Houssam Hamade
Ausgabe 3516 | 28.09.2016 | 06:00 68

Böse Pläne überall

Sozialpsychologie Verschwörungstheorien sind gefährlich – auch weil es echte Verschwörungen ja wirklich gibt

Böse Pläne überall

Das ominöse Datum 9/ 11: Rekonstruktion des Angriffs auf das Pentagon

Foto: Purdue University/Getty Images

Einer der aktuell besonders gern gehassten Menschen ist der US-Milliardär George Soros. 2009 hat er in New York das Institute for New Economic Thinking gegründet, eine Denkfabrik mit anti-marktradikaler Ausrichtung. Auch Joseph E. Stiglitz ist dabei. Das Ziel ist, neue volkswirtschaftliche Ansätze gegen den Neoliberalismus zu entwickeln. Ungeachtet dessen hängen sich an Soros wilde Spekulationen auf, werden ihm etliche Ungeheuerlichkeiten unterstellt – etwa, dass er Flüchtlingsströme anheize, um Europa in die Knie zu zwingen. So sieht das etwa der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán: Soros fördere alles, was die Nationalstaaten schwäche und das traditionelle Leben in Europa verändere. Hierzulande stimmt der rechtsextreme Kopp-Verlag in die Unterstellungen ein. Soros verfolge seine Strategie zum Beispiel mit der Unterstützung von Pro Asyl.

Auch die frührere Tagesschau-Sprecherin und Kopp-Autorin Eva Herman sieht einen Masterplan hinter dem „Flüchtlingschaos“. Absichtsvoll würden Ströme an „Orientalen und Afrikanern“ nach Deutschland gelassen, um „unsere alte Kraft, unsere christliche Kultur, Glaube und Tradition“ zu zerstören und die „Identität der einzelnen Völker“ aufzuweichen. Eine „bestimmte Gruppe Machtmenschen des globalen Finanzsystems“ mache sich die Welt untertan, auf so böse und perfide Weise, dass es sich normale Menschen gar nicht vorzustellen trauten.

Hitler lebt, tief unter der Erde

In den USA glauben 28 Prozent der Wähler, dass eine verborgene Elite nach autoritärer Weltherrschaft strebt. Auch in Deutschland haben solche Sichtweisen viele Anhänger. Der fantastische Gehalt der hiesigen „Theorien“ variiert. Das geht von der „Bezahlung von Antifa-Demonstranten durch den Staat“ bis zum Glauben, dass Adolf Hitler mitsamt einer Elitearmee im Erdinneren überlebt habe, gemeinsam mit den „Ariani“, großen, blauäugigen Herrenwesen.

So wie Menschen dazu neigten, den verwirrenden Kräften der Natur das Gesicht eines Gottes (oder mehrerer) zu geben, lassen sich gesellschaftliche Vorgänge am einfachsten als planvoll herbeigeführt denken. Theorien dienen als Modelle, die Komplexität reduzieren sollen. Und die Vorstellung, dass hinter dem, was man als beängstigend und falsch empfindet, ein böser Plan steht, ist das einfachste politische Denkmodell. Menschen, die sich vorher vielleicht nie tiefere Gedanken über Politik gemacht haben, die aber durch tatsächliche oder bloß empfundene Deklassierung frisch politisiert sind, zeigen sich dafür besonders anfällig.Hier treffen sich viele Linke und Rechte. Lars Mährholz, der Organisator der inzwischen irrelevanten „Montagsmahnwachen für den Frieden“, die auch von Linken frequentiert wurden, vertrat in Interviews die These, alle Kriege der vergangenen 100 Jahre seien von der Federal Reserve Bank organisiert worden.

Die Ähnlichkeiten solcher Verschwörungstheorien mit dem Antisemitismus sind verblüffend. Moderner Antisemitismus ist die Überzeugung, dass eine kleine Gruppe omnipotenter Juden heimlich die Geschicke der Welt lenke, etwa so, wie es die gefälschten Protokolle der Weisen von Zion schon vor über 100 Jahren glauben machen wollten. Der Zerfall traditioneller Strukturen, 9/11, die kommunistische Revolution, Kriege, der Liberalismus, die „Lügen-“ oder „Systempresse“, der Bundestag, das Weiße Haus und – nach Ansicht linker Antisemiten – auch der Faschismus: Alles werde von dieser einen mächtigen Gruppe gelenkt. Schneidet man aus diesem Bild „den Juden“ heraus, bleibt ein struktureller Antisemitismus. Eine Welterklärungsideologie, die die gleiche Struktur hat wie der konventionelle Antisemitismus, aber als Strippenzieher alle möglichen Gruppen identifizieren kann, etwa Freimaurer.

Aber wo die Grenze ziehen zwischen einer irrationalen Theorie und der plausiblen Annahme eines nicht-öffentlichen Einflusses auf historische Prozesse und politische Entscheidungen? Nehmen wir die Bilderbergkonferenz, die erstmals 1954 in den Niederlanden stattfand und zuletzt im Juni in Dresden tagte. Auch viele Linke betrachten diese informelle Versammlung von Menschen aus Politik, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft und Hochadel argwöhnisch. Wie gerechtfertigt ist es, diese linken Bilderberg-Kritiker via Antisemitismusvorwurf in eine Reihe mit der AfD und der NPD zu stellen?

Fakt ist: Verschwörungen gibt es. Zwar ist die Bilderbergkonferenz nicht „das geheime Zentrum der Macht“, wie es etwa der Kopp-Verlag herbeifantasiert, aber sie ist ein Ort, an dem auf höchster Ebene genetzwerkt wird. Man lernt sich kennen, knüpft Verbindungen. Das lässt sich durchaus als Element eines Klassenkampfs von oben verstehen. „Verschwörungen“, also die geheime, rücksichtslose Zusammenarbeit mehrerer Personen unter einheitlicher Zielsetzung, gehören in diesem Sinne zur politischen Realität. Beispiele gibt es viele.Bei der Watergate-Affäre 1972 haben Mitglieder der republikanischen US-Regierung die Opposition mit illegalen Mitteln bekämpft. In Italien flog 2010 die rechte Geheimloge P3 auf, die unter anderem daran arbeitete, Prozesse der Rechtsprechung zu manipulieren. Auch der letzte Irakkrieg wurde mit einer organisierten Lüge gerechtfertigt, nämlich der, dass es Beweise für Massenvernichtungswaffen gebe. Beteiligt an dieser Scharade waren Politiker und Journalisten aus aller Welt.

Wer undifferenziert jede Vermutung einer Verschwörung als unsinnig abtut, der ist gezwungen, ausschließlich systemische und abstrakte Ursachen für den Zustand der Welt zu besprechen – die Analyse wird unpräzise. Genaue Analysen müssen zwar so etwas wie Macht- und Marktmechanismen unbedingt mit einbeziehen, dennoch lassen sich politische Vorgänge nicht ohne die Akteure verstehen, die diese Vorgänge in Gang setzen oder unterbrechen. Wichtig ist es, plausible von weniger plausiblen Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Der Watergate-Komplex ist von qualitativ anderer Art als die Vorstellung, die europäische Bevölkerung solle durch „Orientalen und Afrikaner“ ausgewechselt werden.

Einer der Großmeister der Machtanalyse, Niccolò Machiavelli, bestimmte einmal, dass die Zahl der Mitwisser einer Verschwörung drei oder vier nicht übersteigen dürfte, weil sonst einer von ihnen „durch Bosheit oder Leichtsinn“ das ganze Unternehmen aufdecken könnte. Die Organisation einer riesigen „Flüchtlingswelle“ oder das flächendeckende Durchsetzen von angeblich giftigen Impfungen würden so viele Mitwisser benötigen, dass dazu Mittel aus dem Reich der Science-Fiction nötig wären, etwa die Gedächtnislöscher aus den Men-in-Black-Filmen. Tatsächlich ist es von dort, wo gern von Verschwörungen die Rede ist, oft nicht weit zur Esoterik, zu Spekulationen über Aliens oder „Echsenmenschen“.

Wahn und Wahrheit

Eine Verschwörungstheorie, die ernst genommen werden kann, muss plausibel sein, recherchiert und widerlegbar. Plausibel wird sie durch ein realistisches Bild von politischen Prozessen. Dazu gehört, dass es immer verschiedene Machtzentren gibt – nicht nur das eine. Es gibt nicht „die Elite“ als homogenes Gebilde, genauso wenig wie „das Volk“. Ein George Soros zieht, trotz teils überlappender Interessen, an einem anderen Strang als ein Donald Trump. Und letztlich spielen in politischen Prozessen auch Fehler und der Zufall mit. Politik ist weniger Akte X und mehr House of Cards.

Eine aufschlussreiche Analyse von „Verschwörungen“ gibt etwa Philip Mirowskis Buch Untote leben länger (Matthes & Seitz 2015). Mirowski zeigt an konkreten Beispielen, wie seit den 40er Jahren eine kleine Gruppe Intellektueller um die Mont Pèlerin Society ein Netzwerk von Thinktanks, Unternehmen und Universitätsinstituten aufgebaut hat, das die Verbreitung neoliberaler Ideologie auch mithilfe von Fehlinformationen förderte. Es lassen sich viele Beispiele für mögliche Verschwörungen anführen: Dazu gehört die NSA-Affäre oder die engen Kontakte und möglichen Absprachen sächsischer Polizisten mit Nazis.

Wahnhafte Verschwörungstheorien sind brandgefährlich, insbesondere wenn sie strukturell antisemitischen Erklärungsmustern folgen. Wer diese aber effektiv bekämpfen möchte, muss die wahnhaften von den plausiblen Verschwörungstheorien unterscheiden. Noch sinnvoller wäre es allerdings, frisch politisierten Menschen kluge Erklärungsmuster aus dem Schatz linker Theorien verständlich zu vermitteln – damit die Empfindungen persönlicher Entfremdung, Entsolidarisierung und Deklassierung plausibel und nicht irrational erklärt werden können.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 35/16.

Kommentare (68)

Mei Nung 08.09.2016 | 15:00

Gute Analyse. Allerdings vermisse ich eine differenziertere Betrachtung des Begriffs des sehr ambivalenten Begriffs der"Verschwörung", der eigentlich nicht neutral sein kann und daher zumeist seiner Natur nach höchst subjektiv ist. Das erleichtert es natürlich auch Verschwörungstheoretikern, diesen Begriff für sich meist negativ zu besetzen.

Aber lassen sich Verschwörungen durchweg nur als etwas rein "Böses" betrachten, vor allem bezogen auf echte, reale Verschwörungen?

Für Machiavelli kann das Ziel von Verschwörungen nicht nur Rache oder Macht sein, sondern auch Freiheit, und die Wahl ihrer Mittel können, zur Erreichung dieses Ziels, zwar gewaltsam sein, aber dennoch ethisch legitimiert sein, wie z.B. das der e c h t e n Verschwörung des 20.Juli 1944 um Graf Stauffenberg.

Der Begriff der Verschwörung wird heute automatisch so sehr mit etwas Bösem verbunden, dass niemand mehr sich fragt, was Verschwörungen überhaupt sind, wie und zu welchem Zweck Verschwörungen überhaupt entstehen.

Sie entstehen ja meist in der Absicht, einen bereits bestehenden Herrscher oder eine Macht zu stürzen. Aber warum sollten die "Verschwörer" der VT, die ja aus Sicht der Verschwörungstheoretiker längst schon über uns alle bestimmen, dies eigentlich tun, da sie ja angeblich bereits an der Macht sind?

Warum fragt sich das niemand von den VT-Anhängern? Weil die Begriffe wie z.B. Verschwörung, Macht, Interesse und Herrschaft von ihnen nicht mehr genau definiert und damit voneinander abgegrenzt werden, sondern munter durcheinander purzeln.

Es gibt kluge Erklärungsmuster für frisch politisierte Menschen, das stimmt, z.B. die Herrschaftssoziologie Max Webers, die die Frage, woher es kommt, daß wenige über viele herrschen, mit dem Hinweis beantwortet, dass das Interesse jeder Herrschaft darin besteht, sich zu organisieren ( durch die Errichtung eines Verwaltungsstabes), um bei den vielen den Glauben an ihre Legitimität zu wecken.

Es gibt auch eine ( im Vergleich zum verschwommenen Verschwörungs-begriff) wesentlich pointiertere Formel z.B. für die Verflechtung von Poltik und Ökonomie in den USA, undzwar die der "sektoralen Instrumentalisierung".

