HansMeier555

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RE: Logik des Gabentauschs | 25.02.2009 | 21:17

adad1: GE ist m.E. nicht unmoralisch, aber mit BGE hab ich ein Problem. Nicht aus Mitleid mit denen, die trotzdem noch arbeiten, sondern mit denen, die sich fallen lassen. Und mit ihren Kindern, falls sie welche haben. Warum überhaupt noch in die Schule gehen? Warum mit dem eigenen Leben überhaupt noch was anfangen?
adad 2: Die Genannten schon. Aber wer ist schon Marcel Proust? Der Normalfall sieht so aus: Kiffen, Kneipe, Alk, beste Jahre verschwendet, mit 40 grauhaarige Wracks...
adad 3: Es gibt zu denken. Das entspringt einer zutiefst humanen Grundhaltung. Aber können wir Vollwertigkeit nicht anders denken als mit Hinweis auf "Arbeit"? Ist soziale Integration nicht auch ohne "Arbeit" denkbar? Offenbar nicht. Auch wenn niemand von geistig Schwerbehinderten im Ernst eine Arbeitsleistung abverlangt, muß doch die Behauptung aufrechterhalten werden. Sollen wir den Punks demnächst auch Visitenkarten drucken mit der Amtsbezeichung "petty local executiv spending manager"?
adad 4: Richtig. Aber mit der Stütze war keiner glücklich, und mit dem Dauerauftrag wird man es auch nicht. Der morgendliche Gang zum Sozialamt war nicht so schlecht: Im Sonnenaufgang sieht man die Schönheit seiner Stadt, im Wartesaal trifft man Bekannte und auf dem Heimweg gönnt man sich einen wohlverdienten Kaffeee... Sie werden es vermissen.
adad 5: Nicht gedemütigt, aber vielleicht unwohl? Vor Menschen, die körperlich arbeiten habe ich großen Respe
adad 7: Erst gab es das "Recht auf Nahrung", dann das Recht auf Arbeitslosengeld, dann kamen die "glücklichen Arbeitslosen" und dmnächst Bezieher von BGE.
adad 8: REichtümer = materielle Werte
adad 9: Sinn: Was man mit dem Leben anfängt, wenn von der Wiege bis zur Bahre materielle Vollversorgung garantiert wird. Siehe Punkt 2.
adad 10: Ja, aber wer finanziert das ganze? Beim letzten Mal waren es die "Großen Anlager", jetzt stellt sich aber heraus, daß eben doch der Steuerzahler dafür gradestehen muß. Und es nicht kann.
adad 11: ...>

RE: Wenn der Ausweis zum Fetisch wird | 25.02.2009 | 00:23

In Europa ist der Islam keine Religion, sondern Teil einer ethnischen Zugehörigkeit. So wie Europäer in der islamischen Welt gemeinhin als "Christen" wahrgenommen werden, unabhängig davon, was sie persönlich glauben.
In einer fremden Umgebung kann man sich eben nicht mehr "einfach so" von Identitätsmerkmalen wie Religion lossagen, ohne das Gefühl zu haben, man hätte sich selbst verraten.
Nun leben wir in einer pluralistischen, offenen Gesellschaft. Nur glauben Sie deswegen ja nicht, daß sich irgendjemand für Ihre persönlcihen Differenzierungen und Meinungen interessiert. Für Ihre Mitbürger sind Sie mitsamt ihrer Religionskritik oder Zugehörigkeit immer nur interessant, solange Sie sich vereinnahmen lassen. Siehe Kommentar von merdeister.
Kurz: Was einzelmensch persönlich so glaubt, interessiert ohnehin keinen.

RE: Wenn der Ausweis zum Fetisch wird | 25.02.2009 | 00:19

Einerseits wehren Sie sich gegen die Kultur der Polarisierung, andererseits ist Ihnen alles "zu kuschelig".
Kein Widerspruch?

RE: Logik des Gabentauschs | 24.02.2009 | 23:14

Kein Argument. Sie werden schon sehen.

