Sozial ist, was Arbeit schafft bzw. sichert?

Sprachverwirrungen Bald haben wir wieder Wahlkampf. Den heißen Wahlkampf. Und dann werden wir wieder in besonderem Maße mit vermeintlichen ökonomischen Weisheiten beworfen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Da so manche geistig zurückgebliebene Politiker und Ökonomen ja nicht müde werden, uns ständig und wiederholt mit ökonomischen Unsinn zuzuschütten, will ich hier einmal ein paar Sprachverwirrungen auflösen.

> Sprachgesabbell Nr. 1: Sozial ist, was Arbeit schafft.

Falsch! Sozial ist, was für ein Einkommen sorgt, von dem man dann menschenwürdig leben kann; sich also hinreichend mit Waren, Güter und Dienstleistungen versorgen kann, um überleben und leben zu können. Das ist sozial.

Zudem, wenn sozial wäre, was Arbeit schafft, dann wäre es also gut, wenn immer mehr Arbeit da wäre. Die Absurdität dieser Aussage ist wohl offenkundig. Arbeit ist letztlich und de facto ein notwendiges Übel, um die Güter und Dienstleistungen herstellen zu können, die uns die Natur nicht liefert, die wir aber für unser Leben und Überleben wünschen oder benötigen.

Je weniger wir dafür arbeiten müssen, je effektiver und effizienter wir diese Arbeit verrichten, desto besser. Denn desto mehr werden wir von der Last der notwendigen Arbeit befreit und können uns in der gewonnenen Zeit, anderen, wichtigeren Aufgaben und Beschäftigungen widmen.

Sozial ist also, was uns - gesamt gesehen - von notwendiger, aber lästiger Arbeit befreit. Und das macht technischer und technologischer Fortschritt, eine zunehmende Mechanisierung und Maschinisierung. (Hieran wird im Übrigen auch erkennbar, dass die bis dato gelebte Kopplung von Einkommen und Arbeit zumindest einmal hochgradig fragwürdig ist und zunehmend fragwürdiger wird).

Ein Unternehmen oder gar die ganze Volkswirtschaft lässt sich im Grunde mit dem eigenen Haushalt, der eigenen Hauswirtschaft vergleichen. Daher kommt ja auch das Wort Ökonomie (griechisch Oikos = Haus; Nomos =Gesetz). Kein Mensch würde beim eigenen Haushalt, der eigenen Hauswirtschaft auf die Idee kommen zu sagen: Sozial ist, was Arbeit schafft.

Falls das jemand anders sieht, ich komme gerne mal vorbei, zertrümmere und verdrecke alles, beschmier die Wände und kack mal ordentlich auf alle Teppiche. Selbstverständlich immer mit einem freundlichen Lächeln und dem zarten Hinweis: Sozial, ist was Arbeit schafft! :-)))

Eng in Verbindung mit Gesabbel Nr. 1 steht Gesabbel Nr. 2: Arbeit sichern!

Sorry, aber Arbeit muss man nicht sichern, notwendige Arbeit muss man erledigen. Punkt. Das war´s dann aber auch schon. Falls das jemand anders sieht, wie gesagt, ich kann gerne mal vorbeischauen und Arbeit sichern! Notfalls auch für Wochen und Monate, da kenn ich nix! :-)))

Also, falls man demnächst einmal wieder irgend so einer Pappnase begegnet, der Gesabbel Nr. 1 und/oder Nr. 2 oder Varianten davon von sich gibt, entweder denjenigen einfach nur milde belächeln oder ihn einmal freundlich fragen, wie oft man ihn mit einem Baseballschläger auf die Birne hauen dürfe, dies würde schließlich Arbeit sichern und für ordentlich Arbeit im Krankenhaus sorgen.

Alternativ könnte man ihm natürlich auch mal einen Besuch seines Hauses bzw. seiner Wohnung vorschlagen, wo man dann mal ordentlich für Arbeit sorgen werde. Sozial sei ja, was Arbeit schaffe. Und man sei ja schließlich ein ausgesprochen soziales Wesen.

Ich bin mir sicher, spätestens nach dem ersten Hausbesuch erzählt der so einen Stuss nie wieder!

18:42 14.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Holger Lang

Holger Lang, Publizist und Autor, Handlungsreisender in Sachen Wissen.
Schreiber 0 Leser 0
Holger Lang

Kommentare 15

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar