Ahmo

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RE: Für echte Kerle! | 12.09.2012 | 03:04

"Schlimm ist, dass man so tut, als ginge es um eine Erweiterung des Berufswahlspektrums zum Wohle der Jugendlichen. Doch ist dies schlicht verlogen. Vielmehr geht es den Betreiberinnen der Projekte um eine Nivellierung statistischer Unterschiede der Geschlechter in den Einkommen und Macht“positionen innerhalb unserer Gesellschaft einseitig zu Lasten der Jungen.“

Es gilt noch nicht einmal, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Chancen für gleiche sozialen Position bei Männern und Frauen. Wir haben ein Sozial- und Sozialversicherungssystem, dass Pflege und Care anders einstuft als reguläre Erwerbsarbeit. Wenn diese Nivellierung einmal hergestellt wäre, kann man über die Sinnhaftigkeit oder Unsinnigkeit, der von Ihnen gesehen Nivellierung debattieren. Glauben Sie im Übrigen, dass die Welt ein anderer Ort wäre, wenn die Selektionsverfahren in die Machtpositionen andere wären und für die Lebensentwürfe von mehr Frauen offener?

„Übrigens: beide Projekte haben praktisch keinen Effekt. Trotzdem veranstaltet man den Girls‘ Day schon seit über 10 Jahren. Transferieren Sie ein solches Verhalten mal in die freie Wirtschaft…

Aber die allgemeine Tendenz innerhalb der natürlichen Ausformung der Geschlechterrollen ist klar.“

Wie sieht es mit Belegen und Quellen aus?

„Und haben wir diesen Zustand der Wahlfreiheit nicht auch längst etabliert, dass jeder machen kann, was er will? Müssen wirklich alle noch so geringen Widerstände, die sich einzelnen Lebensentwürfen entgegenstellen, durch Umerziehung der gesamten Gesellschaft ausgeräumt werden? Müssen alle alles toll finden? Muss der Staat jeden noch so schrägen Lebensentwurf begrüßen und fördern und den Kindern als Option anpreisen?“

Diesen Zustand haben wir noch lange nicht. Aber im Prinzip ist es das gleiche wie bei den Rollenerwartungen, die Sie unter ferner liefen sehen. Wenn Sie die Widerstände, die aus Vorurteilen und falschen Schlüssen in der Gesellschaft resultieren und in soziale Tatbestände übergehen, meinen, ja sehe ich das anders. Stellen Sie sich vor, es ginge um Ungleichheit in den Bildungs- und Erwerbschancen nach sozialer Schichtzugehörigkeit und es sei in der Tat so, dass Kinder aus höheren gesellschaftlichen Schichten in Intelligenztests im Durchschnitt besser abschneiden als Kinder aus unteren gesellschaftlichen Schichten und deshalb prädestinierter wären für eine Karriere. Dann sind die ungleichen Bildungschancen die Widerstände, die sich vereinzelten Kindern aus unteren Schichten in ihren Lebensentwürfen entgegenstellen, die durch Umerziehung der gesamten Gesellschaft weg von sozialer Diskriminierung ausgeräumt werden. Weshalb muss der Staat dieser Minderheit an ungewöhnlichen Kinder aus unteren gesellschaftlichen Schichten, die schräg, da selten, eine Akademikerlaufbahn anstreben, als Option anpreisen oder gar fördern wenn mit den Kindern aus oberen gesellschaftlichen Schichten schon ein ausreichender Anteil potenter Akademiker gefunden werden kann.

RE: Für echte Kerle! | 12.09.2012 | 02:58

>>Das Kind fühlt sich nicht genötigt, sondern hat den Wunsch erkennbar aus sich heraus. Das kann man schon an der Universalität und der Heftigkeit dieses Phänomens feststellen (im Artikel selbst wird die heftige Reaktion eines Vierjährigen auf einen rosa Handschuh erwähnt). Und es ist nicht richtig, dass damit zwangsläufig eine Abwertung des anderen einhergeht (erst eine solche Abwertung würde ich als kulturell vermittelt betrachten), vielmehr ist es eine Ausdifferenzierung.<<

Ich glaube, das unterscheidet sich von Fall zu Fall. Nur, wenn es den Wunsch aus sich heraus hat, dann, da Jungen zwangsläufig biologisch rosa ablehnen und Mädchen hellblau? Wohl kaum. Möglicherweise haben sie aber mitbekommen, wie die Farben konnotiert sind und lehnen sie daher ab oder nehmen sie an. Schließlich nehmen die Kinder schon wahr, welche Erwartungen an sie heran getragen werden und ihre Erwachsenen diese Farben zur geschlechtlichen Ausdifferenzierung nutzen und das sie nach Entsprechung an diese Erwartungen belohnt oder sanktioniert werden und auch selbst die Möglichkeit zur geschlechtlichen Ausdifferenzierung mit Hilfe dieser Farben haben. Das geschieht selbstverständlich nicht alles in gedanklich aufeinander aufgebauten bewussten Schritten. Ferner sind Geschmäcker in gewissen Schranken nicht naturgegeben, sondern werden durch die Haltung anderer Menschen mit beeinflusst. Kurz, die Sympathie und Antipathie zu Leuten überträgt sich in gewissem Maße auf die Dinge, die diese Leute gut oder schlecht finden.>>

