RE: Genug gelebt? | 24.02.2021 | 16:04

Warum sollte für den Freitod etwas anderes gelten als für Abtreibung? Wenn Menschen sich selbst gehören und über ihre Körper frei bestimmen dürfen, dann gilt das nicht nur für die Beendigung einer Schwangerschaft, sondern auch für die Beendigung des eigenen Lebens. Menschen zu einem qualvollen Weiterleben zu verpflichten, ist nicht besser als ein Gebärzwang – eigentlich ist es wesentlich schlimmer, denn der Leidensdruck einer unfreiwilligen Schwangerschaft ist gering im Vergleich zum jahre- oder jahrzehntelangen Leid an einer schweren Krankheit oder Behinderung.

Dass ausgerechnet feministische Autoren wie Baureithel und Kirsten Achtelik, die beim Thema Abtreibung einen kompromisslosen pro choice-Standpunkt vertreten, beim Thema Freitod den empathielosen und paternalistischen Duktus christlicher Fundamnetalisten übernehmen, finde ich seltsam.

RE: Eher Symptom als Antwort | 23.12.2020 | 19:30

Die Chance, dass der Säugling zu einem Klima-Messias heranwächst, ist vermutlich ebenso gering wie die, dass er der nächste Hitler wird. Beide Möglichkeiten sind so unwahrscheinlich, dass sie eine rationale Entscheidung kaum beeinflussen dürften

Was am Utilitarismus grundsätzlich verkehrt sein soll und woran man sich ethisch orientieren soll, wenn nicht am absehbar besten Ergebnis der eigenen Handlung, ist mir ehrlich gesagt völlig unklar. Der Kantianismus ist jedenfalls keine Alternative, da die Schwierigkeiten, die eine praktische Anwendung des kategorischen Imperativs mit sich bringt, noch größer sind als alle Anwendungsprobleme des Utilitarismus. Kants Ansichten über Todesstrafe, Suizid, Masturbation, das Lebensrecht unehelicher Kinder und das Leid von Tieren sprechen jedenfalls nicht gerade dafür, dass kantianische Ethik zu brauchbaren Ergebnissen führt.

RE: Kamala verkörpert Hoffnung | 18.11.2020 | 04:18

Gibt es irgendwelche Gründe, sich auf Harris zu freuen, die von ihren Genitalien und dem Melaningehalt ihrer Haut unabhängig sind? Offenbar ist 'Stammbaumforschung' nur dann rassistisch, wenn es um Straftäter geht. Neoliberale Politiker mit Verweis auf ihre Herkunft und Hautfarbe über den Klee zu loben, ist völlig in Ordnung.

RE: Das Unbehagen der Privilegierten | 01.11.2020 | 23:14

"Genau, bitte keine neuen Radwege, Schulen und Museen bevor der Kapitalismus angeschafft ist."

Schulen und Radwege sind reale Anliegen. Wo ist der Zusammenhang zu dem Dünnpfiff der Identitätspolitik?

RE: Das Unbehagen der Privilegierten | 30.10.2020 | 08:58

Was gibt es denn für Privilegierte besseres als Identitätspolitik? Wäre ich Milliardär, dann wäre ich froh über jeden Linken, der sich mit Mansplaining, Period Shaming und Gendersprache befasst. Was hätte ich denn bitte von diesen Leuten zu befürchten?

RE: Wenn, dann richtig | 30.10.2020 | 02:52

Parteien sollen aufstellen, wen sie für geeignet halten, und nicht ihre Kandidaten nach den Genitalien auswählen. Es gibt auch keinen Grund, warum der Frauenanteil unter den Abgeordneten höher liegen sollte als unter den Parteimitgliedern. Wenn in einer Partei 30% der Mitglieder Frauen sind, dann führt (unter der Prämisse, dass Frauen und Männer im Schnitt gleich begabt sind) selbst eine freiwillige Frauenquote von 50% notwendigerweise dazu, dass Frauen auf der Liste landen, die weniger geeignet sind als männliche Kandidaten, die nur wegen ihres Geschlechts aussortiert wurden. Wäre umgekehrt ja genauso.

Da niemand daran gehindert wird, einer Partei beizutreten, hier also kein Mechanismus vorhanden ist, der irgendjemanden diskriminieren könnte, sehe ich den geringeren Frauenanteil als Indiz dafür, dass Frauen sich im Durchschnitt weniger für Parteipolitik interessieren. Und warum auch nicht? Es gibt viele Geschlechter-Disparitäten, die sich nicht einleuchtend durch Benachteiligung erklären lassen. Vermutlich werden Frauen auch nie 50% aller Morde begehen oder 50% aller Informatikstudenten stellen.

