HeribertSchramm

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RE: Schöne Seelen | 11.11.2012 | 13:44

Lieber Rudolf Walther,

ich bin immer wieder beeindruckt von der Themenbreite Ihrer interessanten Artikel. Eine winzige Korrektur: Sartre war Absolvent der Ecole Normale Supérieure, nicht der Ecole Nationale d'Administration, die erst 1945 gegründet wurde.

Heribert Schramm

RE: Die Täter-Opfer-Umkehr | 25.04.2012 | 15:05

Juliane Wetzel hat interessante und richtige Dinge geschrieben. Zugleich aber Fakten in Abrede gestellt, manche Schönfärberei betrieben und einiges weggelassen:

1. Juden üben „angeblich“ Druck auf Regierungen in den USA aus. Will J. Wetzel etwa die Aktivität einer jüdischen Israel-Lobby in den USA bestreiten? Über das diesjährige Frühjahrstreffen von AIPAC (American-Israel Public Affairs Committee) wurde in Deutschland ausführlich berichtet. Um ausgewogen zu bleiben: AIPAC wird auch von nicht-jüdischen Menschen unterstützt. Und nicht alle US-amerikanischen Juden erkennen sich in der Politik von AIPAC wieder.

2. Kritik am Vorgehen des israelischen Militärs in den Palästinensergebieten gehört zur Normalität in den deutschen Medien. Stimmt. Aber der Kern des Problems ist nicht das Verhalten der israelischen Besatzungstruppen. Sondern die Besetzung selbst. Seit 45 Jahren! Völkerrechtswidrig! Mit dem Bau immer größerer Kolonien israelischer Juden! Gerechtfertigt mit dem biblisch begründeten Anspruch auf Erez Israel.

3. Linke Diskurse mit einer zum Teil unwidersprochen einseitig propalästinensischen Haltung. Was heißt hier einseitig? Der Völkermord an den Juden verpflichtet uns Deutsche, für die Existenz des Staates Israel einzutreten. Er verpflichtet uns gleichzeitig zur Achtung des Völkerrechts und der Menschenrechte „als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ (Art. 1 GG) Wessen Recht wird denn aktuell mehr mit Füßen getreten? Wer ist heute Opfer? Wem muss – seien wir links oder rechts – unser Mitgefühl gelten? Es gilt den israelischen Opfern von palästinensischen (Selbstmord)-Attentaten. Aber ebenso den palästinensischen Opfern israelischer Bombenangriffe. Und wir übersehen nicht, dass der Zorn der Palästinenser gegenwärtig berechtigter, ihre Verzweiflung größer und die Zahl ihrer Opfer deutlich höher sind. Schürt, wer das sagt, negative Gefühle gegenüber Juden? Nein! Wenn hier jemand Schlimmes fördert, dann ist es die israelische Regierungspolitik der letzten Jahrzehnte.

4. Kein Wort zu den israelischen Atomraketen – kein Wort zur Erstschlagsdrohung gegen iranische Atomanlagen. Israel hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet – der Iran schon. Hat Israel deshalb ein Recht auf Atomwaffen? Möglicherweise ist es diesem Potenzial geschuldet, dass Israel seit 45 Jahren (!) unbehelligt fremdes Land besetzt halten kann. Hat Israel das Recht auf einen Erstschlag gegen die vermutete Produktion von Atomwaffen im Iran – mit dem Risiko, eine ganze Region in Brand zu setzen? Das Völkerrecht antwortet darauf mit einem klaren Nein. Es ist das Verdienst von Günter Grass, auf dieses Problem aktuell hingewiesen zu haben – wie vor ihm viele andere. Auch wenn Grass an mancher Stelle „Unfug“ (J. Augstein) schreibt: Sein Vorschlag einer Kontrolle beider Arsenale („des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen“) verdient Beachtung. Er wird darin von den 189 Mitgliedern des Atomwaffensperrvertrages unterstützt (s. Aufruf vom Mai 2010).

Ohne die genannten „Grauzonen“ hätte mich der Beitrag von Juliane Wetzel mehr überzeugt. Aber vielleicht hat sie sich an anderer Stelle dazu geäußert – oder holt es zu einem späteren Zeitpunkt nach.