Statt Verschwörungen gibt es Interessengruppen, Machtverflechtungen, Lobbyismus, etc. , aber auch all diese Phänomene stehen nicht per se für das "Böse" an sich:

"Macht entwickeln alle menschlichen Institutionen, und ohne Feststellung einer Sinnfunktion der spezifisch staatlichen Macht ist diese weder von einer Räuberbande noch von einem Kohlen-kartell oder einem Kegel-Klub zu unterscheiden." (H.Heller)

Der Kommentar wurde versteckt
AntonH 29.09.2016 | 07:30

Sehr kluge Gedanken gut formuliert, Herr HOUSSAM HAMADE.

"Mei Nung" sei darauf hingewiesen, dass es zu kurz greift anzunehmen Verschwörungen "...entstehen ja meist in der Absicht, einen bereits bestehenden Herrscher oder eine Macht zu stürzen. " - Man kann sich sehr wohl auch verschwören, um Macht zu festigen und viele weitere Motive zur Verschwörung sind denkbar.

Gunnar Jeschke 02.10.2016 | 09:34

Das ist eine sehr gute Analyse. Ich gebe aber zu bedenken, dass Machiavellis Abschätzung aus einer anderen Zeit stammt. Die Geheimloge P2 hatte wesentlich mehr Mitwisser als 3 oder 4 und ist über sehr lange Zeit hinweg nicht aufgeflogen. Das gesamte Gladio-Netzwerk ("stay behind"-Organisationen in allen NATO-Ländern und sogar in neutralen Ländern wie der Schweiz) muss eine Mitwisserschaft in mindestens dreistelliger Höhe gehabt haben und ist über Jahrzehnte nicht aufgeflogen. Bis heute sind nur Teilaspekte bekannt geworden.

Seit Machiavelli hat man gelernt, wie man Geheimdienste organisiert. Auch eine nichtstaatliche Verschwörung kann nach solchen Prinzipien organisiert werden. Jeder einzelne sollte nur das wissen, was für seine unmittelbare Aufgabe unbedingt nötig ist. Dann laufen die Fäden an der Spitze tatsächlich bei nur etwa einer Handvoll von Leuten zusammen, obwohl die Organisation Ausmasse haben kann wie die NSA.

Ein ehemaliger Kollege von mir sagte gern, dass Inkompetenz die wahrscheinlichere Erklärung sei, als eine Verschwörung. Dem stimme ich zu. Zudem gibt es Prozesse, wie etwa die Flüchtlingsströme, die weder etwas mit Verschwörung noch etwas mit Inkompetenz zu tun haben, sondern mit Ungleichgewichten, die sich durch historische Entwicklungen herausgebildet haben.

Auch in solchen Fällen kann die Lage aber verwickelt sein. Der Versuch der Einwirkung auf solche Prozesse kann sehr wohl Verschwörungscharakter haben. So war etwa der Unmut gegen Janukowitsch in der Ukraine vor dem Maidan genuin. Dass daraus eine extrem anti-russische Bewegung wurde, unter Anderem mit dem Ziel, Russland als Erdgaslieferanten für Europa so weit wie möglich durch US-amerikanische Schiefergasproduzenten ("fracking") zu ersetzen, hat aber sehr wohl mit Strippenzieherei hinter den Kulissen zu tun. Nicht alles davon geschah geheim: der Konzern Chevron hat die ukrainische Opposition mit tatkräftiger Mitarbeit von Nuland offen unterstützt, es gab offene Konferenzen mit dem Ziel Russland als Hauptlieferanten von Erdgas für die Ukraine zu verdrängen und der Sohn des amerikanischen Vizepräsidenten ist in der Geschäftsführung eines Unternehmens, das an dieser Entwicklung verdienen will. Verquickt ist das dann noch mit geostrategischen Erwägungen der USA und der EU.

Was ich damit sagen will: Auch sehr komplexe Prozesse, die weder allein durch eine Verschwörung in Gang gesetzt wurden, noch allein durch eine Verschwörung getragen werden, können doch Teilaspekte von Verschwörungen aufweisen. Das macht es mitunter sehr kompliziert, zwischen genuinen Verschwörungen und Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Die Grenzen können fliessend sein.

denkzone8 02.10.2016 | 10:20

-der liebe gott hat den menschen

unterschiedliche herzens-wärme

und denk-vermögen mitgegeben.

aber alle können sich die welt erklären.

-für alles böse ist der große versucher, verwirrer,

durcheinander-werfer(griech.:diabolos)

auszumachen.

-die menschen kennen ihn unter seinen alias-namen:

teufel satan,schaitan.

-er hat viele menschen-verderber als helfer: zauberer,hexen,

mephistofeles.

-je gewitzter die menschen im erkennen ihrer welt,

umso mehr und differenzierter kommt er dem bösen auf die spur:

-dr. mabuse und goldfinger streben nach der alleinherrschaft

des bösen, sie geben sich nicht mehr durch hörner und einen bocks-fuß zu erkennen.

-ihre wirkungs-art ist verdeckt, un-durchsichtig, un-beweisbar.

-doch es gibt hinweise und wer spür-sinn hat, der kann vieles:

ent-decken.

Reinhold Schramm 02.10.2016 | 11:17

Spartak Iwanowitsch Beglow - über die Strategie der "vierten Front" - schreibt: "Die ,vierte Front', so nennt die amerikanische Presse die psychologische Kriegführung. Die ersten drei Fronten sind die militärische, die diplomatische und die sozialpolitische. Die Operationen an der ,vierten Front' sind häufig gleichermaßen sowohl für den inländischen wie auch für den ausländischen Bedarf bestimmt. Eine besondere Aktivität in dieser Richtung wird [R.S.: wurde] im Zusammenhang mit dem schmutzigen Krieg der USA in Vietnam an den Tag gelegt. Jede Etappe der Eskalation dieses Krieges wurde von einem umfassenden psychologischen Angriff begleitet. Im Inlan wird [R.S.: wurde] das Ziel verfolgt, das Volk von der Notwendigkeit der ,rechtmäßigen' militärischen Willkür zu überzeugen. Außerhalb des Landes gibt es gleichzeitig mehrere Adressaten. Einerseits ist das das Volk von Südvietnam und der DRV, das man einschüchtern will, andererseits ist das die Weltöffentlichkeit, vor der die taten der USA als ,provoziert' erscheinen sollen." [S. I. Beglow: Millionäre machen Meinung von Millionen, S. 176. Staatsverlag Berlin 1971]

Jakovlev schreibt: "Die CIA ist eine Organisation, die im Interesse des Großkapitals geschaffen wurde und arbeitet; geleitet wird sie von dessen auserwählten Vertretern. Diese haben die Gepflogenheiten der Finanzmagnaten in die Arbeit der CIA einfließen lassen. Nicht gekünselte ethische Normen, nicht die Treue zum Christentum und anderen erhabenen Prinzipien ist es, was das Verhalten beim Big Business bestimmt, sondern pathologische Profitsucht, die Erhaltung, der Schutz und die Mehrung der eigenen Kapitalien. Mit derselben Sucht und von recht unlauteren Motiven angestachelt leitet die Führung der CIA die Wühlarbeit in der ganzen Welt. Niederträchtige Ziele bedingen nicht weniger niederträchtige Methoden. [CIA contra UdSSR, S. 201. Verlag der Wissenschaften, Berlin 1985]

In das von Reagan am 5. Dezember 1981 bestätigte Statut der CIA heißt es: "Spezielle Operationen sind Handlungen, die zur Unterstützung der Ziele der nationalen Außenpolitik im Ausland durchgeführt werden, welche so geplant und realisiert werden, dass die Rolle der Regierung der Vereinigten Staaten nicht sichtbar oder öffentlich zugegeben wird." [The New York Times, 5. Dezember 1981]

Eberhard Heinrich und Klaus Ullrich, in: Der Krieg einer unsichtbaren Armee, schreiben:

"Sie erhält alljährlich Milliarden Dollar von der USA-Regierung, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Sie ist aufs beste ausgerüstet mit konventionellen und Spezialwaffen. Sie besitzt eigene Rekrutierungsstellen, Ausbildungslager, Waffendepots, eine eigene Luftwaffe, eigene Labors und Produktionsstätten, hat von der ausgeklügelten Kommandostruktur bis zum Hauptquartier alles, was sie zu ihrer Kriegführung braucht." [Porträt der CIA. Militärverlag der DDR, Berlin 1985]

Anmerkung. Der Autor sollte sich auch mit der Sozialpsychologie und deren [tatsächlichen] Aufgabenstellung beim Bundesnachrichtendienst (BND), Bundesamt für [Staats-, Kapital- und] Verfassungschutz (BfV), Militärischen Abschirmdienst (MAD) und Bundeskriminalamt (BKA) beschäftigen. Insbesondere aber auch mit den zahlreichen (privaten) Sicherheitsdiensten der multinationalen bundesdeutschen Konzerne, weltweit [Rüstungs- und Rohstoffkonzerne etc.].

Verwendungszweck 02.10.2016 | 11:59

Dieses Gehabe um Verschwörungstheorien ist meiner Meinung nach auch eine Verschwörung. Jede Theorie nutzt Argumente und baut ein Beziehungsgeflecht auf, deren Stichhaltigkeit und Plausibilität beurteilt werden kann, was dann in seiner Gesamtheit die Theorie bildet.

Wenn diese Theorie unterirdische Menschen oder übersinnliche Kräfte nutzt, ist es keine Theorie sondern Fantasy oder Religion etc.

Dass gerade die Verschwörungstheorie häufig ohne Gegenargumente, fast schon ehrabschneidend und als Totschlagargument instrumentalisiert wird, macht deutlich, dass nicht die Theorie an der Stelle versagt, sondern der respektable Diskurs.

Ein bisschen erinnert mich das Getue um Verschwörungstheorien an fundamentalistisch Religiöse, die der Evolutionstheorie vorwerfen, sie sei ja "nur" eine Theorie.

Ja, so ist es. Aber das ist in einer faktenbasierten Weltsicht mehr, als jede rein religiös fundierte Menschheitsentstehungsgeschichte je aufbieten wird.

Sobald jemand mehr aufbringt als Verdächtigungen und Behauptungen, sobald Filmaufnahmen bestehen, die zeigen, dass die Türme und WTC 7 in freiem Fall zusammengebrochen sind, sucht sich ein wacher Geist Erklärungsversuche. Wenn schon das desavouiert wird, ist das eher ein Indiz für eine Verschwörung.

Lethe 02.10.2016 | 17:46

Es ist ein bisschen wie mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Auf den ersten Blick scheinen beide deutlich voneinander unterscheidbar und aufzeigbar zu sein, aber schon nach ein paar Verzweigungen des Entscheidungsbaumes verlieren beide gleichermaßen ihre Rückverfolgbarkeit wie Voraussagbarkeit, einfach weil die Zahl beteiligter Verzweigungen exponentiell in die Höhe geht, außer vielleicht bei sehr trivialen, modellhaften Konstellationen.

Verschwörungen scheitern, weil die Einflussfaktoren über jede Grenze anwachsen. Das heißt nicht, dass sie nicht versucht werden, und auch nicht, dass sie in begrenzten Bereichen über ein begrenztes Zeitfenster ihre Absichten erfolgreich verfolgen könnten.

Aber um über große Zeiträume und gesellschaftsübergreifend erfolgreich zu sein, benötigt eine Verschwörung Öffentlichkeit und generelle Akzeptanz. Die Menschen müssen sich unter ihren Bedingungen wohl- und heimisch fühlen. Dann kann auch die Zahl der Mitwisser unbegrenzt groß sein, sie stören nicht^^ das ist der Boden, auf dem Gesellschafts- und Staatsformen oder Religionen gewachsen sind^^

AndyC 02.10.2016 | 22:44

Interessant im Zusammenhang mit Verschwörung oder nicht Verschwörung ist das "Propagandmodell" von Noam Chomsky und Edward Herman, welches keine Verschwörungtheorie ist.

Das Modell zeigt auf, wie Systemmedien einen dezentralen Propaganda-Apparat bilden, der die Massen manipulativ in die Meinung der "Elite" einbindet und dabei die Illusion eines demokratischen Prozesses erzeugt.

Eine kompakte Fassung dieses Modells das jeder kennen sollte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell

dos 03.10.2016 | 00:41

Ja eine wichtige Sache, diese analytische Richtung, für heutiges Verständnis der Zeiten, aber sicher nicht die GANZE "Wahrheit".

