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13.03.2013 | 17:44 36

Und täglich grüßt das Großprojekt?

Intransparenz Am Nationalpark Eifel will der Energiekonzern Trianel ein umstrittenes Pumpspeicherwerk bauen. Den großen Protest dagegen versucht man nun rechtlich zu unterbinden

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied hierundjetzt

Und täglich grüßt das Großprojekt?

Am 9.3. demonstrierten rund tausend Menschen am Rursee gegen das von Trianel geplante Pumpspeicherwerk

Bild: Schreibstoff.com

Der Verlauf von Großprojekten wie Stuttgart21 oder des BER-Airports hat in letzter Zeit immer schwerwiegendere Zweifel an Bauvorhaben dieser Größenordnung aufkommen lassen. Neben der Frage nach der generellen Sinnhaftigkeit dieser Projekte steht dabei vor allem auch die vollkommen intransparente Planung im Zentrum der Kritik. Zu den oben genannten Projekten kann man dabei ohne Weiteres etwa noch die Elbphilarmonie oder den Nürburgring hinzuziehen. Vielleicht reiht sich dort bald jedoch auch das geplante Pumpspeicherwerk (PSW) am Nationalpark Eifel ein.

Am dortigen Rursee möchte der Energiehändler Trianel ein eben solches PSW bauen. Dies würde jedoch dramatische Folgen für den See und die ganze Region haben, befürchten viele Anwohner: Zum einen würde der äußerst niedrige Wasserstand in der jahrelangen Bauphase (insgesamt soll mindestens sechs Jahre gebaut werden) und der anschließende Tidenhub durch die Pumpvorgänge von bis zu zwei Metern in sechs Stunden den Naturraum in und um den See dauerhaft schädigen. Zum anderen würde dadurch auch der naturnahe Tourismus im und am Nationalpark, Hauptwirtschaftsfaktor der strukturschwachen Region, stark gefährdet werden, so befürchten die Kritiker. Das Einlaufbauwerk soll im idyllischen Naturschutzgebiet „Schilsbachtal" entstehen und dort mehr Wasser pro Sekunde in den Rursee abgeben als die Mosel bei Koblenz in den Rhein. Und wie sollen die prognostizierten ca. 200.000 Massentransporte in der Bauzeit durch die engen Orte und Straßen des Rurtals donnern, ohne Schäden an Mensch, Natur und Straßen zu hinterlassen?

Bürgerinitiative entfacht Protest

Daher hat sich seit einigen Monaten eine Bürgerinitiative (BI) daran gemacht, das Großprojekt doch noch zu stoppen. Unter dem Namen „Rettet den Rursee“ finden seitdem Informationsveranstaltungen und Aktionen statt, die auf große Zustimmung treffen. So wurden in der dünn besiedelten Region mittlerweile rund 4.000 Unterschriften gegen das PSW gesammelt.

Vorläufiger Höhepunkt war jedoch eine Demonstration am letzten Samstag, zu der trotz Nieselregen rund tausend Teilnehmer kamen (Video) – das Städtchen Heimbach, in dem die Demo stattfand, hat selbst nur ca. 4.500 Einwohner in seinem gesamten Stadtgebiet. Sogar der Abt des nahe gelegenen Trappistenklosters Mariawald brach sein Schweigen, um auf der Bühne seine Ablehnung des PSW kund zu tun.

Vertreten waren bei der Demonstration Anwohner, genauso wie Besucher aus dem Rheinland oder den Niederlanden, für die die Rureifel ein wichtiges Naherholungsgebiet ist. Dabei umfassten die Teilnehmer alle Altersgruppen und Parteien. Über Parteigrenzen hinweg positioniert sich eine überwältigende Mehrheit der lokalen Politik überzeugt gegen das Großprojekt. So hat in zwei der drei Anrainergemeinden (Heimbach und Nideggen) die Stadtverwaltung den Bau frühzeitig abgelehnt. Aber auch der Kreistag des Landkreises Düren hat sich vor einigen Tagen mit Ausnahme der einzigen Grünen Abgeordneten geschlossen gegen den Bau des PSW ausgesprochen.

Neue Vorwürfe setzen Trianel weiter unter Druck

Das weitere Schicksal das Region liegt nun in den Händen des Regionalrats in Köln, der am Freitag über eine für das Bauvorhaben notwendige Regionalplanänderung abstimmt. Die Umwidmung von Wiesen und Wäldern in Industriefläche. Kurz vor diesem entscheidenden Termin hat die Öffentlichkeit von der Existenz interner Trianel-Papiere erfahren, die die Zweifel an dem Projekt noch verstärken. Besonders „die CDU-Fraktion ist äußerst erzürnt", wie Hans-Willi Dohmen, für die CDU Mitglied im zuständigen Regionalrat, der Kölnischen Rundschau mitteilte. Noch zugespitzter formuliert es im selben Artikel Stefan Götz, Fraktionsvorsitzender der CDU im Bezirksplanungsrat, der Trianels Verhalten als „ziemlich blamabel“ bezeichnet und es für möglich hält, „dass das Projekt im Regionalrat kippt", da man sich fragt: „Wie glaubwürdig ist Trianel eigentlich noch?“

Das alles setzt Trianel wohl derart zusätzlich unter Druck, dass man zu bisher noch nicht gekannten Maßnahmen greift: So sah man sich bei Trianel in Aachen jetzt dazu veranlasst, rechtliche Schritte gegen die BI einzuleiten. Trianel droht der BI „Rettet den Rursee“ e.V. mit einer Klage, um „die Veröffentlichung von Informationen, die die wahren Absichten des Unternehmens zeigen, zu verhindern“, wie es auf der Seite der BI heißt und mahnt sie für die angebliche „Verwendung und Verbreitung des 'Projektbericht Trianel Wasserspeicherkraftwerke Deutschland (TWD)'“ ab.