RE: Neue Wege gehen, oder, ohne Fans läuft gar nichts | 23.11.2011 | 09:33

Habe ich da etwas nicht verstanden? Union Berlin baut ein neues Stadion. Die Fans leisten zehntausende Arbeitsstunden kostenlos. Und „dürfen“ zusätzlich die Erhöhung des Stammkapitals von 3,5 auf 8,5 Millionen finanzieren. Als „Gegenleistung“ für den Subbotnik. Was für eine großherzige Tat der Klubführung! Es erinnert an Tom Sawyer, der sich von den Kindern seines Dorfes den Zaun anstreichen lässt, dafür Geschenke kassiert und als Wohltäter gefeiert wird. Scherz beiseite: Es ist erfreulich, wenn sich ein Sportclub nicht als Heimstätte von Sponsoren versteht sondern als Einrichtung der Mitglieder und Fans. Wenn ohne die Letzteren allerdings weder das Stadion gebaut noch das Gesellschaftskapital aufgebracht werden kann, dann schuldet der Klub ihnen die Existenz. Ohne Fans kein Klub, ohne Klub kein Klubvorstand. „Nun gibt der Verein seinen Fans etwas davon zurück“ (Rolf Netzmann) stellt – mit Verlaub - die Wirklichkeit auf den Kopf!
Heribert Schramm

RE: Zwischenspiel in Marseille | 14.05.2011 | 19:33

Dieser Artikel ist etwas für Marseille-Kenner und Liebhaber der Geschichte. Er hat mir gut gefallen. Eine kleine Anmerkung: Marseille ist keine phönizische Gründung ("die alte kosmopolitische-'phönizische' Hafenstadt"), sondern griechischen Ursprungs. Die ersten Siedler stammten aus Phokaia an der kleinasiatischen Küste. Daher der Name "ville phocéenne".
Heribert Schramm

RE: Gut gemacht ist nicht gut genug | 21.06.2010 | 10:36

Ich halte nichts von einer „Operation Schlaraffenland“. Solange der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch Arbeit regelt, wird es kein müheloses Wohlergehen geben. Zumindest nicht für die Mehrheit der Bevölkerung und auf Dauer. Die Schwachen müssen geschützt werden, ihre Kinder gute Entwicklungsmöglichkeiten erhalten. Die Umverteilung des Reichtums von unten nach oben muss gestoppt, die Verursacher in Wirtschaft und Politik (schwarz, gelb, grün, SPD-rot) zur Verantwortung und Kasse gebeten werden. Die Alternative zur Ausplünderung ist nicht das BGE, sondern das Konzept eines verantwortlichen und nachhaltigen Wirtschaftens, welches Ernst mit der Vorgabe des Grundgesetzes macht: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

RE: Wir Bio-Heiligen | 17.04.2010 | 16:37

Jetzt hat es der Freitag den Ökos aber gezeigt! In Focus-Manier werden sechs Kritikpunkte abgehandelt, eingeleitet mit einem Wort zum Sonntag, pardon, zum Freitag, an dem Angela Merkel ihre Freude hätte: „Es ist nicht einfach .. aber den Versuch ist es wert.“

Kann sich Birgit Peuker vorstellen, dass es für den Campesino in Mittelamerika und seine Gesundheit sehr wohl von Bedeutung ist, wenn auf der von ihm angelegten Bananenpflanzung nicht Tonnen von Pestiziden vom Flugzeug aus versprüht werden? Weil er dort ökologisch wirtschaftet? Wo gibt es denn im Öko-Anbau den behaupteten Widerspruch und „Zynismus“, zunächst Pflanzen und Tiere zu schützen, dann erst den Menschen? „Pflanzenschutzmittel“ ist eine Wortschöpfung der Biozid-Industrie.

Diese synthetischen Wirkstoffe, die einzeln Krebs erregen, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, Allergien befördern, im Cocktail eingesetzt gänzlich unerforschte Konsequenzen haben können, sollen sich anschließend in Luft auflösen? Hat Katja Töpfer schon etwas vom Doping im Sport gehört? Dort hinken die Fahnder dem Erfindungsgeist der Biochemiker weiterhin zwei Schritte hinterher. Was man nicht sucht, kann man nicht finden. Dazu ein Beispiel aus der Landwirtschaft: Im konventionellen Getreideanbau wird Chlormequat seit Längerem als Wachstumsregulator eingesetzt. Niemand konnte sich vorstellen, dass dieses Mittel auch (verbotenerweise) beim Möhrenanbau benutzt wird. Bis zufällig auf diesen Stoff getestet wurde. Was leistet ein Halmverkürzer bei Möhren? Er hält das Grün länger frisch. Bei Bundmöhren ein wichtiges Verkaufsargument. Schön fürs Auge, schlecht fürs Immunsystem.