Hinsichtlich der "Markteintrittsschwellen" z. B. hat es heute eben technische Kostensenkungen in 1000er Faktoren. Aber es wird eben nur nachgefragt & sonstwie gefördert, was soweit in schon bestehende Schemata, z. B. einer ->Antipoden-Struktur, passt, - das wirklich Neue und daher fast Anknüpfungslose bedient nicht die daraus vorgefaßten Erwartungen, ist also per definitionem auf Enttäuschung angelegt. Die zieht sich kaum einer, egal wie preiswert das Angebot ist.
Teuer, also mit einer hohen Eintrittsschwelle versehen, ist zudem die Appetitlichkeit, und zwar von der Aufmachung über diverse, technische Varianten (Responsivity) (für diverse Browser, Kunden-Einstellungen, Auflösungen und Interaktionsereignisse (Tastatur, Maus, (Wisch-) Mop, Sprechen, Gesten usw.) bis hin zur Riesenauflösung eine/r/s profess. Fotoreporter/s/in.

Somit hat sich das Bild seit dem Ende des kalten Krieges dahingehend verändert, daß sich nahezu alles, was es schon gibt, aber im app(etit)lich angerichteten Mainstream zw. "America" & "terrorism" kaum berücksichtigt wird, sich mit dem immergleichen Ergänzungsmüll vollsaugen kann, was so langsam aber sicher, zum inneren Auseinanderdriften von Gesellschaften führt, - ohne je aus den Schismen neues Wissen schöpfen zu können, wie das z. B. mal der Aufklärung im Zuge der großen Kirchenschismen möglich war, in deren Granit-Spalten eines früher einzigen Riesenblockes sie wie die Birken spriessen konnte.

Der Link von Tlacuache ist mit der Arbeit Chomskys & Hermans nun wirklich nicht zu vergleichen, ja gehört nichtmal als Mosaiksteinchen ins Picture, auch wenn die kasuistische Empirie des PM zwar eindrücklich ist, so bleibt es eben eine Kasuistik, zu der es ebenso eindrückliche Gegenbeispiele, aber kaum belastbare Quantitativuntersuchungen gibt.
Vor noch gar so langer Zeit wurde das PS-Projekt als Ausweis angeblicher Fruchtbarkeit der ca. 30-Jährigen (Un-)Tätigkeit von Kryszmanski, eines angeblich linken münsteraner Soziologie-Profs, hier in die FC gehubert. Der Drill-Down erbringt die übliche Auflösung ins Fast-Nichts des Ergänzungsmülls, der niemandem hilft, auch wenn vereinzelt mal richtige Infos auftauchen, - die aber niemanden überraschen oder gar neu wären.

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Ehemaliger Nutzer 03.10.2016 | 01:22

Danke fuer die Blumen....

Hier mal die bittere Realitaet:

Winterkorn von VW lasse ich mal aussen vor...

Nehmen wir mal dieses kleine Beispiel...

..."Josef Ackermann verteidigt 25-Prozent-Ziel

Veröffentlicht am 26.05.2009"...

und weiter:

..."Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat seinen 60. Geburtstag im Bundeskanzleramt gefeiert. Bezahlt wurde das exklusive Abendessen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz" von Steuergeldern - Opposition und SPD schäumen"...

und weiter:

..."Ackermann kassiert zum Abschied Millionengehalt (fast 10 Millionen)"...

und weiter letzte Woche:

..."Deutsche Bank Aufstieg und Fall einer Größenwahnsinnigen

Die Sünden der Vergangenheit haben die Deutsche Bank eingeholt, nun muss sie um ihre Zukunft bangen. Wie aus einem angesehenen Geldhaus erst eine globale Zockerbude und dann ein Trümmerhaufen wurde"...

Wird da der Ackermann oder er Jain oder der Breuer noch belangt? Juristisch meine ich?, Noe, die haben sich absolut abgesichert diese Arschloecher...

So ein Abgezocke braucht man empirisch gar nicht mehr zu Beweisen, weder mit statistischen Modellen noch mit mathematischen 0.00001 - Formeln hoch 2, das ist Volksverarsche wie es im Buche steht.

Und die VW - Gesamtabrechnung steht noch an, inclusive Arbeitsplatzabbau, und Winterkorn haut sich mit 50 Millionen da raus, wetten? Keinen Tag in den Knast, dabei hat er Lebenslaenglich verdient.

Da brauche ich keine "muensteraner BWL'er", das wird mir auf dem Teller praesentiert, der Scheiss

denkzone8 03.10.2016 | 16:45

über die wahren gefahren klärt uns der industrie-päside grillo auf:

in zeiten der digitalen kommunikation

bleibt man schnell in seiner eigenen informationsblase gefangen.

das ist gefährlich. wir alle (hervorh. von mir)

müssen raus aus der komfortzone.(tagesspiegel,2.1o.)

also, es gibt sie noch: die klaren ansagen(drohungen) von oben,

un-verblümt, schmus-los, auf gefügigkeit zielend.

dos 04.10.2016 | 10:06

Lobby-Arbeit und xxx-treibende Interessen gibt's ja immer, - auch die Kirchenschismen (KS'en) gehen darauf zurück, daß sich Interessen aus der ständigen Ideenküche/Kritik mal was Passendes aussuchen und das dann pushten.

Doch während die KS'en je auch einen Bruch, damit auch eine Öffnung und vor allem LEERSTELLE und Relativierung von zuvor nicht in Frage stellbaren Ansprüchen und Gültigkeiten beuteten, damit Platz, Bedarf und (macht-)technische Anknüpfungspunkte (also an mächtige Interessen, sowohl von bisherigen "Unteranen" als auch der klassischen Herrschaft!) schufen, womit/worin/woran die (Neo-)Aufklärung und vieles andere Neue , - seit sagen wir: Luther -, wachsen konnte. Kant ist z. B. so nur unter protestantischer Aristokratie des Nordens u. Ostens erklärbar/denkbar.

Diese "Raum für Neues" - Funktion ist unter den gegenwärtigen Schismen SO (noch?) nicht (gut) zu erkennen, obgleich wir längst mit den Knien im Schlamm deutlich kurz vor der Stufe (binnen-) kriegerischer Dauergewalt stehen: Leute werden niedergeschlagen, allein über 1000 Brandanschläge in 12 Monaten auf (zumeist, aber nicht nur, noch unbewohnte) Asyle sowie noch einige tausend andere Sach- u. Personendelikte in und aus dieser Richtung sprechen eine deutliche Sprache.
Vor der letzten Asylwelle, also bis etwa Herbst 14, verzeichnete allein die PdL-Linke ca. 2000 Sach- u. Personendelikte im Jahr gegen 'sich'. Und da reden wir nur über angezeigte, evtl. in die "Statistik" auch tatsächlich aufgenommene DELIKTE, wobei eben nicht jedes zugeklebte Türschloß usw. dadrin landet, hinzu kommen noch die entsprechenden Verengungen im Allerweltsbereich, auch mit ihren Abhängigkeiten in Job u. Wohnumfeld etc., die sehr häufig auch überdeutlich-aggressiv daherkommen, aber weder nach zahlenmäßigem Umfang noch nach Tatgewicht/-art als Delikte verfolgbar u. damit erfassbar wären.
Könnte sein (dem Info-Fluß innerhalb der PdL ist nicht zu trauen) , daß die Anschläge gegen sie im Zuge des Aufkommens der Asylziele deutlich abgenommen haben.

Zudem ist das Ideologische derart hoch differenziert und in so viele Stücke fragmentiert, daß mit Relativierung (R.) bzw. Nutzung von R. kaum noch ein Blumentopf gewonnen werden kann, bzw. ist der große Bruch mit lauter Scherben gefüllt, - was auch den anspruchlosesten Birkchen nicht zum Spriessen (ge-) reicht.

Neben die Propaganda, als 'Kunst'/Praktik/techne interessegeleiteter Verzerrung und neben die Verschwörung (wert-technisch hochinteressant: Teilnehmer können mehr/öfter gewinnen als Nichtteilnehmer, auch wenn sie schiefgeht ...) tritt die pure Unkenntnis und das Desinteresse an Faktizität u./o. Wahrheit, Logik, Stringenz usw.

Da geht kein Aufschrei durch die FC als hätte man sich den Zeh gestoßen, wenn da ein heinz behauptet, (ms-) dos stamme aus Zeiten, in denen es noch kein Internet gab usw. Dabei brachte dos seit je den ganzen Kram an IP-Utils wie ping, tracert usw. mit, konnte zumindest nachgeladen/installiert werden. Schon IBM, denen MS das dos ja verpachtet/vermietet hatte, - immerhin wichtigster Erfolgshebel in der MS- u. PC-Geschichte, hatte ja Netzkarten selbst für XT-8-Bit-Rechner, schon allein um seine Mainframes mit möglicht vielen Terminal-Clients zu versorgen. Usenet u. v. a. wäre(n) so, ohne dos/PC & Netze, gar nicht denkbar gewesen. Solche und andere, widerspruchslos hingenommene Pseudo-"Fakten" finden sich täglich (2-8 Lesestunden) allein beim online-Freitag/FC rund 100 ...

Und das, die Negligenz des Faktischen, Logischen und Stringenten ist keine Frage formaler Bildungsgrade:

Da wird im "Excellenzcluster Normative Orders" (fast alles Doctores) in Sachen "Konfliktualität" mal eben moniert, - gerade so, als hätte es keine höchst notwendige Selbstdekonstruktion der Vernunft gegeben -, ein Autor wisse "keine rationale Position" [in Konflikt(ualiät)en] anzupeilen" (http://www.theorieblog.de/index.php/2016/09/das-beduerfnis-der-sozialkritik-franck-fischbachs-manifest-fuer-eine-sozialphilosophie/#comment-120374) oder es wird ähnlichen Ortes über alle Realitäten hinweg locker schwadroniert, Körperteile seien "unveräußerbar" und selbst Leute, die mal in NY Wissenschaftsgast waren, geraten bei "to own" und "to belong" derart ins Schwimmen, daß sogar ihr natives Deutsch vor der Differenz von Eigentum und Besitz kapituliert.
http://www.theorieblog.de/index.php/2016/09/privatheit-als-kollektive-herausforderung-tagungsbericht-privatheit-und-demokratie-frankfurt/

Da tut sich eine Leere zwischen den Ansprüchen/Privilegien und den dahinterstehenden Kenntnissen & Leistungen auf, die auf der Ebene der Akademik durch Gesinnungshuberei, Ignoranz & Exklusion, Karriereristik & Schleimscheißerei und auf der Ebene der (All-) "Gemeinen" zunächst durch Drakonie-Phantasien, dann Gewaltsprache, dann durch Gewalt geschlossen wird.

dos 04.10.2016 | 10:48

|| Da brauche ich keine "muensteraner BWL'er", das wird mir auf dem Teller praesentiert, der Scheiss||

Warum verlinken Sie den "Scheiss" dann ?

Und: K. war eben kein BWLer sondern Soziologe, der sich - nicht ganz untypisch -, ständig und ziemlich neben der Kappe im Nachbargebiet seiner Profession geäußert hatte.

|| Winterkorn von VW lasse ich mal aussen vor... ||

Aber warum denn? Weil er den Beweis für die Selbstverasche "des Volkes" in der "Volksverarsche" repräsentiert?

|| Wird da der Ackermann oder er Jain oder der Breuer noch belangt? Juristisch meine ich?, Noe, die haben sich absolut abgesichert diese Arschloecher...||

Ja was meckern Sie dann, daß Merkel auf Steuerkosten mit dem Kerl speist? Irgendjemand muß doch die Drecksarbeit machen, - zu einem großen Teil sind Politiker/Repräsentanten/Gesandte/Agenten usw. doch genau dazu da ... sich mit Arschlöchern abzugeben, die sonst keiner sehen will ...

|| Und die VW - Gesamtabrechnung steht noch an, inclusive Arbeitsplatzabbau, und Winterkorn haut sich mit 50 Millionen da raus, wetten? Keinen Tag in den Knast, dabei hat er Lebenslaenglich verdient. ||

Dann müßte Peter Hartz die Todestrafe drohen? Oder Folterabende im "Volksgefängnis", schön mit Themen-Wechsel "Syrien", "Türkei", "Saudi-Chic", "CIA-Style" oder "Putin-Like" ?

