Sterbehilfe

Humanistische Ethik Emanzipation vom christlichen Diktat
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Der EKD Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat das Thema Sterbehilfe wieder einmal für kurze Zeit in den öffentlichen Fokus gerückt. Inzwischen liegt das Thema selbst schon wieder im Sterben. Dabei zeigt dieses Beispiel doch die ganze ethische Brisanz der christlichen Le(e/h)re. Auf der Kanzel predigt man aus dem alten Buch, dass das Leben vom lieben Gott geschenkt wurde und man eben ein Geschenk nicht so einfach zurück geben darf. Doch offensichtlich gibt es bei Herrn Schneider hinter der beruflichen Blindheit für humanistische Ethik so etwas wie autonome Menschlichkeit, die ihn zum Ungehorsam befähigt. Die Liebe zu seiner Frau ist eben dann doch größer, als die zu seinem misanthropischen Gott. Dieser würde nämlich lieber Schneiders Frau leiden sehen, je mehr desto gottgefälliger.
Am Ende dann, beansprucht dieser barbarische Gott als Machtdemonstration auch noch die Freiheit, die für ihn erlittenen Qualen in göttlicher Willkür mit der Hölle zu bestrafen. Dieser pervertierten Ethik folgt auch unser katholischer Gesundheitsminister Hermann Gröhe, denn er möchte jede Form der aktiven Sterbehilfe unter Strafe stellen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese unantastbare Würde ist ein Grundrecht, sowohl national als auch in der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sie schließt die autonome Bestimmung über ein selbst gewähltes Ende des Lebens mit ein. Dieses Grundrecht wird ,wie die meisten anderen auch, vom größenwahnsinnigen Klerus und deren Gefolgsleuten im Geiste, mit Füßen getreten. Mein Leben ist kein Geschenk Gottes, sondern das Ergebnis eines Zeugungsaktes. Das Leben das daraus entstand, ist ein autonomes Leben, dessen Würde unantastbar ist. Mit diesem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, steht ihm auch das Recht zum selbstbestimmten Sterben zu. Wenn sich religiöse Gemeinschaften zur gottgefälligen Selbsfolterung hingezogen fühlen, so ist auch das ihr verbrieftes Recht.
Das Überstülpen dieser religiösen Gesinnung, auf Basis eines 2000 Jahre alten Gemeinschaftshandbuches, über eine ganze Gesellschaft innerhalb eines säkularen Staates, ist allerdings gegen jedes verbriefte Menschenrecht.
Mögen sich Christen als Sünder fühlen und Strafe durch Leiden für gottgegeben und gottgefällig halten. Dies so zu leben, ist die Freiheit der Religionsausübung.
Die Freiheit meinem Leben selbstbestimmt ein Ende zu setzen, ist aber ein auf humanistischer Ethik basierendes Menschenrecht mit unantastbarer Würde.

22:23 16.09.2014
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