RE: Logik des Gabentauschs | 24.02.2009 | 22:07

Einige unzusammenhängende Bemerkungen:
(1) Der Autor hat Recht: Das Hauptproblem am BGE ist nicht die Finanzierbarkeit, sondern die moralische Vertretbarkeit.
(2) Das Leiden an der Überflüssigkeit der eigenen Existenz hat einige der größen Werke der Weltliteratur hervorgebracht. Ich erinnere nur an: Anton Tschechow, Nikolaj Tolstoj, Marcel Proust, Thomas Mann... (Das sklavenhaltende Russland war seiner Zeit wie immer voraus).
(3) Es gibt Behinderteneinrichtungen, wo die Bewohner heute nicht mehr "Insassen" oder "Patienten" heißen, sondern "Mitarbeiter".
(4) In Form der alten Stütze gab es das BGE längst. Was ist das schon für eine "Bedingung": Formulare ausfüllen...
(5) Man wird sich auch mit BGE gedemütigt fühlen.
(6) Im Mittelalter gab es die Vorstellung, jeder habe das REcht auf "Nahrung". Nahrung meinte nicht Essen, sondern eine Erwerbsmöglichkeit, also das, was heute Arbeitsplatz oder kurz "Arbeit" heißt. Schon interessant, wie die Semantik pendelt und immer nur einen Aspekt des Tauschverhältnisses erwähnt.
(7) Historisch hat sich die Forderung nach dem BGE aus der Forderung auf ein "Recht auf Arbeit" entwickelt.
(8) Die Reichtümer sind da, sie sind nur nicht richtig verteilt. Das stimmt schon. Aber einfach so umverteilen geht auch nicht. Man muß sich schon irgendeinen Vorwand ausdenken, irgendeinen Arbeitsvorgang inszeniseren, der zumindest die Illusion eines TAuschverhältnisses aufrechterhält.
(9) Wie das Leben so spielt: 20 Jahre lang hieß es, die Wirtschaft und die Märkte seien das Schicksal und die Politik ohnehin bedeutungslos geworden. Und jetzt sehen wir: Die Wirtschaft ist (aufgrund ihres eigenen Erfolges) obsolet geworden, es hat gar keinen Sinn mehr, noch weiter wirtschaftlich zu wachsen. Der Unterschied zwischen Konsum und Investition hat sich längst aufgelöst. Jetzt brauchen wir wieder einen anderen Sinn. Sinn ist jetzt das knappste Gut auf der Welt.
(10). Die großzügige Vergabepraxis von Kreditkarten-, und Millionenkrediten anden USA waren doch auch nichts anderes als ein "bedingungsloses Grundeinkommen" in den Farben des Kapitalismus...
(11) Wenn Gott die Menschen strafen will, erfüllt er ihre Wünsche.

RE: Was wollen wir in Afghanistan? | 22.02.2009 | 20:43

Lieber Herr Goldkorn,
danke für Ihre Antwort.
"Ja, ich befürchte manchmal, die Iraner könnten eine Atombombe auf Tel Aviv abfeuern, weil sie bei der Entwicklung Ihres Atomprogramms die Internationale Atomenergiebehörde immer an der Nase herumgeführt haben..."
--- Ohne Betrug kann der Iran keine Bombe entwickeln. Daß er sie haben will, heißt nicht, daß er sie einsetzen wird.
"Zusätzlich sind ja die unsinnigen Äußerungen Ahmedinejads zum Holocaust bekannt..."
--- Wer den Holocaust leugnet, wirft auch Atombomben? Ist diese Schlussfolgerung zwingend? Wie hoch schätzen sie die Autorität Ahmadinedjads innerhalb des Iran ein?
"...sein Beharren darauf ist ... typische Propagandatechnik"
--- Genau.
""Und nun zu Afghanistan... habe als erstes an den Schutz des Aufbaus einer Zivilgesellschaft durch das Militär gedacht.""
--- "Zivilgesellschaft" bezieht sich auf Europa und meint die autonome Gesellschaftliche Willensbildung unabhängig von staatlichen Strukturen (wie Polizei und Militär). Da es in Afghanistan faktisch keinen Staat gibt, kann es auch keine Zivilgesellschaft geben. Dafür gibt es eine Stammesgesellschaft, den Islam und das Patriarchat.
"..es ist ja hinreichend bekannt, dass die Taliban Schulen schließen, Frauen von Bildung fernhalten..."
--- Während die übrigen Afghanen überzeugte Feministen sind...
"...Rekruten bei den Polizeischulen in die Luft sprengen usw., also keine Schoßhündchen sind."
--- Rekruten von Polizeischulen sind nach NATO-Auffassung legitime militärische Ziele. Jedenfalls dann, wenn die Nato auf die Polieischüler eines fremden Landes schießt. Wissen Sie, wieviele Zivilisten in Afghanistan seit 2001 durch NATO-Beschuß getötet wurden?
"...ich empfinde die Angriffe der Kaida in USA, Spanien und GB als Angriff auf unsere Lebensweise und unsere Demokratie..."
Eine interessante Idee. Das müssen Sie mir genauer erklären. Wollte die Kaida mit ihren Anschlägen uns ermahnen, nicht so viel Schweinefleisch und Alkohol zu konsumieren und unsere Frauen nicht so unverschleiert draußen rumlaufen zu lassen? Haben sie etwa ein Problem mit dem englischen Parlamentarismus?
"...dann reagieren Sie für mich unverständlich, in dem sie die Dominanz westlicher Aufklärung grundsätzlich mit
Unterdrückung und Demütigung gleichsetzen."
Ich habe nicht von "Aufklärung" gesprochen, sondern vom Streben nach militärischer Unverwundbarkeit.
"Aber wir haben die Bedingungen, diese [Menschenrechtsverletzungen] öffentlich zu machen und die Täter zu bestrafen, und dies geschieht.
--- Was soll der Hinweis, führen wir hier eine Systemauseinandersetzung? ---- . Und selbst wenn es so wäre wie sie sagen, was soll das für einen Sinn haben: Daß man heute eine afghanische Hochzeitsgesellschaft per Raketenschlag tötet und morgen die Täter zu ein paar Jahren Bewährung verurteilt...