Und selbst wenn vorübergehend eine Abwertung eintritt, so weicht diese doch nach der Pubertät wieder einer ganz besonderen Wertschätzung.“

Ja, die Abwertung wird aber nicht ganz aufgegeben, sondern moduliert und eben ausdifferenziert. Abgelehnt werden nicht mehr die Teile, die mit der Sexualität verknüpft sind. Weiterhin werden aber die angeblichen Unfähigkeiten, Eigenheiten oder Laster des anderen Geschlechts abgewertet und meidet man als unzulässig eingestufte Charakteristika für sich selbst. „Das ist nichts für Männer/für Frauen“. „Das ist Männersache/Frauensache“.

>>Auch wenn es für viele schon eine Art Skandal ist: Ich glaube an die Vernünftigkeit eines Konzeptes der Normalität und daher auch daran, dass unsere Institutionen, Regeln und Normen sich an Normalität orientieren sollten und der Umgang mit Abweichungen und Sonderfällen ein zweiter Schritt ist.<<

Was ist denn für Sie die Normalität und was fassen Sie darunter? Die Normalität für Männer und Frauen sieht doch bekanntlich in verschiedenen kulturellen Sphären anders aus. Wie beschreiben Sie den kleinsten gemeinsamen Nenner, den Sie ethnologisch finden? Unsere Institutionen halten sich aus meiner Sicht in einigen Lebensbereichen, wenn nicht der Vielzahl, ziemlich deutlich an Normen, die für eine Normalität gehalten werden, schließlich benötigen Normen regelmäßige Anerkennung und werden als solche nicht immer erkannt, als auch an den Durchschnitt (Sie sagen dazu die Normalität) selbst. Mir ist aber unklar, ob Sie in ihrer Aussage an ein konkretes Beispiel denken. Außerdem bin ich der Ansicht, dass Institutionen auch gerne mal progressiv sein dürfen.

>>wird naturwüchsige Normalität zu einer Zwangs- und Unterdrückungsveranstaltung umgedeutet („Heteronormativität“), aus der die Menschen „befreit“ werden müssen.<<

Dann sind Sie froh, normal zu sein? Erleichtert das Ihnen einige Lebensbereiche? Ich denke, Sie verkennen, dass nicht die Normalität selbst umgedeutet wird, sondern das auf die Ablehnung und Diskriminierung abweichenden Verhaltens hingewiesen wird, es sei denn, Sie sehen in der Ablehnung und Diskriminierung devianten Verhaltens die Normalität. Die 'naturwüchsige' Normalität ist ja gar nicht erkennbar, wenn die Sanktionierung von Abweichungen zu einer Verhaltensänderung führt. Über das Konzept Heteronormativität möchte ich mich jetzt nicht noch auslassen.

>>Und es ist noch absurder, in dieser Sache ausgerechnet bei Kleinkindern tätig werden zu wollen, die noch gar nicht ahnen können, dass männlich und weiblich und ihre Insignien irgendetwas mit sexueller Identität zu tun haben.<<

Gerade darum ist es für mich unverständlich, die Kinder dahin zu leiten oder gar zu drängen und sie nicht selbst entdecken zu lassen. Entsprechend der Normalität müssten die meisten Kinder schließlich doch da landen, wo man sie erwartet und sieht.

>>Und wenn es dann soweit ist (Pubertät), unterläuft jeder Mensch ohnehin noch einmal einen Transformationsprozess und ist so männlich oder weiblich, wie es seinem natürlichen Interesse entspricht.<<

Der Mensch ist nicht in seiner Männlichkeit und Weiblichkeit von Geburt an nach einem natürlichen Interesse determiniert, dass sich nur in der Pubertät ausprägen muss. Das ist ein übertriebener reduktionistischer Biologismus.

>>Und, ja, es gibt tatsächlich Rollenerwartungen in unserer Gesellschaft. Das liegt nun mal in der Natur von Gesellschaft schlechthin. Und unter diesen Erwartungen rangieren die Erwartungen an geschlechtsspezifisches Verhalten meist unter „ferner liefen“. Längst können bekennende Homosexuelle Bürgermeister, Außenminister oder Literaturprofessorin sein. Wo ist also das Problem?<<

