harald Blumenau
12.04.2013 | 11:53 30

Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag

WamS, Lügen, Satire Welt am Sonntag, Kampagnenjournalismus, Hetze gegen sozial Schwache. Medienmärchen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied harald Blumenau

Man ist ja von der Bildzeitung für FDP-Wähler einiges an unsäglichen Auswurf gewohnt, wenn es darum geht gegen Hartz IV-Empfänger/innen und sozial Schwache Hetze zu betreiben.
Was jedoch im Artikel “Warum sich jemand bewusst für Hartz IV entscheidet“ am 8.4.2013 publiziert wurde, ist ungewollt von einer derartig satirischen Qualität, dass es eine genauere Betrachtung verdient.

Erzählt wird das Märchen von Susanne Müller(42) aus Berlin, ihres Zeichens berufserfahrene Betriebswirtin. Unter der Überschrift “Sie nennt es Freiheit“ lernt der geneigte Leser eine Dame kennen, die gut verdienen könnte und sich dennoch für ein Leben mit Hartz IV entschieden hat. Dabei ist Frau Susanne Müller „keineswegs anspruchslos“, deshalb lädt uns die Welt am Sonntag zu einem Besuch in ein „spartanisches Luxusleben“ ein.

Wir schreiben den 1. März 2013, 9.00 Uhr mitteleuropäische Zeit. Frau Müller versorgt die Krähen auf ihrem Balkon mit Katzenfutter, „obwohl sie eigentlich nichts zu verschenken hat.“ Am Ende dieses Tages, exakt um 19.25 Uhr wird sie noch 182,85 im Portemonnaie haben, von denen noch 21 Euro für ihren DSL-Anschluss abgehen, also 161,85 Euro. Für unsere Heldin kein Problem, denn „ihr Monatsbudget für Nahrungsmittel liegt bei 120 Euro“, und das obwohl sie nur Bioqualität kauft. Susanne geht es „super“, wie sie sagt, denn „mit viel Geld in der Tasche fühle ich mich gut.“

Diesen Tag wird sie mit einem französischen Frühstück beginnen, und dann wie an jedem Monatsanfang ihren türkischen Friseur Yilmaz besuchen, um sich einen neuen Pagenschnitt verpassen zu lassen. Nach einem Einkauf im Bioladen geht es dann in ihre Wohnung, wo sie sich am Abend an der herrlichen Onlineüberweisung des Jobcenters Friedrichshain erfreut. Susanne trägt nur teure Markenklamotten, im Outlet gekauft, besitzt ein I-Phone und einen drei Jahre alten Mac. Beide Geräte wird sie demnächst verkaufen, um sie gegen neue zu ersetzen. Ja, Susanne ist anspruchsvoll, dabei lebt sie seit 2004 nur vom Regelsatz des ALG II, vom Blutspenden und Flaschensammeln. Susanne hat Abitur, einen Fachhochschulabschluss, ist clever und sparsam. Genügsam ist sie nicht, sondern ein „Mensch mit Ansprüchen“. Dennoch will sie nicht arbeiten, nie wieder.

Nur, wie konnte es so weit kommen?

Das ist schnell erzählt. Sie hat jahrelang für eine Versicherung gearbeitet und dort unheimlich viel Geld verdient. Die 2290 Euro netto konnte sie damals gar nicht ausgeben, „Die Hälfte brauchte sie zum Leben, der Rest blieb liegen. Und dieser Rest wurde immer mehr. Im September 2004 lagen 30.000 Euro auf ihrem Girokonto.“

Man kann sich ihre Verzweiflung vorstellen, wahrscheinlich rief die Bank fast täglich an und sagte, Frau Müller ihr Konto ist voll und quillt über. Da ist sie dann in die Sahara geflüchtet, denn „es gab keinen Gegenstand, auf den sie sparte.“ Wohin also mit all dem Geld?