RE: Nicht ablenken lassen, bitte | 05.09.2020 | 00:10

Wie weit sind Sie denn bereit, Ihren Lebensstandard abzusenken, damit es für 8 oder gar 50 Milliarden reicht, OHNE dass der Klimawandel und die vielen anderen Umweltprobleme sich weiter verschärfen?

RE: Haben wir aufgegeben? | 05.09.2020 | 00:05

Das Einzige, was uns jetzt noch retten kann, ist der Antinatalismus. Die Menschen müssen endlich ihre Unterleiber in den Griff kriegen und aufhören, ständig neue CO2-Emittenten in die Welt zu setzen. Nur durch brutale Gesundschrumpfung nicht nur der Wirtschaft, sondern der Menschheit an sich hat der Planet vielleicht noch eine Chance.

Aber wo sind die Umweltaktivisten, die an die Wurzel gehen und die von Selbstsucht getriebene Zeugung von Menschen, die im Angesicht von Überbevölkerung und Klimakatastrophe ohnehin keine lebenswerte Zukunft mehr haben, öffentlich anprangern?

RE: Das Ende der Männerrepublik | 02.09.2020 | 20:38

Man kann es nur wiederholen: Gleichberechtigung impliziert keine Ergebnisgleichheit. Wie der ungleiche Anteil von Frauen und Männern an den Informatikstudenten oder weltbesten Schachspielern ist auch der Frauenanteil in den Parlamenten kein Beweis für Diskriminierung, sondern durch ungleiche Interessen und Ambitionen zufriedenstellend erklärbar. Männer und Frauen sind nicht gleich, daher auch bei völliger Abwesenheit von Diskriminierung keine Ergebnisgleichheit zu erwarten ist. Dass Männer über 90% aller Gefängnisinsassen ausmachen, ist auch nicht das Ergebnis einer strukturellen Benachteiligung von Männern.

Dafür, dass der Frauenanteil in den Parlamenten nicht das Ergebnis einer Benachteiligung ist, spricht im Übrigen schon die Tatsache, dass dieser ziemlich genau dem Frauenanteil in den Parteien entspricht. Wenn Frauen so viel seltener einer Partei beitreten, obwohl hier keine Art Filter vorhanden ist, der irgendeine Diskriminierung ermöglichen würde, dann ist das ein Hinweis darauf, dass Frauen im Durchschnitt weniger politisch engagiert sind als Männer. Woher kommt dann aber der Anspruch, am Ende 50% der Abgeordetensitze bzw. Listenplätze zugeschanzt zu bekommen?

RE: Nicht ablenken lassen, bitte | 02.09.2020 | 18:24

Wer sagt denn, dass Überbevölkerung nur ein Problem der dritten Welt wäre? Selbstverständlich gibt es auch in Europa mehr Menschen als im Sinne einer angenehmen und nachhaltigen Lebenwesise vernünftig wäre. Das wird auch nicht dadurch widerlegt, dass in Europa die Geburtenraten (nach Jahrhunderten der Bevölkerungsexplosion) unter das Bestandserhaltungsniveau gefallen sind. Ein 200 Kilo schwerer Mensch hört ja auch nicht auf, übergewichtig zu sein, nur weil er nicht noch weiter zunimmt oder sogar ganz langsam abnimmt. Ich bin also durchaus dafür, mit dem demgraphischen Abspecken in der eigenen Gesellschaft anzufangen, womit jede Rassismusunterstellung sich erübrigen sollte. Oder gibt es Rassisten, die es positiv sehen, wenn es (auch) weniger Weiße gibt?

Dennoch wäre es unklug, die Bevölkerungsexplosion in Afrika zu verharmlosen nach der Devise: Das bisschen CO2 spielt gar keine Rolle. Denn abgesehen davon, dass es auch humanitäre Gründe gibt, ein Problem darin zu sehen, wenn die Bevölkerung in einigen der ärmsten Ländern der Welt sich alle zwanzig Jahre verdoppelt, ist der CO2-Ausstoß dieser Leute nicht in Stein gemeißelt. Auch der CO2-Ausstoß von China war vor sechzig Jahren vollkommen unerheblich und heute ist das Land der größte Emittent der Welt. Vielleicht befindet sich Afrika in ein paar Jahrzehnten auf dem industriellen Niveau von China. Dann wird es einen großen Unterschied machen, ob es 1,2 oder 4,5 Milliarden Afrikaner geben wird.