#trialeaks: Die Intransparenz bei Großprojekten gibt's gratis dazu

Scheinbar sieht da jemand sich und sein Projekt arg unter Druck gesetzt und glaubt nicht mehr an die Kraft der eigenen Argumente. Sonst jedenfalls würde der sprichwörtliche Goliath in diesem Fall wohl kaum zu solchen Mitteln greifen beim Versuch, dem David Einhalt zu gebieten. Sonst würde man es nicht für nötig halten, eine einstweilige Verfügung gegen die BI „Rettet den Rursee“ zu erwirken um so jegliche Weiterverbreitung des Berichts zu verbieten, nur weil dieser angeblich „Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse“ enthalte.

Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse, die verhindern, dass sich Bürger und Politiker ein besseres Bild von der Sachlage machen können? Wenn hier kein Recht auf Information für alle politischen Entscheidungsträger und Betroffenen besteht, wo dann? Da hilft es auch kaum, dass Trianel nun verlauten lässt, diese Pläne aus dem Dezember 2012 hätten heute keine Gültigkeit mehr. Denn zum einen wirkt es erschreckend, wie schnell bei einem Projekt dieser Größenordnung (offiziell: 700 Millionen Euro) Pläne scheinbar stark verändert werden können. Zum anderen lässt sich diese Aussage nur schwer auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen, da die angeblichen neuen Pläne natürlich wieder strikter Geheimhaltung unterliegen.

Vor diesem Hintergrund wirken Aussagen wie die des grünen Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer, „Sprecher für Energiewirtschaft”, selber aus der Region und PSW-Befürworter wie blanker Hohn: „Was Trianel an Transparenz betrieben hat, ist beispiellos, mehr kann man nicht machen.“

Intransparenz bei Großprojekten, war da nicht was?! Die anfangs erwähnten „Erfolgsprojekte“ strotzen jedenfalls alle nur so davor. Wir dürfen also gespannt sein, ob sich auch Trianels Pumpspeicherwerk am Rursee in dieser illustren Liste der Stuttgart21s und BERs einreihen wird, sollte der Regionalrat zustimmen.

Zum Autor:

Nicht alle Berliner kommen auch von dort. Und so ist auch der Autor dieses Artikels ursprünglich aus der Eifel, war als Jugendlicher im Rursee baden, weiß um die Schönheit der unberührten Natur und ist begeistert, welchen Protest die manchmal etwas verschlafene Eifel, wenn es nötig ist, auf die Beine stellen kann.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (36)

Georg von Grote 13.03.2013 | 18:05

Das ist so derart typisch.

"ATOMKRAFT; NEIN DANKE! WIR WOLLEN DIE ENERGIEWENDE!" brüllen sie durch Straßen, Wiesen, Auen und Wälder.

Das man dazu vielleicht Pumpspeicher braucht, leuchtet dem einen oder anderen sogar noch ein.

Aber bitte nicht in meiner Gegend! :-)

Ja Klasse, mach ja auch mächtig Sinn, in der Heide, auf dem platten Land ein Pumpspeicherkraftwerk zu bauen :-)

hierundjetzt 13.03.2013 | 18:32

Das St. Florians-Prinzip, natürlich musste der Einwand sofort kommen. "Energiewende ja, aber nicht vor der eigenen Haustür, ne?" und so ähnlich.

Aber in diesem Fall ist die Kritik haltlos. Das dortige Pumpspeicherwerk-Projekt wird von der rot-grünen Landesregierung zwar als wichtiger Teil der Energiewende gepusht und auch Trianel verkauft es als solchen. Doch hat heutige Bau von Pumpspeicherwerken nicht im Geringsten etwas mit Energiewende zu tun.

Ziel der Energiewende muss es sein, eine kleinteilige und dezentrale Energieversorgung aufzubauen, die nachhaltig und unabhängig funktioniert. Nicht der Bau von derartigen Riesenanlagen der alten Schule, bei denen vor allem das Profitstreben der dahinter stehenden Energiekonzerne im Fokus steht.

Das klare Ja zur Energiewende betont auch immer wieder die Bürgerinitiative. Doch hat man dort auch die deutlichen Probleme der Pumpspeichertechnologie erkannt, die einer wahren Energiewende entgegenstehen.

Und dass es keine neuen Pumpspeicherwerke in Deutschland braucht, hat jüngst auch das Frauenhofer Institut in einer Studie ermittelt. Mehr dazu finden Sie aber auch auf der Seite der Initiative:

http://rettetdenrursee.de/energiewende/

http://rettetdenrursee.de/technischer_hintergrund_des_pumpspeicherwerks/wie-funktioniert-ein-pumpspeicherwerk/

eldorado 13.03.2013 | 19:01

Ist doch egal was. Der Grund ist doch, dass das Wirtschaftskarusell, am Laufen gehalten werden muss. Im Gegenteil, es soll immer weiterdrehen. Ist doch in deren Köpfen immer noch das Ziel, wieder Vollbeschäftigung zu erreichen.

Ja, Georg von Grothe, warum nicht Stromerzeugung mit dem Fahrrad. So könnten wir sicher wieder Vollbeschäftigung erreichen.

mcmac 13.03.2013 | 19:40

Vielen Dank für diesen Bericht. Ich habe ein wenig in den verlinktenUnterlagen gelesen und auch den Bauherren ein wenig angeschaut.

Mein erster Eindruck: Und täglich grüßt das Murmeltier; es ist -prinzipiell- wie u.a. in Stuttgart... da soll auf Biegen und Brechen (und zum Vorteil einer privatwirtschaftlichen Unternehmung) etwas gebaut werden, dass a) wirtschaftlich unnütz ist und b) zum Schaden der Allgemeinheit ist.

