Die nicht ganz neue Leipziger Schule

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Was zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als experimenteller Versuch der künstlerischen Selbstvermarktung galt, hat sich im Lauf des Jahrhunderts zum Standardrepertoire des Kunstbetriebes entwickelt: Die Organisation und Imageprofilierung in Künstlergruppen. Was mit der "Brücke" und dem "Blauen Reiter" begann, setzte sich mit den Futuristen, Dadaisten, Surrealisten und vielen anderen Künstlergruppen fort. Um die Jahrtausendwende zum 21. Jahrhundert repräsentierten markttaugliche Labels wie die "Young British Art" oder die "Neue Leipziger Schule" über den globalen Kunstmarkt perfekt inszenierte Künstlergemeinschaften, die relativ schnell kommerzielle Erfolge aufweisen konnten. Ausgangspunkt der Neuen Leipziger Schule ist die 1764 in Leipzig gegründete Kunsthochschule, die als eine der renommiertesten in Deutschland gilt und für eine besondere Tradition der figurativen Malerei bekannt ist. So brachte die Kunsthochschule in Leipzig einige der bedeutendsten figurativen Maler der ehemaligen DDR hervor, unter anderem Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Arno Rink. Im Zuge der Diskussion um die zeitgenössische figurative Malerei scheint jedoch das Medium der Malerei für sich genommen schon zu einem Markenzeichen geworden zu sein. Die zeitgenössische figurative Malerei wird oftmals alleine schon deswegen zum Besonderen erklärt, weil Verblüffung herrscht, dass überhaupt noch figurativ gemalt wird. Diese künstlerische Geste symbolisiert somit den Widerstandsgeist in einer Zeit, die sich unlängst der Bilderflut der modernen Medien gebeugt hat. Sie greift eine Tradition auf, wo es früher doch eher für den Künstler selbstverständlich war, mit dieser Tradition brechen zu müssen. Nicht selten wird solchen Malern daher der Vorwurf des Konservatismus oder Reaktionären gemacht, was letztendlich immer genügend Spektakel bieten wird, damit die figurative Malerei in der zeitgenössischen Kunst einen festen Platz behalten wird.

19:48 12.09.2010
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Geschrieben von

Herr Kunze

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