HansMeier555

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RE: Anmerkungen zum Neoliberalismus | 11.03.2009 | 23:08

Den Zusammenhang zwischen Neoliberalismus und Pinochet hat schon Hannah ARENDT beschrieben.
Ich darf zitieren: "Es ist von einigem Nutzen zu sehen, in welchem Ausmaß trotz größter Unabhängigkeit die modernen Machtanbeter mit der Philosophie des einzigen Denkers übereinstimmen, der je versucht hat, das öffentliche Wohl aus privaten Interessen herauszuleiten, und der um des Privatinteresses willen einen politischen Körper entwarf, dessen einziges und fundamentales Ziel die Akkumulation von Macht ist.
Hobbes ist in der Tat der einzige Philosoph, auf den die Bourgeoisie sich je hätte berufen dürfen; ihre Weltanschauung jedenfalls, gereinigt von aller Heuchelei und unbeirrt von allen christlichen Zugeständnissen...ist von ihm entworfen und nahezu endgültig formuliert worden. (...) Das Bild vom Menschen, das Hobbes entwirft, ist oft mißverstanden worden, als wäre er daran interessiert gewesen, festzustellen ... wie man Menschen erklären und verstehen könne. Hobbes ist es nirgendwo um solche Einsichten zu tun; er beschreibt, wie der Mensch sein muß und wohin er, ..gehen muß, um den Forderungen einer kommenden Gesellscahftsordnung, ... zu genügen... Der „Leviathan“ ist der Staat, und seine Philosophie ist die Weltanschauung, denen die bürgerliche Gesellschaft seit ihrem Beginn zustrebte. ... Was im Austausch und Kampf der Werte miteinander den Ausschlag gibt, ist Macht. (...) Der unbegrenzte Prozeß der Kapitalakkumulation bedarf zu seiner Sicherstelltung einer „unbegrenzten Macht“, [die] durch nichts begrenzt werden darf außer durch die ... Bedürfnisse der Kapitalakkumulation. ... [Hobbes’ Denken hatte die Folge, daß man] sich an den Aufbau dieser neuen Gesellschaftsordnung machen konnte im Wahne, daß das endlose Anwachsen des Besitzes mit politischer Macht nicht das geringste zu tun habe und daß es innerhalb der rein ökonomischen Sphäre Gesetze gäbe, die gleich Naturgesetzen dahin führten, die Akkumulation des Kapitals zu sichenr, als ob diese wirtschaftlichen Gesetze nicht gesellschaftliche und von Menschen erzeugte Regeln wären, die genauso lange Gültigkeit besitzen, als Menschen bereit sind, sich in ihrem wirtschaftlichen Handeln nach ihnen zu richten – also gegebenenfalls Bankrott anzusagen, anstatt mit gezogenem Revolver sich der Kasse des nächtlichen Bankhauses zu bemächtigen. (...) Die Bezeichnung der Bourgeoisie als einer besitzenden Klasse ist nur in einem oberflächlichen Sinne zutreffend; es hat sich herausgestellt, daß nicht jeder zu ihr gehörte, der Besitz hatte, aber daß jeder in ihr willkommen war, der den Prozeß der Akkumulation des Besitzes mitmachen wollte und konnte.“
Zit.n.:Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft.
Oder wie Maggie Thatcher sagte: „There is no such thing as society“.

RE: An der Karriereleine | 07.03.2009 | 20:39

Meine These:
Die LINKE der letzten 30 Jahre ist schuld am Demokratiedefizit. Sie hat ihr Potenzial nicht genutzt!
Einer der Gründe dafür: Die deutsche Linke blieb viel zu lange von Marx hypnotisiert und darum unfähig "Demokratie" zu denken. Stattdessen frönte sie immer der Fata Morgana von "Revolution":

RE: An der Karriereleine | 07.03.2009 | 19:21

Stimme Ihnen zu, daß nicht die Lehrer schuld sind.
Die Lehrer - auch die 68er Generation - waren alles in allem schon okay.
Aber wer ist nun schuld an unserem Demokratiedefizit?
Ich behaupte:
(1) Es sind nicht nur die Eliten
(2) Es ist nicht die fehlende Bildung.
(3) Es sind nicht irgendwelche äußeren Zwangslagen.
(4) Es ist die Linke. Sie hätte das kritische Potenzial gehabt, wußte es aber nicht zu nutzen.