W. fährt nicht ein, aber mit einigen Mios - zumindest zunächst - davon, weil tausende im Mittelbau genau so was wie er täglich machen und das auch so woll(t)en, von den Stakeholdern Land NS, Gewerkschaften/ANV, Piech, Porsche usw. noch gar nicht zu reden.

dos 04.10.2016 | 11:00

*****!

Zur Ergänzung:

"Umvolkungs"-V'en sind ja aus verschiedenen Sekten bekannt, mit am wirksamsten sind seit einigen Jahrzehnten diejenigen pakistanischen Ursprungs. Das sind aber wohl keine Merkel-Projekte o. ä. , obgleich die reaktiv-reaktionäre Regierungs- u. Denkweise ausschließlich auf Basis freiheitlicher Rechtsmonaden im Stile europ. Bürgertums bzw. die daraus folgende hochnäsige Vernachlässigung solcher Fragen, der "Umvolkungsprojekte" von AUSSERHALB , diese Dinge nur verschärft ...

iDog 04.10.2016 | 20:05

natürlich habe ich ihren Kommentar gelesen. Wie sollte ich sonst darauf reagieren?

Sie unterscheiden ja Macht und Herrschaft. Es sind 2 verschiedene gesellschaftliche Phänomene. Macht entwickelt sich in allen gesellschaftlichen Gruppen, bei jedem einzelnen, wenn sie so wollen. Man könnte es also als die Summe des gesamtgesellschaftlich Machbaren, des Möglichen, der Potenz beschreiben. Die Monopolisierung der Macht, indem die eine Macht die andere, die eine Möglichkeit die andere unterdrückt, um es mal ganz simpel zu halten, ist Herrschaft. Wie die Unterdrückung oder bzw. Beherrschung en Detail aussieht, auf was sei beruht, Gewalt zB, oder Abhängigkeitsverhältnisse diverser Art, ist eine andere Frage.

Im Sinne ihre Zitats könnte man also sagen , dass die Sinnfunktion der Macht der Herrschenden, die der Nutzung der verfügbaren Macht für den Erhalt ihrer Herrschaft ist, solange diese nicht ihrer Herrschaft entgegenläuft. Die Entgegenlaufende Macht aber muss unterdrückt oder unmöglich gemacht werden. Zu diesem Zweck entstehen u.A. Verschwörungen, um beim Thema zu bleiben. Herrschaft, zB. in Form von Konkurrenz um Machtnutzung, hat mehr Grund verschworen zu sein als Kooperation.

Daher meine Empfehlung zu Ihrer Betrachtung. Es ist mMn die Herrschaft, die relevanter ist beim Thema Verschwörung als die Macht.

Aber sie haben durchaus Recht, wenn Sie schreiben , dass der Artikel diese Begriff nicht ausreichend klärt.

Kleinempfaenger 05.10.2016 | 04:16

"Die Organisation einer riesigen „Flüchtlingswelle“ oder das flächendeckende Durchsetzen von angeblich giftigen Impfungen würden so viele Mitwisser benötigen, dass dazu Mittel aus dem Reich der Science-Fiction nötig wären, etwa die Gedächtnislöscher aus den Men-in-Black-Filmen."

Für giftige Impfungen mag das mit den Gedächtnislöschern zutreffen. Aber um eine Flüchtingskrise zu "organisieren" muss man einfach nichts tun, still halten, abwiegeln, abwarten, etc. Denn der riesige Migrationsdruck besteht bereits, aufgrund eines enormen allgemeinen Wohlstandsgefälles.

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Mei Nung 05.10.2016 | 12:58

Vielen Dank, dass Sie mir Recht geben, aber ich möchte ergänzen, dass es mir vor allem weniger um die Begriffe Macht und Herrschaft, sondern um den Begriff der Verschwörung geht, der m.E. weit größeren Klärungsbedarf hat ( und dessen Ambivalenz m.E. erst zu allerlei theoretischen Spekulationen verleitet. Ich empfehle mal einfach die Wikipedia-Lektüre zu diesem Begriff.) . Im übrigen klärt Ihre sehr simple Definition von Herrschaft nicht auf, wie sie überhaupt zustande kommt und sich absichert, und damit auch nicht, inwieweit sie nun relevanter oder weniger relevant sein soll in Bezug auf Verschwörung. (Dazu vielleicht auch mal lesenswert , wie Max Weber Herrschaft definiert.))

Immerhin aber gestehen Sie indirekt mit Ihrer Definition ein, dass Herrschaft und Macht doch nicht so ein unterschiedliches Paar Schuhe sein können.

Die Frage, was nun relevanter gegenüber Verschwörung sein könnte, eher Herrschaft oder eher Macht, wird übrigens selbst irrelevant, wenn man sich den Begriff der Macht und sein Potenzial, wie Sie es selbst formulieren, genauer anschaut.

Macht und Herrschaft sind relationale Begriffe, sie drücken Beziehungen aus, man muss sie unterscheiden, aber man kann sie auch nicht voneinander trennen.

Macht ist zwar einerseits sehr amorph und vielgestaltig, aber die aktuelle Politikwissenschaft hat auch nicht nur gezeigt, in Abweichung von Max Webers Machtbegriff, inwieweit sich Macht graduell unterschiedlich verflechten und nicht nur auf globale Beziehungen real auswirken kann, sondern auch z.B. auf lokaler Ebene konkret auf die Fähigkeit einer bestimmten Interessensgruppe A, schon im Vorfeld von Entscheidungen, für A unerwünschte Themen zu verhindern. Man hat bei emprischen Untersuchungen festgestellt, inwieweit z.B. in einer Gemeinde ein einzelner oder eine Gruppe wirksamer am Nichtentscheidungsprozess als an tatsächlich gefällten Entscheidungen teilnimmt. Das Potenzial von Macht erweist sich auch ganz konkret in seiner Fähigkeit, generell zu verhindern, dass Entscheidungen getroffen werden, man spricht dann von Blockierungsmacht. Macht ist nicht nur amorph, sie ist als Herrschaftsinstrument auch sehr flexibel einsetzbar und geht dabei heutzutage aufgrund der techn. Möglichkeiten, siehe allein NSA, immer raffinierter vor.

Macht bedeutet laut Nicos Poulantzas, dass eine soziale Klasse die Möglichkeit besitzt, ihre spezifischen objektiven Interessen zu realisieren. Wenn diese über sehr viele Möglichkeiten und finanzielle Ressourcen verfügt,muss sie zur Durchsetzung ihrer Interessen gar nicht unbedingt eine entgegenlaufende Macht unterdrücken oder unmöglich machen, sondern kann dazu auch mit ihr zusammenarbeiten. Herrschaft hat es daher heutzutage oft einfach gar nicht nötig, verschwörerisch zu sein. Wozu gibt es schließlich das Instrument der Kooperation?

Reinhardt Gutsche 05.10.2016 | 14:13

Verschwörungstheoretiker entweder ins Töpfchen oder ins Kröpfchen

Im dominanten Diskurs-Design ist der Topos „Verschwörungstheoretiker“ eine Fremdzuschreibung in denunziatorischer Absicht, ein diskreditierendes Etikett, das die damit Beklebten aus dem Kreis jener exkommuniziert, denen das Recht und die Ehre gebührt, mit ihren Argumenten gehört oder gar ernstgenommen zu werden und zum gesellschaftlichen Dialog zugelassen zu sein. Kein Mensch würde sich selbst dieses Schild der Schande umhängen.

Dieser ausgrenzende Effekt beruht auf dem psychologischen Trick, „die“ Verschwörungstheoretiker mit Menschen minderer geistiger oder mentaler Gesundheit in einen Korb zu legen: Wer „uns“ nicht glaubt, hat nicht alle Tassen im Schrank. „Wir“ sind schließlich die „gesunde Mitte“, also weder rechts noch links usw.

Auffallend ist dabei, daß der vorauseilend-parteiergreifende und abwehrende Gebrauch des Terminus' „Verschwörungstheorie“ ausschließlich gegen Vermutungen westlicher Urheberschaft dubioser Vorgänge in Anschlag gebracht wird. Dies unterstellt implizit, im westlich-christlich-abendländisch-amerikanisch-freiheitlich-demokratischen usw. Kulturkreis seien „Verschwörungen“ a priori undenkbar, obskure Verschwörer könnten nur unter seinen Feinden sitzen. Kritiker an deren vermuteten geheimen Machenschaften werden dann auch nie die brandmarkende Diskurskeule „Verschwörungstheorie“ fürchten müssen. So wurde nach dem Papstattentat 1981 auf dem Petersplatz niemals die (bis heute unbewiesene) “Bulgarische Spur“ als „Verschwörungstheorie“ gescholten, was sie semantisch korrekt in der Tat ja doch ist. Gleiches gilt für die Bombenattentate in Moskau, deren prompte Identifizierung als „Falls Flag“-Operationen des FSB nie dem Risiko ausgesetzt waren, sich den Vorwurf einer „Verschwörungstheorie“ einzuhandeln. Nach dem 2. WK beruhte die Bündnisarchitektur der gesamte Weltpolitik auf der nach den „Protokollen der Weisen des Zion“ wohl gigantischsten aller Verschwörungstheorien, nämlich der Hypothese, der Kreml hätte nichts anders zu tun, als bei erster sich bietender Gelegenheit über den Westen herzufallen und die Weltherrschaft zu erobern. Aus der von den Hakenkreuzlern geerbten Theorie der „Jüdisch-Bolschewistischen Weltverschwörung“ wurde kurzerhand der erste Adjektivteil unter Beibehaltung des zweiten stillschweigend gestrichen. (Mutadis mutandis erlebt diese „Verschwörungstheorie“ in den heutigen Expansions-Vorwürfen an die Adresse Moskaus eine bizarre Auferstehung.)

In diese Schußrichtung kann man also das Blaue vom Himmel mutmaßen, ohne die Männer mit den weißen Kitteln befürchten zu müssen. So sieht etwa der frühere NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hinter der Anti-Fracking-Kampagne die lenkende Hand des Kremls. Auch hinter der Abhöraffäre in einem Warschauer Promi-Rstaurant konnte nur Putin stecken: „Ich weiß nicht, in welchem Alphabet das Szenario (der Affäre) geschrieben wurde, aber ich weiß, wer der Nutznießer von Chaos im polnischen Staat sein kann“, so der damalige polnische Ministerpräsident Donald Tusk. Auffälligerweise genossenen diese beiden „Verschwörungstheoretiker“ eine wundersame publizistische Immunität, die sie davor bewahrte, mit jenen Leuten in einen Topf geworfen zu werden, die die Mondlandung für einen dreisten medialen Fake halten, Elvis noch unter den Lebenden wähnen, die Illuminaten als Hintermänner der Französischen Revolution vermuten, die Luftangriffe auf New York und Washington am 11. September 2001 für einen Deep-State-Insider-Staatsstreich halten usw., kurz, mit Leuten, die nicht alle Tassen im Schrank haben, nicht wahr? Dreimal darf man raten, nach welchen Sortierkriterien die Verschwörungstheoretiker entweder ins Töpfchen oder ins Kröpfchen gehören...

chrislow 05.10.2016 | 20:35

Zitat:
"Aber warum sollten die "Verschwörer" der VT, die ja aus Sicht der Verschwörungstheoretiker längst schon über uns alle bestimmen, dies eigentlich tun, da sie ja angeblich bereits an der Macht sind?


Mannmannman, weil Macht immer wieder verteidigt werden muß. Ebenso, wie sie oben erklärten, das die Welt immer mit ihrer Dynamik zu rechnen hat, so muß der Machthabende immer wieder dafür sorgen, dass ihm keiner den Rang abnimmt. Die "Verschwörung" lautet hier also: Das mächtige Leute/Gruppen kommende Emporkömmlinge immer wieder aufspüren und behindern/verhindern müssen, damit ihre eigene Macht erhalten bleibt.

Offenbar scheint auch dem Beitragschreiber nicht durchweg bewusst zu sein, dass in der Realität tatsächlich nur Leistungen wirklich zu Macht führen. Eben diese Leistungs- und Ellenbogengesellschaft und so. Die derzeitigen Mächtigen sind eben keine Könige von Gottes Gnaden (jedenfalls nicht formal - entwicklungsmäßig vielleicht eher schon - Niemand jedenfalls hat die derzeit Mächtigen zum König auf Lebenszeit ernannt).

