwischen geschäftsführender Leiter des Präsidialamts in Kiew. ..."

Danke an alle, die weitere Hinweise zum Thema einbringen

aktualisiert: 13.3.14, 23:30 Uhr

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (86)

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Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 17:55

Die Handschrift der CIA ist seit Jahrzehnten bekannt und unverändert. Am deutlichsten war sie in Südamerika. Es spielt im Grunde keine Rolle, wer die gedungenen Mörder in Kiew waren. Das Netzwerk der imperialistischen Geheimdienste funktioniert stets nach den gleichen terroristischen Methoden. Nur so kann für ihre Waffenproduzenten ein Markt geschaffen werden, der Wachstum und Profite sichert.

Marian Schraube 05.03.2014 | 19:14

Ich darf dazu den anderen Artikel von Engdahl vom 07.01.2014 erwähnen, bei globalresearch.ca am 21.02.2014 in cross-posting erschienen, der sich mit Otpor/CANVAS und damit so etwas wie dem zivilen Pendant der im Blog genannten, offensichtlich paramilitärischen Kräften beschäftigt: http://www.globalresearch.ca/ukraine-protests-carefully-orchestrated-the-role-of-canvas-us-financed-color-revolution-training-group/5369906

Mit ist das Ganze bereits über den Weg gelaufen und zwar bei Recherchen zu Gene Sharp und seinem Buch „From Dictatorship to Democracy“, dazu etwa http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-12522848

So besehen könnten die Entwicklungen als offensive Stay-Behind-Aktionen gelesen werden.

Ich füge das der Vollständigkeit halber an und verweise im Übrigen auch auf die Heinrich-Böll-Stiftung und deren Artikel http://www.boell.de/de/2014/02/20/euromaidan-freiheitliche-massenbewegung-zivilen-ungehorsams

Robinsohn 05.03.2014 | 19:39

Auch eigene Anschauung hilft weiter. Meist sind die ersten Fotos sehr aufschlußreich. Sie sind dann noch nicht aussortiert. Ich sah nach dem durch Klitschko angekündigten bewaffneten Angriff der "Demonstranten" einen schwarz vermummten Mann mit Maschinenpistole im Vordergrund.

Auch ohne Schußwaffen wurden die Polizisten aus nächster Nähe mit Pflastersteinen und Molotow-Cocktails beworfen, die sie mit den Schutzschilden abwehrten.

Von den berichteten 100 Toten auf dem Maidan sind 30 Polizisten. Die müssen sich gegenseitig umgebracht haben.

Als Bilderkonsument wird man mit Kerzen an Märtyrergräbern, mit der weinenden Mutter mit Blume in der Hand und mit west-Vertretern für Recht und Freiheit und Geld in der Volksmenge beeinflußt.

In der FR, 5.3. wird ein Foto von einem gut gekleideten Menschen (von der CDU?) gezeigt, der ein aufwendig sauber zusammengesetztes teures Schild hochhält. Vermutlich auf Stoff in Blaugelb steht "we want peace" mit Friedenstaube.

Zeit für Liebermann!

berlino1010 05.03.2014 | 19:57

Wo sind die Deutschen Medienberichte, Analysen, Wertungen über das abgehörte Ukraine-Telefonat?


Estlands Außenminister Urmas Paet äusserte sich nach seinem Besuch am 26.2 mit EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton über die Lage in der Ukraine. Er berichtete über Beweise, dass beide Seiten, Polizisten wie Demonstranten von denselben Scharfschützen getötet wurden, dass vieles dafür spräche, dass diese vom Maidan beauftragt wurden. Weiter berichtet er darüber dass Parlamentarier mit nächtlichen Besuchen unter Druck gesetzt und laut Journalisten auch geschlagen wurden.

Umso bemerkenswerter, da die gesamte EU drüber seit Tagen Bescheid weiß.

Paet hat die Echtheit der Aufzeichnung heute bestätigt.

Den Angaben zufolge setzte Paet die EU-Außenbeauftragten davon in Kenntnis, was er bei Treffen in Kiew erfahren hatte.
„(Die Ärztin) Olga Bogomolez, die die Verletzten auf dem Maidan behandelt hatte, informierte mich über Scharfschützen, die Menschen in Kiew töteten. Ihr zufolge deuten alle Indizien darauf hin, dass Menschen auf beiden rivalisierenden Seiten von ein und denselben Scharfschützen erschossen wurden“, sagte Paet. Bogomolez habe ihm auch Bilder gezeigt und gesagt, dass in allen Fällen die gleiche Munition genutzt worden und Menschen auf gleiche Art getötet worden seien.

„Besorgniserregend ist, dass die neue Koalition nicht gewillt ist, die Umstände dieser Todesschüsse zu klären. Somit wird der Verdacht erhärtet, dass hinter den Scharfschützen nicht Janukowitsch, sondern jemand aus der Koalition gestanden hat, sagte Paet im Gespräch mit Ashton.

Dies bringe die neue Koalition von Anfang an in Misskredit. Paet zufolge ist das Vertrauen der Bevölkerung zum neuen Kabinett gleich Null. Darüber hinaus gebe es Probleme mit der Gewährleistung der Sicherheit und der territorialen Integrität sowie um die Krim u.a.

Parlamentsabgeordnete würden massiv unter Druck gesetzt. Nachts kämen zu ihnen „ungebetene Gäste“. Journalisten wollen gesehen haben, wie Bewaffnete direkt vor dem Parlamentsgebäude einen Abgeordneten brutal niedergeschlagen hätten.

Auch wenn die Ärtzin zurückrudert, zurück rudern muss? Vielleicht steht sie unter ähnlichem Druck wie die Parlamentarier?

Estoniens AM ist ja nicht gerade als RUS-Freund bekannt, der negative Maidan-Schlagzeilen erfindet!

Nach Hunderten Protesten in den Foren und sozialen Netzwerken:

Die FAZ hat es nun doch gebracht

Hans Springstein 05.03.2014 | 20:25

Es tut an sich nichts zur Sache, aber ein bisschen freue ich mich, dass ich da sogar schneller war als die bezahlten Journalisten von der FAZ. Ich war grad am recherchieren zu Informationen, dass bezahlte Söldner in der Ukraine im Einsatz sein sollen, auch für Aktionen "unter falscher Flagge", als mir am Nachmittag die Nachricht über den Schirm lief. Zu dem Thema äußere ich mich später nochmal.

Aber das Problem der deutschen Mainstreamjournalisten ist ja eben, dass sie andere Quellen, die gar noch ihre vorgefertigten Auffassungen in Frage stellen, gar nicht erst wahrnehmen oder ignorieren. Leider. Journalismus ist das jedenfalls nicht.

Werner Kienle 05.03.2014 | 20:45

„Die zahlreichen Zivilisten, die bei den Unruhen in Kiew ums Leben kamen, sind laut dem ukrainischen Innenministerium möglicherweise von radikalen Kräften getötet worden, denn die Ordnungshüter hätten keine Schusswaffen eingesetzt.“ Das hatte die Nachrichtenagentur RIA Novosti schon am 19. Februar gemeldet.

Hier ein Video vom 18.02. welches beweist, daß auch die Polizisten in die Menge geschossen haben:

http://vimeo.com/87111967

Hans Springstein 05.03.2014 | 21:33

Danke für den Hinweis. Das Video zeigt beeindruckend und erschreckend die gegenseitige Gewalt.