"[...]Mehrere Studien belegen mittlerweile, dass eine hundertprozentige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien möglich ist. Trotz eines damit einhergehenden Anstiegs an so genannter Regelenergie bis 2050 fordert keine der Studien den Neubau von Pumpspeicherwerken.[...]" (ebenda)

Und eine gehörige Portion politisches Prestige steckt offensichtlich auch noch drin: "[...] Die SPD-Fraktion wird der Regionalplanänderung – mit Ausnahme von Peter Koschorreck, der für den Kreis im Rat sitzt – zustimmen. Das hat die Fraktion, der der Bericht nach eigenen Aussagen vorlag, am Freitag entschieden.[...]" (Zitat Aachener Nachrichten v. 11.3.2013)

http://www.freizeitfreunde.de/system/files/images/murmeltier.jpg

ed2murrow 14.03.2013 | 08:36

Wenn es nach dem I-Net eine weitere Form der umfassenden Vernetzung geben wird, dann ist es in Sachen Energie. Denn eine Revolution Richtung nachhaltiger Gewinnung bedeutet schlicht und ergreifend (solange nicht andere Formen erfunden werden), jeden cm² verfügbarer Fläche umzusetzen. Und da beginnt die Diskussion, was als "verfügbar" anzusehen ist.

Ich schrieb einmal vom Windmast, der im Vorgarten stehen sollte, damit jeder sieht, wieviel Strom er selbst verbraucht. Ich ergänze: Zuzüglich der Güter, die für seinen Verbrauch hergestellt werden.

hierundjetzt 14.03.2013 | 09:59

und @ED2Murrow

„Wo bleibt die alternative Lösung zum Speichern von Strom?“

Wie wär's denn mal mit power-to-gas, zum Beispiel? http://de.wikipedia.org/wiki/Power_to_Gas

Da steckt im Gegensatz zur veralteten Pumpspeichertechnik wirklich Zukunft drin. Und das zu einem Bruchteil des monströsen Flächen- bzw. Landschaftsverbrauchs, den Pumpspeicherwerke mit sich bringen.

Gleichzeitig kann damit auch dem Aspekt der Dezentralität bei der Energieversorgung viel besser entsprochen werden, als durch aberwitzige Großbauten wie Pumpspeicherwerke, die alle paar hundert Kilometer mal ein wenig Offshore-Energie zu speichern versuchen.

Was mich neben dem bloßen Bauvorhaben aber vor allem rasend macht, ist die Art und Weise wie hier ein Energiekonzern gemeinsam mit der rot-grünen NRW-Landespolitik versucht, auf Biegen und Brechen ein Projekt durchzusetzen, für das jeglicher Rückhalt in der Bevölkerung fehlt. Da der aber nicht vorhanden ist, wird zu allen Mitteln gegriffen, sei es Fehlinformation durch das Zurückhalten interner Berichte, oder jetzt gar Einschüchterungsversuche der Gegner von der Bürgerinitiative durch Abmahnungen und Androhung von Klage.

Es ist ja nicht so, dass wir das nicht tagtäglich bei unseren „Vorzeigeprojekten“ in Stuttgart, Berlin oder Hamburg mit ansehen könnten. Wann lernen die zuständigen Politiker, genauso wie die Entscheidungsträger in den Konzernzentralen endlich, dass Projekte auf dieser Basis zum Scheitern verurteilt sind?

fahrwax 14.03.2013 | 11:16

Wir werden unsere Verbrauchsgewohnheiten dramatisch nach unten korrigieren müssen. Technologien werden nicht mehr nach ihrer Möglichkeit zur Rendite, sondern nach ihrer Vertretbarkeit in Hinsicht auf eine global Moral auszuwählen sein. Der Glaube an den rücksichtslosen, fortgesetzten materiellen Zugewinn ist Dekadenz.

Die Völlerei hat bald ein Ende. Die Gleichsetzung von menschlicher Entwicklung mit gallopierender technischer Innovation ist eine Sackgasse.

"Ist es ein Fortschritt, wenn ein Kannibale Messer und Gabel benutzt?"

Stanislaw Jerzy Lec

ed2murrow 14.03.2013 | 12:56

Erlauben Sie mit bitte, dass ich Sie und fahrwax erst einmal auf ein paar konkrete Zahlen verweise zum Primärenergiebedarf Deutschlands, die ich in "Stell mit einen Windbaum auf" erarbeitet habe. Sie können dem gerne auch meine Haltung entnehmen zu lokalen Egoismen, die nach Gutsherrenart (dann auch von den braven Bürgern nachgebetet) formuliert werden.

Mit Formulierungen vom drastischen Rückfahren unserer Ansprüche, wie sie unten fahrwax zur Debatte stellt, ist nichts anzufangen. Das ist fruchtlose Paradigmenreiterei, das die Frage nach Machbarkeit lediglich verabsolutiert, ohne die Menschen mitzunehmen - im Gegenteil, sie werden erst recht verschreckt und damit in den Egoismen bestärkt. Dass genau da ein Guttenberg sen. in die Kerbe haut, sollte Ihnen zu denken geben.

Dagegen bin ich ganz bei Ihnen, was die Planung und ihre Durchsetzung angeht. Vielleicht sollte dabei näher beleuchtet werden, was und wer Trianel ist, nämlich: "Seit Gründung der Trianel GmbH hält den größten Gesellschafteranteil die ewmr - Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet GmbH (Stadtwerke Bochum) und somit die Stadt Bochum" (Quelle: Wikipedia). Wir haben es hier also mit einem privatrechtlich organisierten Kommunalversorger zu tun, der mehrheitlich in kommunaler Hand steht. Der primäre Gedanke einer "Heuschrecke", der im Blog und in Kommentaren suggeriert wird, stimmt also nicht. Dass Trianel die erforderliche Investition in den konkreten Bau einem anderen Rechtssubjekt überlassen wird, erklärt sich gerade aus dieser öffentlich-rechtlichen Bindung.

Die Kritk müsste also ansetzen, dass kommunale Versorger selbst (in umgekehrter Allüre wie Guttenberg) nach Gutsherrnart verfährt. Allerdings fehlt mir in Ihrem Blog ein deutlicher Hinweis darauf, ob und in welchem Umfang bezüglich des Projekts ein Planfeststellungsverfahren läuft oder eingeleitet ist, das eine wesentliche Beteiligung garantieren würde.

Als letztes: Ihr Link zu Wiki enthält auch folgende Grafik

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/68/Wind_hydrogen.JPG/800px-Wind_hydrogen.JPG

Vllt. schauen Sie einmal etwas genauer links unten, da steht "Water supply".

Best, e2m

fahrwax 14.03.2013 | 13:16

Unser derzeitiger "Wohlstand" existiert dank weltweiten imperialistischen Raubzügen, Ressourcenkriegen und dem Hunger in der Welt. Das ist unser "Verdienst".

Möchten sie gern weiter prassen zu Lasten anderer und ihren Tunnelblick aufmerksam vor ihre Füße richten?

Eine menschliche Entwicklung hat nicht stattgefunden, was sie dafür halten ist barbarisch, weil es nur einer Minderheit zukommt.

Was da im Reservat "Naturpark Eifel" stattfinden soll ist Faschismus mit ökologischer Tünche, wollen sie das nicht begreifen?

Worum bitte ging es noch gleich am Little Big Horn?

Fortschritt?

ed2murrow 14.03.2013 | 15:05

Ihrem allgemeinen Weltschmerz werde ich ganz sicher nicht folgen. Wenn Sie das Bedürfnis haben, das Büßerhemdchen anzuziehen, bitteschön - in Rom gibbet ja nun nen neuen Franz, nech?

In Deutschland sind wir das erste Land (nicht nur industrialisierte Nation) der Welt, das einen radikalen Umbau der Energieerzeugung versucht. Dabei klammere ich ausdrücklich Island aus, das mit seiner Geothermie nichts anderes getan hat, als bis auf die Erdoberfläche reichende thermische Gegebenheiten auszunutzen. Und ich betone: versucht, denn die Resistenzen (von vielen gerne übersetzt mit Widerstand) aus 150 Jahren fossil, aus 50 Jahren nuklear ausgerichteter Wirtschaft sind in die DNA von Generationen eingeschrieben. Viel Spaß bei Ihrem Versuch, das zu versuchen.

fahrwax 14.03.2013 | 15:28

Maschinenstürmerei & Weltschmerz, fällt ihnen den so gar nichts ein oder auf?

Der Trog an dem sie kauen beinhaltet nicht nur Pferdefleisch: schauen sie doch einmal genau hin welches Genmaterial er enthält. Verwurstet wird alles Wehrlose.

Die, im Namen des “Fortschrittes”, um ihre Menschenwürde Bestohlenen melden sich zu Wort. Das ist in Stuttgart so, das passiert bei diesem Pumpspeicherprojekt und hätte schon am Nürburgring passieren sollen. Der technologisch-wirtschaftliche Wahnsinn galoppiert, dabei frisst er laut schmatzend einen Lebensraum nach dem anderen.

Findet auch nichts dabei sich von „Wirtschaftsflüchtlingen“ zu ernähren, oder sie ersatzeise zu ersäufen.

Er verklärt jede flache Dummheit bis zur „Alternativlosigkeit“ und verkrebst dabei wahrhaft menschliche Antriebskräfte.

Halten sie sich für einen Menschen, weil sie eine Computertastur – eine Blechbüchse auf Gummiewalzen und ihr Handy (vermutlich notdürftig) bedienen können?

Weil der Strom aus der Steckdose kommt?

Das ist die Arroganz der Dekadenz die jede soziale Kompetenz totschlägt und dabei, ganz nebenbei, Menschen zu asozialen Bestien erzieht.

Ihr Hemd ist zu kurz für ihren Hintern.

Ich nenne das Faschismus.

ed2murrow 14.03.2013 | 16:25

Dass Sie Ihre eigene, in den zahlreichen Fragezeichen zum Ausdruck kommende Ratlosigkeit mit starken Worten wie "Arroganz der Dekadenz" kleiden müssen, ist mindestens so selbstverständlich wie decouvrierend - Sie wissen tatsächlich nicht weiter!

Dabei wäre die Frage der Neudefinition, was "nachhaltig" ist, demonstriert am Objekt "Energie", gerade eine, die in der breiten Debatte auch zu dem führen könnte, was etwa als "Allgemeingut" zu verstehen wäre - nicht etwa jene konservative Haltung, die sich als konservatorisch entpuppt, es bei bestehenden Erhaltungsprojektionen (von der schon von den Nazis missbrauchten "Natur" bis hin zu den schwiemelnden Gaia-Märchen) belassend, sondern als Frage eines erhaltenden Fortschritts.

Was Sie hier von sich geben, ist die Angst des Kleinbürgers im eigenen Vorgarten mit seinen sieben Zwergen, eine vorgegaukelte Wolkenkuckusheimromantik verkleidet in "back to the roots": ahistorisch, unmenschlich, blind. Wenn Sie mich einen Faschisten schimpfen, nur zu und weiter so. Wer hier die Fasces vor sich herträgt, erschließt sich dem Leser sehr schnell.

fahrwax 14.03.2013 | 17:39

Ein schönes Gefecht, also weiter:

Sie versuchen fortwährend ihrem Bewertungsmassstab eine allgemeine Verbindlichkeit zukommen zu lassen, die „ihre“ Besitzstände und „ihre“ Vorstellungswelt zur einzig möglichen erklärt.

