Nude Area - Die Universalität des Blicks

Filmkritik|filmPOLSKA Der Film Nude Area von Urszula Antoniak bedient sich einer Einschränkung: Er verzichtet auf Sprache und widmet sich dem Thema der Liebe anhand des Blicks.
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Auch wenn im Jahr 2011 mit dem Film “The Artist” von Michel Hazanavicius ein moderner Stummfilm für Furore gesorgt hat, finden sich im Zeitalter des Multiplex-Kinos immer weniger Filmemacher, die sich auf die Wirkung des Bildes konzentrieren. Ein gelungener Vertreter dieser Form ist “Nude Area” von Urszula Antoniak. Der Film erzählt in mehreren Akten die Liebesgeschichte zweier Mädchen (Sammy Boonstra und Imaan Hammam), die nicht nur unterschiedlicher Herkunft sind, sondern auch verschiedenen Schichten angehören. Gemeinsam ist beiden hingegen das gegenseitige Interesse, das sich langsam Bahn bricht.

Zwar bedient sich der Film einer wohl dosierten Musik von Ethan Rose und Umgebungsgeräuschen, wie langsam fallender Wassertropfen — auf Sprache verzichtet er jedoch vollständig. Stattdessen erzählt er in ruhigen und poetischen Bildern von der Faszination für die menschliche Seele und den Körper. Das dem Film voran gestellte Zitat Roland Barthes’ „Wer liebt, spricht für sich, als Liebender, im Angesicht des Liebesobjekts, das seinerseits schweigt.“ dient dabei als Schlüssel für den Zugang zum Film. Im Moment der Liebe bedarf es eben keiner Worte. Die Seele findet sich in den Augen, die durch die Arbeit des Kameramanns Piotr Sobocinski mehr zu sagen scheinen, als der darunter liegende Mund es jemals könnte. Und so wird deutlich, dass Worte eben nicht alles sagen können.

Ursprünglich hier erschienen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des 3. deutsch-polnischen Programms für junge Filmkritiker/innen und –journalist/innen der 11. Ausgabe von filmPOLSKA

14:23 23.04.2016
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Geschrieben von

Hendrik Neumann

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