Bundes-Journalismus-Kammer

Gewaltenteilung, 4.0 „Wie kann eine Gesellschaft ohne guten Journalismus überleben? … gar nicht“, apokalyptiert Frank Schirrmacher. Sollten wir also die ‘vierte Macht‘ gesetzlich verankern?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

„Wie kann eine Gesellschaft ohne guten Journalismus überleben?“, fragt Frank Schirrmacher, FAZ-Herausgeber und scheinbar öffentlich bestellter Abendland-Besorgter, in seiner jüngsten Enyzklika Das heilige Versprechen [Zukunft des Journalismus]. Er beantwortet sich am Ende diese natürlich rhetorisch gemeinte Frage selbst: „Jetzt, wo sich leider auch immer mehr Journalisten ihre sozialen Prognosen vom Silicon Valley und der Wall Street schreiben lassen, riskieren wir eine ganz einfache und ebenso gelassene Vorhersage: gar nicht.“

Nehmen wir diesen Befund mal ernst, dann meint er doch im Umkehrschluß: Im diskursiven Zweifel – und diesen Zweifel mahnt Schirrmacher ja an – muss die Gesellschaft ihren (Qualitäts-)Journalismus schützen. Aber wie? Am besten, ihn als Grundversorgung definieren, wie Strom, Straßen, Wasser. Und ihn dann folgerichtig als unprivatisierbare Auf-Klär-Anlage staatlich ermöglichen, versorgen und ganz in Ruhe „machen lassen“. Ob das allerdings angesichts derzeitiger Schelten gegenüber öffentlich-rechtlichen Anstalten und Gebühreneinzug eine Mehrheitsmeinung findet?

Doch die Alternative heisst Schirrmachers Ausführungen zufolge offenbar (und kaum mehr ausweichlich), den Journalismus dem Neoliberalismus zum digitalen Fraß vorzuwerfen. Das will ja keiner. Daher wäre ich für eine gesetzliche Festschreibung des Journalismus in die Gewaltenteilung, als 4.0-te Macht: neben Legislative, Exekutive und Judikative dann die (bin kein Lateiner) Docerative, die aufklärende Macht. Mit wirklich unabhängigen Institutionen, wie es die Gerichte sind. Und mit einer Art Bundes-Journalismus-Kammer, besetzt mit den besten Journalisten, Redakteuren und Herausgebern, im Sinne von Weitsicht, Neutralität, Leumund, Richterlichkeit. Mit Sitz in … hmm … , klar: Frankfurt/Main. Na, wär das nicht ein Posten, Herr … … (Namen bitte ganz nach Bedarf einsetzen ;-)

12:55 26.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

hest

Journalist, Autor, Referent, Lehrkraft, Freischreiber. Wanderer & Wunderer in Sachen Medienkultur
hest

Kommentare 8

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community