HansMeier555

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RE: Wir traurigen Konservativen | 05.03.2009 | 01:36

BLÖD der Vergleich. Wer ernsthaft behauptet, vorher vom Kölner Stadtarchiv nichts gewußt zu haben, stellt sich ignoranter als er ist. So ein bißchen nach dem Motto: "Wozu brauchen wir Kraftwerke, wir haben doch Steckdosen..."
Nix gegen Kuczynski oder die Münchner Freiheit... aber wenn 1000 Jahre alte Dokumente verloren gehen, von denen natürlich nur ein Teil ediert oder fotografiert war, dann ist das eine echte Tragödie.
Das Argument des Autors klingt ungefähr so: "Schade, daß Beethovens Originalpartituren draufgegangen sind... venn meine Britney-Spears-CD-Sammlung im Container landen würde, fänd' ich das auch nicht toll!"
Das Gefühl der Trauer hat nix mit politischem Konservativismus zu tun.
Ohne Archive und Originalquellen wird alles zum Klischee, zur Phrase und zum Gemeinplatz.

RE: Legt endlich die NS-Vergleiche beiseite! | 02.03.2009 | 22:27

Nazi-Vergleiche gehören zur Bundesrepublik wie die Mauer zur DDR. Die hieß ja nicht umsonst auch "antifaschistischer Schutzwall".
Mit Nazi-Vergleichen sind wir alle großgeworden. Insbesondere CDU-Politiker wurden 30-40 Jahre lang permanent in die Nähe des NS-Regimes gerückt. Manche von ihnen konnte man auch wirklich nicht mit Nazis vergleichen, denn sie waren ja wirklich welche.
Deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten? Wer solche Parolen dreißig Jahre lang gedankenlos wiederholt hat, kommt nun natürlich in Argumentationsnot, wenn er erklären soll, warum jüdische Siedler mit ihrer rassistischen Ideologie und ihrer menschenverachtenden Gewaltbereitschaft weniger "faschistisch" sein sollen als Filbinger, Carstens, Kiesinger oder Strauss - gute Freunde Israels allzumal.
Ich kann mich noch an den hysterischen Skandal um Philipp Jenninger erinnern, der 1988 plötzlich als Antisemti dastand, weil er die Anführungszeichen nicht mitgelesen hatte.
Meine Güte, was gab das für eine Aufregung. Heute sagt Henryk M. Broder, in der REde sei kein Funken Antisemtitismus gewesen. Das hätte er DAMALS sagen sollen, und zwar LAUT, dieser Schmock von einem Elch.
Ich finde, wer 1988 nicht Jenninger verteidigt hat und gegen die Parole "deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten" protestiert hat, der soll sich auch heute nicht für menschenverachtende Israelis starkmachen.

RE: Ich kann kaum noch erzählen | 28.02.2009 | 11:28

Die Autorin riskiert ihr Leben, um uns einen kleinen Teil der Wahrheit wissen zu lassen.

RE: Ausbruch aus der Vormoderne | 28.02.2009 | 10:49

Danke für Ihre sehr hilfreichen Ausführugen. Da lichtet sich der Nebel ein wenig und man erkennteinmal, ganz ganz schemenhaft, worum es eigentlich geht.
Was das alles in einem Medium wie dem "Freitag" zu suchen hat, bleibt allerdings unklar. Ist das jetzt hier ein Bibel-Blog oder was?

Der Eindruck entsteht, daß sich die Medien von den verschiedenen Glaubensrichtungen willenlos instrumentalieren lassen. Außer von den Piusbrüdern natürlich! Solange der Papst kritisiert wird, schalten die Redakteurs-Hirne auf "StandBy" und sie drucken alles.

Aus Bibel, Koran und "Kapital" kann jeder alles herauslesen. Daß manche Evangelen Juden nicht mehr für erlösungsbedürfig halten, ist wohl eher eine jüngere Entwicklung hat vermutlich etwas mit amerikanischer Innenpolitik zu tun.

