RE: Endlich Feierabend! | 21.05.2019 | 19:16

Ich bin mir bewusst, hier eine (möglicherweise extreme) Minderheitsmeinung zu vertreten.

Es gibt indes Branchen, in denen nicht zählt, wieviel Zeit Beschäftigte für ihre Arbeit aufwenden, sondern welches Ergebnis dabei herum kommt. Das muss nicht per se zu Überstunden oder Selbstausbeutung führen. Ganz im Gegenteil können sich dadurch Freiräume eröffnen, insbesondere wenn man mit Erfahrung, Wissen und Intelligenz zeitsparend und flexibel agieren kann. Für diese Branchen bedeutet das Zeiterfassungsurteil eher eine zusätzliche Gängelung der Beschäftigten, die m.E. wenig motivationsfördernd ist.

Nach der marxschen Arbeitswerttheorie wird der Arbeiter eh nicht für die geleistete Arbeit resp. Arbeitszeit bezahlt, sondern für den Erhalt seiner Arbeitskraft und damit wohl auch für seine Laune während der Arbeit.

RE: Critical Westness | 09.04.2019 | 20:01

Sehr kluge Kommentare auf freitag.de unterscheiden sich von klugen Kommentaren dadurch, dass auf sie nicht eingegangen wird.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Will sagen: 1. Mit der Sicht von außen, mit dem per se neutralerem "Blick von nirgendwo" ( Thomas Nagel) relativiert sich so einiges. 2. Ja, wir hatten als Gesellschaft die Chance und haben es (und dazu stehe ich) 1989/90 als Individuen vergeigt.

RE: Winterruhe auch im Frühling | 27.03.2019 | 20:51

Der Biologe Josef H. Reichholf (Die Zukunft der Arten) hat den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Insektenpopulationen in Bayern und dem Pflanzenanbau für die Biosprit- und Biogas-Produktion untersucht und hat eine eindeutige Korrelation nachweisen können. Nachzuhören hier: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/insektensterben-und-die-folgen

Also: Kein E10 mehr tanken! Die Dieselfahrer können mangels Alternativen wohl nicht boykottieren.

Da es absehbar bei der weiteren Lebensraumzerstörung durch die industrielle Landwirtschaft bleiben wird, hilft nur, unsere Gärten für Insekten und Vögel lebensfreundlich zu gestalten. Aber da ist ja die Politik im Verbund mit der Immobilienwirtschaft gerade dran, auch noch die Schrebergärten zwecks Wohnungsbau platt zu machen.

RE: „Das“ Weib: Artikel sind nicht neutral | 14.03.2019 | 15:58

Diese ganzen abtörnenden Dispute um geschlechtergerechte Sprache sind typisch für ein postmodernes Denken, bei dem laut dem Soziologen Armin Nassehi „Unterschiede zwischen Rolle und Person verdampfen und semantisch die Kämpfe um Bedeutung und Macht anheben.“

RE: „Wenn sie Sex wollten, mussten sie zuhören“ | 13.03.2019 | 19:24

Bemerkenswerter Beitrag.

Als über 30 Jahre DDR-Sozialisierter, der sich auch in Schule und Studium einem "Frauenüberschuss" gegenüber sah, fällt es mir inzwischen häufig schwer, so manche der aktuellen Debatten über die Geschlechterverhältnisse überhaupt nachzuvollziehen. Ich frage mich dann: Wie konnte man nur so hinter längst schon erreichte zivilisatorische Standards zurückfallen?

Aber dann fällt mir ein, dass dies ja nicht der einzige Rückfall ist: §218, Gender-Pay-Gap...

Auch Sprache wird dagegen nichts bewirken, das Denken muss sich ändern, und zwar grundlegend und von Anfang an. Doch dazu müssten sich die Verhältnisse ändern.

RE: Der Gärtner wird zum Bock | 08.02.2019 | 19:11

Ich halte eine Ökodiktatur für gar nicht so unvernünftig. 1997 habe ich nach der Lektüre von Frank Herberts "Dune" geschrieben: "Die ökologische Krise läßt sich demokratisch nicht verhindern." Und das meine ich auch und gerade heute. Auf die Vernunft der konsumierenden Masse zu setzen, erscheint mir illusionär, auf die Selbsterhaltungskräfte des Kapitalismus erst recht.

RE: Lasst Bauern und Bienen leben | 15.01.2019 | 19:02

Ich rufe alle Leser auf, an der Wir-haben-es-satt-Demo teilzunehmen.

Wir wollen dort Unterstützerunterschriften für die Zulassung der Gartenpartei zur Europawahl sammeln.

Wir zählen auf Euch.

RE: Erste Schritte | 05.10.2018 | 18:15

Nur ein Wort an die Autorin:

Liebe Maren Holbrak, Rücken gerade! Niemand kann für seine Herkunft verantwortlich gemacht werden, schon gar nicht in Ihrem Fall.

Man muss sich auch nicht, nur weil man (wie auch ich) Ostdeutscher ist, mit allem gemein machen lassen. Bei Ihrer Aussage: "Zugleich spürt man eine enorme Sehnsucht vieler Ostdeutscher, einmal nicht mit Politik belangt zu werden, sobald mehr als eine Handvoll Menschen zusammentreffen. Ich empfinde mehr und mehr Verständnis für diese Position.", läuten bei mir die Alarmglocken. Von hier ist es nicht weit zur Pegida-Versteherin, was ich beileibe nicht unterstellen will.

Und eins noch zu Chemnitz als "Sehnsuchtsort": Ostdeutschland ist nicht Sachsen. Insofern Zustimmung zu @goedzak: Der gesellschaftliche Riss geht nicht zwischen Ost- und Westdeutschland. Sachsen war mir (Magdeburger) schon zu DDR-Zeiten fremd.