Den Menschen in Heimbach möchten sie gern aufoktroyieren, dass sie „Opfer“ im Dienste der von ihnen definierten „guten Sache“ bringen müssen. Ihr Zauberwort ist dabei „Nachhaltigkeit“, das scheppert in meinem Kopf ganz ähnlich wie der zeitweise beliebte „Lebensraum im Osten“. Was nichts anderes sagt als: wir sind die Besseren, ihr und eure Bedürfnisse seit verzichtbar. Wir sind die Guten, wir haben das „Recht“ euch zu sagen wo es lang geht, eure Bedürfnisse sind abartiger Natur.

Das ist faschistisches Herrschaftsdenken, vor dem Hintergrund eines elitären Glaubens an die eigene Omnipotenz. Sie wollen in den unmittelbaren Lebensraum von Menschen dramatisch eingreifen, mit ihrer irrigen Überzeugung überlegenen Denkens.

Missionare wie sie haben weltweit den „Wilden“ ihre Vorstellung von Zivilisation auf das Auge gedrückt, immer mit dem eigenen, direkten Vorteil fest im Blick. Leider führten derlei Missionierungen, mit der Keule angemaßter Überlegenheit, regelmäßig zum Verlust von Vielfalt.

Die nicht kleinen, erheblichen Nebenwirkungen ihres betonierten Denkens verschandeln überall unübersehbar Hirne und Landschaften. Das möchten sie gern mit dem Wort „Nachhaltigkeit“ verbergen.

Sie wollen in fremden Vorgärten die angeblich nachhaltigen Gartenzwerge ihres Ökologie-Wahns einbetonieren und ignorieren dabei Menschen und Natur. Das ist nicht nur widersinnig, sondern die Praxis eines wohlbekannten, aber schadhaften Denkens.

Ziehen sie doch nach Stuttgart, da sollen gerade schöne Kellerwohnungen für ihre Denkweise gebaut werden.

ed2murrow 14.03.2013 | 18:15

Wenn Sie sich in Ihrem Minderwertigkeitskomplex als der Kolonisation zugänglich erklären, dann ist das Ihr Problem. Erst recht, wenn Sie sich da wie das kleine gallische Dorf gerieren, vermutlich in der Rolle des Verleihnix. Was Sie konkret wollen, sagen Sie nicht, sondern schwafeln von Reduktion überflüssiger Energieverwendung. Einverstanden. Machen Sie Ihren Computer aus und enthalten Sie sich jeglichen weiteren Beitrags. Jetzt.

ed2murrow 14.03.2013 | 19:05

Kann es sein, dass Sie den ersten Preis für den diesjährigen "Godwins Law Contest" gewinnen wollen? Ich gebe Ihnen noch eine Chance zum Selbststudium: Bundesnaturschutzgesetz und seine geschichtlichen Vorgänger. Wenn Sie grinsender Weihnachtsmann dann immer noch meinen, das Rutenbündel läge nicht in Ihrer Hand, dann ... dann ...

Ach wissen Sie was, Bienzle? Machen Sie ruhig so weiter, das Publikum amüsiert's.

mcmac 15.03.2013 | 01:53

Sehr geehrter ed2murrow,

Ihr Eintrag an dieser Stelle hat mich ebenfalls tatsächlich etwas stutzig gemacht.

Sie haben in einer bewundernswerten Weise über die letzte Wahl in Italien berichtet. Sie hoben hervor, dass dort ein Kandidat Erfolg hatte, der dem Establishment die Angst zurück gab (und Jenem somit nach all seinem -gelinde gesagt- Übermut dankenswerterweise so etwas wie Demut schenkte).

Sicherlich ist Ihnen neben den „eigensüchtigen Verleihnixen“ auch dieses uritalienische Projekt, genannt TAV, bekannt. Die Gegner dieses -gleichfalls idiotischen- Projekts haben sich schlimmer zusammenkloppen lassen, als das in „Verleihnix“ jemals der Fall war.

Mein (bescheidener Eindruck) der von Ihnen korrespondierten der Wahl der Italienerinnen und Italiener ist u.a. dieser: Sie goutierten eine Wahlentscheidung, welche dem bekloppt-normativen Behauptungsfetischismus einer Polit-Kaste einen tatsächlichen demokratischen Riegel vorschiebt.

Deshalb ist es m.E. auch nicht notwendig -oder schon gar zwingend- Leuten aus der Eifel, Indianern oder Eskapisten, einen derart unsolidarischen Hammer vor's Maul zu prellen (um es mal in einer Art Neuenglisch-Aufgeklärten, heute unzulässigen Weise zu sagen) wie Sie es an Fahrwax an dieser Stelle glauben exerzieren zu müssen. (Hätten Sie sich einmal die Berichte oben im Beitrag nur ansatzweise durchgelesen & begriffen, hätten Sie sich niemals in die digitale Klopperei mit Fahrwax begeben..)

Dass, lieber ed2murrow, ist -wenn ich mir diesen maskulin-aristokratischen, feudalen Pickelhauben-Anachronismus erlauben darf- die falsche Flur zur Jagd, um die üblichen Verdächtigen zur Strecke zu bringen.

Mit außerordentlich respektvoll-freundlichen Grüßen an Sie selbst

& mit Grüßen ebenfalls an einen der letzten Mohikaner (Mohegan)

mcmac

Als Abschied/Schluss: Eine Kleine Nachtmusik - zugegebenermaßen vielleicht etwas Fahrwax-lastig, jedoch nicht nur, oder...?

ed2murrow 15.03.2013 | 12:32

Die Einen haben mit den Anderen durchaus Verbindungen.

Die völlig verfehlte, vor über 30 Jahren von Bürokraten verfasste Europäische Verkehrswegeplanung, deren heiße Knoten heute Val di Susa und S21 sind, ist tatsächlich Vergleichsmaßstab. Gerade Val di Susa trägt die Konsequenzen einer in der Substanz auf Individualverkehr ausgerichteten Planung. Das Tal wird von zwei Staatsstraßen (SS24 und 25), einer Autobahn/Europatrasse (A32) sowie der bereits existierenden Bahnlinie durchzogen bei einer Talbreite von teilweise nicht einmal einem Kilometer. Hier hinein soll noch ein fünfter Verkehrsweg eingezogen werden, der, weil ohnehin schon kein Platz mehr vorhanden ist, weitgehend in Tunnels verlegt werden soll.

