Demo-Aufruf: Wir haben Agrarindustrie satt

Landwirtschaft Demonstration für nachhaltige Landwirtschaft & gutes Essen am 19.1. in Berlin. Bitter nötig bei einer Politik, die sich nur an den Interessen der Agroindustrie ausrichtet
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Zum dritten Mal wird am Samstag im Rahmen der "Wir haben es satt"-Demo für eine nachhaltige Landwirtschaft, gutes Essen und gegen das Treiben von Agrarindustrie und -politik demonstriert. Schon lange Zeiten geht in diesem Bereich vieles in eine vollkommen falsche Richtung: Statt Biodiversität gibt es riesige Monokulturen für Biokraftstoff. Statt vieler Bauern als regionale Versorger gibt es weltweit agierende Nahrungskonzerne, die Lebensmittel zur Ware machen und rund um den Globus schicken. Statt guter Nahrung mit vertrauenswürdiger Herkunft gibt es minderwertiges Essen aus Massenproduktion und -züchtung, dessen Produktionsbedingungen verschleiert werden. Die Liste ließe sich noch beliebig fortführen.

Doch statt auf die Probleme zu reagieren, unterstützt die deutsche Politik nur weiterhin die Interessen der Großbauern und Agroindustrie. Dabei könnte gerade dieses Jahr im Großen etwas verändert werden. Denn 2013 steht die Neuverhandlung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, kurz GAP, an. Dabei werden die Ziele und Maßnahmen festgelegt, die die europäische Agrarpolitik zwischen 2014 und 2020 prägen sollen.

Aigner blockiert Reformen

Nach dem Entwurf des dafür vorrangig zuständigen EU-Agrarkommissars Dacian Cioloş soll die neue Ausrichtung der EU-Agrarpolitik ökologischer werden: So sieht sein Entwurf etwa vor, dass zukünftig nur noch jene Landwirte Subventionszahlungen erhalten, „die mindestens sieben Prozent ihrer Äcker ohne Pestizide und ökologisch vielfältig bewirtschaften“, wie campact.de schreibt. Die EU nennt das „greening“. Natürlich ist dieser Anteil damit noch immer deutlich zu gering, um wirklich schnell etwas verändern zu können. Unserer zuständigen Ministerin Ilse Aigner geht jedoch auch dieser Vorschlag schon deutlich zu weit, weshalb sie eine solche Reform blockieren will.

Dagegen richtet sich nun jedoch immer größerer Widerstand. So hat ein Appell von campact.de an die Bundesministerin bereits über 180.000 Unterzeichner gefunden. In diesem wird Ilse Aigner aufgefordert, sich den langsamen Reformen der europäischen Agrarpolitik nicht in den Weg zu stellen. Grund ist dabei vor allem das immense Bienensterben in Europa, das viele Wissenschaftler auf den übermäßigen Einsatz von Pestiziden sowie die starke Fokussierung auf Monokulturen zurückführen.

Widerstand per Appell und Demo

Doch werden diese Forderungen nicht nur über den Appell kund getan, sondern sind auch wichtiger Bestandteil der „Wir haben es satt“-Protesttage. So haben bereits am Mittwoch Imker aus ganz Deutschland ihre toten Bienenvölker vor dem Bundeskanzleramt ausgeschüttet. Doch auch bei der Demonstration am Samstag werden sie natürlich mit von der Partie sein.

Damit den Forderungen nach einer ökologischen Landwirtschaft und somit guter Nahrungsmittel entsprechend Gehör verschafft werden kann, wäre es schön, wenn so viele Menschen wie möglich am Samstag um 11 Uhr zum Washingtonplatz am Hauptbahnhof kommen. Nur gemeinsam können wir der Agrarministerin zeigen, was wir von ihrer Blockadehaltung und gesamten Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik an den Interessen der Agroindustrie in Deutschland halten.

Demonstration „Wir haben es satt“

Samstag, den 19.1. , Berlin Hauptbahnhof, Washingtonplatz

11 Uhr: Auftakt zur Demonstration

12 Uhr: Demonstration zum Kanzleramt

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit und moderner Landwirtschaftsformen bei schreibstoff.com.

15:20 17.01.2013
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hierundjetzt

Studiert in Berlin Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie.
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