RE: Schwarzes Loch | 22.02.2009 | 15:02

Platitüden über Platitütden sind aber auch nicht besser.
Von Finanzen versteh ich a nix, darum habe ich auch keine Scheu, dumme Fragen zu stellen:

Worauf beruhte die irische Wirtschaft 1994-2007, als die Party noch nicht vorüber war?
Als sie das fünfhöchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt hatten!
Glaubt man dem Artikel, dann sind die Iren zu 75 Prozent Bankangestellte, die alle von der großen Finanzblase gefüttert wurden. Wenn DAS die Aussage des Artikels sein soll, dann würde mich das näher interessieren.
Das gleiche hört man auch permanent über GB und die USA: Der Banksektor war alles, alles eine Blase und eine Industrie gibt es angeblich längst nicht mehr. Das Zeug im Laden kommt alles aus China.
Das wird inzwischen so oft wiederholt, daß ich mißtrauisch geworden bin.
Könnte man da nicht mal versuchen, die Gesamtwirtschaftsstatistik dieser Länder zu analysieren und gemeinverständlich zu erklären, mit möglichst präzisen Angaben zu Größenverhältnissen. (D.h. ohne Begriffe wie "alles", "nichts", "inexistent", etc.).
Tut mir sehr leid, ich kann mir so veraltete ökonomische Begriffe wie "Import" und "Export" nicht ganz abgewöhnen. Kann es wahr sein, daß riesige Volkswirtschaften jahrzehntelang nur importieren und nichts exportieren und trotzdem nie bankrott gehen? Widerspricht das nicht dem Naturgesetz von der Erhaltung und der Energie?

RE: Jude sein ist jetzt total angesagt | 22.02.2009 | 13:00

Otto ist doch auch Jude ... find ich gut!

RE: Härter als im Irak | 22.02.2009 | 10:35

Lieber Mehmet Goldkorn,
offenbar wünschen Sie eine stärkere militärische Präsenz in Afghanistan. Sie glauben, nur so könne man verhindern, daß "die Fundis die Bombe kriegen". Sie ärgern sich, daß die deutsche Bevölkerung das nicht einsehen will und den Miltäreinsatz nicht stärker unterstützt.

Ich möchte Ihnen empfehlen, einmal ganz entspannt über folgendes nachzudenken:

-- Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.--

Lassen Sie mich kurz erläutern, was ich damit sagen will.
(1) Die Menschheit weiß, daß man Atombomben bauen kann und weiß auch, wie es geht. Es gibt keine Möglichkeit, dieses fatale Wissen wieder zu vergessen.
(2) Auch in Schwellenländern bestehen längst die intellektuellen Voraussetzungen, um Atombomben zu bauen. Im IT-Zeitalter gibt es keine Chance, die Ausbreitung dieses Wissens aufzuhalten.
(3) Selbst eine militärische Intervention plus Regimewechsel könnte daran nichts ändern. Es gibt keine Garantie, daß das folgende Regime das Bombenprogramm nicht einfach fortsetzen wird. Auch dann nicht, wenn die "Fundis" demokratisch gewählt worden sind.
(4) Es gibt folglich überhaupt keine Möglichkeit, "die Fundis" allein durch technisch-militärische Mittel am Erwerb einer Bombe zu hindern. Wenn Länder wie der N-Korea oder Iran die Bombe unbedingt haben wollen, dann werden sie sie früher oder später auch haben. Wenn nicht in fünf Jahren, dann in 10 oder in 30.
(5) Es ist ein prinzipieller Fehler, unsere Sicherheit darin begründet zu sehen, daß die Anderen zu schlecht bewaffnet sind, um uns weh tun zu können. Wir können die Anderen (Moslems, Kommunisten, "Fundis") nicht ewig in Schach halten. Im übrigen haben die Anderen die Bombe doch längst (Stalin und Mao hatten sie, Pakistan hat sie auch schon).
(6) Das insbesondere von den USA angestrebte ZIel der "militärischen Unverwundbarkeit" ist nur illusorisch, sondern auch im Kern moralisch verwerflich. Die Welt ist zu klein, als daß jemand Unverwundbarkeit beanspruchen könnte. Das Streben nach Unverwundbarkeit ist narzißtisch, paranoid und latent sadistisch. Der Anspruch auf Unverwundbarkeit setzt die Gewaltspirale erst in Gang. Nicht umsonst heißt es: Wer Bunker baut, wirft auch Bomben. Wer Unverwundbar sein will, will in Wirklichkeit dominieren, herrschen, unterdrücken und demütigen -- all das, worauf die Verwundbaren verzichten müssen.
(7) Unsere Sicherheit gründet nicht auf Unverwundbarkeit, sondern darauf, daß die Anderen uns von sich aus Existenzrecht zubilligen. Daß sie darauf verzichten, uns zu bedrohen. Und normalerweise tun sie das ja auch. Zumindest solange sie sich nicht von uns bedroht fühlen.
(8) Nehmen wir einmal an, der Iran hätte die Bombe und sogar die passenden Trägerrakteten. Was würde er Ihrer Meinung nach damit anstellen?

RE: Väter und Söhne | 20.02.2009 | 22:33

Lieber Herr Rothschild,
Ihren Beitrag halte ich für naiv. Abstammung ist eine Tatsache, und Schuld vererbt sich eben doch und Schuld ist eben doch kollektiv. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich schreibe das nicht, weil ich darüber bei irgendwem beschwere oder irgendwen dafür verantwortlich machen möchte -- es ist einfach nur eine Tatsache.
Schon unsere Kultur sieht es so vor. Im Alten Testament ist dann immer davon die Rede, der Herr werde das Volk strafen bis ins dritte und vierte Glied etc. Und das AT ist natürlich europäisch-christliche Kulturtradition und stimmt zumindest in diesem Punkt mit der germanischen Mythologie voll überein: Die Vorfahren sind alles. Siehe skandinavische Familienromane bis runter auf Thomas Mann, Siehe aber auch Ex-Präsideten Weizsäcker (noch so ein Vatersohn übrigens).

Wenn ich mich als sog. "Deutscher" zu Themen wie Nazi-Zeit, Holocaust, Israel etc. äußere, dann muß ich ganz selbstverständlich damit rechnen, daß alles, was ich sage, zu meinem Deutschsein in Beziehung gesetzt wird, muß ich damit rechnen, daß das Publikum, zumal im Ausland in mir einen potentiellen Mörderenkel sieht und meine Rede unter genau diesem Gesichtspunkt beurteilen wird. Unabhängig von meinem Geburtsdatum und unabhängig von der konkreten Biographie meiner Vorfahren.
Wenn man "als Jude" oder als "Urgroßneffe eines Holocaust-Überlebenden" genau das Gleiche sagt, dann ist es eben nicht dasselbe.
Sagen zu können, man sei Schweizer oder Luxemburger, wäre schon eine erhebliche Erleichterung.
Deutsche Juden gibt es aus diesem Grund bis heute nicht, es gibt nur "Juden-in-Deutschland". Auch wenn er zehn deutsche Pässe hat und nie anderswo gewohnt hat, gehört ein Jude (im Unterschied zum Österreicher) eben per definitionem nicht zur deutschen Schuldgemeinschaft und damit auch nicht wirklich zu unserer Nation. Deutschsein heißt heute, sich für den Holocaust irgendwie "verantwortlich" zu fühlen bzw. fühlen zu müssen.
Nicht unbedingt persönlich, aber doch auf alle Fälle symbolisch.
Damit verläuft die Grenze zwischen Deutschen (im Sinne der Vergangenheitsbewältigung) und Juden auch heute noch genau dort, wo die NS-Rassengesetzgebung sie einst gezogen hat: Zwischen "Ariern" und "Nichtariern", zwischen potentiellen Mörder-Enkeln und potentiellen Nazi-Opfern.
Ich habe Verwandte, die sich eine jüdische Abstammung zusammengereimt haben. Jetzt gehören sie auch zu den Opfern.