Unter dem Sternenhimmel der Wüste kam ihr die Erkenntnis, dass sie nie wieder arbeiten will. Das ist die Lösung! Deshalb kündigte sie ihre Anstellung, obwohl dort alles ganz toll war. „Als das Geld aufgebraucht war, ging sie zum Sozialamt. Seitdem bekommt sie Hartz IV.“

Und siehe da, heute geht es ihr richtig gut. Seit sechs Jahren hat sie kaum mehr Geld als 300 Euro am Monatsersten.“ Ich brauche nicht mehr“ und „ich will nicht mehr“, sagt Susanne.
Eigentlich ein glückliches Ende, aber es gibt auch Schattenseiten.
Sie hat immer noch kein I-Phone 5, kann nicht mehr verreisen und wenn sie ihren Freund ins Kino einlädt, fehlt das Geld für Popcorn.

„Das Jobcenter ist freundlich zu Susanne, aber es foltert auch.“

Und das auf perfideste Weise. Susanne wurde jährlich mit Umschulungen, Weiterbildungen und Qualifizierungskursen malträtiert, von denen normale Hartz IV-Empfänger/innen nur träumen können und die sonst nicht finanziert werden. Dabei will sie doch gar nicht!

„Englischkurse, Managementkurse (!), Buchhaltungskurse, Stadtentwicklungskurse, Computerkurse.“

Vermutlich ist es nur der leeren Staatskasse zu verdanken, dass man sie nicht an eine ausländische Eliteuniversität, wie Oxford oder Harvard strafversetzt hat. Von einem dramaturgisch überzeugendem Happyend kann man also bei der Geschichte nicht sprechen.

Satirisch konnte die Redaktion der Welt am Sonntag dafür um so mehr brillieren. Schade eigentlich nur, dass Friede Springers Gossenjournaille sich nicht einmal ansatzweise die Mühe gemacht hat, sich um eine realistische Darstellung zu bemühen. Recherche –Fehlanzeige!

1.) Der Online-Bankauszug am Anfang des Artikels ist völlig unglaubwürdig, pure Phantasie. Weder der Regelsatz stimmt, noch das Auszahlungsdatum, geschweige denn der Auftraggeber.

http://kopperschlaeger.net/2013/04/der-springer-verlag-und-seine-hartz-iv-marchen/

2.) Gäbe es jene Frau Sandra Müller in Berlin, würden dieser spätestens nach diesem Artikel sämtliche ALG II-Leistungen gestrichen. Hierbei handelt es sich um Sozialbetrug, da sie eine Eingliederungsvereinbarung unterschrieben hat, obwohl sie öffentlich erklärt, nie wieder arbeiten zu wollen. Dann stehen ihr auch keine Leistungen zu.

3.) Hartz IV beantragt man nicht beim Sozialamt.

4.) Derartige Qualifizierungsmaßnahmen sind im ALG-II System nicht vorgesehen, vernünftige Fortbildungen müssen vor den Sozialgerichten mühsam erkämpft werden.

5.) 410 Euro Miete liegen über dem Satz. Frau Müller müsste sich eine neue Bleibe suchen.

6.) Frau Müller sammelt fleißig Pfandflaschen, für 30 Stück bekommt sie angeblich 7,50 Euro. 25 Cent gibt es jedoch nur für Dosen und dieses Geschäftsmodell haben bereits viele Berliner/innen für sich entdeckt. Die liegen nicht lange herum!

Das ganze Märchen ist so etwas von absurd und unfreiwillig komisch, dass es mich fast schon wieder freut. In der journalistischen Gosse ist die Welt am Sonntag schon lange angelangt, das ist ein Grund sich zu ärgern. Inzwischen ist das Niveau aber so unterirdisch, dass es schon wieder richtig lustig ist und es Spaß macht sie zu lesen.

Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe!

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (30)

Myriel 13.04.2013 | 00:57

zu 1) und 2) Die Frau heißt im Welt-Artikel a) Susanne Müller und b) Susanne Müller* Name von der Redaktion geändert. Schließlich hat Frau Müller* Abitur und weiß, dass sie aus den von Ihnen genannten Gründen nur in anonymisierter Form beschreiben werden darf. Deswegen wohl auch die von Ihnen unter 1) kritisierten Unstimmigkeiten, die wohl ebenfalls der Anonymisierung dienen.