Auch wenn es angesichts dessen kleinkariert wirken mag: In meinem Text geht es um die sagenumwobenen Scharfschützen, deren Morde von Anfang an den Regierungskräften zugeschrieben und als Argument gegen diese benutzt wurden. Bei den in dem Video zusehenden schießenden Uniformierten ist nicht zu erkennen, was sie abschießen: RIA Novosti hatte in der gleichen zitierten Meldung geschrieben: "Die Ordnungshüter setzen ausschließlich Gummigeschosse ein, hieß es." Diese werden mit den gleichen Waffen verschossen wie scharfe, tödliche Munition.

"Prinzipiell werden Gummigeschosse nicht mit dem Ziel eingesetzt, Menschen damit töten zu wollen. Viel mehr dienen sie der Abschreckung von möglichen Gewalttätern.", heißt es in einem Online-Beitrag dazu. Mit dem Zusatz "Allerdings werden Verletzungen oder sogar der Tod eines Menschen dabei in Kauf genommen. Im Durchschnitt fliegt ein Gummigeschoss mit rund 70 Metern pro Sekunde durch die Luft. Die maximale Reichweite liegt dabei bei etwa 50 Metern. Durch ein Gummigeschoss, das in einer Entfernung von rund 30 Metern abgefeuert wurde, wird zumindest eine blutige Verletzung bzw. ein Bluterguss zurückbleiben. Ist der Schütze näher, so ist man innerhalb der Schusslinie in ernsthafter Lebensgefahr."
Ich will diese Geschosse gar nicht verharmlosen. Immerhin hat Reporter ohne Grenzen die Behördenangaben bestätigt, als die Organisation am 22. Januar zu in Kiew verletzten Journalisten schrieb: "Die meisten Verletzungen sind auf Blendgranaten, Gummigeschosse oder den Einsatz anderer „nicht tödlicher“ Waffen zurückzuführen." Das macht das alles nicht harmloser. Gummigeschosse sind (leider) Waffen für den Bürgerkrieg, und danach sah das Geschehen in Kiew aus.

Insofern wirken die schießenden Polizisten nicht überraschend. Zumindest wirken sie nicht wie Scharfschützen. Dabei ist auch u.a. an den Augenzeugenbericht aus dem Mirror zu erinnern, dass sich die anscheinend überrumpelten Polizeikräfte auf dem Rückzug befanden, als das losging ... Dass Polizisten irgendwann zurückschießen, ist zumindest nicht verwunderlich. Das wäre auch hierzulande nicht anders.

Nein, das ist nicht kleinkariert. Es sind eben immer auch die Details, die zu beachten sind, wenn etwas beurteilt wird. Und dann bleibt immer noch die Frage, wer die Verantwortung trägt für den Ausbruch dieser Gewalt, die auf beiden Seiten Opfer forderte, und wer die Abkommen über Waffenruhen mißachtete ...

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Hans Springstein 05.03.2014 | 22:08

Nachtrag (neu): Ich will und kann mir natürlich gar nicht anmaßen zu beurteilen, wer da zuerst geschossen hat. Auf dem Video ist aber eben auch zu sehen, wie "Demonstranten" schießen, einer sogar mit einem Scharfschützengewehr.

Es bleibt bei all dem die Frage, wer die Scharfschützen waren und wer eben die Lage so zuspitzte bis zum 20. Februar, trotz aller Verhandlungen, dass die Zahl der Opfer, vor allem der Toten, so schnell anstieg. Bei dem letzten verlinkten Beitrag sind übrigens auch Uniformierte zu sehen, die schießen, aber auch das sind keine Scharfschützen, und was sie verschießen, ist nicht erkennbar natürlich.

mcmac 05.03.2014 | 23:25

Die im Video zu sehenden, abgefeuerten Polizei-Waffen sind Vorderschaftrepetierflinten, besser bekannt unter dem Namen Pumpguns. Hätte, wie im Video zu sehen, die Polizei am 18. Februar in Kiew auf diese Distanz und mit dieser Schussfrequenz mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen, waren Hunderte gestorben und Tausende z.T. mit schrecklichsten Verletzungen zu beklagen gewesen. Mit aller höchster Wahrscheinlichkeit verschießen die im Video zu sehenden Polizeieinheiten Gummischrot.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cb/Fiocchi_rubber_buckshot.jpg

(Gummischrot-Flintenmunition, Kaliber 12, " Fiocchi riot control", mit 15 Gummikugeln a 8,3 mm und 0,58 Gramm; Quelle: Wikimedia)

Das im Video bei einem Demonstranten zu sehende, langläufige Gewehr mit aufgesetztem Zielfernrohr ist entweder ein miltärisches Modell älteren Typs, wahrscheinlich aber eine Präzisions-Jagdwaffe für größere Entfernungen; es ähnelt optisch am ehesten noch dem amerikanischen M21-Gewehr (ist aber kein M21!).

http://ubuntuone.com/016llL9NdSfUyUPlqpXbAU

(Snapshot aus oben verlinkten Video)

Die von einem Demonstranten gezielt abgefeuerte automatische Pistole sieht einer Walther PP sehr ähnlich. Auf Grund des im Video sichtbaren (starken) Rückstoßverhaltens der Waffe, des kaum sichtbaren Mündungsfeuers und der Mündungsgase kann man davon ausgehen, dass scharfe Munition verschossen wird. Worauf der Schütze schießt und was oder wen er getroffen hat (2. Einstellung bei 1:46 im Video) ist nicht zu erkennen.

http://ubuntuone.com/7Os8C05QEhhrEnrKtBPdk6

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Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 23:35

Danke für den hervorragenden Artikel!

Dazu passt ein sarkastischer Beitrag von alles-schall-und-rauch.

Rent-A-Revolution

Der nächste Coup in Venezuela ist bereits in Arbeit. Die Tagesthemen "berichteten" letzten Donnerstag, das ZDF heute-journal legte vorhin nach. Tenor: Marduro der Autokrat, der auf sein Volk schiessen lässt - alles ohne irgendwelche Belege natürlich.

Die Hotelzimmer für Lielischkies, Lichte und Radosz sind vermutlich schon gebucht.

Aussie42 06.03.2014 | 00:35

Inzwischen (teilt uns die BBC Europe heute morgen mit) hat die ukrainische Aerztin (Olga Bogomolez) gesacht, sie haette dem estnischen Aussenminister Paet gar nicht gesagt, was der dann der Frau Ashton am Telefon gesagt hat.

Nochmal auf Englisch, damit's auch jeder glaubt:

He said Ukrainian doctor Olga Bogomolets had told him that victims from both sides were shot by snipers using the same weapons.

However, Dr Bogomolets told the UK's Telegraph newspaper that she had never had access to victims from the government side and was unable to comment on how they had been killed.

Wem soll man denn jetzt noch glauben? Dem britischen "Daily Telegraph" und dessem Besitzer Herrn Rupert Murdoch, oder Herrn Paet und der britischen EU-Aussenministerin Ashton?

Tja, Hans Springstein, da staunst Du aber, oder?