Dieses buchstäblich die-Luft-abschnüren, zudem verbunden mit dem Fetisch der Hochgeschwindigkeit, ist aber erst der Anfang zu der Frage, wie der (volkswirtschaftlich auf lange Sicht kaum Sinn machende) bis dahin geförderte Individualverkehr aufgefangen bzw. ersetzt werden kann.

Die meisten Menschen der Val di Susa sind gezwungen, jeden Tag nach Turin zu pendeln, und die bisher bereit gestellten Bahnkapazitäten reichen nicht aus, alleine diesen Pendelverkehr aufzunehmen, obwohl mit vergleichsweise geringen Kosten und Eingriffen die bestehende (!) Infrastruktur als „öffentliches Verkehrsmittel“ potenziert werden könnte. Hier haben wir einen ähnlichen Zielkonflikt wie bei S21, wo das Primat der internationalen Trassierung gegenüber dem Ausbau der lokalen Konnektivität ebenso in die Kritik geraten ist. Das Problem auf weit höherer Skala, wie der internationale Personen- und Warenverkehr künftig abgewickelt werden soll, ist damit noch nicht einmal im Ansatz weiter gedacht.

Die Resistenzen gegen Anlagen zur nachhaltigen Energiegewinnung und –speicherung ordnen sich ebenfalls in einen individualistischen Kontext ein, allerdings unter nun umgekehrten Vorzeichen: Der Beschneidung individueller Freiheiten wie dem am „ungetrübten Naturgenuss“ und der „Schönheit der Landschaft“. Im Fall des Rursees zudem (und das Argument scheint bei der BI an erster Stelle) das ökonomische Argument des „Tourismus“. Das sind (neben denen von Discoeffekt bzw. Schattenwurf bei eolischen Anlagen, bzw. der Verschandelung vom Ortsbild bei Solardächern) Argumente, die allgegenwärtig anzutreffen sind, wenn es um auch nur ein Windmast oder eine Freifläche geht, die solar genutzt werden soll. Bei Pumpenspeicherwerken (Zusammenstellung hier, Jochberg ist noch nicht dabei) gibt es buchstäblich keines, das nicht den gleichen Anfechtungen ausgesetzt wäre wie das am Rursee. Hier entfaltet das „St-Florians-Prinzip“ seine volle Wirkung, verweist die BI Ruhrsee doch darauf, dass die Kapazitäten reichen würden, würden erst einmal alle anderen Speicherwerke gebaut.

Die BI verhält sich dabei selbst nicht völlig korrekt. Denn wenn sie „informiert“, das Fraunhofer-Institut würde ihre Position mit dem Papier „100 % erneuerbare Energien für Strom und Wärme in Deutschland“ stützen, wonach das geplante Werk überflüssig sei, so ist das schlicht nicht richtig. Denn die BI unterschlägt dabei zwei ganz bedeutende Prämissen, die da lauten: „Dennoch ist offensichtlich, dass ein massiver Ausbau von Wind auf dem Land und auf der See, sowie eine massive Installation von Solaranlagen – sowohl Photovoltaikanlagen zur Strombereitstellung als auch Solarwärmeanlagen – stattfinden muss, um zu einer 100 % Versorgung mit erneuerbaren Energien für Strom und Wärme zu gelangen.“ Und: „An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass das Modell im derzeitigen Stadium lediglich den gesamten deutschen Strombedarf und den gesamten Bedarf für Niedertemperatur-wärme in allen Sektoren umfasst […]Mit unserem Modell erfassen wir somit Sektoren, die heute für ca. 62 % des Primärenergiebedarfs verantwortlich sind.“ Und der beträgt, so habe ich schon oben verlinkt: per 2011 13.411 Petajoule (PJ) und entspricht einer theoretischen Bereitstellung von 3.725 TWh.

Auch der Verweis auf Power-to-gas bringt am Grundproblem nichts weiter. Denn die für den Primärenergiebedarf erforderlichen Anlagen sind nicht der kleine Gasspeicher hinterm Haus, sondern Anlagen, die im Zusammenwirken mit anderen die Grundlast garantieren. Deren Größenordnungen sind an der Pilotanlage in Prenzlau abzulesen, wo auf einer Gesamtfläche von rund 10 Hektar (einschl. der Flächen und deren Abstände für die eolische Anlage) gerade einmal 3 MW Windenergie aufgenommen und mit einem Wirkungsgrad von rund 70% weiter gegeben werden können. Wie groß (und das ist die Überschrift des Blogs) müssen Anlagen sein, um Städte zu versorgen?

Der vom Fraunhofer-Institut zitierte Satz vom „massiven Ausbau“ zeigt, dass die Energiewende selbst ein immens großes Vorhaben ist. Meine Solidarität, die Sie hier brutal zu manipulieren versuchen, gilt nicht denen, die ihren Vorgarten unberührt wissen wollen. Wobei interessanter Weise im Fall des Rursees dieser selbst Produkt langjähriger Bauten, nämlich des Stauwerks ist. Sie gilt denen, die vernünftig darum ringen, den kleinstmöglichen Eingriff zu realisieren. Ein Pumpspeicherwerk mit einer Leistung von 630 MW bei Kosten von 700 Mio (das in Prenzlau kostete in der Anlauffinanzierung 21 Mio € bei 3 MW – 30% = 2 MW verfügbar; und da bin ich noch nachsichtig, weil es sich um Grundlagenforschung handelt) ist daher volkswirtschaftlich allemal näher.

