Heribert Süttmann

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RE: Luther ein Held? | 02.11.2016 | 19:40

Dass der Autor behauptet, die evangelische Kirche inszeniere eine Heiligenverehrung und vertusche die dunklen Seiten Luthers, entspricht nicht den Tatsachen. Der Autor weiß das sehr wohl, lügt aber. Niederträchtig ist es auch, die Kirche in die Nähe Hitlers zu rücken, mit welchem sie die Heldenbewunderung Luthers teile. Das ist kein Argument, sondern ein niederträchtiger Diffamierungskrieg.

RE: Die hässliche Seite des Brexits | 07.07.2016 | 09:26

Etwas wirr, zu kritisieren, dass die hässlichen Seiten des Brexit thematisiert werden, mit dem Argument, Xenophobie gäbe es ja schließlich überall. Ich finde so etwas einfach hirnrissig. Und auch ein wenig kindisch, denn Fremdenfeindlichkeit ist eine ernste Gefahr; es ist naiv, zu kritisieren, sie zu thematisieren.

Meiner Meinung muss es schwer beunruhigen, wenn die Bevölkerung einer Nuklearmacht, einer UN-Vetomacht, sich mit verlogenen Kampfargumenten und -Versprechungen (350 Mio mehr für unser NHL, und das wöchentlich) die Hucke vollügen läßt, und aus ihr das Kommando kommt "leave our country now"). England ist nicht mehr das "Mutterland der Demokratie", sondern eine Gefahr für den Weltfrieden.

Aber ich glaube, viele Zeitgenossen wollen dies einfach nicht wahrhaben, so wie aussie 42. Ihnen fehlt dann vielfach schlicht die Vorstellungskraft, dass es in Europa in 20 Jahren auch ganz anders zugehen kann. Die EU, der Euroraum zerfallen, die Nationalstaaten handlungsunfähig und heimgesucht von Bürgerkriegen.

Politisch realistisch kann nur derjenige Urteilen, welcher dieses Entwicklungszenario mit berücksichtigt.

RE: Religiöse Aufrüstung | 22.04.2011 | 15:33

Hamed Abdel-Samads in Buchform gefasste Untergangs-Prophetie "Der Untergang der islamischen Welt" verdient anhaltend Respekt, denn sie kam rechtzeitig und wurde auch mit einem informativen, gewinnbringenden Text für den interessierten, aber mäßig über den islamischen Bereich informierten westlichen Leser verbunden.
Abdel-Samads Wort zum Oster-Sonntag im Freitag schloss offenkundig an sein Buch an. Sein Appell für Religiöse Abrüstung veranlasst zu dem Wunsch; er möge es nicht übertreiben mit dem Spenglertum. Oswald Spengler war nicht der liebe Gott und misanthropische Eschatologie führt zu nichts.
Ich halte es für falsch, Religion als Nebensache abzutun und am liebsten evangelische Kitas dicht zu machen usw., wie es Abdel-Samad vorzuschweben scheint. Ich halte es überhaupt für falsch, Religion in Verbindung mit Niedergang oder Untergang zu bringen, und sie denselben säkularistisch zu weihen, wie es Abdel-Samad insinuiert. Diese Denke ist wirklichkeitsfern und provinziell. Vor allem verkennt sie, dass gute Religion unverzichtbar ist, und auch wahr.

Anstatt den Abrissbagger gegen die institutionalisierte Religion auffahren zu lassen, sollte Abdel-Samad lieber die Unterwerfung, am Besten Selbstunterwerfung der Religionsgemeinschaften unter die UN-Menschenrechtserklärung fordern. Konkret: Die Implementierung des Gender- oder des Diability-Mainstreamings ihres Führungspersonals. Zum Beispiel: Die Schwulen- und Lesben-Quotierung des katholischen Kardinalskollegiums oder des iranischen Revolutionsrates. Die Kanonisierung der UN-Menschenrechtserklärung und deren Implementierung als Interpretationsmatrix für Bibel oder Koran.
Schräge Ideen? Meines Erachtens nicht, denn so funktioniert Agendasetting, und zwar richtiges Agendasetting. Religion ist zu wichtig, um sie den anderen zu überlassen. Die Frage, ob staatliche oder kirchliche Kitas besser oder ob philosophische oder theologische Fakultäten besser sind, ist nämlich an und für sich nicht wichtig; auch wenn diese Frage vermutlich in Ägypten gerade verständlicherweise im Fokus des Interesses liegt, was der Hintergrund von Abdel-Samads Artikelbeitrag sein dürfte.

Wichtig ist, dass überall die Würde und die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen umgesetzt werden.
Institutionalisierte Religion, sofern sie diese Umsetzung leistet, ist richtig dringend nötig, zumal der Auftritt politischer Figuren wie Mubarak oder Ghaddafi darufhin nicht mehr vorstellbar sein würde.
Tatsache ist freilich, dass die institutionalisierte Religion, also die Religons- und Weltachauungsgemeinschaften (auch die humanistischen und säkularen übrigens) diese Umsetzung offen der versteckt verweigern. Und darüber muß die Auseinandersetzung geführt werden.

RE: Eine sonderbare politische Wallung | 18.04.2011 | 13:23

Hessels "Empörung" ist ein gebundene Empörung und keine inhaltsleere, wie von Robert Misik insinuiert. Und zwar im Übrigen weniger an die Resistance, sondern vielmehr an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN, an welcher Hessel bekanntlich massgeblich mitgewirkt hatte. Diese Empörung ist sehr wohl begründet und notwendig, denn ohne Menschenrechte keine Gerechtigkeit und kein Frieden.
Misiks Desinteresse oder Verachtung der Menschenrechte fällt vor diesem Hintergrund unagenehm auf. Sein Artikel richt ein wenig nach der Maxime: "Hauptsache, man benimmt sich ordentlich". Er riecht nach der totalitären Vergangenheit Deutschlands.
Ob Misik z.B. etwas gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern oder gegen Tötung von Kranken hat - wer weiß?
Ehrlich gesagt, mich interessiert die Antwort auf diese Frage auch nicht ...