Myriel 13.04.2013 | 01:05

(leider ausversehen abgeschickt)

zu 3) 2004 - wie im Welt-Artikel genannt - beantragte man noch Sozialhilfe beim Sozialamt, und wurde zum 1.1.2005 in Hartz IV überführt, denn Hartz IV trat erst 2005 in Kraft.

zu 6) Seit dem 29. Mai 2005 beträgt das Pfand einheitlich 0,25 € auf Einweggetränkeverpackungen von 0,1 bis 3 Litern und gilt auf unbestimmte Zeit. Also nicht nur für Metalldosen.

Fazit: unfundierte Meinungsmache und Kampagnenjournalismus in der Freitags-Community - schlimmer sogar als in der Springerpresse üblich - und sogar die Nachdenkseiten sind darauf reingefallen!

Myriel 13.04.2013 | 01:47

zu 3) im Welt-Artikel steht leider nicht genau, wann die Hartz IV-Zeit begonnen hat, einmal wird eine 10jährige "Hartz-Pause" angegeben, einmal 3 Jahre nach 2004. Mein Fehler.

zu 5) laut Artikel werden ja auch nur die angemessenen Kosten übernommen (in Berlin 379 warm). Der Rest muss draufgezahlt werden. Zum Umzug wird niemand mehr gezwungen.

Allerdings geht bei dieser minutiösen und centgenauen Darstellung eines "erfolgreichen" Hartz IV-Lebens die Eingangsfrage unter: Warum sich jemand bewusst für Hartz IV entscheidet, bleibt unerklärt. Gesetzt den Fall, dass sich hier überhaupt jemand bewusst für Hartz IV entschieden hat. Denn das wird auch nur durch die Überschrift suggeriert und findet sich im Text nicht angemessen und glaubhaft wieder.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2013 | 02:28

auch sie haben nicht gut recherchiert:

1. der kontoauszug ist manipuliert ... wie die ganze geschichte, denn hartz4 wird nicht am 1. eines monats, sondern am letzen des vormonats überwiesen und niemals nach miete und eigenbedarf unterteilt und der absender ist immer die ba und nicht ein jobcenter

pfandflaschen gibt es für 0,25 ... aber es ist ja kein artikel über pfandflaschen!!! nur die "luxus-variante" neuer stimmungsmache gegen hartz4-empfänger >>> um von den eigentlichen problemen abzulenken, wie es auch bei den änderungen+streichungen im armutsbericht passiert ist ... schaun sie doch mal nach berichten über das fleissige + gerechte leben der reichen, die millionenabfindungen bekommen haben, weil sie wegen unfähigkeit gehen mussten

Myriel 13.04.2013 | 10:24

ALG II sollte von den Jobcentern immer so überwiesen werden, dass es dem Bedürftigen am 1. des Monats zur Verfügung steht. Ob das mit den Banken auch wirklich immer zum Monatsersten klappt, ist die große Frage. Daher das Dauerstarren auf den Kontoauszug. Kommt es nicht, weil die Bank geschludert hat, muss man nämlich schleunigst beim Jobcenter nachhaken.

Alg I dagegen kommt i.d.R. zum Monatsletzten, den Alg ist rückwirkend, Alg II ist im Gegensatz dazu für den laufenden Monat bestimmt.

Und wo bitte ist der manipulierte Kontoauszug? Ich sehe hier keinen Abdruck des Kontoauszugs, ich lese hier nur eine möglicherweise* kommentierte Abschrift des Kontoauszugs. Die Stellen, die möglicherweise* Erläuterungen sind, betreffen den Wohnort und die Aufteilung der Bezugssumme in Unterhalt und Wohnung, mithin Informationen, die sonst im Text nicht vorkommen. Was soll denn mit diesen Kunstgriffen gegen ALG2-Empfänger gerichtetes "Manipulierendes" vorgegaukelt oder bezweckt werden?

b) Wenn der Preis von Pfandflaschen im Community-Artikel als Argument gegen die Richtigkeit des WELT-Artikels verwendet wird, ist es selbstverständlich, dass man dieses Argument als falsch hinstellen darf, wenn es falsch ist.

Oder soll man etwa, weil die Welt (klein geschrieben) schlecht und ungerecht ist, weil Reiche die Armen abzocken, mit jedem faulen und falschen Argument gegen die WELT hetzen dürfen? Nach dem Motto: Wenn die Bösen täuschen und tricksen, das können wir besser? Unser Kampagnenjournalismus ist der bessere?