Mich jedenfalls scheinen sie nach wie vor für erlösungsbedürftig zu halten, sonst würden sie mich in der Fußgängerzone nicht immer so blöd angrinsen und anquatschen. Ist natürlich ihr gutes Recht, wir leben ja in einem freien Land.

Im übrigen möchte ich daran erinnern, daß die Kirche bis Mitte der siebziger Jahre hunderttausende von Kindern in ihren gefängnisähnlichen Einrichtungen ausgebeutet und mißbraucht hat und ihnen bis heute die Opfer-Akten vorenthält.
DARUM sollte sich der Freitag kümmern, das hätte Relevanz. Anstatt sich um die eingebildeten Problemchen steuerfinanzierter Pharisäer zu kümmern, die doch selber schuld sind, wenn sie der falschen Kirche angehören.

RE: Ausbruch aus der Vormoderne | 27.02.2009 | 21:28

Der Artikel ist unehrlich und darin typisch.
(1) Der Papst will zurück zum Antimodernismus! Und da ist der Autor ist natürlich dagegen! Aber er sagt es nicht. Ist er überhaupt katholisch? Wenn ja, warum? Und wenn nicht, warum interessiert ihn das alles überhaupt?
(2) Stattdessen versteckt er sich hinter den ach so zahlreichen "Gläubigen, die ihm die Gefolgschaft verweigern"... Dazu die Fakten: a) Die RKK in D niemals mehr Anhänger als VOR dem Konzil. b) Wenn das Konzil die RKK attraktiver machen sollte, dann ging es in die Hose. Deutschsprachige Liturgie, Priester in Zivil und Handkommunion haben niemanden in der Kirche gehalten. c) Bei den liberaleren Evangelen waren die Austritte noch viel zahlreicher. d) Die jetzigen Proteste haben nix zu sagen - Kleriker sind Konformisten und gehen nie weiter als sie dürfen e) Schaut mal, wer seitdem Erfolg hatte: Esoteriker und Bibelfundamentalisten. Schaut Euch die USA an. Billy Graham. George Bush. Was 200 Mio Amis recht ist, ist dem Papst billig.
(3) Der Katholizismus ist "in der Krise", ja "leidet an Modernitätsdefiziten" (!) Genau. Und Jungfrauen kriegen Kinder...
(4) Der Papst vertritt den Vorrang der RKK vor anderen Religionen, aber bei den Evangelen heißt es "Du darfst neben mir ruhig auch noch ein paar andere Göttinen haben", Juden betrachteten Philister, Babylonier und Palästinenser für mindestens so auserwählt und Moslem-Marxisten trinken Coke genauso gern wie Pepsi.
(5)"Der Aufklärung ging es nicht um eine Verdammung ... der Religion, sondern darum... Wissen vor religiösen Übergriffen und den Glauben vor rationalistischen Zumutungen zu schützen.... Gegenüber dieser Selbstbeschränkung des Vermögens der Vernunft besteht der Papst nach wie vor..."
Das hat der Autor begriffen. Aber solang er nicht selber Papst ist, wird er sich nicht dran halten. Sein Artikel ist eine einzige irrationalistische Zumutung.
(6) Da der Autor seine Motive nicht offenlegt, will ich das mal stellvertretend für ihn übernehmen. Die RKK ist in D eine privilegierte "Körperschaft öffentlichen Rechts" und damit praktisch eine staatliche Einrichtung wie die GEZ. Der Autor will, daß das so bleibt. Er weiß, daß dieser Status gefährdet ist. Bislang lebten Kirchen und Politik in D im Burgfrieden: Materielle Privilegiegen im Tausch gegen politisches Wohlverhalten. Der Autor weiß, daß es damit vorbei sein kann, Wenn die RKK in D an Akzeptanz verliert. Darum das große Ablenkunsmanöver: Alle kritisieren den reaktionären Papst, und keiner stellt die Frage, warum der Gesetzgeber mit der Trennung von Staat und Kirche nicht endlich ernst macht. Alle streiten über Theologie und vergessen dabei die Politik. Alle wollen Papst und Kirche zum Fortschritt bekehren anstatt sie einfach zum e.V. zu degradieren... Die Toleranzpresse macht mit und alle fallen immer immer wieder darauf rein...

