Harald Leinweber

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RE: Berlin: Was hat der Milchschaum mit der Verdrängung zu tun? | 25.01.2011 | 17:42

Guten Tag!

Vielleicht ist das ja ein Mangel des Artikels - dass er sich Sorgen macht um arme Leute, die aus ihrem Viertel verdrängt werden, ist natürlich ehrenhaft. Das heißt aber nicht, dass die Sorgen Nicht-Armer deswegen "theoretisch" wären - das Absacken von Stadtvierteln ist mindestens genau so eine Realität wie die Gentrifikation.

Es ist eben für StudentInnen, SozialpädagogInnen, FacharbeiterInnen und andere Angehörige der Mittelschicht, für die es auch immer schwieriger wird, ein angenehmes Leben zu führen, auch ziemlich unerfreulich, beobachten zu müssen, wie der Stadtteil, in dem sie leben, langsam vor die Hunde geht, weil zunehmend Leute drin wohnen, die sich einen feuchten Kehricht um die Qualität der Infrastruktur kümmern, überall hinrotzen und ihren Müll unter sich gehen lassen oder auch gleich den lieben Mitmenschen mit der blanken Faust begegnen.

So etwas soll es ja auch geben.

Denen damit zu kommen, sie könnten sich ja relativ mühelos was anderes suchen, ist nicht sehr menschenfreundlich gedacht - vielleicht wollen die ja gerade im authentischen Viertel bleiben?

Mit anderen Worten: Wir haben alle unser Päckchen zu tragen. Mag sein, Arme haben schwerer zu tragen. Aber wer schon mal vor der Haustür unprovoziert was auf die Fresse gekriegt hat, wird es wohl kaum als tröstlich empfinden, dass er (oder sie, was das betrifft) ja was anderes suchen kann.

Zu recht.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

Harald Leinweber