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 06:00

Paet, by the way, immediately got the message and gives a new spin to his previous remark: he mentioned this info not because he is outraged, no, only because if this story takes on its own life this "will discredit the new coalition". Oh how nice of him, he worries that if the truth comes out the Eurofascists will be embarrassed. Next time, he won't even bring it up. Those central European politicians sure learn fast from their western masters.

http://vineyardsaker.blogspot.com.es/2014/03/maidan-snipers-who-did-or-did-not-know.html

Robert Zapf 06.03.2014 | 09:32

Heute 7.20 Uhr DLF Interview mit Werner Schulz:
http://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=2&audioID=4

Später dann zum Nachlesen:
http://www.deutschlandfunk.de/russland-sanktionen-der-westen-muss-deutlicher-auftreten.694.de.html?dram:article_id=279270

Bemerkenswert fand ich auch seine Ausführung zum Budapester Memorandum:
"Nun ist die Frage: was ist das wert, so ein völkerrechtliches Abkommen? Russland hat das gebrochen. Das heißt, Putin ist ein Verbrecher..."

mcmac 06.03.2014 | 13:05

Nur mal so am Rande: Weder die ARD (Fernsehen + Hörfunk), noch das ZDF haben überhaupt über das Ashton-Paet-Telefonat oder den Umstand, dass es offensichtlich und beileibe nicht sooo galsklar ist, dass Janukowitschs Schergen scharf geschützt haben, berichtet. In einem Blog wird berichtet, dass eine entsprechende Forum-Anfrage samt Link auf das geleakte Video von der Redaktion gesperrt wurde.

Weiterhin sind die Presse-Meldungen der drei großen Medien (FAZ, SPON, ZO, die darüber - wenn auch sehr verzögert und nicht sonderlich ausführlich - berichteten) inzwischen und bezeichnenderweise fast gleichzeitig aus dem Blickfeld der Internetstartseiten dieser genommen worden (beim Spiegel ist es so miniaturisiert, dass man es glatt übersieht) - bitte jetzt nicht erklären, dass das halt bei Nachrichtenmedien so ist, weil eben frischere News reinkommen und damit automatisch Älteres nach hinten rutscht, Danke.

Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass hier etwas Entscheidendes nicht nur nicht geklärt, sondern ganz schlicht vertuscht werden soll - unter massiver Beihilfe der gesamten "Elite"-Medien dieser Republik. (Es wäre auch, wie ein Kommmentator bei faz.net richtig bemerkt, der Supergau westlicher Poltik und der sie bedienenden, o.g. Medien, wenn sich herausstellte, dass die vom Westen so massiv und empathisch unterstütze ukrainische Opposition auf dem Maidan ihre eigenen Leute hätte abknallen lassen.) Ich glaube, man will unbedingt dieses Mal (und endlich wieder, Jawoll!) nicht abseits stehen, wenn ab 5:45 zurückgeschossen wird. Diese versammelten, kratzfüßigen völkischen Beobachter der "Qualitätsmedien" haben meine sehr von Herzen kommende, ganze & tiefe Verachtung.

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 14:33

...die Entschlossenheit der russischen Seite und die (glaubwürdige) Ankündigung von Gegensanktionen haben zumindest in den hiesigen Staatsmedien für eine andere "Tonlage" sorgen lassen...das machen bei unveränderter Lage die veränderten "Lagebeurteilungen" der dort vor Ort tätigen Bildermaler deutlich. Wobei klar wird, dass sich ausschließlich das Briefing der "Berichterstatter" verändert hat. Gestern ließ die ARD einen "Bericht" vom Stapel, der ein ziemlich entspanntes bis freundschaftliches Verhältnis von ukrainischen Armeeangehörigen und ihren derzeitigen "Besatzern" malte, heute wird sogar dieses geleakte Telefonat in ihre Nachrichtenproduktion mit eingebaut inkl. eines offen geäußerten Mißtrauens gegenüber den "Behörden" der Kiewer "Regierung"... abgesehen mal von der überall bewußt falschen Wiedergabe der Aussagen vom etnischen Außenminister, der im Telefonat mit Ashton nie den Verdacht geäußert hat, Teile des "Maidan" könnten hinter dem Massaker stecken, sondern nur darauf hinwies, dass es nach seinen Informationen keine"Janukowitschleute" sein könnten. Ganau diese falsche Wiedergabe lässt den Verdacht aufkommen, ganz gezielt und von vorneherein den Täterkreis auf Teile der Oppositon oder der gestürzten Regierung zu beschränken!!

Schadensbegrenzung halt...

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts47130.html

(ab 4:35)

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts47130.html

fahrwax 06.03.2014 | 15:23

Danke für die umfangreiche Recherche.

Seit langer Zeit produzieren die gewerblich-professionellen Handelsorganisationen von "Sicherheit & Freiheit" absatzfördernde Veranstaltungen zur Optimierung ihrer Marktsituation.

Dabei wird kein Massenmord gescheut, zur Vernebelung der Auftragsvergabe werden Heerscharen aufgeboten. Die Aufteilbarkeit in "Gut" und "Böse" sichert Herrschaft, nichts sonst.

Ziel und Zweck ist immer die fügsame Ausbeutbarkeit von Menschen im Sinne elitärer Privilegierter.

Erst wenn Mensch sich den verlogenen Heilsversprechern verweigert und diese Aufteilung durch Gleichheit unterbricht, kommt Besserung in Sicht.

Die Aufklärung des Massenmordes in Kiew wird so lange ähnlich verlaufen wie in Bologna, München und an allen anderen Austragungsorten dieser "Sicherheitsorgane".

Soloto 06.03.2014 | 15:40

Jazenjuk hat den Verteidigungsminister und dessen zwei Stellvertreter entlassen, weil sie sich geweigert haben, dem "Rechten Sektor" den Status einer regulären Armeeeinheit zuzuerkennen.

http://itar-tass.com/mezhdunarodnaya-panorama/1026262

Nachfolger ist jetzt ein gewisser Meched, der wenigstens auch aus dem Ministerium kommt - und nicht aus dem "Sektor" oder von Swoboda.

http://ipress.ua/ru/news/mynysterstvo_oboroni_vozglavyt_polkovnyk_petr_mehed_50537.html

Warum der Jazenjuk den Rechten Sektor wohl derart aufwerten wollte? Lässt ja das Schlimmste, einen Angriff auf die Krim, befürchten.

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 17:30

Die Videos, die beispielsweise bei Russia Today kursieren, sind Zusammenschnitte, welche den Eindruck erwecken sollen, die Scharschützen wären möglicherweise aus der Opposition selbst gekommen. Wer sich die Mühe macht, das ganze Material zu sichten, erkennt, dass das nicht stimmen kann. Der größte Teil der Schüsse (und es waren sehr viele) kamen aus Richtung der Polizei.

http://www.youtube.com/watch?v=oI4udDv_pXg

http://www.youtube.com/watch?v=zQhuD4F1yJ0

mcmac 06.03.2014 | 19:39

Update zu meinem Kommentar:

Ich muss mich insofern korrigieren, als dass ich inzwischen erfahren habe (Danke Gustlik), dass zumindest der Deutschlandfunk darüber ausführlich und angemessen berichtete. Hätte ich das gewusst, wäre meine Beurteilung dazu sicherlich auch nicht so drastisch ausgefallen. Das tut mir Leid; ich bitte um Verzeihung. Trotzdem muss ich sagen, dass aus meiner Sicht die Berichterstattung zu diesem Thema insgesamt in den deutschen Medien eine recht eindeutige Tendenz aufweist, die in ihrer Wirkung nicht besonders vernünftig und ausgewogen erscheint.

MfG-mcmac

mymind 06.03.2014 | 21:21

Der Inhalt des Telefongespräches spricht für ein Szenario, das nicht unüblich ist bzw. etliche Male praktiziert wurde. I. d. Regel wurde erst Jahre später über das tatsächliche Geschehen berichtet bzw. die vorangegangene Beschuldigung in Frage gestellt, wie z.B. bez. der Attentate auf dem Markale-Markt in Sarajewo. Auch bez. des Syrienkrieges erfolgte nach etlichen Attentaten & Massakern die sofortige Schuldzuweisung ohne Prüfung o.ä. seitens der westlichen Politik & ihrer Medienhelfer in Richtung der Regierung. So auch im Zusammenhang der Gewaltanwendung & Morde in Kiew.

Sicherlich sind auch andere Szenarien vorstellbar, doch vieles deutet auf den Einsatz einer vielfach erprobten, ´erfolgreichen Praxis´ hin. Dafür spricht die ´coole´ Reaktion einer wenig überraschten Baroness Ashton. Geziemt es dem Hochadel nicht, geschockt, entrüstet oder wie auch immer auf ungeheuerliche Mitteilungen zu reagieren oder hat ihr der aufgeregte Paet nichts Neues berichtet?

Wie auch immer, das aufgeregte ukrainische Engagement der westlichen Supermacht & ihrer Willigen macht zusätzlich stutzig. Das berühmte Telefongespräch zwischen Nuland & Pyatt ist nicht allein wegen des F-Wortes bemerkenswert, sondern deutet auf eine Dissonanz der US- & EU-Strategien hin. Womöglich stellt die Ukraine nicht nur ein strategisches Schachbrett zwischen USA & RU dar, sondern insgeheim auch das Interesse einiger EU-Staaten, dem BigBoss die Stirn zu bieten …?

...schön wär´s…

…& wieder einmal grüßt Max Liebermann mit seinem phänomenal kotzigen Ausspruch...

Die neusten Meldungen sprechen für sich. EU beugt sich mal wieder, beschließt Sanktionen & die Supermacht schickt Kampfflugzeuge in das ´verängstigte´ Litauen & Polen

Aber wie lange wollen wir ´nur´ darüber schreiben & uns aufregen? Wir brauchen keine Sniper _ aber eine sichtliche Präsenz unserer Haltung!

mcmac 06.03.2014 | 21:47

"[...]Was Scharfschützen, die auf Demonstranten und Polizisten schossen, für Janukowitsch herausreißen sollten, der mit dem sich abzeichnenden Abkommen für sich zumindest eine Übergangsfrist erreichen konnte und auch die Polizei abziehen ließ, konnte Brock in seiner überaus ideologisch gefärbten Haltung nicht plausibel machen. [...]Unwahrscheinlich ist jedenfalls nicht, dass Teile der rechtsextremen Gruppierungen die Lage in Kiew durch die Tötung von Demonstranten und Polizisten zuspitzen und damit eine Vereinbarung zwischen den Oppositionsparteien und Janukowitsch verhindern wollten. Das wäre ihnen auch gelungen und der Westen, der sich mit der Anerkennung der Übergangsregierung beeilte, in hohem Grad blamiert. Dringend wäre es auf jeden Fall, die Vorfälle aufzuklären und die Unterstützung der Ukraine entsprechend auszurichten. Man darf nur vermuten, dass weder in der EU noch in der USA daran Interesse besteht.[...]"

Kamen die Scharfschützen aus der Opposition?

Hans Springstein 06.03.2014 | 21:52

Britta Hilpert im ZDF-Spezial 19.20 Uhr: Wer den ersten Schuß abfeuerte, könne niemand mehr sagen, aber es sei klar, dass das nur die Regierungskräfte gewesen sein könnten, damit die EU-Außenminister, die zur selben Zeit in Kiew waren, denken, dass es die genau die "Demonstranten" waren, die mit ihren Gewehren nur zurückschossen, aber nun als die Ersten präsentiert werden konnten ...

Interessante Logik. Interessant auch, dass die Uniformierten sich ungestört filmen ließen, siehe hier. Einige dieser Aufnahmen zeigte auch Hilpert.

Hans Springstein 07.03.2014 | 14:43

Interessant finde ich bei der vermeintlichen Schwierigkeit, den Scharschützeneinsatz in Kiew aufzuklären, dass das doch eigentlich gar nicht so schwierig sein könnte, hatten sich doch noch vor dem offiziellen Sturz Janukowitschs "die ukrainischen Sicherheitsorgane des Innenministeriums in Kiew offiziell auf die Seite der Opposition" gestellt, wie u.a. die Frankfurter Rundschau am 22.2.14 berichtete.

Hier gibt es ein Video zu sehen, in dem vier Positionen nachgewiesen werden, von denen aus Scharfschützen auf Maidan-Protestierende erschossen haben, um die Situation dort eskalieren zu lassen. Die Gebäude aus den geschossen wurde, sind von Demonstranten und Scharfschützen der Demonstranten besetzt wurden.

Ein Kommentar zu einem Beitrag in der Schweizer Appenzeller Zeitung vom 20.2.14: "Tragödie in der Ukraine entwickelt sich genau nach Handbuch "Destabilisierung von Staaten". Nun ist das Land in der Phase "unbekannte Scharfschützen" angekommen, die mit Toten auf beiden Seiten die Fronten festigen und Lösungen abwürgen." Die Meldungen über die unbekannten Scharfschützen gab es aus Tunesien, Libyen, Syrien, Ägypten ... Und meist waren sie schwarz gekleidet ...

Dazu noch das aus dem Blog von apwxn, online gestellt am 20.2.14: "Das Szenario, das sich in Kiew entwickelt, wiederholt völlig unverhohlen sämtliche vorausgegangenen Szenarien der gewaltsamen “farbigen Revolutionen” – es gibt Scharfschützen auf den Dächern, die sowohl Sicherheitskräfte als auch Demonstranten ins Visier nehmen, womit für gegenseitige Anschuldigungen und ein Anheizen der Lage gesorgt werden soll. Das alte Muster; genau solche Scharfschützen gab es in Kairo, sie waren regelmäßig im Kontext der Freitagsgebete in Syrien im Frühjahr / Sommer 2011 aktiv, lange Zeit vorher gab es dieses Phänomen 1993 in Moskau – mit anderen Worten, ein ganz und gar traditionelles, weil wunderbar funktionierendes Verfahren. Leichen sehen immer schrecklich aus und sorgen dafür, dass die Reste des Verstandes abgeschaltet werden."

Reinhold 07.03.2014 | 14:48

Als ich von dieser Geschichte gehört habe stellte sich mir noch eine andere Frage. Ich denke die meisten hier erinnern sich noch an die andauernden Berichte, daß kritische Journalisten verfolgt, verprügelt und teilweise sogar getötet wurden von irgendwelchen nicht identifizierten Männern. Besonders dann, wenn es sich um schwule Journalisten/Kritiker handelte. Ich kann mir irgendwie den Verdacht nicht verkneifen, daß die Schläger da möglicherweise auch nicht zu Janukowitsch gehörten. Und zusammen mit dem Beitrag des estischen Außenminister betrachtet würde ich mich auch nicht wundern, wenn bereits da die aufgebauten Nazi-Strukturen genutzt wurden, um eine Stimmung des Aufstands zu erzeugen, den man dann später zu kapern plante. Aber leider hört man zu diesen Vorgängen auch nichts mehr, genau wie über die Ermittlungen zu den Maidan-Morden.

Hans Springstein 07.03.2014 | 15:47

drei Nebenbemerkungen: Die Söldnerfirma, die unter dem Namen "Blackwater" bekannt ist und inzwischen "Academi" heißt, bietet Scharfschützen-Kurse an, für "Basic Sniper" und "Advanced Sniper"

Es gibt Videos aus Donezk vom 3.3.14, auf dem "unbekannte Söldner" zu sehen sind, siehe hier und hier. Auf der Website Politkus.ru wird von "Blackwater" in der Ukraine geschrieben.

