G_Hinck

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RE: Doktor mit Freunden | 26.10.2012 | 16:37

Lieber Koslowski,

zunächst Danke dafür, dass Sie mich schmeichelhafterweise als „junger Autor“ bezeichnen. Was das Magazin Cicero für Wünsche hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich bei einer Buchrecherche auf die Merkwürdigkeiten von Götz Alys und Udo Knapps Dissertation gestoßen bin, darüber einen Text geschrieben und diesen angeboten habe.

Dass in den Siebziger Jahren in den Sozialwissenschaften nicht immer astreine Doktorarbeiten geschrieben wurden, ist kein Geheimnis und wäre heutzutage nicht mehr der Rede wert. Der Rede wert ist es aber dann, wenn sich ein Ex-Revolutionär wie Aly, der von den teils laxen Prüfungsbedingungen im Gefolge von '68 kräftig profitiert hat, heute als 68er-Abrechner und Hüter akademischer Standards im besonderen und „bürgerlicher“ Werte im allgemeinen geriert. Aber wie das eben oft so ist: Wo die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflektion fehlt, wird als Kompensation kräftig ausgeteilt (Näheres unter www.gunnarhinck.de).

PS: „Faschistische Tradition des Sozialstaats“ – meinen Sie das ernst, so einfach dahingeschrieben? Wenn das NS-Regime Sozialgesetze eingeführt hat, heißt es noch lange nicht, dass es systematische Gemeinsamkeiten mit der Sozialgesetzgebung à la Bismarck oder SPD gibt. Wenn Person A und Person B Bananen mögen, bedeutet das noch nicht, dass sich A und B ähnlich sind (außer der Tatsache, dass sie Bananen mögen). Sie klammern mit Ihrem Vergleich die völlig konträren Interessen, Ziele und Kontexte der Gesetzgebung des NS und demokratischer Wohlfahrtstaaten aus. Aber in der Denunzierung des Sozialstaats liegt m.E. die Kontinuität im Denken von Ex-Maoisten à la Aly: Die Bedürfnisse der „kleinen Leute“ waren ihnen in Wahrheit immer egal. Es ging ihnen primär um die Befriedigung eigener (Macht)-Interessen.

G. Hinck