Ein Letztes: Das Argument, Gas-Strom werde sich durchsetzen, ist beim derzeitigen Stand der Technik mindestens so realistisch wie auf die Kernfusion zu warten. Mit Illusionen jedenfalls habe ich nicht weiter vor, meine Zeit zu verschwenden.

mcmac 15.03.2013 | 13:03

Lieber ed2murrow,

vielen Dank für die ausführliche, umfangreiche und gehaltvolle Antwort. Es gibt punktuell praktisch nichts, worin ich Ihnen tatsächlich widersprechen könnte oder wollte. Bis auf den generellen Umstand, dass es natürlich auch eine eminent wichtige Frage ist, ob Menschen grundsätzlich so leben können und/oder wollen, wie es all diese Großprojekte und -wenden scheinbar nahe legen. Ganz praktisch und pragmatisch werden Sie mit vollem Recht einwenden, dass das angesichts der Realität wohl eher eine ziemlich theoretische Frage sei. Auch darin könnte ich Ihnen nicht ernsthaft widersprechen.

Vielen Dank + lg

mcmac

ed2murrow 15.03.2013 | 15:29

Die gewisse Bitterkeit in Ihrer ansonsten sehr freundlichen Erwiderung vermag ich durchaus zu lesen. Ich glaube, wir unterscheiden uns in der Frage der Machbarkeit: Ist sie eine in Bezug auf bestehende Verhältnisse oder eine, die die Verhältnisse selbst mit betrifft? Um es einmal sehr unumwunden zu formulieren: Die Energiewende trägt in meinen Augen bereits im Kern den Auftrag, "Verbrauch" anders zu definieren; und damit die Haltung von Menschen, die vor allem in den letzten Jahren zu "Verbrauchern" herabgewürdigt worden sind. Die unvermeidbare, persönliche Beeinträchtigung durch lokale energiegewinnende Prozesse wird unweigerlich die Gleichung aufstellen: Wie viel von meinem Comfort will ich aufgeben, damit die Beeinträchtigung (Landschaft, Garten, Berg, See) entfiele. Ich glaube (mehr kann ich nicht), dass hier die Frage nach Äquivalenten neu definiert wird: Konflikte wie die um den Rursee (oder andere Projekte) sind dafür lediglich die Vorboten.

Worum Sie und ich und auch der Blogverfasser sich kümmern könnten, wäre: Wie mache ich derartige Prozesse transparent? So dass ich insoweit am Blog nichts auszusetzen hätte, wenn das nicht die generelle Skeptik gegenüber Veränderungen durchscheinen würde.

mcmac 16.03.2013 | 10:14

Vielen Dank, lieber ed2murrow, für die Rückmeldung: Die generelle Skepsis ist, glaube ich, nicht so sehr gegen Veränderungen an sich (und auch solche, die einen ganz konkret betreffen werden) gerichtet, sondern eher gegen "das Personal" (und dessen Grund-Interessen), welches diese Veränderungen ins Werk setzten soll und dem zunehmend und m.E. völlig zu Recht misstraut.

Machbar ist, da bin ich ganz bei Ihnen, Transparenz herzustellen. Das führte auch dazu, dass man differnzierter sehen kann, wer da warum protestiert oder Widerstand leistet (natürlich gibt es innerhalb solcher Proteste auch eine ganze Reihe von Leuten, die aus zutiefst egoistischen Motiven "dagegen" sind).

Immer berühren solche Proteste auch grundsätzliche, systemische Fragen. Und immer noch ist es so, dass es bislang recht leicht gelingt, diesen postiven (progressiven) Kern zu diffamieren, indem man ihn mit den (unbestritten vorhandenen) egoistischen Motivationen gleichsetzt. Der (öffentliche) Effekt ist dann aber: T.I.N.A. Und das Ding wird gemacht, gebaut, basta. Großprojektler haben damit nicht nur ihre Interessen meist zum Schaden der Allgemeinheit durchgesetzt. Sie haben es auch geschafft zu "beweisen", dass es tatsächlich keine Alternativen zu geben scheint.

Mein letzter Kommentar war lediglich der Anerkennung der Tatsache geschuldet, dass es Ihnen mehr um das praktische mögliche begehen verschiedener Wege zu gehen schien/scheint. Und mir es mehr noch einmal darum, nach weiteren Wegen Ausschau zu halten, bzw., die Möglichkeit zu betonen, dass es immer Alternativen gibt. Oder: Gibt es diese in der Tat nicht mehr, stellte sich dies heraus, wäre das ein gewichtiges Indiz dafür, dass die Demokratie inzwischen vollständig in eine Diktatur gemündet ist.

Vielen Dank für die Anregungen und Ihren wirklich feinen, genauen konkreten Gesprächsstil, der sehr hilfreich ist, die Dinge zu Ende denken zu können :)

lg-mcmac

seriousguy47 16.03.2013 | 15:31

Erst einmal ein kleines Aufhorchen angesichts des Usernamens. Sind dessen Wurzeln dem Autor bekannt...?

Dann möchte ich, ohne die näheren Zusammenhänge zu kennen, doch daran erinnern, dass alle, die hier das vermeintliche St.Florians-Prinzip des Autoren und der protestierenden Bürger kritisieren, dies selbst unter dem St. Florians-Prinzip tun. Das ist die prinzipielle Unehrlichkeit hinter all der Kritik an "Großprojekten", die von Nicht-Betroffenen kommt.

...Da muss ich dann auch mal Herrn Kretschmann loben, der es in der Frage des Atommülls anders machte und damit den Weg öffnete, um eventuell von Gorleben weg zu kommen - sofern es eine bessere Lösung gibt....

Ich finde es auch z.B.durchaus richtig, dass es sinnvoll wäre, vor den Stromverbrauchern nicht länger die Konsequenzen ihres Verbrauchs zu verbergen. Aber in diesem Fall passiert ja genau dies: die Folgen werden ausgelagert. Und dagegen protestieren diejenigen, die darunter leiden sollen, vollkommen zu Recht.