Die Website War Resisters' Internationalberichtete 2007, dass "Blackwater" auch ukrainische Söldner in Diensten hat: "“… They are hiring military veterans for jobs previously assigned to the military. 15,000 private security agents from the United States, Britain and countries as varied as Nepal, Chile, Ukraine, Israel, South Africa and Fiji were employed in Iraq during the time of the attack. …”

berlino1010 08.03.2014 | 12:44

@AUSSIE42

Du hattest die angeblichen Dementi der Ärtzin in der westlichen Presse aufgeführt, sie habe gar keine Berkut versorgt und könne deshalb auch nicht sagen, dass beide Seiten von denselben Sniper getötet wurden:

However, Dr Bogomolets told the UK's Telegraph newspaper that she had never had access to victims from the government side and was unable to comment on how they had been killed.

Wem soll man denn jetzt noch glauben? Dem britischen "Daily Telegraph" und dessem Besitzer Herrn Rupert Murdoch, oder Herrn Paet und der britischen EU-Aussenministerin Ashton?

Wurde Olga Bogomolez zur Falschaussage gezwungen?

In diesem CNN Interview von Ende Februar bestätigt sie aber ab 1:16 ausdrücklich, dass sie beide Seiten behandelt hat.

https://www.youtube.com/watch?v=L5eiZERkECI

Deshalb kann sie sehr wohl ihre Einschätzung abgegeben haben. Es stellt sich nun die Frage, wer den Nach-Maidan Druck auf die Ärztin ausgeübt ab, damit sie ihre Maidan belastende Aussage gegen die Putschisten zurück nimmt.

freedom of speech? 08.03.2014 | 12:58

"...sie habe gar keine Berkut versorgt und könne deshalb auch nicht sagen, dass beide Seiten von denselben Sniper getötet wurden:..."

Das könnte Sie auch nicht, wenn sie beide Seiten versorgt hätte. Es bräuchte eine ballistische Untersuchung, die zum Beispiel die Identität der verwendeten Waffe beweisen könnte.

Ohne diese Untersuchung kann sie lediglich etwas über die grundsätzliche Art der Waffe sagen.

Und über den Schützen kann sie gar nichts sagen.

Da ist sehr viel Propaganda unterwegs.

Viele Grüße

fos?

berlino1010 08.03.2014 | 14:23

Es ist klar, dass sie keinen endgültigen Beweis für Maidan-Sniper liefern kann. Aber erstens kann man unterschiedliche bzw. identische Munition und gleichartige Tötungsweisen schon identifizieren und zweitens ist es schon bemerkenswert, dass sie zu einer Falschaussage im Interesse des Maidan und des Westens getrieben wurde. Das unterschlägst Du.

Allein die Tatsache, dass beide Seiten von denselben Tätern ermordert wurden, ist schon Bombe genug. Und entschuldige, es ist eindeutig, wer das Interesse an der Eskalation der Gewalt und an der Aufwiegelung der Massen hatte. Nur dadurch konnte der Volkszorn so hochgeschaukelt werden, dass es zum gewaltsamen Sturz Janukowitschs kam.

BorisPrpic 08.03.2014 | 14:40

Wer verantwortlich für die Schüsse auf dem Majdan verantworlich ist, werden wir meiner Meinung nach nie erfahren! Wir haben jedoch zwischenzeitlich die Antwort auf eine ebenso wichtige Frage erhalten. Cui bono! Die Majdanbewegung? Wohl kaum, wie man sieht. Der einzige Profiteur in dieser Sache ist Vladimir Putin. Ihm und nur Ihm hat es die benötigte "Rechtfertigung" geliefert in der Ukraine einzumarschieren, um den bedrohten Brüdern in der Ukraine zur Hilfe zur eilen. Das ist doch der älteste Hut der Welt, so haben es die Russen/Sowjets doch eh und jeh gemacht. Die Teschechen, Slowaken, Polen, Ungarn und andere können ein Lied von der russischen Bruderhilfe singen und können darauf heute sehr gut verzichten!

freedom of speech? 08.03.2014 | 14:42

"....Allein die Tatsache, dass beide Seiten von denselben Tätern ermordert wurden, ist schon Bombe genug...."

Ist das eine Tatsache?

Mit einer ballistischen Untersuchung könnte man - wenns gut läuft - herausfinden, ob die selbe (ungleich gleiche) Waffe bei verschiedenen Morden verwendet wurde. Wobei bei fast 100 Opfer wohl einige Waffen im Einsatz waren.

Die Untersuchung gibt es aber nicht. Weshalb auch immer. Es gibt wenig sichere Anhaltspunkte.

Deshalb ist fast Alles zum Thema Telefonat Spekulation oder Propaganda.

Genau so die Frage nach dem cui bono. Da kann man fast Alles behaupten.

Z.B.: Wer sitzt denn nach der Eskalation am längsten Hebel? Viele Russen in Russland kriegen sich kaum noch ein, vor lauter nationaler Begeisterung.

Spekulation macht keinen Sinn. Zur Zeit hilft nur eine ruhige rationale Betrachtung. Hochkochen nutzt Niemandem.

Viele Grüße

fos?

mymind 08.03.2014 | 14:45

Na ja, was FOS ggf. auch meint ist, dass Olga Bogomolets anfangs im Interview evtl. auch nicht die Wahrheit sagte, dass sie beide Seiten betreut hat & vor allem, dass sie anhand der Wunden nicht zu der Erkenntnis kommen konnte.

Manche Seiten, auch hier in der DFC, behaupten, dass die Sniper von den Russen beauftragt wurden & sich dann auch vom ZDF filmen liessen. Vielleicht ist ja Olga auch eine russische Spionin ( heißen die in Agentenfilmen nicht immer Olga, Sonja etc.) , die Paet aufgehetzt hat, die Baroness anzurufen. Es tut mir leid, aber angesichts der vielfachen Banalität gedeiht mein unmenschlicher Zynismus.

Die menschliche Logik liegt mir mehr & da neige ich zu Ihrer Einschätzung.

Hans Springstein 08.03.2014 | 14:52

Nachtrag zum Text:

Lawrow fordert OSZE-Untersuchung

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat eine Untersuchung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu den tödlichen Schüssen während der Straßenschlachten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gefordert. „Es gab zu viele Lügen, und diese Lüge wurde zu lange benutzt, um die europäische öffentliche Meinung in die falsche Richtung zu drängen, im Widerspruch zu den objektiven Tatsachen“, sagte Lawrow am Samstag in Moskau. „Die jüngsten Informationen“ zu den Vorkommnissen Fall könnten „nicht mehr verheimlicht“ werden.Bei den Protesten der proeuropäischen Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, die Ende Februar zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch führten, waren rund 100 Menschen getötet worden. http://www.welt.de/politik/ausland/article125569543/Lawrow-fordert-OSZE-Untersuchung-zu-den-Maidan-Toten.html

Die neue Führung der Ukraine will dagegen die Todesschüsse von den eigenen Leuten untersuchen lassen. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Andrej Parubij soll die "Untersuchung" leitenhttp://www.welt.de/politik/ausland/article125569543/Unions-Fraktionsvize-stellt-Fussball-WM-2018-infrage.html

Wer ist Andrej Parubij?

Andrij Wolodymyrowytsch Parubij gehört der Vaterland-Partei an und ist seit dem 27. Februar 2014 Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine. Er war Mitbegründer der rechtsextremen Sozial-Nationalen Partei der Ukraine, des Vorläufers der heutigen Swoboda-Partei. In seiner politischen Laufbahn wechselte er mehrfach die Parteizugehörigkeit, bei den Parlamentswahlen 2012 kandidierte er auf der Liste von Julija Tymoschenkos Vaterlandspartei und wurde erneut in die Werchowna Rada gewählt. Während der Euromaidan -Proteste galt Parubij als „Kommandeur des Maidan“. Bei der Bildung der Übergangsregierung im Februar 2014 erhielt er das Amt des Vorsitzenden des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine. http://de.wikipedia.org/wiki/Andrij_Parubij

Andriy Parubiys Stellvertreter ist Dmytro Jarosh http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58815

Wer ist Dmytro Jarosch?