Übrigens:
Machterhalt ist aber auch deshalb zuweilen leicht möglich, weil sich Machthaber nur an bestehende Systeme anpassen müssen, die daraufhin dafür sorgen, dass die errungene Macht (aka etwa auch Vermögen, Kapital und somit strukturelle Einflußpotenz) erhalten bleibt (oder weniger schnell wieder verloren geht). Einer der Systeme sei hier mit dem Begriff "Neoloberalismus" benannt - also marktkonforme Staats- und Organisationsformen... Demokratien und so...wo dem Finanzkapital jede Grenze und Nachteile weggeräumt werden.

chrislow 05.10.2016 | 21:03

Zitat:

"Dieser ausgrenzende Effekt beruht auf dem psychologischen Trick, „die“ Verschwörungstheoretiker mit Menschen minderer geistiger oder mentaler Gesundheit in einen Korb zu legen: Wer „uns“ nicht glaubt, hat nicht alle Tassen im Schrank. „Wir“ sind schließlich die „gesunde Mitte“, also weder rechts noch links usw. "

-> Der Satz ist gut geschrieben und trifft es. Nämlich, wie leicht solchen Leuten es fällt, über Geisteskonstellation anderer Leute zu urteilen.

Leider ist es zu wahr, als das man es als kleine Satire nebenbei abtun kann. Es ist Alltag bei allen Menschen - auch bei mir zuweilen - was mir an mir selbst gar nicht gefallen will, aber ich mir eingestehen muß, weil ich mich regelmäßig dabei ertappe.

Was Verschwörungstheorien betrifft, so meine ich, dass nahezu jede verschwörungstheorie einen wahren Kern hat, aber man aufpassen muß, welchen man sich dabei heraussucht. Denn Verschwörungstheoretiker, die aus einem Impuls herraus sich eine Verschwörung zusammenreimen, haben allermeist nicht hinreichend Weltkenntnis, um aus den sichtbaren Anzeichen die tatsächliche Verschwörung herrauszufiltern...die unbekannten Fakten hochzurechnen und gehen dann weiter an ihrem Gefühl entlang, was daraufhin zu Fehlleistungen führt. Und eben zu allermeist seltsam anhörenden Verschwörungen sich entwickelt.

Die Verschwörung, dass es eine kleine Elite von meinetwegen Juden gibt, die das globale Finanzsystem und somit (im neoliberalen Zeitalter) die Welt beherrschen, könnte sich so erklären, dass es sehr wahrscheinlich gegenwärtig einige Menschen gibt, die aufgrund ihres Einflusses wegen ihres Kapitals und dessen Verflochtenheit in der Welt faktisch große Macht ausüben, ... und man quasi ebenso leicht annehmen kann, dass dabei Juden eine Rolle spielen, weil denen immer schon gerne einiges angehängt wurde. Die beiden Fakten "mächtiges Finanzkapital" und "Juden" hier zusammen zu fügen, um die Welt zu erklären, ist verständlich leicht. Faktisch können wir aber nur sagen, dass großes Finanzkapital großen Einfluß ausüben kann und das Juden wegen gewisser historischer Fakten (Berufseinschränkungen) gewisse Fähigkeiten über jahrhunderte weitergegeben haben, sodass es nicht wundert, dass rein Anzahlmäßig erstaunlich viele Juden in Wirtschaftlich einflußreichen Positionen anzutreffen sind.

Der Rest ist leider wirklich wirre "konfiguration" von möglicher Realität.

Die VT betreffend der Flugzeugabgase macht ebenso sinn. Denn immerhin sind Verbrennungsabgase wirklich giftig. Die Idee aber, dass ausgerechnet Flugzeuge spezielle Gifte ausst0ßen, die man vorher vorsätzlich in den Kraftstoff hineintat, ist dabei ebenso unglaublich, wie niederträchtig. Ob es wahr ist, kann man fast nicht glauben.

iDog 06.10.2016 | 01:08

verstehe Ihre Argumentation, bin aber nicht d'accord.

Sicher gibt es keine Herrschaft ohne Machtnutzung. Sicher besteht die Machtnutzung der Herrschaft auch darin sich der grundlegenden Kooperationsbereitschaft des Menschen zu bedienen, denn auch diese ist eine Macht. Wa sie nicht zulassen kann, ist eine Kooperation gegen ihre Herrschaftsinteressen. Man bedient sich hier meist des klassischen "divide et impera". Dazu werden jede Menge Verschwörungen notwendig. Vom historisch belegten Staatsterrorismus bis zum populistischen Aufbocker in der Bildzeitung ....

iDog 06.10.2016 | 23:49

?? Doch doch, ich gehe auf Sie ein. Ich hab eher den Eindruck , Sie gehen hier zuletzt nicht auf mich ein. Ich schrieb, ich sei nicht d'accord.

Ich hab jetzt nicht auf alle Detailsreagiert, weil es mir als Wiederholung erscheinen würde. Sie setzen Macht mit Herrschaft in Relation. Ich habe Ihnen zugestimmt, das Herrschaft Machtnutzung beinhaltetet, notgedrungen , möchte man hinzufügen. Womit ich nicht einverstanden bin ist, dass die Exsitenz von Macht immer zu einer Relation mit Herrschaft führen muss. Max Weber - kenn ich durchaus - hin oder her. Er hat seine Definition abgeliefert. Ich hab meine. Wie wäre es, wenn man Macht eben nicht als Herrschaftsinstrument einsetzt, bzw. die diverse gesellschaftliche Macht nutzt , um Herrschaft zu verhinderen? Können Sie sich das vorstellen?

Bei der Gelegenheit von der Macht des Geldes zu reden, halte ich übrigens für wenig ergiebig, denn Geld ist heute nur die Maßeinheit von herrschaftlich mißbrauchter Macht. Es ist keine Macht an sich, sondern allenfalls Symbol eines absurder Glaubens an Macht.

Und was ist mein Lieblingsbegriff, bitte?

Mei Nung 07.10.2016 | 10:44

Die diverse gesellschaftliche Macht nutzen, um Herrschaft zu verhindern- da kommen wir uns schon näher. Das käme evtl. schon dem entgegen, was Hannah Arendt unter Macht versteht, die sie positiv betrachtet als eine besonders effektive Form der Kommunikation. Aber diese Debatte passt m.E. nicht mehr zu diesem thread.

Mit Ihrem "Lieblingsbegriff" ( womöglich liege ich da auch falsch, nehme es aber momentan so wahr) meinte ich im Übrigen den der "Verschwörung", den ich, wie ich es bereits in meinem obigen Kommentar bereits wiederholt erwähnt habe, aufgrund seiner Ambivalenz viel lieber kritisch durchleuchten würde ( jedenfalls hier, in diesem thread) als die Begriffe Macht und Herrschaft.

Mei Nung 10.10.2016 | 12:52

Sie liefern in ihrem Artikel teilweise eine gute Analyse gesellschaftlichen Gruppenverhaltens und stellen berechtigte Fragen , und etwas in Frage zu stellen, ist grundsätzlich immer eher zu begrüßen, als endgültige Antworten zu geben. Eine Verschwörungstheorie lebt ja ( neben unserem tiefverwurzelten Bedürfnis nach konsistenten Geschichten und mythischen Erzählungen ) auch von berechtigten Fragen, nur dass sie eben schon, im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen Theorie,die falsifizierbar sein muss, die Antwort selbst gleich mitliefert, was die Berechtigung der Frage dann allerdings selbst wieder infragestellt. Der Verschwörungstheoretiker fragt z.B. ständig: Cui bono?, aber nie: Was folgt draus?

Geht es in Ihrem Artikel wirklich um Verschwörungspraxis und Verschwörungstheorie? Läuft er, sorry, das ist mein subjektiver Eindruck, trotz der Aufzählung berechtigter Fragen nicht letzten Endes auf den Allgemeinplatz hinaus: "Nachts sind alle Katzen grau."?

Muss es heutzutage, wo gezielt gestreute Verschwörungstheorien ( vor allem im rechten Lager) wieder für eine allgemeine, gefährliche Vernebelung des Denkens sorgen, nicht darauf ankommen, die Begriffe ganz genau zu hinterfragen und zu klären ? Hannah Arendt war übrigens zeitlebens sehr darum bemüht, die Begriffe zu präzisieren, denn für sie war böses Handeln eng verknüpft mit "Fehlen des Denkens", also mit Gedankenlosigkeit, und Gedankenlosigkeit wiederum ist eng verknüpft mit schludrigem Gebrauch der Sprache.

Sie stellen in Ihrem Artikel die Frage, ob es jemals echte Verschwörungstheorien gegeben hat.

Gibt es echte Verschwörungstheorien? Ja, es gibt dafür ein historisches Beispiel, und zwar die ( im übrigen historisch hochinteressante Figur) des Maximilien de Robespierre, der zwar keine abgeschlossene Theorie entwickelt hat, aber dessen Annahme einer ausländischen Verschwörung gegen die damalige frz. Nationalversammlung durchaus eine reale Grundlage besaß. Trotzdem hat ihn diese realistische Einschätzung nicht davon abgehalten, ein gefährliches, letztendlich selbstzerstörerisches Paranoia zu entwickeln, mit den bekannten Folgen.

Übrigens stellt sich kaum ein Verschwörungstheoretiker die Frage, was viele historische Verschwörungen, z.B. die Catilinische Verschwörung, die Verschwörung des Fiesco zu Genua ( das histor. Vorbild für Schillers Theaterstück) , die Verschwörung des 20.Juli 1944 und ,aus der jüngeren Vergangenheit Kennedys Schweinebucht-Invasion, gemeinsam kennzeichnet. Antwort:Sie sind alle samt und sonders , und meist sehr schnell, gescheitert. Sollte man den Begriff "Verschwörung" in seiner Nachweisfunktion für vorgeblich allmächtige Herrschaftsprinzipien ( denn zu diesem vordringlichen Zweck benutzt ihn ja ausschließlich die Verschwörungstheorie) nicht allein schon deshalb dezidiert hinterfragen?

Leider stellen Sie in Ihrem Artikel auch nicht eine andere wichtige Frage:

Warum sind gerade in krisenhaften Zeiten wie z.B. in der aktuellen Problem-Ära, Verschwörungstheorien so en vogue?

Eine mögliche Antwort darauf gibt der Philosoph Dieter Mersch:

"Feindbilder ( ein konstitutives Element der Verschwörungstheorie) sind nicht deshalb erfolgreich, weil man an sie glaubt, sondern weil sie ans Paranoide als einer tiefsitzenden Neurose moderner Gesellschaften appellieren."

Und Karl Popper schreibt:

"Die Verschwörungstheorie in der Gesellschaft ist nur eine Variante des Theismus, eines Glaubens an Götter, deren Launen und Willen alles beherrscht. Sie kommt davon, dass man Gott aufgibt und dann die Frage stellt: "Wer nimmt seinen Platz ein?" Sein Platz wird dann besetzt durch mächtige Menschen und Gruppen- durch finstere Interessengruppen, denen dann unterstellt wird, dass sie die große Depression geplant haben, und alle Übel, an denen wir leiden." ( Karl Popper)

iDog 10.10.2016 | 13:18

"Warum sind gerade in krisenhaften Zeiten wie z.B. in der aktuellen Problem-Ära, Verschwörungstheorien so en vogue?"

Also ich halte es da tendenziell eher mit Popper, obwohl ich dessen Einseitigkeit was die Flasifizierbarkeit von Theorien angeht nicht goutiere. Theorien können auch verifiziert werden - zumal Verschwörungstheorien, da es sich bei diesen eben nicht um einen zeitlich begrenzten Wissenstand innerhalb einer wissenschaftliche Dynamik handelt, sondern im Fall der Verifizierbarkeit um historische Fakten , die sich nicht mehr änderen können.

Was sie von Popper zitieren stimmt inhaltlich mit der Aussage zu Hannah Arendt überein. Das alles bezieht sich letzentendlich auf Nitzsche, der uns nahebrachte , dass die wohl größte Verschwörung aller Zeiten die des römisch katholischen Glaubens seit den sogenannten Aposteln war/ist. Der Glaube an einen monothesistischen Gott als bequeme einzige Antwort auf alle unbequemen Frage ist also die Blaupause, die unsere Gesellschaft, bzw. einzelne Subjekte derselben noch heute die absurdesten Antworten auf nicht nur absurde Fragen geben lässt. Wenn man so will, kann man im "Antichrist" Nitzsches nicht nur erfahren warum es Verschwörungstheorien gibt, sondern auch warum es Verschwörungspraxis gibt.

In diesem Sinne möchte ich daran erinneren , dass es in diesem Thread nicht nur um die Verschwörungstheorien geht, sondern auch um die Verschwörung = Praxis, wie der Utertitel ja deutlich macht.