Oberham 13.04.2013 | 10:36

Es ist doch schön, wie ihr euch hier über den Pfandsatz echauffiert, über den Kontoauszug (mag er doch annonymisiert sein - und mögen somit Daten nicht ganz stimmig erscheinen...)

Tatsache ist doch, wenn die Frau bewußt auf die Regelleistung setzt, ist das ihr gutes Recht - und es wäre wunderbar würden tatsächlich solche Fortbildungskurse von der Arge finanziert, doch die scheinen wohl auch aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen etwas entfremdet worden zu sein.

Sollte die Story zutreffen, wäre es wirklich schön, dann würde ich dieser Frau zu ihrer bescheidenen aber kreativen Lebenskunst gratulieren und dem Jobcenter für die tollen Fortbildungsangebote.

Den - zumindest hier können Dozenten eine sinnvolle Tätigkeit ausüben und die Teilnehmer eine schöne Zeit verleben - gerade Berlin hätte Stadtentwickler so dringend nötig.

Sprachen lernen ist in der Gruppe auch eine sinnvolle und schöne Schache, so können die AlG II Empfänger Berlin als weltoffene Stadt repräsentieren, da sie ja tagsüber öfter unterwegs sein dürften und somit Touristen eloquent mit Rat und Tat in ihrer Heimatsprache oder zumindest der Weltsprache Englisch zur Seite stehen.

Wer weiß, ich unterschätze mit vielen hier vielleicht die Weitsicht und Klugheit der Berliner Job-Center Mitarbeiter.

Tja mit den Managmentkursen - ok - da finde ich jetzt keine Argumente - sagen wir als Bespaßung und - da dort ja öfter Rollenspiele, Planspiele und Projektentwicklungen anstehen dürften - als Denksportaufgaben zumindest unterhaltsam.

Äh.... - ja - und vielleicht ist die Frau so clever, dass sie tatsächlich noch ein Stipendium für Philosophie oder ähnliches erhält, oder sie entwickelt als NLP Trainerin die Mehdorns in ihrem hohen Alter so weit, dass der Berliner Flughafen nie fertig wird, da der Mann erkennt, Entschleunigung ist das wirklich erstrebenswerte Ziel!

Natürlich tut sie das nicht als "Arbeit" sondern als Praktikantin in einer dieser hochwertigen (kein Witz - falls die Beispiele kein Witz waren) Maßnahmen.

Am Ende regieren HartzIV Empfänger aus Berlin das Land, da sie in der Maßnahme Regierungstätigkeit und anschließende Praxisworkshops dort ihren Intellekt sinnvoll einbringen dürfen und nicht in geistige Verkümmerungsräume geschleust werden.

Da die Betreffenden nicht auf hohe Gehälter sondern bewußte Arbeitsverweigerung aus sind, können die Abgeordneten zwar weiter ihre Diäten beziehen, müssen aber ansonsten nicht mehr anwesend sein - können somit ihren zahlreichen Hauptberuflichen Tätigkeiten nachgehen.

Der Regelsatz würde ja in jedem Fall überwiesen, somit können wir bald damit rechnen, dass das Land tatsächlich im Sinne von Vernunft und Klugheit regiert wird.

Liebe Berliner HartzIV Empfänger - bitte verweigert Euch dann nicht - vor allem fragt nach diesen tollen Fortbildungsangeboten.

Ich fürchte aber, zumindest dieser Teil war wirklich Realsatire.

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2013 | 11:00

den detaillierten kontoauszug findest du im text der "welt" - auch dieser wurde mit scheinbar authentischen buchungsdetails gedruckt ....

ich gebe dir völlig recht: recherche und bericht sollten - auch beim flaschenpfand verantwortungsvoll geschehen, weil wie sonst in diesem fall (beiden seiten) manipulation unterstellt werden kann und muss - aus meiner persönlichen sicht "verzeihe" ich die unbedeutende flaschenpfand-fehl-info eines bloggers (die mich als solche nicht interessiert) - die offensichtliche märchenstunde eines "rennomierten" mediums aber NICHT!!! >>> dies ist für mich eine gemeingefährliche hetzkampagne zu lasten der schwachen in der gesellschaft und befeuert die diskriminierung ALLER arbeitslosen an diesem einseitig polarisierenden beispiel, was ich tief verurteile, da es die soziale selektion weiter vorantreibt, statt die wirklichen ursachen von arbeitslosigkeit - die ja zum system gehört - analysiert