Dmytro Anatolijowytsch Jarosch ist ein Funktionär der ukrainischen rechtsextremen und radikal nationalistischen Gruppe „Prawyj Sektor“. (…)

Jarosch engagierte sich bereits früh in ukrainischen nationalistischen Gruppierungen. 1994 war er Mitbegründer der radikal nationalistischen Gruppe Tryzub, seit 2005 galt er als der Anführer dieser Organisation. In einem Interview von 2008 wurde er als „Colonel“ bezeichnet.

Im Rahmen der Proteste des Euromaidan, schlossen sich Ende November 2013 mehrere rechtsextreme bzw. radikal nationalistische Gruppierungen zu der informellen, paramilitärisch und gewalttätig auftretenden Gruppe „Prawyj Sektor“ (dt. Rechter Sektor) zusammen. Jarosch ist eine der Führungsfiguren der Gruppe und wird von verschiedenen Medien auch als „Anführer“ bzw. als „Vorsitzender“ des „Rechten Sektors“ bezeichnet. Auf dem Maidan trat er mehrfach als Redner auf und proklamierte dort am 21. Februar 2014 die Fortsetzung der „nationalen Revolution“ in der Ukraine. http://de.wikipedia.org/wiki/Dmytro_Jarosch

Die russischen Behörden haben den ukrainischen Nationalistenchef Dmitri Jarosch wegen Aufwiegelung zum Terrorismus international zur Fahndung ausgeschrieben. Weil Jarosch den tschetschenischen Topterroristen Doku Umarow um Hilfe gebeten hat, könnten ihm in Russland bis zu sieben Jahre Haft drohen.

„Die Ermittlung hat beschlossen, Dmitri Jarosch international zur Fahndung auszuschreiben“, teilte Wladimir Markow, Sprecher des russischen Ermittlungskomitees, am Dienstag mit. Nach russischen Angaben rief Jarosch „die antirussischen Kräfte öffentlich zum Extremismus und Terror auf dem russischen Boden auf“.

Nach der Eskalation der Krim-Krise hatte Jarosch, Chef der ultranationalistischen ukrainischen Organisation „Rechter Sektor“ und einer der Protestführer auf dem Maidan, am Samstag in einem Sozialnetzwerk an den tschetschenischen Terroristenchef Doku Umarow um Hilfe appelliert. Umarow ist der meistgesuchte Terrorist in Russland, der sich unter anderem zu dem blutigen Bombenanschlag auf den Moskauer Flughafen Domodedowo im Jahr 2011 bekannt hatte. Die Uno und die USA haben ihn auf die Terroristenliste gesetzt. http://de.ria.ru/society/20140305/267981290.html

mymind 08.03.2014 | 15:23

Hans,

ich habe es in einem anderen Blog bereits geschrieben:

Unabhängige Untersuchungen sind kaum möglich, weil:

1. Selbst wenn tatsächlich Unabhängige untersuchen, jegliches Ergebnis, das im Westen nicht genehm ist, sofort unter Verschluss gesetzt wird.

2. Oft sind diese ´unabhängigen´ Gremien infiltriert, auch die OSZE, ich erinnere an William Walker.

3. Auch wenn sich eine Konstellation findet, die von allen Seiten als unabhängig akzeptiert wird, kann so ein Verfahren behindert & ewig in die Länge gezogen werden, bis die politische Realität Fakten setzt.

Lavrov weiß das, er argumentiert eben taktisch & diplomatisch, damit das Thema überhaupt präsent ist & keine ´Heimarbeit´ der neuen ukrainischen Regierungskonstellation wird. Warum diese dafür kaum geeignet erscheint, hast Du ja treffend recherchiert & wiedergegeben.

Ach, es finden sich immer wieder Parallelen, offensichtlich gibt es hierzulande eine Augenkrankheit, die als ´ Stabsichtigkeit´ bezeichnet werden kann. Damit wären auch die Wahrnehmungsstörungen zu erklären.

berlino1010 08.03.2014 | 15:41

Tatsache ist, dass die Putschisten und der Westen eine Geschichtsschreibung betreiben, die sicher verlogen ist und keine Aufklärung betreiben, obwohl nur sie in Kiew sitzen.

Wer sitzt denn nach der Eskalation am längsten Hebel? Viele Russen in Russland kriegen sich kaum noch ein, vor lauter nationaler Begeisterung.

Es ist keinerlei Begeisterung in RUS über die Zustände in der Ukraine. Viele Russen befürworten wie ich eine Alternative zu Putin, aber sicher keine vom Westen eigennützig Gesteuerte und mit Faschisten durchwanderte Rebellion.

berlino1010 08.03.2014 | 15:46

Das CNN Interview gab sie Ende Februar und sagte dort, politisch völlig unrelevant, dass sie beide Seiten versorgt habe.

=propagandafrei

Der AM Estoniens zitierte sie im Telefonat, mit einer für ihn negativen Schlussfolgerung.

=propagandafrei

Nun wird sie im Westen zitiert, dass sie nicht nur die im Telefonat zitierte Einschätzung zurücknimmt (=möglich), sondern angeblich sogar bestreite, was sie der CNN damals gesagt hatte (=völlig unglaubwürdig). Das riecht sehr nach demselben Druck, dem u.a. die Mitglieder der Rada ausgesetzt waren.

berlino1010 08.03.2014 | 16:42

Keine genauen. 328 Abgeordnete hätten ohne Gegenstimme für die Absetzung Janukows gestimmt, fehlen also schon einmal 121, zusätzlich diejenigen mit deren Karten abgestimmt wurde, ohne dass sie anwesend waren. Beachtenswert ja auch die Aussage des estonischen AM an Ashton , dass Mitglieder der Rada u.a. durch nächtliche "Besuche" unter Druck gesetzt und laut Journalisten auch geschlagen wurden.

berlino1010 08.03.2014 | 20:11

Ja, das ist das, was Fritz Pleitgen unseren Medien vorwürft, dass wir in Deutschland nicht die ganze Wahrheit erfahren.

Leider sind RT und RIA Novostni mittlerweile auch so einseitig auf Kriegs-Propaganda umgestellt, dass sie als gute Quellen ausscheiden. Man muss sehr international recherchieren, Informationen aus dem Ausland holen, und sich hier bestätigen lassen, um zu Wahrheiten zu kommen. Das kostet einen Amatuer aber viel zu viel Zeit.

mymind 08.03.2014 | 21:15

Ja das kostet Zeit & Engagement.

Giulietti Chiesa, ein italienischer Journalist & Politiker ist gerade aktiv, von denBRD-Medien allerdings komplett ignoriert. Die Schweizer bringen auf deutsch zwar das, aber unvollständig:

http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/18520-Italienischer-Journalist-Alle-westlichen-Medien-werden-von-den-VSA-gesteuert.html

In dem vollständigen italienischen Artikel sagt er, dass das Nuland/Pyatt- Gespräch in den italienischen Medien komplett unterschlagen wurde.