Zu diesem Teil meines Artikels haben sie merkwürdigerweise nichs gesagt. Merkwürdig, weil das Phänomen durchgeknallter Verschwörungstheoretiker wesentlich ungfährlicher ist als das der durchgeknallten Verschwörungpraktiker, denn die sind real und schaffen Realität = Sein oder Nichtsein, während die ersteren nur Imaginäres, Fehlinterpretationen, Irrtümer und Blödsinn denken, dies zwar für Realität halten , aber selbst keine Realität schaffen.

Mei Nung 10.10.2016 | 18:14

Was Sie zuletzt schreiben, stimmt ja leider absolut nicht. Hitler und sein Vor-Denker Alfred Rosenberg waren zunächst absolut gefährliche durchgeknallte Verschwörungstheoretiker, und danach ebensolche durchgeknallten Verschwörungspraktiker. Der NS-Staat bezog ja seine gesamte Legitimation beinahe nur aus einer einzigen Verschwörungstheorie. Dass Sie das ausblenden können, finde ich absolut erschreckend und unverständlich. In welcher Welt leben Sie eigentlich?

Im übrigen ist die Falsifizierbarkeit einer Theorie wissenschaftlicher Standard und auch absolut nachvollziehbar.

Nietzsche ist ein großer Stilist, keine Frage, aber viele seiner Ansichten sollte man mit größter Vorsicht genießen, er hat sich zu allem möglichen geäußert und sich dabei auch oft widersprochen, daher kann sich fast jeder auf ihn berufen und ihn für sich reklamieren.

iDog 10.10.2016 | 21:07

Ich blende etwas aus ? Wohlmöglich , weil ich es nicht geschrieben habe? Ein sehr merkwürdiger Ansatz, obwohl eher schon ein Unterstellung, möchte man meinen. Aber seis drum. Ihr Beispiel ist nicht schlecht deswegen. Es ist ein Sonderfall , der dem meinen in gewisser Weise ähnelt, nämlich dem, auf das sich Nietzsche bezieht.

Ich weiß nicht ob sie mal den Antichrist gelesen haben, es kommt mir nicht so vor, denn in diesem Werk werden sie keinen Widerspruch finden können. Zu allen seine Arbeiten sind in der Rezeption oder Exegese Widersprüchlichkeiten zu finden, was nicht weiter wundert, bei den Inhalten. Um nur ein Beispiel zu nennen und wo wir schon dabei sind: Die Instrumantalisierung seiner Texte im nazionalsozialisitschen Kontext durch seine eigene Schwester, die mit einem Naziadepten verheiratet war. Diese Art der Widersprüche haben sich aber im späteren philosophischen Kontext längst aufgelöst (siehe dazu zB Michel Onfray), sind geklärt worden. Davon sollte man ausgehen. Es handelte sich wohl eher um Widersprüchlichkeiten zwischen dem Denken Nietzsches und dem der Rezipienten. Dass der hedonistische Materialismus Nietzsches nicht nur seinen Zeitgenossen schwer zu vermitteln war , seine Entwertung aller Werte für jeden Ideologen oder in irgendeiner Weise Gläubigen ein hartes Brot ist, bis heute, ist nicht von der Hand zu weisen. Nietzsche hat dem europäischen Denkmodell ein schweren Schlag versetzt, soviel steht fest.

Wenn wir also konstatieren, dass es in manchen Fällen zur Personalunion von Verschörungstheoretiker und Verschwörungspraktiker kommt, um meinen Punkt zu betonen, dann ist es immer noch der praktische Teil, der gefährlich ist. Womit wir wieder bei der Praxis sind.

Meine, auch in meinem Artikel vertretene Meinung, ist es, dass der Verschwörungspraxis viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, dass diese im heutigen ökonomischen und politischen System sozusagen antidemokratischer Standart, ökonoimische Alltagsrealität ist, man denke zB. nur an Lobbyismus, um nicht nur das kapitalistische Geschäftsmodell selber anzuführen, sondern auch seine Methoden, dass sich diese Methoden der verdeckten Opperationen, der quasi nicht öffentlichen Agenden zur Erlangung letzendlich persönlicher Vorteile von Personen oder Personengruppen zur Strategie schlechthin in einer kapitalorientierten Konkurrenzgesellschaft entwickelt hat. Sie haben ja meine Artikel gelesen. Sie wird auch gerne "business as usual" genannt oder Mafia oder secret service .... usw.. Dabei ist nicht nur der Markt initiales Motiv, sondern auch die allgemeine Rangelei im Herrschaft, was den Staat als Institution auch zum Verschwörungspraktiker werden lässt. Beispiel sind hier sicher überflüssig, weil bekannt. Beides fließt nun im sogenannten Neoliberalismus, der weder neu noch liberal ist, fein ineinander und wir landen bei der Mussolini zugeschreiben Definition von Faschismus: Dem Schulterschluß von Wirtschaft/Industrie und Staat, wie er auch im Nazideutschland existierte ... das nur um ihr Beipiel nicht zu vernachlässigen.

Andererseits besteht die Verschwörungspraxis auch aus Theorie, wohl auch Propaganda, public relations, allgemeiner dann Ideologie genannt. Die finden wir heute in der Krisensituation gehäuft in den sogenanten Massenmedien. Von Realitätsnähe kaum ein Spur, weil nicht zielführend für die diversen ausschleißlich ökonomischen Ziele. Allenfalls ugenscheinliche Konsequenzen werden behandelt und wohlmöglich irrationaler Fatalität zugeschieben, dem sprichwörtlichen Lauf der Dinge. Dagegen sind einzelne Wirrköpfe, die meinen Elvis leben noch, sicher harmlos und bleiben ohne Wirkung. Es gibt dennoch sicher auch dumpfbackige Pauschalurteile, die wenig Realität beinhalten im politischen Diskurs aus den Gründen, die Sie mit Popper ja belegt haben, aber das eigentliche Problem liegt doch eher da wo die, welche heute als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden einfach nur Kritiker sind, die es, anstatt nur Phänomene zu zerqutschen, an einer gewissen Radikalität nicht mangeln lassen, um den Ursachen des jeweilgen Problem auf den Grund gehen zu können. Die sind unbequem und von denen wird häufig gesprochen, wenn Verschwörungstheoretiker gemeint sind. Es handelt sich bei dieser Bennenung also oft um eine ebenso pauschale Ablehnung u.U kritischer Stimmen, deren Diskurs abgeblockt werden soll, weil er den ideologischen udn herrschaftskonformen Mainstream verlässt. Es handelt sich damit um eine der vielen Strategien die Herrschaftsverhältnisse aufrecht zu erhalten, sich Kritik nicht zu stellen, einen öffentlichen Diskurs, öffentlichen Raum, politischen Raum zu verhindern, der jenseits der herrschenden Gouvernance sich bilden könnte. Dies alles findet natürlich erst dann statt , wenn jemand oder eine Gruppe medialen Einfluss erreicht hat, den es zu eleminieren oder zu diskreditieren gilt. Ein intelligentes Buch darf jeder schreiben , solange es nur von ein paar Nasen gelesen wird.

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Ehemaliger Nutzer 11.10.2016 | 11:26

Sorry das ich erst jetzt Antworte DOS, ich war beruflich mit den "Winterkorns, Maschmeyers" etc. beschaeftigt.

Sie haben sehr sehr wahrscheinlich Recht mit Ihrer Kritik an meinem Statement, aber eins kann ich Ihnen sagen, solche Typen haben Sie persoehnlich noch nicht kennengelernt, ich schon, und zwar nicht nur einmal.

Nebenbei, die gut bezahlten PR-Agenturen haben nicht geschlafen, einige Links vom 18.01.2012 gehen heute nicht mehr...

"Verschwoer Verschwoer"...

Mei Nung 11.10.2016 | 12:44

Ich muss Ihnen leider wieder in einem entscheidenden Punkt entschieden widersprechen: Es ist eben absolut nicht nur der praktische Teil, der gefährlich ist. Wieso kann es denn so leicht zur Personalunion von Verschwörungstheoretiker und Verschwörungspraktiker kommen? Ihre ( m.E. wieder sehr langatmige )Definition von Verschwörungspraxis ( dazu vielleicht auch mal ein Zitat von Nietzsche: "Den Stil verbessern heißt den Gedanken verbessern-nichts weiter!")könnte im übrigen auch bereits schon wieder Teil einer Verschwörungstheorie sein.

Das Gefährliche an Verschwörungstheorien ist ja gerade, dass sie nicht nur eine bestimmte Wirklichkeit suggerieren wollen, die es so nicht gibt, sondern auch ein bestimmtes Denken über diese Wirklichkeit. In letzter Konsequenz begünstigen Verschwörungstheorien totalitäres Denken und in allerletzter Konsequenz- das Denken anderen zu überlassen.

"Das Bedürfnis zu denken entsteht immer dann, wenn wir das Empfinden haben, dass Worte in ihrer gewöhnlichen Bedeutung eher etwas verdunkeln als erhellen. Der Prozess der Klärung, der im Denkprozess vor sich geht, erfolgt durch Unterscheidung." ( Hannah Arendt) Daher auch mein Beharren darauf, den Begriff "Verschwörung" zu klären. Sie verwenden ihn aber munter weiter drauflos als schwammigen Welterklärungs-Universalschlüssel. Das ist auch sehr einfach.

Dass Sie im übrigen mein Beispiel mit Hitler als Sonderfall abtun, erschreckt mich wiederum zutiefst. Das zeigt mir erneut, dass wir in zwei verschiedenen Welten liegen.

Sie scheinen sehr belesen zu sein, aber Belesenheit schützt leider nicht vor der Gefahr der Bestätigungsverzerrung ( um nicht den zugegeben schwammigen Begriff der Verblendung zu wiederholen). Sie sind sehr eloquent, muss ich auch zugeben, aber ich merke, dass Sie (bewusst?)nicht auf das eingehen (wollen?), was ich Ihnen sagen will bzw über vieles einfach hinweggehen, und dass Sie sich letzten Endes wiederholen.

Deswegen setze ich hier mal einen vorläufigen Schlußpunkt.

iDog 11.10.2016 | 14:49

"den Begriff "Verschwörung" zu klären. Sie verwenden ihn aber munter weiter drauflos als schwammigen Welterklärungs-Universalschlüssel"

... kann ich mich leider nicht mit zufrieden geben. Ich habe recht genau erklärt was ich unter Verschwörungen verstehe, im Gegensatz zu ihnen. Sie beharren auf der Gefährlichkeit der Theorie. Ich sage nirgends , dass sie ungefährlich ist ( außer bei absolutem Blödsinn), ich sag nur , dass die Praxis der Verschwörung gefährlicher ist.

Wenn Sie also diese ehre abstrakte Klärung des Begriffs nicht akzeptieren, kann das nur daran liegen , dass sie diese nicht verstehen, obwohl sie sich auf Realität bezieht, historisch und sozialogisch belegte Realität. Ich empfehle Ihnen also mit allem Wohlwollen sich bezüglich der Techniken und Methoden , mit denen politsiche und ökonomische Zielebis zum offenen Krieg verfolgt werden genauer auseinander zu setzen , realistischer sozusagen. Womit wir wieder beimAusgangspunkt wären: Der Betrachtung von Herrschaft als solche als eine intransparente Methode der , ja sie haben Recht , totalitären Führung. Wenn sie dann einen Augenblick lang die herrschende kapitalistische Ideologie, die gerne als demokratisch daherkommen möchte, aber es nicht ist, per Definition nicht sein kann, unter dem Aspekt der Verschworenheit betrachten, werden sie vielleicht erkennen , von was ich schreibe.

iDog 11.10.2016 | 14:59

Ach so . Ich vergass dieses: Sie beschweren sich , dass ich langatmige Erklärungen zur Verschwörungspraxis gebe und gleichzeitig meinen Sie, ich behandele nicht den Begriff Verschwörung, wäre dazu zu vage oder pauschal. Das widesrpricht sich. Die Verschwörungspraxis ist gleich Verschwörung zu verstehen. Nur um sicher zu gehen, dass .... ich stelle die Verschörung als Praxis also gegen die gleichnamige Theorie. Das hätte aber an sich aus meinem Artikel hervorgehen müssen und es kann sich also nur um ein Missverständniss Ihrerseits handeln.

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Ehemaliger Nutzer 11.10.2016 | 17:15

..."Die Frage ist nun welche ist real und welche imaginär"...

Die einen wetzen sich den Hosenboden auf und muessen kraeftig Steuern zahlen und die anderen beschweren sich das nicht genug geschafft wird, zahlen aber fast gar keine Steuern, zumindest prozentual vom Einkommen her gesehen, das sind Paralellwelten die koennten sich noch nicht einmal die Physiker im CERN ausdenken, in der Politik geht das anders, da waehlt man einen Fysiker(IN) und auf einmal geht alles im Micro- und Macrokosmos, flutscht wie geluscht.

