Leisure sickness

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Die schönsten Wochen des Jahres sind herum und für manche Paare auch eine hoffnungsvolle Beziehung. Sonne, Meer, Streit, Depression. Jedes fünfte Paar überdenkt im Urlaub seine Beziehung und wie sie erlebt wird. Jede dritte Scheidung wird nach den Ferien eingereicht, hat die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie mitgeteilt. Die Diplom-Psychologin Lisa Fischbach weiß Bescheid: Im Urlaub bemerkt man seine eigentlichen und vor allem, die unterschiedlichen Interessen, die im Alltag verdrängt werden und weil man zehnmal so viel Zeit miteinander verbringt. Kommunikationsprobleme werden ausgelebt und eigene Absichten mehr oder weniger listig, gelegentlich auch brachial, durchgesetzt. Je unterschiedlicher die Erwartungen sind, je größer die Vorfreude war, desto existenzieller werden Streitereien empfunden; sie eskalieren gerne zum heftigen Streit. Wer sich im Alltag nicht viel zu sagen hat, dem fällt es im Urlaub schwer, anregende Gespräche zu führen. Auch die gewohnten Rückzugsmöglichkeiten fehlen. Ein Viertel der Männer beklagen eskalierende Eifersuchtsszenen ihrer Partnerinnen, besonders am Strand. Danach werden leicht auch die alten Konflikte aufgewärmt.

Andere Probleme erfahren wir aus den Zeitungen: Über welche Reisemängel sich die Leute aufregten. Ein Paar beschwerte sich, dass die Dusche für 4 Personen zu klein war. Ein Reiseleiter wurde gefragt, ob Killeralgen auch Kinder angreifen oder ob man mit dem Touristen-U-Boot am Meeresboden aussteigen könne und einen Badeanzug anziehen müsse. Im Daily Telegraf konnte man über britische Reisende lesen, die beklagten, dass der Flug von Jamaika nach England 9 Stunden dauert, während die Amerikaner in nur 3 Stunden nach Hause gebracht würden.

Depressionen, auch im Urlaub, sind wieder kehrende Zustände psychischer Niedergeschlagenheit. Man verliert die Lust an der Freude, leidet an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, hat Motivationshemmungen, sogar körperliche Beschwerden. Das kann bis zur Suizidalität führen. Über einen diesbezüglich besonders tragischen Fall berichtet der Daily Telegraf von einem Mann, der seine junge Frau besonders beeindrucken wollte und die Flitterwochen auf einer Safari Lodge in Afrika buchte. Der Anblick eines offensichtlich erregten Elefantenbullen (zügellose Bestie) hat die jung Vermählten aufgeregt, der Mann wurde depressiv, weil er glaubte, unzureichend ausgestattet zu sein. Die Flitterwochen-Freuden waren nachhaltig vermiest.

Aber es gibt positive Ansätze: 4% der Paare, die Hotels.com befragt hat, haben neun Monate nach einem gemeinsamen Urlaub Nachwuchs erhalten.

09:12 31.10.2011
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Geschrieben von

er.ge

Der Zeitgeist ist auch nicht mehr das, was er einmal war.
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