Junge Wilde ohne Kultur?

Mulatschag: Nach Monaten der Enthaltung, ein Resümee.
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Nichts geht mehr. Seit Ewigkeiten dürfen die Klubs wegen ‚‚Corona“ nicht mehr auflegen. Zunehmend spitzt sich die Lage nicht nur bei den Betreibern, sondern auch bei den Feierbedürftigen zu. Was vielleicht ein bisschen wie ein „Witz“ wirkt, ist bitterböser Ernst.

Abseits vom anstrengenden Alltag entfaltet die abendliche Eskalation ein freiheitliches give-a-fu**-Gefühl“, welches mit fast nicht anderem zu vergleichen ist. Sogar aus psychologischer, medizinischer und sozialer Hinsicht soll „feiern“ tatsächlich positiv sein. Das Zusammensein, sich einfach mal gehen lassen und die Gedanken wie im Karussell drehen lassen, ermöglicht perfekt die Aktivierung von Glückshormonen und stärkt gleichzeitig die persönliche Interaktionskompetenz.

Aber all die guten Aspekte bleiben im Moment gänzlich auf der Strecke. Und zwar schon ziemlich verdammt lange.

Das macht sich in der Tat auch derzeit in der Verhaltensentwicklung bemerkbar. Aggressivität, Missverhalten und abnorme Gewohnheiten gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Die Ursache lässt sich, ob es glaubhaft erscheint oder nicht, auch in der fehlenden Möglichkeit, mal richtig „abzurocken zu können, finden.

Der Drang nach dem „Ausbrechen und der Versuch der „Ablenkung“ wird blockiert.

Jetzt aber mal bitte „Butter bei die Fische. Wen interessiert sowas denn überhaupt? Anscheinend (fast) niemanden. Dabei ist die „Clubszene auch ökonomisch ein relevantes Thema. Laut einer Studie des Verbandes der Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter e.V. (Clubcommission Berlin) erwirtschaftet alleine die in der Landeshauptstadt ansässige Klub­sze­ne im Jahr 2018, einen Umsatz von 1,48 Milliarden Euro. Quasi Wahnsinn und zeigt ganz klar wie immens bedeutsam dieser Wirtschaftszweig eigentlich ist.

Gefühlt, wenn nicht auf den Punkt gebracht, gab es in der Vergangenheit keine Alternativlösungen der Bundesregierung und Länder, das kulturelle Klubleben an der beständigen Existenz zu halten. Was dies zum Beispiel auch aus monetärer Sichtweise für die Eigentümer und auch Künstler bedeutet, zeigt eine „Dokumentation“ des Südwestrundfunks unter journalistischer Aufarbeitung des Rottweiler Deutsch-Rappers „Galv“. Dabei äußert sich auch der Hamburger Sprechgesangskünstler „Samy Deluxe“ und verdeutlichte, dass besonders „Die kleinen Sprungbretter, wo sich im Idealfall der Skill entwickelt ...“, einen signifikanten Stellenwert in der zukünftigen musikalischen Formung einbringen. Dabei von ihm gemeint sind vor allem die kleinen „Locations“, die mittlerweile vom „Aussterben“ bedroht sind.

Als „Exempel“ angeführt das „about blank“ aus Berlin-Friedrichshain. Ein genossenschaftlich organisierter betriebener Klub (Elektro & House-Musik) mit 120. Aushilfen und Angestellten und einem Umsatz im Jahr 2019 von zwei Millionen Euro, der „hilfsbedürftig“ durch eine „Crowdfunding-Kampagne“ gerade so 130.989 Euro, die Hälfte des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat an Spenden sammeln konnte und zusammen mit dem Kurzarbeitergeld eine so realistische Überlebenschance kristallisiert hat. Trotz bewilligten Stundungen betragen die Fixkosten immer noch 12.000 Euro pro Monat, die zum Glück mit staatlicher Überbrückungshilfen erst mal gesichert sind. Sollten darüber hinaus allerdings mehr Kosten anfallen, wäre auf die Zukunft gesehen definitiv aber Schluss.

Zu wenig Millionäre. Ein Fakt für die allermeisten Künstler in der Musikbranche. Die Annahme das alle „Kohle scheffeln“ würden ist nichts als „Gerede“ ... Wieso? Es gibt jede Menge #Artists die unabhängig von großen Plattenfirmen agieren und selbstverantwortlich ihr „Business“ gestalten müssen.

Lasst uns nachdenken und hoffen, das demnächst alles besser wird. Punkt!

Mit ♡ verfasst von Angelo Dönges (Digital-Journalist).

02:04 05.05.2021
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