Die goldene Regel der Lohnpolitik als Lösung?

Euro-Krise Eine funktionierende Währungsunion setzt nicht voraus, dass alle gleich sein müssen, damit sie funktioniert.
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Sie bedeutet vor allem, sich auf eine gemeinsame Teuerungsrate als Ausdruck eines erlaubten Einkommenszuwachses oberhalb der eigentlichen Produktivität zu einigen und diese dann auch einzuhalten. Jedes Land muss sich gemäß seiner Produktivität entwickeln. Wie man die jeweilige Produktivität dann nutzt, ob für mehr Urlaubstage oder eine bessere soziale Absicherung, ist jedem Land selbst überlassen.

Was in einer Währungsunion auf jeden Fall nicht funktioniert, ist, dass einzelne Teilnehmer ständig deutlich über oder deutlich unter ihren Verhältnissen leben. Man also ständig mehr ausgibt als man einnimmt oder umgekehrt. Defizit – bzw. Importüberschussländer geraten so zwangsläufig immer tiefer in die Verschuldung mit dem Ergebnis, dass ihnen der Bankrott droht. Es sei denn, die Überschussländer retten sie über irgendwelche Rettungspakete oder halten sie über einen Länderfinanzausgleich am Leben.

Deswegen muss man sich in einer Währungsunion vor allem auf eine gemeinsame Teuerungsrate einigen und diese dann auch einhalten. Dies erreicht man indem man dafür sorgt, dass die Lohnentwicklung in einer Volkswirtschaft, maximal in Höhe der erlaubten Teuerungsrate über der eigenen Produktivität liegt.

Befolgt jeder diese Regel, lebt niemand über, aber auch niemand unter seinen Verhältnissen. Gegen diese Regel haben aber einige Euro-Länder über Jahre hinweg massiv verstoßen. Deutschland hat auf Grund massiven Lohn-Dumpings deutlich unter, einige südeuropäische Länder deutlich über ihre Verhältnisse gelebt[1].

Das heilt man aber nun nicht dadurch, dass man von den Südeuropäern ständig irgendwelche Spar- und Kürzungspakete fordert (dadurch sparen und kürzen sich diese nur immer tiefer in die Krise), sondern volkswirtschaftlich sinnvoll nur dadurch, dass Überschussländer wie Deutschland nun über mehrere Jahre hinweg deutlich über ihre Verhältnisse leben.

Ist das erfolgt und haben sich die Verhältnisse dann aneinander angeglichen, dann müssen die Löhne und Kapitaleinkommen fortan jeweils der vereinbarten Teuerungsrate, der jeweiligen Produktivität folgen. Dann erhält jeder, Arbeits- wie Kapitaleinkommensbezieher, jeweils so viel reale Kaufkraft wie man selbst Güter hergestellt hat.

Die von allen einzuhaltende Spielregel lautet also: Die Nominallöhne müssen im Durchschnitt so steigen wie die Summe aus gesamtwirtschaftlichem Produktivitätswachstum und erlaubter Teuerungsrate (Goldene Regel der Lohnpolitik). Das erklär´ nun aber mal jemand unserer Kanzlerin, unserem schwäbischen Finanzminister und so manchem Ökonomen. Eher geht offenbar ein Kamel durch ein Nadelöhr.


[1] Das massive Lohn-Dumping in der BRD ist im Übrigen Ausdruck einer zutiefst merkantilistischen Beggar-thy-Neighbour-Policy (Beraube Deinen Nachbarn), was in einer Wirtschafts- und Währungsunion ohnehin ein No Go darstellt. Und nicht nur das. Es ist ein massiver Verstoß gegen eigene Gesetze, namentlich dem 1967 in Kraft getretenen Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft mit seinen vier Zielen: Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsgrad (Vollbeschäftigung), außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum (magisches Viereck).

10:29 18.12.2015
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Geschrieben von

Holger Lang

Holger Lang, Publizist und Autor, Handlungsreisender in Sachen Wissen.
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