Mei Nung 11.10.2016 | 19:07

Die "Praxis der Verschwörung" ist gefährlicher ? Ich sage: Die Praxis der "Verschwörung "ist genau so gefährlich wie der Glaube an die Verschwörungstheorie, die Theorie wird nicht dadurch ungefährlicher, dass die Praxis noch nicht stattgefunden hat.

Vielleicht müssen wir auch erst noch "klären", was "gefährlich" ist?

Sie sagen, ich habe den Begriff der Verschwörung nicht erklärt. Ich habe Sie auf die Ambivalenz des Begriffs aufmerksam gemacht und Ihnen die Lektüre von wikipedia bzgl. dieses Begriffs empfohlen. Sie sind darauf mit K E I N E M Wort eingegangen. Sie behaupten, dass ich Ihre abstrakte "Klärung" des Begriffs nicht akzeptiere und nicht verstehe, obwohl sie sich Ihrer Meinung nach auf "Realität" bezieht 8 wessen "Realität"?)( bitte auf die Gänsefüßchen achten, damit nicht wieder Missverständnisse entstehen), "historisch und soziologisch belegte Realität". Sie wollen mir ständig Ihre Wertungen als endgültige Tatsachen unterjubeln.

Vielleicht mal ein kleiner Auszug, was Sie bei wikipedia hätten lesen können: "Verschwörung ist als werthaft aufgeladener Begriff problematisch: In den allermeisten Fällen impliziert die Verwendung eine moralische oder rechtliche Distanzierung von dem so beschriebenen Vorhaben...Eine neutrale Verwendung des Begriffs ist ausgeschlossen, denn ob man ein Vorgehen für illegal, oder illegitim hält, ist eine Sache des Standpunktes."

Im übrigen: Untertänigsten Dank für Ihre unendliche Güte, mit der Sie mir Ihr Wohlwollen zukommen lassen, ich setze mich seit Jahrzehnten mit allen möglichen kritischen Abhandlungen, Essays und Untersuchungen zum Thema Macht, Herrschaft, Kapitalismus, Ideologie etc. auseinander, auch lese ich übrigens seit etlichen Jahren Nietzsche, sogar sehr gerne, aber durch unkritische Eins-zu-eins--Übernahme seiner Thesen wird man ihm nicht gerecht. Mit dem alten Vorwurf, seine Schwester habe ihn gefälscht, auch nicht. Der Vorwurf, sie habe Nietzsche so ausgelegt, wie sie ihn haben wollte, unterschlägt, dass alle anderen Nietzsche-Deutungen das genauso gemacht haben.

"Jenseits von Gut und Böse", "Wille zur Macht", "Umwertung aller Werte", "Unschuld des Werdens", "Ewige Wiederkehr", "der höhere Mensch"- das sind häufig zitierte "Schlagworte", die immer im Zusammenhang mit Nietzsches Namen auftauchen: Sie kennzeichnen Nietzsches Philosophie ebenso wie sie diese verzerren. Im Vorwort seiner "Unterstreichungen aus dem Nachlaß"("Weisheit für Übermorgen") steht:

"Die musische Denkweise Nietzsches, die ihre faszinierendste Ausrucksform im Aphorismus findet, versperrt sich jeder engen Sytematisierung. Nietzsche, der Künstler, kann die Welt nicht als geschlossenes "System" (!) begreifen oder definieren. Sie erscheint ihm vielmehr als "offenes System", als ein Organismus, der sich dadurch erhält, dass er sich ständig verwandelt...Die Nietzsche-Verehrer haben der Sache des Philosophen ohnehin in der Vergangenheit ebenso viel Schaden ( wenn nicht sogar mehr) zugefügt wie deren Widersacher. Nietzsche braucht keine Jünger, sondern "freie Geister", die sich seinen Gedanken stellen und sich bereit zeigen, mit ihm philosophisches Florett zu fechten."

dos 11.10.2016 | 23:02

Kein Thema, man hat schließlich auch noch was anderes zu tun, - und mir reichen die Promis, die ich pers. kennenlernte voll aus, vermisse da genausowenig wie an den Riesenbudgets der Projekte und deren Negativ-Hebel in Milliardenhöhe allein in einem Jahrzehnt einschlägiger Tätigkeit als W.-Inf. für solche wie accenture (Nachfolge-Org. der Enron-Betrüger), Siemens, BA u. v. a .m.

Sehr schön, was Sie da unter dem "einmal"-link gepostet haben: So oder ähnlich läufts immer, wobei zu ergänzen wäre, daß Leute aus solchen Kreisen der Selbstreferenz rausfliegen/nicht richtig reinkommen, wenn sie a) mit Nutten, Lear-Fliegerei und Ländereien nicht zu ködern sind, oder/und wenn sie b) sich (zu) unempfindlich gegenüber Drohungen (Karriere) zeigen.
Dabei sind nicht die Nutten, der Lear-Jet bzw. die Vermögenshöhe für den sozialen Skandal entscheidend, sondern der Kack, der in diesen selbstreferenziellen Kreisen FUNKTIONELL, - und damit für Millionen von Erwerbs- u. zunehmend auch von Konsumenten-Existenzen -, verzapft wird, also die Übung, daß Fakten Scheiße sind, allenfalls von vorsortierten (Re-) Präsentatoren 'akzeptiert' werden usw.

iDog 12.10.2016 | 00:37

"Vielleicht müssen wir auch erst noch "klären", was "gefährlich" ist?"

Wohl kaum. Gefährlich ist etwas , das Schaden anrichtet, destruktiv ist oder Leben bedroht. Das tut ein Theorie alles nicht , soviel steht fest. Erst wenn sie in die Tat umgesetzt wird kommt reale Gefahr auf, dann wenn die Theorie Konsequenzen in der Realität hat.

Wenn Sie also meinen, Theorie sei gefährlich , dann können Sie das ja nur auf die praktischen Konsequenzen einer Theorie beziehen, die sich im Denken oder besser im Nichtdenken bemerkbar machen. Denken ist per Definition kritisch, während alles andere nachdenken oder nachplapperen ist - eben das Nichtdenken. Klar kann das gefährlich sein, sieht ma ja heute sehr gut : Die Meisten denken nicht selbst, und die Probleme werden nicht weniger und nicht gelößt. Handelt sich auch hier um eine Folgen einer nur imaginierten, angenommenen Realität, die aber nicht die Realität ist?

Es fragt sich nun natürlich wer von dieser Art Theorie denn alles betroffen ist. Christen? Moslems? Juden? Buddhisten? Demokraten? Kapitalisten? Konformisten? Faschisten? Sozialisten? Kommunisten? Monarchisten? Anarchisten? Hedonisten? Masochisten? Gutmenschen? Oder sind es Ihrer Meinung nach doch nur ein paar Hanswürste und Idioten, die nicht an die Mondlandung glauben.

Ich gebe zu bedenken, dass Denken ohne Ideologie nicht wirklich möglich. Dazu leben wir alle und in jeder Hinsicht zu weit von der Natur entfernt. Wir leben in, durch und mit Begriffen.

Nun kommt die Praxis. Diese setzt einen Plan bzw. ein definiertes Ziel vorraus. Praxis ohne vorher zu denken schließe ich erstmal aus. Verschwörer denken sich was aus, oder? Gehen wir der Einfachheit halber von bekannten Verschwörungen aus zB. Gladio, kennen sie sicher, war ein solche. Noch besser ist aktuell zB. TTIP oder TISA. Diesen Besispielen ist gemeinsam , dass etwas geplant wird unter Ausschluß der angeblich demokratischen Allgemeinheit, also der Meisten. Diese aber ist von den Folgen später betroffen. Sie kann weder entscheiden noch sich komkrete Gedanken dazu machen. Es fehlen die entsprechenden, nötigen Informationen dazu, denn die werden geheim gehalten. Witzigerweise werden die , die trotzdem versuchen sich Gedanken dazu machen leicht Verschwörungtheoretiker genannt. Von wem eigentlich? Von Informierten? Oder von anderen Uninformierten?

Bei dem ersten Beispiel wissen wir , dass viele Menschen ums Leben kamen, viele Menschen unschuldig zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden usw.. Wir kennen das Ziel des Plans und wir wissen wer den Plan gemacht und ausgeführt hat. Wir kennen die unmenschlichen Folgen und die politischen, sozialen... usw.

Beim zweiten Beispiel wissen wir auch einiges, nämlich wer den Plan macht , wozu er dient , dasss er geheim ist , oder zum Teil war, und dass er schon mehrfach gescheitert ist, aber immer wieder in neuem Gewande daherkommt ... Selbst die Folgen sind halbwegs bekannt. Wir wissen auch, dass einige, die von sich behaupten müssen auch nicht mehr zu wissen, strikt dafür sind. Witzigerwiese sind das zB. die politisch Verantwortlichen, die verantworten , dass etwas Geheimgehaltenes im Namen aller (US- und Eu-Bürger) mit Industrielobbyisten und deren Anwälten verhandelt wird. Jetzt fragt man sich natürlich: Warum ist das so? Und vor allem : Ist das demokratisch? Viele Bürger in der ganzen Eu und auch in den USA meinen, dass es das nicht ist. Aber noch mehr Menschen wissen nicht mal was TTIP oder TISA ist.

Auch dieser Tatbestand ist also Verschwörungspraxis, ob man nun will oder nicht. Würden wir jetzt die Details einzeln betrachten , stellten wir fest , dass es da nicht um ethische Ziele , zB. um den Wohlstand aller Beteiligten geht, sondern um Privatinteressen, Geld und also Herrschaftsansprüche, selbst wenn diese abstrakt gesehen als strukturell zu bezeichnen sind. Es werden Freiheiten eingeschränkt, sogar der sogenannte souveräner Staaten zugunsten juristischer Personen. Es wird versucht Freiheiten Weniger zu Lasten der Freiheit ( zB. der Entscheidung) Vieler zu erlangen. Das nennt man Herrschaft. Die vorwiegende Startegie dabei ist, Menschen am selber Denken zu hinderen, zur Not mit Informationsverweigerung, zumindest nachdem das Geheimhalten nicht richtig funktionierte.

Ich lasse es dabei bewenden. Sie werden den Zusammenhang zwischen Herrschaft und Verschwörung vielleicht jetzt verstanden haben. Es geht um Mach und deren Ge- oder Mißbrauch.

"....die Lektüre von wikipedia bzgl. dieses Begriffs empfohlen. Sie sind darauf mit K E I N E M Wort eingegangen" und "Sie wollen mir ständig Ihre Wertungen als endgültige Tatsachen unterjubeln."

Wikipedia ist Wikipdia. Haben sie auch eine eigene Ansicht zur Verschwörung? Ich habe kein Lust Wikipedia zu kommentieren, und wenn ich dazu Lust hätte, würde ich das bei Wikipedia tun. Daher frage ich nach ihrer Meinung. Sie denken doch auch selber, nehm ich mal an. Mit anderen Worten : Ich sehe die Ambivalenz des Begriffs nicht, einerseits nicht in einem Zusammenhang, in dem es um Verschwörungstheoretiker geht, denn die sind ja immer erstmal die, welchen versuchen ein Verschwörung aufzudecken, egal aus welchem Grund und egal aus welchem Grund die Verschwörung selbst existiert - zB mit journalistischen oder kriminalistischen Mitteln, zum anderen weil es in jeder relevanten Verschwörung um ökonomische=politische Macht geht und weil man den eventuell ethischen Charkter einer Verschwörung ( zB. als ligitimen oder ethisch begründeten Widerstand) nur rückblickend oder aus historischer Sicht einnehmen kann, denn vorher weiß man per Definition nichts von ihr. ( Erstaunlicherweise wussten ja die Nazis sogar hinterher alle von nichts - als hätte es gar keine Parxis gegeben ! )

Wenn es um Ambivalenz gehen kann, dann doch nur beim Begriff des Theoretikers. Einerseits macht er sich wie ein Kommisar daran Indizien und Beweise zu sammeln , andererseits wird er von denen als Spinner bezeichnet, die nicht wollen, dass die Verschwörung ihr Ziel verfehlt. Das geht nur, indem man die seriösen Vertreter der Spezies mit den Idioten zusammewirft. Aber jemanden einen Veschwörungstehoretiker zu nennen, der blanken Unsinn behauptet, ist an sich schon Unsinn. Aber es funktioniert anscheinend im Sinne des Erfinders. Es sind also oft auch die zu beobachten , die ohne sichtbare Not jemand anderen als Verschwörungstheoreitker abtun und sich nicht auf einen kritischen Diskurs einlassen. Ich sehe hierin ein Symptom der Krise der Demokratie. Pluralität und freie Meinungsäußerung wird pauschal diskreditiert, mit einem zur Waffe gewordenen Begriff hinweggefegt. Und ich spreche dabei auch von duchaus fundierten akademischen und intellektuellen Meinungen. Konformisten, bzw. die "herrschenden Eliten" wollen sich diesen nicht stellen. Sie könnten es wohlmöglich nicht. Das Aufkommen des "Verschwörungstheoretikes" hauptsächlich über die sogenannten Mainstreammedien in Privathand ist kein Zufall. In der Politik gibt es keinen Zufall.

