Hermanitou
27.04.2010 | 16:21 6

Das große Schweigen: Warum Griechenland durch die BRD bankrott wird

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hermanitou

Schäuble, Merkel und ihre Brüderles im Geiste weisen mit nacktem Zeigefinger auf die dummen Griechen. - Dabei hat ihnen die deutsche Regierung kräftig geholfen, Geld in immer noch mehr Rüstung zu stecken und sich zu ruinieren.

Griechenland ist der EU-Staat mit den – auf das Bruttoinlandsprodukt bezogen – höchsten Rüstungsausgaben überhaupt: etwa 4% des griechischen BiP werden für Waffenkäufe verwendet, von denen wiederum gut 30% auf Deutschland entfallen. Paradoxerweise wurde Griechenland jedoch trotz seiner prekären Finanzlage nicht etwa zu einer rigorosen Minderung des nationalen Rüstungsetats, sondern vielmehr direkt oder indirekt zu immer weiteren Waffeneinkäufen gedrängt.

Eine Minderung des griechischen Rüstungsetats sei es auch nur um die Hälfte (womit der Anteil auf das BiP bezogen im EU-Vergleich immer noch der höchste wäre) würde das staatswirtschaftliche Problem Griechenlands mit sofortiger Wirkung nachhaltig lindern. Offensichtlich liegt eine derartige Lösung jedoch nicht im Interesse jener “Partner”, deren eigene (Volks-) Wirtschaft zu einem erheblichen Anteil am Tropf gerade dieser Rüstungsexporte hängt.

Die EU-Kommission soll schon im letzten November in einem Memorandum eine Halbierung der griechischen Rüstungsausgaben vorgeschlagen haben. Das mag sein, aber die großen Euroländer scheinen von diesem Vorschlag nichts gehört zu haben. Vor allem Deutschland und Frankreich drängen die Athener Regierung seit Jahren massiv zum Ankauf ihrer Panzer, Kampfflugzeuge und Fregatten.


  • Beispielhaft ist hier der Deal, der noch am 18.03.2010 über die Bühne ging:

Im Jahr 2000 hatten die Griechen in Deutschland vier U-Boote im Wert von 2,85 Mrd. Euro gekauft. Jetzt wurde der letzte Teil des Handels abgeschlossen: Die Griechen übernehmen ein angeblich problematisches U-Boot des Typs 214 mit dem Namen "Papanikolis" . Zudem sollen drei weitere U-Boote vom Typ 214 vollendet werden und an Griechenland gehen. Statt der Modernisierung von drei alten U-Booten des Typs 209 erhalten die Griechen zusätzlich zwei weitere 214-U-Boote .

Darüber - und wie die deutsche Rüstungsindustrie daran beteiligt ist, sowohl Griechen wie den Türken milliardenschwere Aufträge aufzuschwatzen, weil diese ja sich feindlich gegenüberstehen, darüber ist derzeit von der Bundesregierung nichts zu hören.

Quellen:

www.blog-n-roll.net/die-griechenland-luege-bailout-fuer-banken-und-ruestungsindustrie/

www.go2hellas.net/griechenland-blog/tag/ruestungsausgaben/

www.handelsblatt.com/newsticker/unternehmen/auftraege-athen-streit-um-deutsche-u-boote-fuer-griechenland-beigelegt;2548497

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (6)

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sachichma 28.04.2010 | 13:17

Naja, das Problem mit dem U-boot-Verkauf ist erledigt, seit die Werft verkauft wurde (wollte eigentlich etwas dazu schreiben, weil der CEO der Dubai-Investmentfirma die die Werft gekauft hatte, plötzlich in Marokko durch einen Absturz mit seinem Sportflieger von uns geschieden war, aber das interessiert eh niemand hier). Jedenfalls, wenn Armee-Angehörige in Griechenland in fast jugendlichem Alter in Rente gehen um sich Tomaten- oder Wein-Anbau hinzugeben, bedarf es vor allem strukturellen Veränderungen in Griechenland.