Massentier- und Massenmenschhaltung

Verbraucherethik Wer trägt eigentlich die Verantwortung?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wer trägt die Verantwortung? Die Antwort ist so einfach wie unangenehm und schmerzhaft.

Die Schlagzeilen haben einen neuen Fokus, die Welt ist voller neuer und alter Konflikte.

Aber so viel ist gewiss, bei dem nächsten Lebensmittelskandal, bei der nächsten Enthüllung über die Quälereien der Massentierhaltung oder bei der nächsten Leichenzählung nach einem Brand in einer Textilfabrik in Asien ist die betroffene Empörung aller, wieder medial präsent. Schnell wird wieder nach den Schuldigen gefahndet und schnell sind sie auch wieder aus dem Hut gezaubert. Es sind wie immer die profitgierigen Konzerne die durch den kalten Kapitalismus angetrieben nach immer mehr streben und dabei vor keiner Unmenschlichkeit zurückschrecken.

Dieses Bild wird dann medial in bester Boulevardmanier aufgearbeitet und vom johlenden Volk dankbar empört und selbstzufrieden bejat. Aber ist das wirklich die Wahrheit, oder wenigstens der Kern der Wahrheit?

Der Markt ist der Platz des Handels, der durch Angebot und Nachfrage gesteuert wird. Startet der Markt vielleicht mit dem Angebot auf das sich der Nachfrager einstellen muss, so ändert sich mit der Zeit das Verhalten des Anbieters entsprechend der wünsche der Nachfrager. Somit ist es der Nachfrager, sprich der Kunde, der mittel- und Langfristig die Möglichkeit und die Macht hat, auf den Anbieter Einfluss zu nehmen. Und weiter erwächst aus dieser Möglichkeit der Einflussnahme die ethische Plicht, bei bekannt werdenden Missständen, sich dieser Macht bewusst zu werden und durch entsprechendes Käuferverhalten die Anbieter zur Korrektur der Missstände zu bewegen, wenn nicht gar zu zwingen.

Solche Missstände sind uns allen nur zu gut bekannt, wobei die angesprochenen Problematiken mit "Missständen" sehr euphemistisch umschrieben sind. Beispielhalf möchte ich mich hier nur auf Zwei der größten beziehen, der Massentier- und Massenmenschhaltung. Warum gibt es diese unsägliche Tierquälerei in der Massentierhaltung, und warum müssen Menschen unter unsäglichen Bedingungen Kleidungsstücke für uns herstellen und dadurch auf unwürdigste Art und Weise für uns sterben? Es ist die westliche, gesellschaftliche Gier nach mehr, immer nur an dem orientiert der mehr hat als man selbst. Es ist die "Geiz ist geil" Mentalität. Wo gibt es das billigste Fleisch, wo die billigste Hose, oder im unternehmerischen Rahmen, wo gibt es die billigsten Materialien und wo gibt es die billigsten Arbeitskräfte?

Niemand stellt sich bei der Preisfrage, die Frage nach den Umständen die für Entstehung der Preise und deren "Kosten" für Mensch, Tier und Umwelt. Die Antworten auf diese Fragen sind aber schon längst geliefert und für jeden zu erkennen. Die Möglichkeit der Erkenntnis fruchtet aber aus zweierlei Gründen so gut wie gar nicht. Der eine Grund ist die immer mehr verdummende Trash-TV-Gesellschaft, die sich nur noch mit geistloser Ergötzung an persönlichkeitsarmen und flachgeistigen Vorbildern orientiert. Supertalent und Frauentausch, statt Monitor und Report.

Der Zweite Grund ist aber der, der alle Schichten betrifft. Es ist die Angst und die Bequemlichkeit, feststellen zu müssen, dass man selbst etwas ändern, selbst etwas mehr ausgeben, selbst etwas mehr Aufwand betreiben und selbst zu ein paar Kompromissen bereit sein müsste. Dabei könnte es doch so einfach wie wirksam sein. Fleisch, Geflügel und Fisch nur noch dort kaufen, wo man nachweislich mit den Tieren bestmöglich umgeht, wofür natürlich ein höherer Preis zu bezahlen wäre. Kleidung nur noch da kaufen, wo nachweißlich angemessene Löhne bezahlt werden, und menschenwürdige Bedingungen vorzufinden sind. Dazu sind gegebenen Falls Billigketten ebenso zu boykottieren wie Nobelhersteller. Einzig die Bedingungen des Herstellungs- und Handelsweges dürfen der Maßstab sein. Er muss ethischen Ansprüchen genügen, sowohl beim Menschen als auch bei Tieren. Findet beides unter Beachtung der Umwelt statt, können wir das Elend drastisch reduzieren, wenn nicht sogar eines Tages ganz beenden.
Die eingangs gestellte Frage nach der Verantwortung, beantwortet sich daher ganz klar.

Wir, die Kunden haben letztendlich die Verantwortung, denn wir haben die Macht, Fehlentwicklungen und Missstände mit unserer Markmacht zu ändern. Natürlich haben auch Rechtsvorschriften einen Anteil als Korrektiv, aber die effektivste Macht im Kapitalismus hat der Markt, und den bestimmt nun Mal der Käufer maßgeblich mit.

Wir müssen alle auf etwas verzichten, um alle etwas mehr zu bekommen.


H.Frank


17:39 31.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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