Wer wollte Anna-Lena Krampe widersprechen: Der von den Hard-Discountern geführte Preiskampf stellt ein echtes Problem da. Die Milchbauern können ein Lied davon singen. Es gilt aber auch: Das Aldi-Prinzip „konsequent einfach“ führt zu Organisationsformen und Abläufen, deren Ergebnis extrem niedrige Kosten sind. Nicht automatisch zu Lasten der Löhne. Damit werden Endverbraucherpreise möglich etwa für Bio-Bananen von 1,69 €/kg (aktuell: 1,59 €/kg). Ohne dass die Erzeuger in Lateinamerika weniger Geld bekommen muss als von den Vorlieferanten von „Basic“ oder „Alnatura“. Dort kauft man Bananen zu 1,89 €/kg bis 2,49 €/kg. Aldi und Co machen Bio-Produkte für größere Käuferschichten erschwinglich - und induzieren Umstellungen auf Öko-Anbau. Im Übrigen auch für deutsche Bio-Produzenten, deren Kartoffeln und Möhren in erster Linie von Discountern vermarktet werden. Die Lösung besteht nicht darin, gesundes Essen einer Elite („Mittelstand“) vorzubehalten. Der engagierte Naturkosthandel muss sich dem Wettbewerb stellen, seine Strukturen kontinuierlich effektiver gestalten und dabei eigenen Werten folgen. Etwa, indem er Bio-Milchbauern nicht 0,22 €, sondern 0,36 € bis 0,40 € für das Kilogramm Rohmilch zahlt und dem Endverbraucher den höheren Preis für „faire“ Bio-Milch erklärt. Die Upländer Bauernmolkerei in D-34508 Willingen (www.bauernmolkerei.de) und andere Initiativen zeigen, wie man so etwas erfolgreich macht.

Eine Super-Gegenüberstellung hat sich Kathrin Zinkant ausgedacht: „Wer kein oder wenig Fleisch … isst, schützt das Klima auch mit konventionellen Nahrungsmitteln effektiver als jemand, der täglich Lebensmittel und Fleisch im Bioladen besorgt.“ Man muss nur die Gegensätze erfindungsreich gestalten und schon hat man eine neue „Wahrheit“ als Argument gegen biologische, für konventionelle Produkte. Nach dem Motto: „Wer mit dem Fahrrad bei Aldi vorfährt und dort konventionelle Lebensmittel kauft, tut mehr gegen den CO2-Ausstoß als der Porsche-Fahrer, der eine 5-km-Spritztour zum Bioladen unternimmt, um ein Osterei zu kaufen.“ Der geneigte Leser fühlt sich verschaukelt.

Während man den Beiträgen von Claudia Langer und Michael Jäger eine Vertiefung gewünscht hätte, überrascht Toralf Staud den Leser zum Abschluss mit der bahnbrechenden Erkenntnis: „Es ist nicht verkehrt, Produkte zu kaufen, die weniger problematisch sind als andere.“ Vielen Dank für die Entlastung meines Gewissens! Wie ist es denn zu den politischen Beschlüssen gekommen, die der Autor lobt? Ohne Anti-AKW-Bewegung kein EEG-Gesetz. Ohne Bewegung für und Marktanteile von Naturkost kein Verbot von Hardcore-Pestiziden und auch kein Monitoring des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Ohne „Greenpeace“-Analysen keine Anforderungen von Aldi, Edeka u.a. an ihre Lieferanten, die erlaubten Rückstandshöchstmengen von Pestiziden deutlich zu unterschreiten. Folgt man T. Staud, hat die Graswurzel-Bewegung der Vielen, ohne und mit Bio-Einkaufsbeutel, ihre Schuldigkeit getan. Jetzt sollen die Politiker ran! Ein toller Beitrag in einer Wochenzeit, die sich sozialen Bewegungen verpflichtet fühlt.

Kein Wort zur Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit weltweit, einer der wichtigsten Zukunftsfragen der Menschheit. Zur Unterstützung der Subsistenzwirtschaft in Afrika, Asien und Südamerika durch das weltweite Netzwerk der Bio-Dachorganisation IFOAM. Zu den vielfältigen Aktionen gegen Gentechnik – ebenfalls einer Zukunftsfrage der Produktion von Lebensmitteln.