RE: An der Staatsgrenze | 27.02.2009 | 00:19

Warum immer das Gerede von Bürokratie?
Viel interssanter finde ich die Frage nach staatlicher Interventionsfähigkeit.
Nein, ich will keine Mammutbehörden, die immer nur Filz und Korruption anziehen.
Ich will nicht den privaten Banksektor abschaffen (ohne den es auch künftig gehen wird) und das Privateigentum schon gar icht.
Was ich in einer Situation wie der jetzigen vom Staat aber erwarte, ist, daß er keine Scheu hat, die großen Privatvermögen anzugreifen, ich meine die von Hundert Millionen an aufwärts. Insbesondere bei denjenigen, die in den letzten 20 Jahren von diesen Großbanken, die jetzt bankorott sind, Dividende und Boni bezogen haben.

Entweder als Regreßforderung oder eben als eine Sondersteuer (meinetwegen als "Solidarpakt").

Vielleicht sollte man das als Grundprinzip einführen, daß der Staat nur solchen Banken helfen darf, bei denen der Vorstand mit seinem ganzen Privatvermögen für haftet (so wie bei einer GbR). Nicht, weil das den Braten fett macht, sondern damit die Herren von vornherein etwas vorsichtiger agieren.

RE: Logik des Gabentauschs | 26.02.2009 | 18:05

Die Herrschenden gaben nicht immer was dagegen. Siehe ABM, Siehe Abwrack-Prämie, siehe Konsumgutscheine, siehe "vorgezogener Ruhestand", sie Braunkohlesubventionen, etc.
Nur eines geht nicht: Das man sagt: Hey, gehn wir alle nach Hause, legen uns aufs Sofa ... das geht nicht. Denn damit haben wir alle ein moralisches Problem.

RE: Wenn der Ausweis zum Fetisch wird | 26.02.2009 | 00:15

Sie haben insofern Recht, als eine Diskussion über die Gebote und Verbote des Islam tatsächlich nicht angestrebt ist.
Eine Argumentation und Positionsbestimmung ist auch gar nicht nötig, denn schließlich will der Autor ja niemanden missionieren oder für den Islam Werbung machen.

RE: Wenn der Ausweis zum Fetisch wird | 25.02.2009 | 21:30

merdmeister:
Sie beklagen, daß man Sie immer vereinnahmen will. Daß man immer nur wissen will, zu welchem Lager sie gehören: Für Moslems oder Gegen Moslems. Daß sich für Ihre durchdachte, differenzierte Position keiner interessiert. Das nenne ich "Kultur der Polarisierung".

Kann man auf diese Kultur der Polarisierung verzichten, ohne zugleich "kuschelig" zu wirken?

Ich meine, wir kennen das doch: Sie äußern Bedenken gegen willkürliche Inhaftierungen und Folter, und schon nennt man Sie "Terroristensversteher" oder "Kuschelpäadagoge"...

RE: Wenn der Ausweis zum Fetisch wird | 25.02.2009 | 21:23

@Christian Berlin:
Unterschätzen Sie nicht die Macht des Durchschnittsbürgers ... Lesen Sie die BILD und Sie wissen, was los ist... zumal die Qualitätsmedien manchmal genauso zur Lynchpresse weden.
Die Menschen gehen nicht ins Stadion, um guten Fußball zu sehen, sondern um das Gefühl zu erleben, wenn 50.000 gleichzeitig brüllen.