Buchungstag: 01.03.13

Umsatzart: Arbeitslosengeld II

Buchungsdetails:

Regelbedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts (372,00 Euro),

Kosten für Unterkunft und Heizung (379,00 Euro),



Jobcenter Friedrichshain

Betrag: 751,00 Euro

Saldo: 772,00 Euro

Oberham 13.04.2013 | 11:08

ups,... hab den Artikel jetzt gelesen - also bis auf die Fortbildungen ist das total realistisch - ich kann der Frau nur gratulieren!

Das sollte sich jeder Berliner mal genau durchlesen und morgen gleich kündigen, so ihm sein Job ´keinen Spaß macht! (Ups ... da gibt es wohl eine Sperrzeit.... - die kann man ja mit Ersparnissen überbrücken, sofern man welche hat...)

Was wirklich zeigt wie konditioniert viele Menschen sind, sind die Kommentare nach dem Artikel, da wird einem schon schummerig zu Mute - einige stellen sich zwar hinter die Fau - aber viele sind tatsächlich so dummdreist wie die Welt selbst (die sie ja tatsächlich im Unterton als Sozialschmarotzerin outen möchte - und dabei dem unvoreingenommenem Leser eine tolle Antleitung zum Minimalismus liefert) zu behaupten diese Frau nutze die Gemeinschaft aus.

Man kann die Analaogie jetzt nicht explizit darstellen - trotzdem - man sollte mal den Menschen fragen, der jetzt die 2200 Euro netto abgreifen darf, dafür dass er acht Stunden täglich in einem Büro herumhockt und Kaffe trinkt, sinnlose Fromulare sortiert und ansonsten die Kunden zu bescheissen versucht.

(.... oder ist er der kundenorientierte Mitarbeiter, der versucht den Kunden für ihre Beiträge möglichst das Bestmögliche - das wahrscheinlich selbst dann nicht dem Wert der Beiträge entsprechen dürfte - da teueres Managment und Gewinne nun einmal finanziert sein wollen und überflüssig sind - nur das Gehalt für die wirklich Sachbezogen tätigen ist sinnvoll - zu bewerkstelligen?)

Nein, die Frau ist schlicht und einfach bescheiden und zu klug - um sich für ein irres System die Lebenszeit stehlen zu lassen - nochmals Gratulation!

Danke Welt, dass Du so borniert bist, das Redakteurspack dort dürfte ziemlich beschissen leben - saufen, huren und sich gegenseitig mobben, wer so schreibt, dem hängt der Geiffer in der Seele - die Minibroders, Leute die mit dem Stifft pieksen möchten, da sie zu dumm sind damit das Papier zu streicheln und geistvolles zu schreiben.

Ich wünsche der Musterfrau Gesundheit und ein langes, glückliches Leben - möge Ihr Freund der Lehrer seinen Job als positiv empfinden - so haben die beiden etwas mehr Kaufkraft - mein Tipp an den Freund - spenden sie das maximal Mögliche - bzw. seien sie kreativ (z.B. Stichwort Miete) - so könnten sie einiges über die Steuer ihrer Freundin zukommen lassen und der Mob würde noch mehr toben.

Dazu möchte ich sagen - wann beschreibt die Welt am Sonntag mal ausführlich wie z.B. sehr gut Verdienende Ihre Luxusyacht, Ihren Luxusrepräsentationsschlitten, ihre Ferienwohnung, etc. etc. etc. über Umsatzsteuergestaltungssspielräume und Steuervermeidungsmodelle - alles ganz legal - finanzieren.

Aber stimmt ja, das sind ja "Leistungsträger" - eine ganz andere Kathegorie von Menschen.

