Hingehört und nachgedacht

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Gesund sieht Frau H. nicht aus: blasse Haut, dunkle Augenringe, erschöpft, gezeichnet.

Sie will:

- einen Krankenschein für die vergangene Woche, als sie mit Durchfall im Bett lag
- eine schriftliche Bestätigung dafür, dass sie diesen ersten Termin wahrgenommen hat
- ein antidepressives Medikament
- ein Schlafmittel

Sie erzählt:

- dass sie bis vor drei Monaten viele Jahre in der Schweiz als Pflegerin in Privathaushalten gearbeitet hat
- dass sie wieder nach Deutschland kam, weil in kurzer Zeit Vater, Onkel und Tante gestorben seien
- dass sie sich arbeitslos gemeldet hat, aber keine Leistungen bezieht, weil ihre Papiere aus der Schweiz ausstehen
- dass sie sofort eine neue Pflegeaufgabe in Deutschland antreten kann, vorher aber ihrem Arbeitsvermittler einen Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt vorlegen muß - mit einen Wert bis zu 3000.-€ . Das kann sie aber nur, wenn ihre Arbeitslosigkeit und der Leistungsbezug bestätigt bzw. anerkannt ist. Den Krankenschein braucht sie, weil sie in der vergangenen Woche wegen des Durchfalls einen Termin beim Arbeitsamt nicht wahrnehmen konnte.

Sie schildert ausführlich eine anhaltende depressive Verstimmung seit dem Tod ihrer Angehörigen.

Nachdem sie gegangen ist, dauert es eine Weile, bis der alkoholische Foetor durchs Fenster abzieht.

18:48 15.06.2012
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Geschrieben von

heidenplejer

blauer Himmel, blaue Wogen, Rebenhügel um den See
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heidenplejer

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