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Ehemaliger Nutzer 08.03.2014 | 22:20

Ich möchte hier mal anmerken, daß die Aufklärung, wer das Massaker anrichtete und / oder anordnete und plante nicht sonderlich zielführend ist. Zielführender ist schon Putins gespieltes Unverständnis, "Ich kapier's nicht", warum das Massaker nun noch sein mußte, obwohl Januk doch schon kapituliert und alles konzediert hatte, was Steinmeier & Co oktroyierten.

Eines ist doch bitteschön klar: Die deutsche Regierung und ihre Vasallen in der EU waren es nicht! Oder?

Damit sollte die wahre Kriegsfront geklärt sein, falls man nicht annehmen will, die christlichen und jüdischen Fundamentalisten steuerten diesen umständlichen Kurs auf das Armageddon.

Das "Lustige" an der Lage ist ja doch, daß der Fraktionskampf der amerikanischen Eliten seine Ableger und Spiegelbilder schier ÜBERALL generiert. So ist eine sehr eigenartige "Querfront" durchaus möglich, nämlich zwischen der Chaos-Fraktion in den USA und den nationalistischen Kritikern Putins, dessen Reden in der ersten Phase des Ukraine-Krieges ("Russland kann sehr wohl Mitglied in der EU werden, und dann auch die Ukraine, aber die Ukraine derzeit nicht" - sinngemäß) ihnen als Hochverrat erschienen sein müssen. Abgesehen davon, daß Putins angeblicher "Verzicht" auf eine Militärintervention in Syrien - tatsächlich verfolgt die Regierungspartei in Syrien völlig andere Ziele - ihnen schon lang schier unerträglich wurde.

Natürlich würde der Nachweis einer Beteiligung militanter russischer Neofaschisten an der NATO-Operation in der Ukraine an der oben angedeuteten Kriegsfront und ihrer korrekten Erklärung nichts ändern, ihr auch nichts Wesentliches hinzufügen, es wäre bloß eine Anekdote.

Just for the record ...

berlino1010 08.03.2014 | 22:50

Ich glaube in diesem Zusammenhang nicht an eine zentrale Stelle, Geheimdienst, Land, das kontolliert, zensiert bzw. Einfluß nimmt.

Die Aussage "Alle westlichen Medien werden von den VSA gesteuert" dürfte sich im festgestellten Ergebnis nicht groß unterscheiden, sie erweckt mMn aber einen falschen Eindruckt.

Weil ich die Unterschlagungen, Verfälschungen und Einseitigkeiten in unseren Medien nicht als zentral verordnet oder gleichgeschaltet wahrnehme, sondern eher als systemisch, dezentral und vielfältig befördert.

Es gibt das Propagandamodell der Amerikaner Noam Chomsky und Edward S. Herman, noch aus dem letzten Jahrtausend, das mMn den manipulierenden Einfluss wirtschaftlicher und politischer Interessengruppen auf die Berichterstattung der Massenmedien in Demokratien besser beschreibt.

Auch wenn man dieses etwas modernisieren müsste, ist die oft zitierte Aussage Chomskys sehr treffend „Propaganda für die Demokratie ist wie der Knüppel für einen totalitären Staat.“

Das Propagandamodell erklärt die tendenziöse Berichterstattung in den Massenmedien als Produkt ökonomischer Zwänge.

Vor diesem Hintergrund versteht man auch die inhaltlichen Veränderungen beim SPIEGEL besser seit dem Einstieg von Bertelsmann und dem Fast-Anschluss an die wenige bestimmenden Medien-Konzerne.

Diesem System nicht genehme Politische Positionen wie etwa die der ehemaligen Moskau-Korrospondentin Gabriele Krone-Schmalz ("Auf den Westen ist kein Verlaß") haben keinen Platz mehr, weder in den Medien-Konzernen noch ins unserem Staatsfernsehen, das ähnlich wie die SPD oder die Grünen mittlerweile völlig systemkonform indoktriniert sind.

Bei dem Chodorkowski-Hype konnten wir besonders gut sehen, wie dieses System eine mediale Einheits-Soße bar jeder Wahrheit generiert.

In der heißen Phase des Maidan-Umsturzes wurde ebenfalls keine einzige mediale Stimme der Warnung oder des Hinterfragens der Maidan-Propaganda zugelassen, obwohl alle Foren davon voll waren.

Erst als der Umsturz gewonnen war, wurden auch vereinzelt kritische Stimmen veröffentlicht, so auch jetzt - wie die "Fehler der neuen Regierung" im SPIEGEL - die aber angesichts der mehrheitlichen Abscheu gegenüber Putins-Militärschlag keine Zweifel am Maidan-Bekenntnis aufkommen lassen können.

Die Medien haben sich als treue Erfüllungsgehilfen des Systems gezeigt und den von der EUSA gewollten, unterstützten und finanzierten Umsturz mit zum Sieg geschrieben.

mymind 09.03.2014 | 00:00

Chiesa spricht über die italienische Presse. Er bezeichnet Renzi auch als einen Schoßhund der Amis.

Hierzulande ist es kaum anders. Die Medien plappern Regierungsstrategie nach, die bekannterweise mal pro mal ein bisserl contra der ´willigen ´ BRDUS-Politik ist. Allers nicht so einfach, aber allemal verbogen, & verlogen.

mymind 09.03.2014 | 00:04

was halten Sie von so einem Statement?

>>Zunächst muß man hinsichtlich des Begriffes Globalisierung eine wichtige Unterscheidung treffen. Denn in Wissenschaft und Kultur stellt die Globalisierung zunehmend einen Fortschritt dar. Dies ist aber nur ein Aspekt, den man von der Ideologie der Globalisierung trennen muß, die nicht mehr ist als eine neue Art von Dominanz, die den Hitler-Typ der Dominanz mit Besetzung und Plünderung ablöst. Selbstverständlich ist diese neue Dominanz-Ideologie weit raffinierter. Eine Art von Dominanz, die die Gehirne der Menschen steuert, indem sie Leute auswählt und fördert, die zurückbezahlen. Sie ist gegen alles: gegen Linksorientierung ebenso wie gegen Patriotismus, den Nationalstaat und nationale Souveränität. Allerdings ist der Patriotismus vereinbar mit dem Universalismus - man kann sein eigenes Volk lieben und gleichzeitig nach internationalen, universellen Normen streben. Mit dem Globalismus ist der Patriotismus jedoch nicht vereinbar. Der Globalismus als Ideologie wird gefördert von multinationalen Unternehmen und heimlichen Machtzentren, die Gehorsam verlangen - von der Bilderberg-Gruppe, der Trilateralen Kommission, dem Council for International Relations, die Nachrichtendienste, Armeen, Bankiers, Manager sammeln. Selbst die Regierungen der Supermächte werden von solchen Organisationen gesteuert. Diese Ideologie ist mit der Idee des Nationalstaats unvereinbar - so wie die Feudalstaaten, die der Modernisierung im Wege standen, weichen mussten. So versucht man jedenfalls, die Situation darzustellen. Diejenigen, die so sprechen, denken jedoch nicht im Traum daran, ihre eigene nationale Souveränität aufzugeben - die nationalen Interessen der USA, die Souveränität Englands. Das ist genauso, wie wenn man die Einhaltung der Menschenrechte fordert, seine eigenen Alliierten jedoch davon ausnimmt. Selbstverständlich müssen alle gleichermaßen für Verstöße gegen die Menschenrechte bestraft werden. Eine Doppelmoral dürfen wir hier nicht dulden.<<

apatit 09.03.2014 | 10:28

Die russische Seele ist mehr, als Wodka, Pelmeni und kleine lustige Braunbären die im Birkenwald spielen! Wir Deutsche begreifen das irgendwie nie – geschweige die USA!