Man stelle sich mal vor - 80 Mio. Deutsche Leistungsträger - wow, das gäbe wohl was!

harald Blumenau 13.04.2013 | 11:40

Was die Pfandfrage angeht, ist die Kritik natürlich berechtigt. Es gibt einige Plastikflaschen, für die man 25 Cent erhält. Das war mein Fehler. Es ist mir schon gestern aufgefallen, habe wes aber nachträglich nicht mehr geändert, weil ich das unfair finde. Allerdings machen sie nur einen kleinen Teil des Pfandguts aus und man kann täglich Menschen beobachten, die den Müll und die Straßen stundenlang nach Flaschen durchsuchen. An der Glaubwürdigkeit dieses Hartz IV-Märchens ändert dies jedoch nichts.

Bezüglich der Überweisungsdaten verweise ich auf den Beitrag

"Der Springer Verlag und seine Hartz IV- Märchen.


http://kopperschlaeger.net/2013/04/der-springer-verlag-und-seine-hartz-iv-marchen/

Deshalb bin ich darauf im Text nicht weiter eingegangen, dort wird eigentlich schon alles genau erläutert.

harald Blumenau 13.04.2013 | 11:40

Was die Pfandfrage angeht, ist die Kritik natürlich berechtigt. Es gibt einige Plastikflaschen, für die man 25 Cent erhält. Das war mein Fehler. Es ist mir schon gestern aufgefallen, habe wes aber nachträglich nicht mehr geändert, weil ich das unfair finde. Allerdings machen sie nur einen kleinen Teil des Pfandguts aus und man kann täglich Menschen beobachten, die den Müll und die Straßen stundenlang nach Flaschen durchsuchen. An der Glaubwürdigkeit dieses Hartz IV-Märchens ändert dies jedoch nichts.

Bezüglich der Überweisungsdaten verweise ich auf den Beitrag

"Der Springer Verlag und seine Hartz IV- Märchen.


http://kopperschlaeger.net/2013/04/der-springer-verlag-und-seine-hartz-iv-marchen/

Deshalb bin ich darauf im Text nicht weiter eingegangen, dort wird eigentlich schon alles genau erläutert.

harald Blumenau 13.04.2013 | 12:46

Der aktuelle Regelsatz liegt bei 382 Euro, nicht bei 372 Euro, ansonsten bitte ich darum den betreffenden Artikel (siehe Link), auch zu lesen, sonst macht eine Diskussion wenig Sinn. Nichts stimmt an der angeblichen Überweisung, auch wird das Geld nicht vom Jobcenter überwiesen, sondern von der BA und dies auch nicht am Monatsersten. Miete und Regelsatz werden auch nie getrennt ausgewiesen und auf der Onlineüberweisung steht auch nur die BG-Nummer. Purer Schwachsinn, was dort behauptet wird. Mit Anonymisierung hat das ebenfalls nichts zu tun.

elsfleth 13.04.2013 | 13:49

Wenn wir jetzt hier schon Krümel kacken, frage ich sie, wo bitteschön gibts Einwegflaschen aus Plastik eines Inhaltes von 0,1 od 3 Liter? Und glauben Sie mir 30 Stück 1,0 Liter Flaschen finden sich nicht so schnell auf unseren Straßen und dann versuchen Sie mal diese in eine handelsübliche Tüte zu packen. Und ich als alter Flaschensammler kann ihnen versichern, dass auch 30 normale Pfandflaschen nur mit zur Hilfenahme eines Rucksackes gehändelt werden können. Also gaaanz vorsichtig bei irgendwelchen Behauptungen!

S. Steinebach 13.04.2013 | 19:39

Fein, fein, Harald. Da hast du aber die Gemüter mal wieder so richtig in Wallung versetzt. Bezüglich der dir vorgeworfenen schlechten Recherche musste ich dann aber doch herzlich lachen. Ich für meinen Teil finde derartige Reportagen schlicht zum Kotzen. Ich kenne nämlich niemanden, der Hartz IV aus Spass bezieht. Was natürlich nicht repräsentativ zu nennen ist - für die Genauigkeitsfanatiker hier . Allerdings dürfte Frau Susanne Müller ja wohl ebenso nicht repräsentativ sein. Wie auch immer, gut geschrieben und ich freue mich auf mehr.

Frankenfurter 13.04.2013 | 20:57

Mindestens 50 Prozent der Langzeitarbeitslosen lehnt innerlich eine Integration in diesen Arbeitsmarkt ab.