RE: An der Karriereleine | 07.03.2009 | 17:04

Schon wieder haben Sie mich missverstanden.
"Gutes Schaffen, Geist und Haltung zeigen" ist sicher das was jeder tun sollte.
Aber was hat das, verdammt noch mal, mit der Schule zu tun?
"Sapere aude!" - Aber natürlich. Aber was hat das mit der Schule und der Bildungspolitik zu tun? Okay: Gute Lehrer regen ihre Schüler zum Denken an. Aber auch dazu, zu rebellieren? Ist Denken und Protestieren das Gleiche? Und war Kant selber etwa ein politischer Rebell?

Der größeren Klarheit halber noch einmal wiederholt: Jaja, es stimmt schon, daß Menschen selbstbestimmt leben sollten, daß sie eine politische Posiiton entwickeln und diese auch vertreten sollten, udn daß sie den Charakter haben sollten, sich nicht immer nur anzupassen.
Aber die (im Artikel und manchen Kommentaren) präsente Idee, man müsse und könne die braven Schüler eben "zum Protest erziehen" halte ich für eine Illusion. Die Generation der zwischen 1960 und 1985 geborenen erhielt, aufs Ganze gesehen eine bessere Schulbildung als jede andere zuvor und wurde auch in viel höherem Maße ueber Sinn und Zweck der Demokratie aufgeklärt.
Das war sicher nicht falsch, aber die Resultate sind trotzdem ernüchternd.

RE: An der Karriereleine | 07.03.2009 | 10:20

"Erwartet, gefördert, belohnt werden in Schule und mehr noch Beruf Unterordnung und Stromlinienförmigkeit." Toshka weist also darauf hin, dass die Menschen zur Anpassung erzogen werden.
Dem stimme ich ja zu.
Mein Einwand ist: Na und? Wie soll es denn sonst sein? Das liegt m.E. in der Natur der Schule und kann gar nicht anders sein.

Mich wundert sehr, daß die offenkundigen Defizite in unserer "demokratischen Zivilgesellschaft" immer so schnell mit dem Bildungswesen in Verbindung gebracht werden. Konformismus waere demnach eine Folge falscher Erziehung, falscher Lehrpläne und eines falschen Studienfinanzierungsmodells.

Und genau diese Grundeinstellung ist m.E. Teil des Problems.
So diese Haltung: Ich wäre ja auch gern ein Rebell, aber der Schuldirektor /Chef hat es uns verboten und drum muß ich mich anpassen!
Klingt erbärmlich und lächerlich, ist aber leider kein Witz.

Mir selber sind übrigens sehr wohl zahlreiche Fälle aus den 1980er Jahren bekannt, wo ganze Schulklassen während der Unterrichtszeit von ihren SPD-Lehrern zu Demonstrationen abkommandiert wurden.

Wenn Sie sich nun klar machen, daß a) sowohl der Lehrkörper westdeutscher Gymnasien und b) die Aufsichtsräte der korrupten Landesbanken zu einem sehr großen Prozentsatz über ein karrierebeschleunigendes Parteibuch verfügen, dann verstehen Sie womöglich, worauf ich hinaus will.

