Für eine transfeministische Volksbühne!

Nach dem Provisorium Nach #metoo kann und darf die Volksbühne künftig nur noch von Frauen geleitet werden, die sich allen Patriarchalismen des Theaters entziehen.
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Berlins Kultursenator Klaus Lederer führt Hinterzimmergespräche über die künftige Leitung der Volksbühne. Die Verschwiegenheit entspricht den Gepflogenheiten und der Rücksichtnahme auf großkünstlerische Egos. Die Stars der Regie und des Geniekults wollen diskret umworben werden. Dabei ist doch eigentlich allen klar: die Volksbühne als paradigmatisches Zentrum deutscher Theaterkultur kann nur noch von einer Frau geleitet werden, die sich den Patriarchalismen dieser Tradition entzieht und ihnen auf der Ebene der Intendanz eine entschiedene feministische Grundhaltung entgegensetzt.

Insbesondere gilt es, gerade an diesem Traditionshaus mit seinen männerdominierten Gewerken und stilbildend machistischen Handgreiflichkeiten die sexistische Übervaterfigur des Künstler-Indendanten zu zertrümmern, den Nexus aus Phallokratie und Kunstheiligtum zu entzaubern.

Die Volksbühne, dieses Proszenium des männlichen Egos und seiner amazonisch verbrämten Verachtung von Weiblichkeit, muss zu einer geistigen Heimat der großartigen Frauenbewegung in diesem Land und, ja, zu einem Tempel des Feminismus, zu einem intellektuellen wie spirituellen Zentrum der Genderrevolution und -wissenschaft, zu einem Hort der queer-, trans- und postsexuellen Antipatriarchats-Praxen werden.

Wir müssen die Scheu vor der Priesterherrlichkeit des Hauses, vor seiner Geschichte und protofaschistisch-phallischen Architektur überwinden, denn diese Scheu ist unschwer als heteronom rationalistische, männerzentriert gesteuerte Selbstbeschränkung aller nichtweißen, nichtmännlichen Subjekte zu erkennen.

Die Volksbühne muss Frauenkörper werden, Trans-Garten antisexistischer, antipatriarchaler Seinsweisen in den Performance-Künsten. Gerade auf dieser kalten Massenbühne unterhaltungsindustrieller Verlorenheit mit ihren bisher meist herumhampelnden, herumbrüllenden, sich obszön auskotzenden, selbstmitleidig egozentrischen, Weltschmerz verbreitenden Männerprojektionen gilt es, der Intimität ihren Raum zu geben und eine Sphäre der Vertraulichkeit, der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung, der verbindlichen, der verletzungsfreien Sprache zu schaffen. Hier müssen kollektive Rituale der Geschwisterlichkeit statthaben. Hier muss eine nährende matriarchale Sphäre werden. Hier mehr als irgendwo ist die machtgeile Schau- und Protzlust der Männersubjekte irreversibel zu kastrieren!

Gerade an der Berliner Volksbühne, diesem von Piscator bis Castorf antikapitalistisch-konformistisch geschundenen theatralen Leib, kann und muss es gelingen, die von ihrem Ursprung bis zu ihrer heutigen neoliberalen Ausprägung versklavende Strukturkette Agora-Markt-Bühne zu sprengen!

Machen wir Schluss mit der männlichen Regiediktatur! Der Regisseur als Diktator ist auch so ein Meister aus Deutschland. An der Volksbühne muss jetzt die Stunde Null eines Theaters schlagen, das mehr ist als ein lärmender, schwanzfuchtelnder Kommentar spätkapitalistisch Befindlichkeiten, mehr auch als schaulüsterne symbolische Unterwerfung und das höhnische Verlachen, auch Humor genannt, ihrer Opfer. Das geht nur mit einer Berliner Volksbühne als Hort und Heimstatt transfeministischer Theaterpraxis.

09:56 12.12.2018
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