Und ja, das sind meine Wertungen, was sonst. Wenn Sie die als entgültige Tatsache empfinden, muss das entweder an ihnen liegen, oder an den Tatsachen. Ihnen bleibt nicht anderes übrig als die Tatsachen zu konsultieren, wenn ihnen daran liegen sollte festzustellen, ob meine Wertung diesen entspricht. Ich will sie von nix überzeugen. Jeder muss sich selber überzeugen. Ansonsten tauschen wir uns hier zu einem Thema aus , oder ? Und jeder sagt was er meint.

Und zu Nietzsche: Hätten Sie doch bloß was von ihm selbst zitiert.

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Ehemaliger Nutzer 12.10.2016 | 10:13

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/russland-soll-europas-fracking-gegner-unterstuetzten-13000742.html

Danke,

¡¡¡ U.. N.. F.. A.. S.. S.. B.. A.. R !!!

Die Wirklichkeit ist meistens etwas haesslicher als das es sich der schwaerzeste Pessimist (Wie ich) ueberhaupt vorstellen kann, jetzt weiss ich wenigstens wer Springstein bezahlt...

Und Rasmussen hat nicht zufaellig einen kleinen Beratervertrag in Houston oder Dallas bei der Bush Familie???

Man sollte mal bei der dänischen Antifrackingbewegung nachfragen...

:-D

P.S.

Heute schon der 2. Link nach 10 000 der mich nicht langweilt...

***** +

Mei Nung 13.10.2016 | 20:12

Muss doch nochmal was sagen, denn einiges kann ich nicht so unwidersprochen hinnehmen ( auch wenn mir bewusst ist, dass Sie auch darauf nicht eingehen werden):

Sie schreiben: "Einerseits macht sich der Verschwörungstheoretiker wie ein Kommissar daran, Indizien und Beweise zu sammeln, andererseits wird er von denen als Spinner bezeichnet, die nicht wollen, dass die Verschwörung ihr Ziel verfehlt. "

Haben Sie den Widerspruch bemerkt? Jemand sammelt Beweise und Indizien für etwas, was angeblich längst erwiesen ist? Dann können wir uns künftig ja jeden "Tatort" am Sonntag ersparen:

" Sie sind der Täter. Führen Sie ihn ab, die Beweise und Indizien sammle ich später." Und wenn ihn sein Assistent dann als Spinner bezeichnet, tut er das dann, damit der wahre Täter dann seine Tat ausführen kann bzw damit die "Verschwörung" gelingen kann? Wie hirnrissig ist das denn?

Möchte er nicht evtl. seinen "Kommissar" vor einem Riesenfehler bewahren ( und zwar vor dem Fehler, den wahren Täter weiter frei rumlaufen zu lassen)?

M.E. wird dieser verantwortungs-und gedankenlose Reflex, mit dem man eine Vermutung in einen Beweis , ein Vorurteil bzw ein allgemein geteiltes Ressentiment in ein eindeutiges "Indiz" uminterpretiert, erst durch die Ambivalenz des Begriffs "Verschwörung" hervorgerufen, denn dieser Begriff hat selbst eine Uminterpretierung seiner früheren Bedeutung hinter sich und wurde dadurch überhaupt erst ambivalent.

Sie glauben darüber hinaus, sich nur deshalb es nicht nötig zu haben, sich mit Aussagen auseinandersetzen zu müssen, weil Ihnen die Quelle nicht behagt, auch eine sehr billige und vor allem äußerst arrogante Methode, die Sie im übrigen schon vor zich Jahren mir gegenüber angewandt haben. Fällt Ihnen keine neue Methode ein, meine Aussagen zu ignorieren?

Sie schreiben außerdem: "Gefährlich ist etwas, das Schaden anrichtet, destruktiv ist oder Leben bedroht. Das tut eine Theorie alles nicht, soviel steht fest." Und kurz danach geben Sie zu: "Klar kann das Nichtdenken gefährlich sein."

Was ist dann in ihren Augen "Nichtdenken"? Theorie oder Praxis?

Es geht mir hier nicht darum, zu beweisen, dass es Verschwörungen nicht gibt ( oft gibt es sie aber immer ganz woanders als da, wo wir sie vermuten), es geht mir hier darum, deutlich zu machen, wie allein der Begriff" Verschwörung" sich schon auf die Glaubwürdigkeit einer Verschwörungstheorie auswirken kann ( und wie allein seine Ambivalenz bewirkt, dass wir sie womöglich immer da vermuten, wo gar keine ist, ein potentieller Irrtum, über den sich Geheimdienstmitarbeiter womöglich bestimmt köstlich amüsieren !)

Haben Sieim Übrigen auch schon mal über die Möglichkeit nachgedacht, dass Verschwörungstheorien selbst ein Herrschaftsinstrument sein können? Laut eines amerikanischen Journalisten sollen einige der gefährlichsten Verschwörungstheorien von der amerikanischen Regierung selbst verbreitet worden sein.

Indem ich den Begriff "Verschwörung" im Speziellen und Verschwörungstheorien im Allgemeinen kritisch hinterfrage, stelle ich im Übrigen nicht die Zusammenhänge von Macht, Herrschaft, Kapital und deren Machenschaften und Manipulationsmöglichkeiten infrage, im Gegenteil, ich möchte Sie und gleichzeitig mich selbst insgesamt zum bessseren kritischen Nachdenken anregen. ( jedenfalls war das meine ursprüngliche Absicht, aber das geht nur im Dialog, nicht in einem Monolog Ihrerseits, zu dem ich allenfalls als Stichwortgeber beitragen darf).

Ich gehe davon aus, dass Sie mal wieder mit keinem Wort auf meine Ausführungen eingehen werden, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Nochmal Nietzsche: "Die Deutschen sind bequem und nehmen daher gerne ein Muster, es erspart das Denken."

iDog 14.10.2016 | 15:14

Lieber Herr Nung ... doch, doch, in kann darauf eingehen.

Es ist leider so, dass sie den Kontext des Artikel aus den Augen verloren haben. Der Artikel beschäftigt sich u.A. mit der Tatsache, dass es Verschwörungen gibt und immer gegeben hat. Ich habe darauf hingewiesen, mehrfach, dass es sich bei diesen historisch gesehen fast immer um Macht bzw. Herrschaft(s-Erhalt oder -Gewinnung) dreht. Wie aus meinen Ausführungen sicher klar hervorgeht, entnehmen Sie nun meinen von Ihnen zitierten Satz aus meinen Darlegungen über die Ambivalenz des Begriffs "Verschwörungstheoretikers". Dazu habe ich in abstrakter Form den Beispielfallfall eines investigativen Theoretikers und eines Verschwörers, der sich gegen die Investigation wendet, gezeichnet. Die Situation ist also vollständig klar und nicht mal sehr theoretisch , denn diese Situation ist nicht selten. Man kann dazu leicht Beispiele finden. Will heißen : Auf Recherche basierende Informationen, die von anderen als VT denuziert werde bis die Beweislage das nicht mehr zulässt - entweder in der einen oder anderen Ausrichtung. Es haben in solchen Situationen schon Einige den Hut nehmen müssen. Das nennt man dann gewöhnlich Skandal.

Sie sehen also, dass das mit "Hirrnriss" nichts zu tun hat. Vielmehr bemühe ich mich eine realistische Situation zu beschreiben. Und bei der geht es auch um die Situation, dass der Staat u.U. selber seine "Verschwörungen" schützt. Sogenannte Psyops gibt es selbstverständlich, Sie wiesen darauf hin, wenn es darum geht die öffentlich Meinung von der Wahrheit abzulenken und eine konfuse Informationslage zu erzeugen, in der man hinterher jeden der VT beschuldigen kann , auch die, die die Wahrheit verstanden haben. Ich sagte bereits, dass die privaten Medien den Begriff der VT in Umlauf gebracht haben. Das sind die Mundstücke derer, die Grund haben ihre Herrschaftspolitik wie auch immer zu verbergen - meist in hohlen Worten oder weitschweifenden, auch durch die Politik getragenen, Kampagnen.

Was das "Nichtsdenken" angeh, so ist es vor allem in Form von unkritischem Konformismus gefährlich, der sich bedenkenlos ausnutzen und belügen lässt. Dieser wird gut auch von Nietzsche in dem von ihnen zitierten Satz beschrieben. Es gehört also eher zur "Theorie" und zwar als nicht hinterfragbare - sozusagen transzendierte - bürgerliche Ideologie des Kapitalismus, der eben nicht nur ein ökonomisches Prinzip ist, sondern ein Herrschaftsmodell über die ökonomische Schiene einer Monopolisierung der Eigentumsverhältnisse und die Privatisierung des Geldsystems. Beides wird durch die Staatsgewalt als alimentierter Komplize und Verwaltungsinstanz bei dem Spiel beschützt. Es ist zwar richtig, dass die kapitalistische Herrschaft auch eine Selbstherrschaft durch von jedem betriebene kapitalistische Praxis ist, aber es ist auch richtig, dass sie auf opportunen, hierarchischen Abhängigkeitsverhältnissen beruht, die sich zu einem konformistischen Credo und zu einer riesen Heuchelei über die vermeintliche Freiheit entwickelt haben. Nun, das muss ich hier nicht erklären. Sie kennen ja sicher Marx/Engels und zB. aktuelle Evidenz dazu.

Was das Eingehen auf Ihre Kommentar angeht ist es so, dass ich jedesmal auf Sie ganz direkt eingegangen bin. Ich hab es offensichtlich nicht so gemacht, wie Sie sich das vorgestellt haben. Aber diese, meine Kommentare sind an Sie gerichten und Antworten auf die Ihren, das steht fest, ob sie nun was damit anfangen können oder nicht.

Und ja, eine Verschwörung kann vieles sein. Ich denke dazu habe ich bereits hier und in meinem Artikel zum Thema hingewiesen. Was die von Ihnen thematisierte Ambivalenz des Begriffs angeht, muss ich wiederhohlen , dass man erst hinterher weiß , dass es eine Verschwörung war, wenn nämlich eine Verschwörungtheorie aufgrund von ersten Hinweisen sich anbietet und die darauf folgenden Untersuchungen ergeben haben, dass es eine war oder nicht - will heißen, wenn dies betroffene Praxis eben nicht mehr geheim ist.

Über den Fall falscher oder idiotischer Verschwörungstheorien, meist mit irgendwelchen Beschuldigungen verbunden, die sich nicht bewahrheiten, also keiner Evidenz entsprechen, braucht man mMn nicht wirklich streiten. Nur weil es auch die gibt, konnte, wie gesagt, der Begriff zum Kampfbegriff werden, ähnlich wie zB. "Putinverstehe" oder "Querfront". Wens Sie also von Ambivalenz ausgehen, dann wurde diese absichtvoll erzeugt in einem Kampf um politische Deutungshoheit. Errrinneren wir uns zwei Jahrzehnte zurück , hat fast niemand von VTs gesprochen. Man kann die Einführung diseses Begriffs in den öffentlichen und politsichen Diskurs sicher untersuchen.

Die Verschwörung ist also zum ideologichen Streitfall geworden und daraus nur zu retten , wenn man den Mut und die Mühe aufbringt die Realität wirklich zu analysieren. Die Tatsache, dass es immer Verschwörungen gab, legitimiert die Verschwörungtheorie. Dass diese in der akuten politischen Situation zum Synonym für Idiotie werden soll, kann nur an der Situation selber liegen, in der es Interessen zu geben scheint, die favorisieren, dass die, die sich bemühen etwas herauszubekommen über die realen Hingtergründe mancher Phänomene, als Idioten abgetan werden können. Man nennt das letztendlich Konservatismus. Und der bezieht sich im auf die Herrschaftsverhältnisse.