Zurück zur Ganzzahligkeit

Digitalisierung und KI Im Anfang war das Wort ein unbestimmter Anfang, ein kluger Anfang ...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Zurück zur Ganzzahligkeit

Eins, zwei, viele,.. so zählt die Dachsmutter in Faladas Kinderroman ihre 5 Kinder. Das Rührende an der Geschichte ist die dunkle Erinnerung, dass es bei uns auch mal so gewesen sein muss. Und die Archäologie gräbt Beweise dafür aus. Im Anfang war das Wort. Nicht am Anfang, sondern im Anfang. Damit wird das ein unbestimmter Anfang, ein kluger Anfang und geht weiter mit der Vorantreibung der Digitalisierung. Anlass genug daran zu erinnern, dass es nach heutigem Stand immer noch was dazwischen gibt, aber der Reihe nach:

Nach dem unbestimmbaren Anfang wurden aus dem Wort viele Wörter und da waren sicher bald die Worte 'Eins' und 'Zwei' dabei mit dem mitgedachten Wort 'Viele'. Das Hinausdrängen des Worts 'Viele' ist dann ja nur noch 'Eins und Eins zusammenzählen' und damit ist dann auch das Weltbild der Ganzzahligen umrissen. Bis Zehn ist vollkommen logisch, nimmt man die Zehen dazu reicht's bis 20. Schafft man den Trick mit dem Zweiten, der mitzählt, wie oft der Erste wieder beim Daumen anfängt, zählt man bis zu 400 Schafe. 400 Schafe fressen täglich eine Weide von ? Jetzt müsste man wurzelziehen, geht aber auch so, ungefähr. Von 20 Schafen weiß man's und den Rest kann man sich ja zusammendenken.

Eine Weide ist selten rechteckig, eine erdachte ist das schon. Und dann sind wir bei Pythagoras. Das ist ein Philosoph und der hat die Menschheit damit beunruhigt, dass sowas Einfaches wie die Diagonale nicht mit den Fingern...Also ganzzahlig und Wurzelziehen, das geht nicht. Ist bewiesen. Immerhin brauchen wir es nichtmehr zu versuchen. Und den Nichtphilosophen ist eh klar, dass zwischen den Wörtern etwas ist, was nicht in Worte zu fassen ist. Die Falle in welche der Philosoph hier leicht tappt, nennt er selber Rekursion, aber aus dem Dilemma, dass zwischen den ganzen Zahlen auch den rationalen (falls jemand noch weiß was das ist) immer was dazwischen ist, kommt er nicht raus.

Zumindest nicht bis zur Erfindung der virtuellen Realität. War die Erschaffung erdachter Welten früher auf Lego beschränkt ist die Grenze zum 'Viele' mittlerweile so weit fortgeschritten, dass die Klötzchen-Welten aussehen wie echt. Zumindest wesentlich greifbarer wie jene Welt welche die Philosophie erzählt. Was dem Ganzzahligen sein 'Viele' ist dem sprachlich Definiertem sein 'Irgendwas'. Beide Wörter unterstellen eine Diskretisierbarkeit die alles andere als bewiesen ist, aber einen Satz ohne Substantiv können wir (Deutschen) nicht denken. Wir Bayern übrigens schon und ich vermute auch die anderen Dialekte haben sich die Zwischenräume herübergerettet.

Seit dem Beweis, dass sowas Einfaches wie der Kreis irrational ist (also π im Unterschied zu 3.14), mörtelt die Philosophie das verlustig gegangene Fundament mit erdachten Steinen aus dem Bereich Ethik und Moral auf. Nun ist aber der Nachhall von Platon und Descartes so nachhaltig, dass die irrationalen wie die rationalen Zwischenräume jenes ganzzahligen Gitters, genannt VR, mitgedacht werden. Dachten wir! Zumindest von den Vernünftigen.

Wenn wir uns da mal nicht irren. Wir sollten es besser wissen. 'Digitalisierung' ist ein Begriff der nichtmehr hinterfragbar ist, wie der Begriff 'Arbeit'. Der ist auch vollkommen losgelöst. Egal was dabei rauskommt, Hauptsache Arbeit! Schlimmer noch, während beim Begriff 'Arbeit' zu dämmern beginnt, dassnur noch CO2 produzieren möglicherweise sinnlos ist, ist dieser Gedanke bei der Digitalisierung noch unmöglich. Diese Selbstdefiniertheit ist der Garant, dass Fragen nach Ethik, Moral und Intelligenz ausgeblendet werden, wenn sie sich nicht im Virtuellen bewegen. Ganz abgesehen davon, dass diese Fragen eh nur schöngeistiger Natur waren und sind.

Bestes Beispiel: KI oder künstliche Intelligenz. Die Frage nach Intelligenz ist ausgeblendet, überdeckt durch jene, die sich auf die künstlich hergestellte beschränkt. Womit man sich auf die Erkenntnis zurücklehnen könnte, es eh schon immer gewusst zu haben, wenn es nicht so gefährlich wäre. Und dabei muss man nicht die physische Macht der Idee, welche die Massen ergreift bemühen, sondern das richtige Wort finden, nämlich 'BigData' statt 'KI'. Das wird immer synonym verwendet, lenkt aber gezielt ab von der Tatsache, dass immer weniger immer mehr wissen und das in einem Ausmaß, der mit Bildungspolitik überhaupt nichts mehr zu tun hat, sondern mit dem Besitz von Informationen. Die Verarbeitung von Informationen kann man lernen, den Besitz nicht. Diese Tatsache ist bitter und nicht so lustig wie autonomes Fahren, oder (herunter)Fliegen.

Digitalisierung heißt zurück zum einfachen ganzzahligen Weltbild für die Masse und Besitz von komplexen Informationen für wenige. Die werden dann ihre Schlüsse, mit eigenen ganz und gar unvirtuellen intelligenten Hirnen fällen und diese Schlüsse einem breiten interessierten wohlwollenden Publikum in einem nichtabreissenden Downstream artgerecht mitteilen. Zumindest im Kapitalismus wird das so sein.

09:46 09.05.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare