Schule der Zukunft

Tablet statt Tafel Werden Schulen ein lukrativer Absatzmarkt für die Computerindustrie?
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Die türkische Regierung will bis 2015 für die Schulen 15 Millionen Tablet-Computer kaufen. In Südkorea soll es bald alle Schulbücher als eBooks geben. In Holland wurden zu Schuljahresbeginn 2013 erste iPad-Schulen eröffnet. Ebenso in den USA.

Riesige Chancen für die Bildung auf einem neuen Level – so lautet die Parole.

Kinder, Jugendliche und Schulen sind ein Absatzmarkt für die Computerindustrie, der den vollen Einsatz aller Marketinginstrumente lohnt. Und: Technik und Programme veralten schneller als jedes Schulbuch, daher ist Neuanschaffung in kurzen Abständen erforderlich, will die Schule auf der Höhe der Zeit sein. Da reiben sich die Aktionäre von Apple und Co. die Hände.

Wie also sieht die Schule der Zukunft aus?

Eine Klasse, in der jeder Schüler und jede Schülerin ein iPad vor sich hat, die Lehrperson ebenfalls, und jede(r) arbeitet selbstständig vor sich hin? Oder können Schüler und Lehrer gleich zu Hause bleiben und alles Lernen dort erledigen? - Sicher nicht.

Was ändert sich allein schon dadurch, dass nicht jede(r), sondern immer zwei, drei oder vier Schüler oder Schülerinnen einen Computer zur Verfügung haben? Da muss miteinander geredet werden, da muss man sich verständigen, da wird gemeinsam ein Ergebnis erarbeitet.

Ob Lernen gelingt, ob Teamfähigkeit, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit trainiert werden, dazu ist Lernorganisation erforderlich. Für alle ein iPad – hört sich vielleicht zunächst gut an, ist aber geradezu kontraproduktiv.

Also: der Lehrer gibt eine Einführung in die Thematik. Gern mit Einsatz einer Whiteboard-Tafel, auf der er seine Skizzen machen, seine Powerpoint-Präsentation zeigen oder kurz Seiten aus dem Internet vorführen kann. Fragen werden geklärt. Danach wird in der Lerngruppe ein Arbeits- und Aufgabenprogramm mit Zeitplan erarbeitet. Die einzelnen Aufgaben werden auf Kleingruppen verteilt. Die Kleingruppen arbeiten selbstständig mit allen möglichen Medien, z.B. auch mit O-Ton-Interviews in der Stadt. Falls es Probleme gibt: der Lehrer steht als ständiger Berater (modern auch: Coach oder Mediator oder …) online und/oder offline zur Verfügung. Die Kleingruppen tragen ihre Ergebnisse zum vereinbarten Zeitpunkt vor – mit Unterstützung aller möglichen Medien.

Die Lernorganisation, die Motivation, die gemeinsame Arbeit, der Spaß am Lernen – das bringt's. Ein iPad für alle wird nicht gebraucht, allenfalls einige PC und Notebooks für die gesamte Gruppe als Arbeitsgeräte. Na ja, eventuell noch das eine oder andere iPad, wenn's denn sein muss – gebraucht wird’s nicht unbedingt.

13:36 23.06.2014
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Geschrieben von

hessisch-sibirien

ein Reisender - nicht nur auf dem Weltmeeren
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