M. Zehe

Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung; Vorsitzender der Wolgast-Jury (GEW) zur Darstellung der Arbeitswelt in Kinder- und Jugendmedien
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M. Zehe
RE: Die allgemeine Verschwörung | 26.04.2017 | 23:43

schöner beitrag! wenn sie der gedanke über den zusammenhang von kriminalliteratur und verschwörungsdenken weiterhin umtreibt, sollten sie unbedingt luc boltanskis literatursoziologische studie "rätsel und komplotte" lesen...

RE: Sag, wie hältst du's mit dem Populismus? | 29.09.2016 | 08:42

nun gut, wenn sie es lieber mit brutus als mit antonius halten möchten, sei es ihnen gegönnt. ihre sympathien mögen sie lenken, wohin und auf was sie wollen. in der abneigung gegenüber politikstil und -ziel eines donald trump trennt uns dennoch kein millimeter. bei einer etwas aufmerksameren lektüre meines betrages wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass ich mich hier nicht zum populismus als einer methode der politischen kommunikation (stil bzw. form) geäußert habe, sondern über laclaus bestimmung eines populistischen momentes, der jeder politik zu eigen ist. dabei geht es nicht um aufstachelung, hetze gegenüber anderen oder um mehr oder minder versteckte mordaufrufe gegenüber politischen gegnern - wie etwa bei trump, der nicht einfach ein populist, sondern ein moderner faschist ist. es geht um jenes "flimmern" - also eine bestimmte inhaltliche indifferenz - populistischer artikulationen, als effektivster form politischer mobilisierung. ps zum "ps": hat gabriel, als er "pack" sagte, nun wirklich gegen oder nicht vielmehr mit dem volk gesprochen?

RE: Das Private ist Politisch! | 08.06.2016 | 11:34

Worin sollte denn die Lösung liegen, eine demokratisch legitmierte Regierung, so fern einem deren An- und Absichten auch liegen mögen, nicht als (Gesprächs-)Partner anzuerkennen?

Nochmals zu Hanukas "DER REALIST", darum geht es an dieser Stelle ja schließlich, und der von mir vertretenen Lesart des Comics: Der Autor hat in mehreren Interviews und auch im Buch selbst betont, dass er auf explizite politische Stellungnahmen verzichten möchte. Das mutet auf den ersten Blick etwas merkwürdig an, weil - siehe oben - der Comic voller Anspielungen bezüglich politischer Identitätsbildungen und daraus resultierender Konflikte ist. Sinn macht eine solche Aussage nur, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Politikbegriff Hanuka meint und gleichermaßen problematisiert: Die Teilung des sozialen Raums in zwei antagonistische Lager, wobei das Feindbild des jeweils Anderen längst seinen symbolischen Charakter verloren hat und fundamental geworden ist. In einem solchen Falle kann aber die Lösung des Nahostkonflikts nicht in noch mehr Trennung bestehen, sondern nur in der Betonung des Gemeinsamen. Die Folge der Befeuerung einer Verfeindlichungslogik - insbesondere zwischen den Israelis und den Arabern - ist ja aber genau die Negierung aller hybriden Identitäten in den Gesellschaften des Nahen Ostens, wofür Hanuka als sephardischer Jude ein sehr persönliches Exempel statuiert.

Wenn wir es hier also mit einer rein dualen Spiegelbeziehung zweier sozialer Lager zu tun haben, in einer völligen Radikalisierung des Politischen hin zum permanenten (inneren) Kriegszustand einer Gesellschaft, kann das Ziel internationaler Politik nur der Abbau der Verfeindlichung und die Anerkennung des jeweils Anderen sein. Das gilt selbstverständlich auch für »unsere Regierung«: Möchte sie wirklich zu einer Lösung des Konflikts beitragen, kann sie ja nur - im wahrsten Sinne des Wortes - diplomatisch vorgehen. In einem solchen Falle hat die Logik des Politischen ganz sicher seine Grenzen.

RE: Das Private ist Politisch! | 06.06.2016 | 12:37

ups. das passiert, wenn die openoffice-rechtschreibprüfung nicht mehr funktioniert und man den wald vor lauter bäumen nicht sieht. es heißt natürlich sympathisch sowie metier!