Heiner

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RE: Den Statusverlust abwehren | 02.12.2015 | 20:41

Zwei Gegenzitate - aber aus dem Diesseits..

"Are you a feminist?" "Yes, what else is there to be? Everything else is being an asshole" Saman Rushdie, Autor

"People won't listen to you or take you seriously until you are an old white man, and since I am an old white man I'm going to use that to help the people who need it. > Defend rights for women and girls" Patrick Stewart for Amnsetsy International

August Bebel ...ernsthaft? Und wenn man schon was Sexistisches Posten will, nimm lieber Rousseau oder Schoperhauer - nur als Tipp von Feminist zu Sexist alias Chauvi.:)

Und immer wenn ich das alte "Stillen/ Muttermilch" Argument höre: oh ManN...das ist so "abgelutscht" ("alte Männer"-Argument, nenne ich das immer) - als ob ich argumentieren würde: warum haben Männer dann Nippel, warum läuft da nicht wenigen von ihnen in der Pubertät Milch raus etc.?Wollen wir uns wirklich auf dieser unproffesionellen Biologistenschiene argumentativ bewegen? Habt ihr nicht mehr drauf? - auch die Maskulinisten da draußen - ich bin echt enttäuscht...da ist es ja intellektueller mit Neonazis über den Holocaulst zu debattieren.

1. Jede 3te Frau und jeder 3te Mann - also jeder dritte Mensch in BRD - bekommt NIE ein Kind - empirisch betrachtet - d.h. Frau/ Mann-Sein ist Elternschafts-unabhängig - nach traditioneller Sicht wohlgemerkt (für die ach-so-böse Konstruktivistische Sichtweise gibt es eh kein komplementäres Zweigeschlechtermodell, jede "biologische Vorstellung" wird kulturell verhandelt, aber wir wollen es nicht zu kompliziert machen) - d.h. deduktiv/ folgerichtig: Stillen oder Nicht-Stillen hat mit grundsätzlichen Geschlechterhierchien nix zu tun, außer vllt in soziale hinkonstruierter Hinsicht.

2. Auch Fortpflanzung und Geschlecht (als Sexualität) zu koppeln und immer vermischt zu debattieren ist eine soziale Entscheidung, gegen die im Übrigen nicht Weniges spricht (https://www.youtube.com/watch?v=DRsrYi-wXro, ab ca. Minute 35 ff., aber nix für die Einfach-Denker unter uns, bleibt beim Nippelargument).

Hinzu kommen all die Mütter, die nicht stillen, aus welchen Gründen auch immer, bleibt ihnen ja überlassen. Die fallen also auch raus aus der gesamtmenge an Menschen...

Aber es ist ja auch irre einfach bzw. zeugt nicht grad von analytischer "Manneskraft" (sorry, kann ich mir grad nicht verkneifen ;)), das Still-Argument als Totschlägerargument/ Legitimierungshintergrund für jede Männerpriviligierung zu nutzen, alle gläsernen Decken, und jedes noch so konstruierte asymmetrische Geschlechtermodell zu rechtfertigen - epistemologisch ganz schlecht aufgezogen, sieht auch jede*r einigermaßen geschulte Mensch (ja, mit Gender-Sternchen ;)).

Es ist einfach und vorallem richtig plump-dumm zu behaupten: "ich kann nicht stillen, deshalb werde ich zu recht mit einem goldenen Löffel im Arsch geboren" - und sorry, bevor sich Krümmel & Co gleich privat/persönlich auf den Schlips getreten fühlen - nicht "reale Männer" sind gemein - die "männliche Subjektposition in der symbolischen Welt" ist gemeint, die wir uns alle nicht aussuchen - deshalb sind ja so viele intelligente Männer Feministen. Die checken zufällig, dass auch sie durch Rollenklischees, die sie sich nie ausgesucht haben, in die auch sie einfach geboren wurden, ihrer Freiheiten beraubt werden - z.B. ihrer familiären Pflichten/ Rechte (kommen immer zusammen) - nicht umsonst bereuen Männer empirisch nachweislich auf dem Sterbebett nichts mehr, als die Familie vernachlässigt zu haben für wichtige Vollzeitjobs. Oder ihre Schwierigkeiten, zum Chef zu sagen: sorry, kann nicht, habe meine Tochter zurzeit. etc. - auch wenn ihre Diskriminierung im symbolischen System asymmetrisch verläuft - aber ja: ich behaupte: Ja, reale Männer sind auch Opfer patriarchaler Strukturen, auch wenn sie das erst erkennen, UND sind gleichzeitig priviligiert in der sozialen Welt Frauen gegenüber - und beide Geschlechter reproduzieren diese Semi-Paradoxien auch noch ständig. Ja, das ist eine dialektische Herangehensweise und keine plump dualistische. sorry. but the reality is complex.