"Bei dem Deutschen ist das Selbstbewußtsein schlimmer, hartnäckiger und widerwärtiger als bei allen andern. Der Deutsche bildet sich ein, die Wahrheit zu kennen. "
Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden

Hans Springstein 09.03.2014 | 11:07

Ja.

"Der Deutsche bildet sich ein, die Wahrheit zu kennen."

Das passt zu meinen Morgengedanken von heute, dass es für uns von so ganz außen sowieso schwierig ist, gewissermaßen unmöglich, die Wahrheit über das Geschehen herauszufinden. Das Einzige, was wir in dem Zusammehang tun können, ist auf die Interessen in dem Zusammenhang hinzuweisen, darauf, wem ein solches Ereignis nutzt. Dieses Ereignis erinnert mich übrigens an Geschehnisse in Syrien, wo es immer, wenn verhandelt wurde, ein Ansatz für Frieden gesucht wurde, und Syrien in der UNO besprochen wurde, es zu einem tatsächlichen oder mußmaßlichen Massaker kam, ein solches gemeldet wurde und prompt alle auf den bösen Bashar al-Assad schauten ... Und die Massaker u.ä. wie der Giftgaseinsatz am 21.8.13 in Damaskus passierten in/bei Anwesenheit internationaler Beobachter. In Kiew waren gerade die Außenminister von EU-Staaten anwesend ...

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 12:34

Hallo MyMind,

unterdessen habe ich mich entschieden, es mir mit dem Text ein wenig einfacher zu machen, ich werde gleich sagen warum.

Er macht im Wesentlichen zwei Aussagen. Die erste:

"Der Globalismus als Ideologie wird gefördert von multinationalen Unternehmen und heimlichen Machtzentren, die Gehorsam verlangen ... "

Das ist ein gängiger Mythos, den Volksfreunde aller Couleur teilen, wenn sie vom berechnenden Staatsidealismus eines Untertanen zur Bewunderung, ja, Anbetung staatlicher Macht und Souveränität übergehen. Von einer spezifischen Seite her - der leninistischen Stamokap-Theorie - habe ich den Mythos in diesem Text knapp zu dekonstruieren versucht. Wenn Dir der zu unverständlich, weil mit zu vielen theoretischen Voraussetzungen belastet ist, sage ich dazu einfach: Wer solche Legenden über die Rolle bündischer Organe von Staat und Kapital verbreitet, hat schlicht keine Ahnung, was da auf welche Weise vonstatten geht. Eine gute, weil ideologisch recht unbelastete Quelle für Richtigstellungen auf der Ebene der Erscheinungen ist der Historiker Peter Dale Scott.

Die zweite Aussage:

Diese Ideologie ist mit der Idee des Nationalstaats unvereinbar - so wie die Feudalstaaten, die der Modernisierung im Wege standen, weichen mussten.

Sie ist der Grund, warum ich es mir mit dem Text einfach mache. Beim ersten, flüchtigen Lesen hatte ich übersehen, daß hier recht klar zu erkennen ist, es spricht ein bis in die Haarspitzen korruper Intellektueller, der mit der Verwandlung von Versatzsstücken marx'scher, engelscher und leninscher Kapitalismuskritik in eine legitimatorische Staatsideologie einfach weitermacht und folgerichtig bei einer historischen Legitimation völkisch-faschistischer Gegenwehr gegen imperialistische Zugriffe auf Randzonen des Weltmarktes landet. Man erkennt das daran, daß der Sprecher im obigen Zitat freizügig und unvermittelt Maßstäbe theoretischen und ideellen Urteilens mit praktischen Maßstäben der Machtausübung vermengt und sie darüber in eins setzt. Das Resultat ist an dieser isolierten Stelle eine banale historische Fälschung: Kein einziger Feudalstaat "mußte" einer Modernisierung "weichen", sondern er wurde entweder revolutioniert - wie in der Sowjetunion, bedingt auch Frankreich und England (Cromwell) - von republikanischen Sezessionisten zerlegt und seiner Ressourcen beraubt, oder von bonapartistischen Usurpatoren übernommen, die anschließend republikanischen Putschisten zum Opfer fielen. Einer "Modernisierung weichen", wie soll das überhaupt gehen? Der Satz ist ein logischer Unfug, der die o.a. korrupte, instrumentelle Mischung der Kriterien verrät. Tatsächlich wurde der Feudalstaat im republikanischen Staatswesen aufgehoben, er blieb als ein untergeordnetes Moment in der bürgerlichen Staatsbürokratie und ihrem politischen Stand erhalten.

Anschließend fährt der Sprecher die "Ernte" seiner korrupten Konstruktion ein:

" Diejenigen, die so sprechen, denken jedoch nicht im Traum daran, ihre eigene nationale Souveränität aufzugeben - die nationalen Interessen der USA, die Souveränität Englands."

Er läßt alle Theorie fahren und begibt sich stante pede auf die Ebene der Staatenkonkurrenz! Es stört ihn nicht, daß er den USA und England drei Sätze vorher die "nationale Souveränität" unter Berufung auf Bilderberger und andere schurkische Usurpatoren bestritten hatte, weil er unter der Hand Staatswesen, die sich nicht von den imperialen Metropolen des Weltmarktes dominieren lassen wollen, eine "wahre", eine "ideelle", nämlich völkische Souveränität und Legitimität bescheinigen will. In den Schlußsätzen wird dieser Opportunismus bekennend.

Falls das nun alles zu "kompliziert" und "dialektisch" war - man kann sich die Sache auf völlig korrekte Weise auch ganz einfach machen. Wer sowas sagt:

" ... eine neue Art von Dominanz, die den Hitler-Typ der Dominanz mit Besetzung und Plünderung ablöst ..."

Hat sich als falscher, als berechnender Volksfreund bereits geoutet: Was soll, was kann es einen (Lumpen-)Proleten kümmern, ob das Produkt seiner Arbeitskraft von heimischen Ausbeutern und politischen Sklavenhaltern angeeignet und dazu verwendet wird, ihn im Stande der Sklaverei zu halten, oder ob Auswärtige das tun? Der "Witz" an "Globalisierung", diesem falschen Etikett des Imperialismus, ist gerade, daß dieser Unterschied nicht mehr existent ist, seit die territorialen Exklusionszonen des Weltmarktes anfangs durchlöchert, und nach der Selbstauflösung der SU schließlich niedergerissen wurden.

Mit diesem Kommentar will ich die Querfront-Debatte abschließend beschieden haben. Wenn die imperialistische Konkurrenz kriegerische Gestalt annimmt, sind taktische Bündnisse zwischen kommunistischen Staatsfeinden und kleinbürgerlichen Staatsfreunden auf allen Feldern angebracht, geboten, ja von Nöten, auf denen die Beteiligten sich davon vernünftigerweise konkrete, materielle Schadensbegrenzung erwarten können.

Solche Bünde heißen dann Resistance!

apatit 09.03.2014 | 18:25

Video aufgetaucht: Kämpfen US-Söldner (Blackwater) in der Ukraine?

Aufregung um Video-Aufnahmen aus der Ukraine. Im Internet verbreitete Filme sollen belegen, dass Einheiten der US-Söldnerfirma „Academi“ (früher „Blackwater“) in der Ukraine im Einsatz sind. Dumm gelaufen wenn sogar schon die Springer Presse darüber berichtet via Video aufgetaucht: Kämpfen US-Söldner (Blackwater) in der Ukraine? – Politik Ausland – Bild.de .... Aber Vorsicht bei " Blöd dir deine Meinnung - Blöd "!

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