Nur sagen traut sich das keiner oder keine. Wegen der Konsequenzen. Warum hat die Linke ein Problem damit ? Authentische Fallschilderungen auf die Art anzuzweifeln, wie ihr Freund Blumenau meinte tun zu müssen scheitern an der Realität. Ist das aufgeklärter und aufklärender Journalismus? Ich finde nein.

nimreem 13.04.2013 | 23:29

Natürlich ist der WELT-Artikel Quatsch, aber auch die Kritik ist Unsinn, weil sie sich mit Krümeln aufhält.

Das Problem am Artikel ist, dass dieser nur die Aktivitäten des Monatsersten beschreibt. Es wird nicht wirklich geklärt, wie sie mit 120 € sich nur aus dem Bioladen finanzieren kann. Es wird nicht geklärt, wie sie neue Kleidung wirklich finanzieren kann, wie Reparaturen von Sachen, die ja mal angefallen sein müssen in 6 Jahren. Wie die Zuzahlung zum Gesundheitssystem, von denen ja auch Hartzer betroffen sind? usw.

Man erfährt nur von ihrem "Luxustag", dem Monatsersten., an dem sie von 300 Euro Monatsausgaben ca. 140 Euro ausgibt. Es bleiben dann noch 160 Euro für 30 Tage (180 Euro, weil sie im lezten Monat 20 Euro gespart hatte). Also 6 Euro pro Tag und das bei Einkauf im Bioladen.

Ergo: Ernst nehmen kenn ich den WELT-Artikel nur nehmen, wenn ich die gesamte Montasbilanz sehe. So kann ich es auch nur als Märchen ansehen.

Myriel 14.04.2013 | 02:13

Das ist kein Abdruck. Das ist eine Abschrift. Meinetwegen auch mit Erläuterungen, Interpretationen und Konkretisierungen. In einem journalistischen Text läuft so was als Stilmittel. Aber es gibt keinen Abdruck des Kontoauszugs. Genausowenig wie die Worte „sie lächelt“ ein Abdruck der Mona Lisa sind.

Was du und ich verzeihen, das ist irrelevant. Es kommt auf die Stichhaltigkeit der Argumente an. Und der WELT-Artikel ist im großen und ganzen in sich stimmig. Die Kritik am Welt-Artikel dagegen ist nicht stichhaltig, schlecht recherchiert und somit kontraproduktiv. Nur ein einziges Argument der Kritik am Welt-Artikel greift! Das macht doch die ganze Kritik an der „gemeingefährlichen Hetzkampagne“ lächerlich.

Zudem der Hauptvorwurf der schlecht recherchierten Kritik am Welt-Artikel der Vorwurf der schlechten Recherche ist. „Recherche – Fehlanzeige!“

Myriel 14.04.2013 | 02:16

Der Marktanteil der PET-Einwegflaschen, die mit 0,25 Euro bepfandet sind, beträgt aktuell 69 Prozent. Der Anteil der Mehrwegflaschen (Glas, Bier, etc.), die niedriger bepfandet sind, beträgt nur noch 31 Prozent. Damit machen 25ct-Flaschen die Mehrheit des Pfandguts aus.

Und: sie hat auf dem Weg zu Aldi 2 Flaschen gefunden. Ist möglich. Sie hat in den Tagen zuvor 28 Flaschen gefunden. Ist möglich, wenn man lange genug sucht. Das macht den Weltartikel nicht unglaubwürdig.

Und eine nachträgliche Korrektur ist nicht unfair – vor allem, wenn man selber anderen mangelnde Recherche vorwirft. Offensichtliche, unkorrigierte Fehler sind unfair. Und um eventuelle „Unfairheiten“ zu verhindern, hat es sich eingebürgert, auf eventuelle Korrekturen mit einem kleinen „Edit: “ hinzuweisen.

Und vielen Dank noch für den nachträglichen Hinweis, dass die entscheidenden Informationen nicht in Ihrem Beitrag, sondern hinter dieser Webadresse zu finden sind.

Und selbst wenn es gelänge, textimmanent zu belegen, dass eine Susanne Müller*) (42) nicht existiert, dass das alles ein Fake der Springer-Redaktion ist, was bringt das denn? Es gibt auch keinen Otto Normalverbraucher, keinen Captain Kirk und keine Cindy aus Marzahn.