Sie protestieren auch deshalb zu Recht, als es offenbar auch keine hinreichende Aushandlung zwischen den unterschiedlichen Interessen gab. Auch wieder typisch für Großprojekte.

Und sie protestieren zu Recht, weil es keine Verhandlung über das Grundproblem und die möglichen Lösungen gab. Eine Alternative wurde vom Autoren ja in einem Kommentar angedeutet.

Und damit bin auch ich bei dem Problem, das wiederholt angesprochen wurde: bei der Machtfrage. Wieder einmal maßt sich eine Herrschaftskaste an, nach eigenem Belieben und ganz selbstverständlich in die Lebenswelt und die Lebenschancen anderer einzugreifen - so wie man das im Regenwald gelernt hat.

Von Demokratie, Mitsprache, mündigem Bürger keine Spur. Und dasss die SPD wieder ganz vorneweg marschiert, zeigt eines: die selbsternannrte "Infrastruktur"-Partei geht eben doch an Omas klein Häuschen. Nur nicht so direkt.

Damit aber ist die Kernfrage eines liberalen Bürgertums betroffen: wem gehört was? Und wer verfügt über mein oder unser Eigentum? Die Antworten, die wir bei Großprojekten bislang darauf bekamen, sind und waren allesamt totalitär und eines freihetlichen Staates nicht angemessen. Der Vorwurf individuellen Eigennutzes gegen das vermeintliche Gemeinwohl wird dabei regelmäßig von denen vorgebracht, die er in Wahrheit trifft und gegen die gerichtet, die in Wahrheit von solchem kapitalistischen Eigennutz negativ betroffen sind..

gelse 17.03.2013 | 02:47

>>Der Vorwurf individuellen Eigennutzes gegen das vermeintliche Gemeinwohl wird dabei regelmäßig von denen vorgebracht, die er in Wahrheit trifft und gegen die gerichtet, die in Wahrheit von solchem kapitalistischen Eigennutz negativ betroffen sind.<<

Wer die Definitionsmacht besitzt, definiert auch den Begriff "Gemeinwohl".

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>>Ich finde es auch z.B.durchaus richtig, dass es sinnvoll wäre, vor den Stromverbrauchern nicht länger die Konsequenzen ihres Verbrauchs zu verbergen.<<

Soweit es bei Verbrauchern sich um Privathaushalte handelt, kann eine gewisse Verbrauchsabsenkung erreicht werden. Aber diese sind nur ein Teil der Ursachen für die Überproduktion an Elektroenergie. Zum Beispiel empfehle ich, nach dem Abschalten eines Gerätes grunsätzlich den Stecker zu ziehen. Wer es tut, stellt fest, dass sich das tatsächlich am Verbrauch bemerkbar macht.

In dem Raum, in dem ich zur Zeit arbeite, gibt es 4 Leuchtstoffröhrenreihen. Zwei davon sind auch am Tage nötig, denn der Raum ist zu gross, um vom Tageslicht ausgeleuchtet zu werden. Allerdings gibt es nur einen einzigen Schalter, sodass die fensternahen, am Tage überflüssigen Lampen nicht getrennt geschaltet werden können. Mein Vorschlag, dies zu ändern, wurde aus Kostengründen abgelehnt.
Kennt übrigens jemand einen Laden, der tagsüber ohne elektrische Beleuchtung auskommt?

Ein weiterer Teil der Stromüberproduktion ist also durch bauliche Mängel, die die Ausnutzung des Tageslichts verhindern, und durch den zu niedrigen Preis für Industriestrom verursacht.
Aber auch die Beleuchtung ist nur ein weiterer Teil der Überproduktionsursachen.

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Stromspeicher sind notwendige Netzkomponenten. Aber wie gross der gesamtgesellchaftliche Verbrauch an Elektroenergie wirklich sein muss für unsere Lebensfreude, das ist eben eine andere Frage. Und wenn wir die nicht stellen, dann werden wir immer wieder von "Experten" zur Schnecke gemacht.

Eine Verbrauchsreduzierung muss keineswegs die drastische Verschlechterung der Lebensqualität bedeuten, die von Umsatzfetischisten immer wieder an die Wand gemalt wird.

mcmac 17.03.2013 | 03:05

[...]

Stromspeicher sind notwendige Netzkomponenten. Aber wie gross der gesamtgesellchaftliche Verbrauch an Elektroenergie wirklich sein muss für unsere Lebensfreude, das ist eben eine andere Frage. Und wenn wir die nicht stellen, dann werden wir immer wieder von "Experten" zur Schnecke gemacht.

Eine Verbrauchsreduzierung muss keineswegs die drastische Verschlechterung der Lebensqualität bedeuten, die von Umsatzfetischisten immer wieder an die Wand gemalt wird.

Genau da liegt der sprichwörtliche Hund begraben. Danke.

..damals..

gelse 17.03.2013 | 04:57

"Lokal handlen" heisst, sich einzumischen. Ich habe in 3 verschiedenen Betrieben Vorschläge zur Einsparung von Beleuchtungsenergie eingereicht und überall die prinzipiell gleiche Antwort erhalten: "Es lohnt sich nicht." Nun ist es an der Zeit, solche Erfahrungen zu verarbeiten. Und die Fragen möglichst oft und überall zu stellen.
Zum Beispiel auch die Frage: Wenn wir uns daran gewöhnt haben, dass Einkäufe grundsätzlich bei elektrischer Beleuchtung stattfinden, auch wenn draussen strahlender Sonnenschein herrscht: Ist das wirklich alternativlos?
Wie würden wir selber planen unter Einbeziehung der Widerstände gegen neue Grossanlagen? Wie kommen wir dazu, die Dinge selber in die Hand zu nehmen, unter Ausschluss von Renditejunkies?