Aber erst wenn Männer sich nicht mehr als Opfer von Feminismus verstehen, löst sich die Paradoxie etwas auf: es geht um den "Einschluss Ausgeschlossener" beim Feminismus oder im Kern jeder "Emanzipation", da sehe ich in beide Richtungen Bedarf: Einschluss der Männer in Hausarbeit/ volle, ja vollkommen volle Kinderbetreeung (ja, ihr habt Nippel, ihr müsst auch putzen, um diese Un-logik zu vollenden, übt es, es ist lernbar ;)) Und wer einfach keine Nippel hat, kann ja trotzdem putzen, die braucht man dabei gar nicht soooo oft...:)

Wer 6 Monate stillt, warum auch immer, kann die 14 monate Elternzeit ja trotzdem 50/50 aufteilen - so nach mathematischen Grundregeln, die noch nicht wiederlegt wurden, zumindest...

Ein noch anderer Blickwinkel:

http://jochenkoenig.net/2015/11/23/warum-das-vatersein-vor-mir-beschuetzt-werden-muss/

auch folgende Studie kann ich empfehlen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hirnforschung-maennerhirn-frauenhirn-menschenhirn-a-1065239.html

PS. dieselbe Debatte gab es schon mal um die Jahrhundertwende (1900) unter rassiologisch darwinistischen Perspektiven - und da kam natürlich raus: schwarze Männer haben kleinere Hirne als weiße Männer > Legitimation zur Sklaverei blabla...alles wissenschaftlich erwiesen - schon klar...dieselbe Debatte hält 100 Jahre später immernoch bei Gender an...Konklusion: in Hundert Jahren werden Genderthemen überhaupt erst ernsthaft diskutiert werden können. Es gibt weder eine dichotome Rasse (schwarz- weiß, nix dazwischen) als soziale oder biologische Kategorie, und dasselbe gilt fürs Geschlecht. Aber klar, die Gender-Leute sind halt die Giordano Bruno's unserer Zeit - und die kopernikaniche Wende braucht eben seine Zeit - also ab auf den Scheiterhaufen mit uns: „Maiori forsan cum timore sententiam in me fertis quam ego accipiam“

RE: Die Opfer-Logik | 28.08.2015 | 19:11

Hahaha, was hier über diese bestimmte Männergruppe (sind ja nicht alle so blind vor Selbstliebe) gesagt wird, ist zu 100% richtig - und besonders schön, wie die Kommentare das auch noch empirisch stützen, während sie parallel empirische Nachweise fordern. Genial...was auch schön ist, wie manche wirklich nicht in Soziologie (oder irgend einem anderen geisteswissenschaftlichen Bereich) geschulten Köpfe sich hier durch eigene Kommentare auch noch als Maskulinisten (mag das Wort lieber) outen. Liebe Autorin, Glückwunsch für dieses Schachmatt. Femisnismus, Islamismus - alles wird über einen Kamm geschert und stützt die These über Breivik nochmals empirisch. Liebe heterosexuelle weiße Männer - ihr könnt heterosexuell und weiß sein, ohne Euch als völlige Schwachköpfe, Misogyne und Homophobe zu outen - ich bin männlich, weiß, hetero - und trotzdem Feminist! Und zu sagen, 2500 Jahre äußerster Diskriminierung (Tod, Folter etc. inklusive) könnte in 10 jahren Feminismus ins Gegenteil umschlagen, ist echt gedanklich schwach. Sehr unmännlich von Euch! Fangt mit Thaiboxen und Philosophie lesen an - dann flutschts auch in der Rübe! Entunterwerft Euch aus Euren normativen Zwängen. Fangt bei Butler, Zizek und Foucault an. PS. das natürlich gerade Väterrechte in BRD schlecht ausfallen, ist Teil einer patriarchalen logik, die bis in die tiefsten Tiefen des juridischen Diskurses gehen - denn Mütter sind da ja besonders hochgestellt - ist ja Frau's biologischer Determinismus aus patriachaler Sicht - der Feminismus will auch Mann aus seiner Normierung durch heteronormativen Geschlechterrollen heraus befreien! Anstatt ihn zu bekämpfen, schließt Euch dem Kampf um absolute Gleichberechtigung an - was auch impliziert, dass natürlich Männerquoten in Kindergärten etc. herrschen! Geht mal auf eine Metaebene darüber, dann lösen sich viele Paradoxien auf!