Entscheidend ist doch, was der Welt-Artikel suggerieren will. Und m.E. ist es hier die Aussage, man kann mit dem Hartz IV-Satz ein bescheidenes Leben führen und sich sogar, wenn man entsprechend diszipliniert ist, ein bisschen Luxus leisten. Diese Aussage ist umso einschleichender, weil man es am Beispiel einer „arbeitsscheuen Sozialschmarotzerin“ demonstriert, mit der man kein Mitleid haben braucht.

Hätte man als Beispiel eine alleinerziehende Mutter mit 2 Schulkindern genommen, die vielleicht erst im nächsten Monat genug Geld für die dringend notwendigen größeren Schuhe für die Kleinen gespart hat, und deswegen den Kindern jeden Extrawunsch wie z.B. ein Eis abschlagen muss, hätte das mit dem Luxusleben und dem Auskommen nicht so leicht überzeugt. Mit der Armut eines Aufstockers, der trotz Arbeit nur mit staatlicher Hilfe das Hartz IV-Niveau erreicht und aufstocken muss, hätte man diesen Effekt ebenfalls nicht erreicht.

Dafür, dass mit Susanne Müller eine „Sozialschmarotzerin“ dargestellt wird, kommt sie als Person sogar ganz gut weg. Sie ist diszipliniert, konsequent und genügsam. Ich bin sogar geneigt, gewisse Ähnlichkeiten mit dem gerade wieder aktuellen Franz von Assisi festzustellen. Sie gibt ihren Wohlstand auf um eines höheren Prinzips willen, nach einem Damaskus-Erlebnis. Und Frau Müllers höheres Prinzip ist das liberale Prinzip schlechthin: Freiheit. Ihr einziger Fehler ist nur: sie will nicht mehr arbeiten. Und sie ist intelligent genug, um das System auszutricksen.

Der geneigte WELT-Leser wird dadurch dahin gelenkt, sich zu denken: Hartz IV ist viel zu hoch, wenn sich Sozialschmarotzer noch so zufrieden fühlen können und den berühmt-berüchtigten „anstrengungslosen Wohlstand“ genießen dürfen.

Damit sabotiert der Welt-Artikel mit dieser Intention ein fundamentales Prinzip unseres Rechtsstaats: Lieber Gefahr laufen, einen Schuldigen freizusprechen, als einen Unschuldigen verurteilen. Aber das ist Absicht. Die Methoden sind halt seit der Ära der „spätrömischen Dekadenz“ subtiler geworden.

Allerdings scheitert der WELT-Artikel an seinem erklärten Ziel darzulegen, „warum sich jemand bewusst für Hartz IV“ entscheidet. Sie will nicht mehr arbeiten, um frei zu sein. Das ist mir doch ein wenig zu pauschal.

Aber wahrscheinlich befürchtet die WELT, eine detailliertere Darstellung der Entwicklung und der Beweggründe dieser Aussteigerin könnten zu Nachahmern führen.

Myriel 14.04.2013 | 02:25

Ich empfehle zum Transport größerer Mengen Plastikflaschen die großen Müllsäcke. Da ich immer für zwei Haushalte Mineralwasser in Plastikflaschen kaufe, und oft auch noch zwischendrin mal vier Sixpacks Wasser kaufe, ohne leere Pfandflaschen zurückzubringen, werfe ich regelmäßig größere Mengen von 1,5 l Flaschen in den Rückgabeautomat. 15 Euro Pfandgeld sind da keine Seltenheit.

Die Preisfrage ist, ob die im Artikel genannten 28 Pfandflaschen in die genannte Ikea-Tasche passen. Da ich keine Ikea-Tasche habe, kann ich das nicht beurteilen. Allerdings halte ich das für machbar, wenn man ordentlich stapelt. Ich rufe dennoch hiermit zu praktischen Experimenten auf!

Im übrigen ist der Vater einer Freundin von mir passionierter Flaschensammler. Er fährt auf dem Fahrrad mit Anhänger zu den einschlägigen Stellen, wo abends Partys gefeiert werden und an denen sich am nächsten Morgen Pfandflaschen finden lassen, und macht an einem sommerlichen Vormittag locker mal 20 Euro.