Meine Erfahrungen mit den Montagsmahnwachen I

Friedensbewegung 2.0 Einige Zeit war Ich in der Friedensbewegung 2.0 aktiv. Wie es dazu kam, welche Begebenheiten sich dabei zutrugen und wie ich Heute dazu stehe, erzähle ich in dieser Reihe
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Für mich begann es mit Edward Snowden, dem Anonymous-Kollektiv und der Einsicht, dass ich Dinge ändern kann. Neben vielen Knallköppen waren in den Anonymous-IRCs auch politisch aufgeklärte Menschen. Das und mein immerwährend starker Bezug zum Thema des Nationalsozialismus, welches mir durch das Reflektieren dieser Gräueltaten Werte wie Moral und Menschenwürde zutrug, führte zu einem hochexplosiven Gemisch, welches in Euphorie umschlug. Anonymous faszinierte mich.

Ich verstand, dass ich – also Wir – also das Kollektiv gerade die Website der tunesischen Regierung mit Solidaritätsbekundungen für Oppositionelle und der Forderung nach einer freien Presse versehen hatten.

http://i.imgur.com/SL92U.png

Auch wenn ich nur ein winziger Teil der Geschichte war, ein kleines Script-Kiddie mit LOIC, ich fühlte mich direkt dafür verantwortlich, dass PayPal die Spendengelder an WikiLeaks freigab, mitunter auch deswegen weil wir Paypal, MasterCard und Visa lahmlegten.

Jeder wird wohl verstehen, welches Gefühl es ist, sich mit 13 Jahren mit den Oligarchen der heutigen Zeit angelegt zu haben – und zu gewinnen!

Daraufhin sammelte ich jede Information, die ich über verdeckte Politik finden konnte. Auf einmal interessierte ich mich für das Schulfach Politik, legte mich im Geschichtsunterricht mit meinen Lehrern an und lieferte mir in Ethik Wortgefechte über die Doppelmoral des Westens und Menschenwürde – linke Ideen und Pazifismus. So lernte ich auch Peter Singers Ideen kennen, aber dazu komme ich etwas später.

Anders als die Generation meines Vaters, welche RAF-Zeitschriften las oder sich kleine rote Büchlein kaufte, hatte ich nicht nur Zugriff auf Ideen, sondern auch auf Informationen nicht zuletzt durch Wikileaks. Informationen die mir ursprünglich nicht in die Hände hätten fallen sollten.

In all diesen Debatten sollte die Zeit mir Recht geben. Natürlich. Schließlich hatte ich einen Teil der CIA Datenbank zur Verfügung, welche etwa ein halbes Jahr später das Denken der Menschheit ändern sollte.


Kants Kategorischen Imperativ verband ich mit dem Grundgedanken von Marx (Cui Bono – wem nützt es), wendete das auf den Irakkrieg und 9/11 an und kam auf Verblüffendes. Ich stehe auf einer falschen Seite. Die westliche Außenpolitik ist barbarisch, die Wirtschaft ausbeuterisch und die Werte sind eine Farce.

|“Warum sollte ich also glauben, dass es USA-feindliche Terroristen waren, welche diesen Anschlag verübten? Macht es nicht viel mehr Sinn, dass es – wie schon beim Reichstagsbrand – ein Inside Job gewesen sein könnte?“|

Solche Gedanken kamen bei meinen Lehrern und meinem Umfeld nicht gut an. Ich merkte, wie ich in die Ecke gestellt wurde. Mir wurde signalisiert, ich sei verwirrend und ein „Verschwörungstheoretiker“. Außerdem stünde das ja nicht auf dem Lehrplan. Meine Stimme zählte auf einmal nicht mehr, da sie ohnehin nicht haltbar sei und in Diskussionen münden könnte.

Vereinzelt erntete ich aber auch Anerkennung und Respekt für meinen, für einen 16-jährigen, enorm reichen Erkenntnis- und Wissensschatz. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich verletzt, jedoch gleichzeitig angespornt, an dieser Stelle tiefer zu graben und meinen Horizont zu erweitern.

19:22 07.02.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kolja

19-jähriger, politisch interessierter Digital Native mit wechselndem Weltbild.
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Kolja

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