Keine Ahnung von den aktuellen Diskussionen innerhalb der Bio-Bewegung oder, wenn man so will, des Bio-Business. Denn natürlich gibt es auch hier kleine und große Fragen, die man kritisch untersuchen darf und sollte: Gehen Naturkost-Unternehmen fair mit ihren Erzeugern, Lieferanten, Mitarbeitern … um? Zahlen sie angemessene Löhne? Was tun gegenüber einem Bio-Palmöl-Produzenten in Kolumbien, der Kleinbauern von ihrem Land vertrieben haben soll? …

Dafür „kritische“ Beiträge, die sich entweder durch Unverbindlichkeit auszeichnen, eines dialektischen Besinnungsaufsatzes würdig (einerseits … andererseits), oder sich für eine Publikation im Webportal des Industrieverbandes Agrar e.V. (www.iva.de) eignen. Seines Zeichens Wirtschaftsverband der Hersteller von Pflanzenschutzmittel, Grüner Gentechnik, Düngemitteln und Verschiedenem mehr. Der Berg kreiste („Die Wahrheit über den Kult des korrekten Konsums“) und gebar ein Mäuschen – grau, nicht grün. Auf Enthüllungsstories dieser Qualität kann ich im Freitag getrost verzichten!

RE: Der Imam krächzt aus dem Lautsprecher | 14.03.2010 | 16:41

Darf ich auf eine Antwort der Autorin hoffen?
MfG
Heribert Schramm

RE: Der Imam krächzt aus dem Lautsprecher | 05.03.2010 | 20:41

Zwei Fragen an die Autorin:
1) Antonio Romero ist mir als spanischer Popstar nicht geläufig. Handelt es sich um den Künstler der Webseite "www.antonio-romero.es"?
2) Können Sie mir den Namen des Verbandes der andalusischen (Öko-)Landwirte nennen, dessen Vorsitzender Abd As-Samad ist?
MfG
Heribert Schramm

RE: Die nächste Runde | 04.08.2009 | 11:49

Sehr geehrter Jens Berger,
vielen Dank für Ihre Zwischenbilanz und Vorausschau auf die nächste Runde der Finanzspekulation. Das Bild von den Wölfen und Schafen sowie der Verantwortung des Schäfers hat mir gefallen. Ich habe zwei Wünsche:
1. Bisher hat niemand auf der politischen Ebene Verantwortung übernommen. Bleiben wir in Deutschland: Welche Entscheidungen von Regierung und Parlament haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich ein Desaster diesen Ausmaßes entwickeln konnte? Stichworte: Lockerung der Bilanzierungs- und Eigenkapitalvorschriften, Möglichkeit der Auslagerung in Zweckgesellschaften, Zulassung von Hedge-Fonds … Wann wurde entschieden? Wer saß in der Regierung? Welche Oppositionsparteien haben zugestimmt? Ich würde mir eine Zusammenstellung wünschen, um die Parteien im kommenden Bundestagswahlkampf mit ihrer Verantwortung konfrontieren zu können.
2. Diese Krise kennt nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Eine alte Börsenweisheit lautet: Geld verschwindet nicht, es geht nur woanders hin. Ich habe bisher noch keine Aufstellung gelesen, in welcher die Geldströme nachgezeichnet wurden. Ein Beispiel: Die Bank Lehman Brothers (LB) soll einen Schuldenberg von 200 Milliarden Dollars hinterlassen haben. Wer sind die Gläubiger? Wo ist das Geld geblieben? Etwa bei der Citibank D für die Vermittlung von LB-Anleihen? Bei den LB-Mitarbeitern und –Vorständen in Form von Gehältern und Boni? Bei den Aktionären in Form von Dividenden - bevor ihre Aktien wertlos wurden?
Wenn jetzt und in den kommenden Jahrzehnten Arbeitslose und Beschäftigte, Steuerzahler, Zeichner von Lebensversicherungen und Rentenfonds … die Zeche zahlen, möchten wir doch gerne wissen, wer davon profitiert. Die Opfer dieser gigantischen Ausplünderung sind zum Teil bekannt. Die Profiteure sollten ins Licht treten – oder dorthin gestellt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Heribert Schramm

RE: Blühende Wirtschaft | 03.08.2009 | 18:30

Sehr geehrter Autor,
schade, dass manche Details die Freude an der Lektüre mindern.
Nach dem (begründeten?) Vorwurf an J.M.Keynes, er habe mit dem "gesunden Menschenverstand" argumentiert, muten Sie selber dem Leser zwei Analogien als "Beweise" zu:
1. "Die Wachstumskritik ... will auf einen Kapitalismus ohne Mehrwert hinaus, was ungefähr so erfolgversprechend ist wie die Quadratur des Kreises."
2. Die Kritik des Wachstumszwangs "müsste allerdings durch die Kritik der bislang blind vorausgesetzten ökonomischen Formen konkretisiert werden, denn man kann den Pelz nicht waschen, ohne ihn nass zu machen."
Das weckt Erinnerungen an Weisheiten aus der Mao-Bibel. Sie sollten den Verstand des Lesers nicht verärgern und ihm überzeugendere Begründungen bieten.
Mit freundlichen Grüßen
Heribert Schramm