RE: An der Karriereleine | 06.03.2009 | 17:06

EINSPRUCH
(1) Wer ein Anliegen hat und es ernst meint, der findet auch eine Plattform. Zumal im Zeitalter des Internet. Wenn die etablierten Parteien und Medien das nicht hergeben, kann man neue ins Leben rufen. Ja, es gab die Gruenen, die taz und die Linkspartei. Aber was machen die nun aus ihren Moeglichkeiten?
(2) "Erwartet, gefördert, belohnt werden in Schule und mehr noch Beruf Unterordnung und Stromlinienförmigkeit. „Rebellen“ sind unerwünscht und die Mittel, sie zur Raison zu bringen, vielfältig, bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes."
---Entschuldigung: Was sollen das für streitbare Kritiker sein, die ihren Mund nur dann aufmachen, wenn sie dafür von oben gefördert und belohnt werden??
Vielleicht sehen wir jetzt die Langzeitfolgen einer Gymnasialpädagogik, bei der SPD-Lehrer ihre Kinder (oft die eigenen) dazu angehalten haben, sich einen "aufmüpfigen" Habitus zu eigen zu machen? Wo es dafür Pluspunkte gab?
Die Rebellion aus Willen zur Anpassung, das war doch die Lebenslüge derjenigen, die heute 35-45 sind...

RE: An der Karriereleine | 06.03.2009 | 15:56

Ich meine wer hat sie denn nicht kennengelernt, alle diese jungen AbitiurientInnen, die in den letzten 20 Jahren ihr Studium begannen, um später mal "irgendwas mit Medien" zu machen. Nach ihrem Selbstverständnis waren die zu 80 Prozent linksalternativ.
Dabei ist es ja ganz natürlich, daß die meisten später ihre persönliche Überzeugung abgemildert haben. Das ist okay. Aber daß so viele gut ausgebildete und demokratisch aufgeklärte junge Menschen der Erosion unserer demokratischen Kultur kaum irgendwas entgegenzusetzen hatten, sollte schon nachdenklich machen.
Ich rede nicht über heutige Studenten, sondern über die von vor 20 Jahren; die Altersgenossen von Jakob Augstein, die heute verantwortliche Posten bekleiden.
Darum ist auch Elfferdings Bildungsargument nur begrenzt stichhaltig. Um 1990 konnte man noch so lang studieren wie man wollte. Hat aber auch nix geholfen.
Prägende Persönlichkeiten der frühen Bundesrepublik hatten übrigens gar kein Abitur.

RE: An der Karriereleine | 06.03.2009 | 15:22

Diese Elitenkritik trifft zwar zu, trifft aber trotzdem nicht den Kern der Sache.
Meine Anmerkungen:
(1) Jede Demokratie hat das demokratische Führungspersonal, das sie verdient
(2) Alle mündigen Bürger sind mitschuld, daß sie diese Eliten solange unkontrolliert machen ließen
(3) Die erbärmliche Rolle unserer "bürgerlichen" Presse wurde im Artikel dankenswerterweise angesprochen.
(4) Alle schreien nach "investigativem Journalismus" aber keiner will dafür zwei Euro mehr bezahlen.
(5) Welcher junge Mensch will schon Politiker werden, es sei denn aus Karrieregründen.
(6) In der Herde fühlen wir uns sowieso alle am wohlsten.
(7) Wo war eigentlich die "Linke"? Wo war die vielbeschworene "grüne Basis", als Schröder und Fischer in den Krieg zogen? Am Ende ist die Linke genauso feige,angepaßt und opportunistisch wie der durchschnittliche Bankangestellte.

RE: Perlentaucher Moreno-Ocampo | 05.03.2009 | 22:21

Und bitte auch die Herren Fischer, Schröder und Merkel nicht vergessen.

RE: Wir traurigen Konservativen | 05.03.2009 | 19:47

Das Beklemmende ist, daß man heutzutage selbst den vorgestelltern Lesern eines Intelligenzblattes wie des "Freitag"
1) erst erklären muß, was am Verlust so eines Archivs eigentlich schlimm ist
und
2) glaubt, den Verlust durch willkürliche Vergleiche mit der ziemlich unbedeutenden Privatbibliothek eines wichtigtuerischen Hofnarren der DDR-Nomenklatura anschaulich machen zu können.