Ich meine, die Erwartungen an geschlechtsspezifisches Verhalten sind omnipräsent, konstitutiv und kennzeichnend für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben. Wenn Sie diesen Erwartungen nicht zuwider laufen, bekommen Sie diese möglicherweise gar nicht so mit. Diese sind präsenter, wie die an ein das Alter eines Menschen gerichteten und an andere körperliche und gesellschaftliche Merkmale gesetzte. Mit diesen Erwartungen können auch Menschen der sexuellen Identitätskategorie, die Sie als normal bezeichnen, in Konflikt geraten. Darunter fällt auch, nach außen einer gesellschaftlichen Hauptkategorie von Geschlecht zuordenbar zu sein. Die Zugehörigkeit zu diesen Kategorien ist das erste, auf das die Sprache verweist, wenn sie einen Menschen charakterisieren. Ihnen fehlt vermutlich die Sensibilität um die Erwartungen und die Sanktionierung von deren Missachtung zu erkennen und einzustufen. Das Problem ist allerdings das diese Sanktionierung ohne valide Rechtfertigung bis willkürlich ist und zu Unfreiheit führt. Es gibt doch bestimmt auch für geschlechtskonformes Verhalten einen 'Knigge'. Da lassen sich bestimmt einige Dinge finden, wo einige weniger ernst genommen werden können und die Nichtbefolgung anderer schon ernsthaftere Konsequenzen nach sich ziehen kann.

>>Statt dessen wundert man sich in einschlägigen Kreisen über das angeblich unerklärliche „Gender Paradox“, dass nämlich in den Ländern, die am meisten in geschlechtsneutrale Erziehung und Gleichheit investieren, die berufliche Separation im Ergebnis am höchsten ist (z.B. Schweden und Norwegen). Die simple Erklärung, dass die natürlichen Neigungen dann am meisten durchschlagen, wenn die Freiheit am größten ist, ist natürlich tabu.<<

Wieso nehmen Sie dann nicht Position für diese skandinavischen Länder ein?

>>Sie haben vermutlich recht, dass die Ablehnung der Genderideologie und der mit ihr gerechtfertigten Eingriffe in unser Erziehungs- Ausbildungs- und Berufsleben am meisten von den Männern abgelehnt wird. Aber es wird auch von einer großen Mehrheit der Frauen abgelehnt, und das zwar erst recht, wenn diese Frauen auch Söhne haben.<<

Sie haben mich da missverstanden. Ich bezog mich auf die Gruppe der Auf- und Abwertung von Leuten, die Rollenerwartungen nicht entsprechen, und nicht die Ablehnung einer Gruppe von Leuten, die eine Genderideologie ablehnen. Zwar wird von Rollenbildern abweichendes Verhalten durch mangelnde ideologische Absichten des Handelnden nicht unideologisch und wertfrei und bleibt deshalb nicht auswirkungslos. Dennoch sind beide Gruppen sowohl in ihrer Zusammensetzung nicht identisch als auch im Charakter der Ablehnung, der diesen Gruppen zu Teil wird.

RE: Für echte Kerle! | 12.09.2012 | 02:50

>>Das Kind fühlt sich nicht genötigt, sondern hat den Wunsch erkennbar aus sich heraus. Das kann man schon an der Universalität und der Heftigkeit dieses Phänomens feststellen (im Artikel selbst wird die heftige Reaktion eines Vierjährigen auf einen rosa Handschuh erwähnt). Und es ist nicht richtig, dass damit zwangsläufig eine Abwertung des anderen einhergeht (erst eine solche Abwertung würde ich als kulturell vermittelt betrachten), vielmehr ist es eine Ausdifferenzierung.<< Ich glaube, das unterscheidet sich von Fall zu Fall. Nur, wenn es den Wunsch aus sich heraus hat, dann, da Jungen zwangsläufig biologisch rosa ablehnen und Mädchen hellblau? Wohl kaum. Möglicherweise haben sie aber mitbekommen, wie die Farben konnotiert sind und lehnen sie daher ab oder nehmen sie an. Schließlich nehmen die Kinder schon wahr, welche Erwartungen an sie heran getragen werden und ihre Erwachsenen diese Farben zur geschlechtlichen Ausdifferenzierung nutzen und das sie nach Entsprechung an diese Erwartungen belohnt oder sanktioniert werden und auch selbst die Möglichkeit zur geschlechtlichen Ausdifferenzierung mit Hilfe dieser Farben haben. Das geschieht selbstverständlich nicht alles in gedanklich aufeinander aufgebauten bewussten Schritten. Ferner sind Geschmäcker in gewissen Schranken nicht naturgegeben, sondern werden durch die Haltung anderer Menschen mit beeinflusst. Kurz, die Sympathie und Antipathie zu Leuten überträgt sich in gewissem Maße auf die Dinge, die diese Leute gut oder schlecht finden.

RE: Für echte Kerle! | 12.09.2012 | 02:40

Technischer Fehler, ich versuche es noch einmal.

RE: Für echte Kerle! | 12.09.2012 | 02:37

>>„Das Kind fühlt sich nicht genötigt, sondern hat den Wunsch erkennbar aus sich heraus. Das kann man schon an der Universalität und der Heftigkeit dieses Phänomens feststellen (im Artikel selbst wird die heftige Reaktion eines Vierjährigen auf einen rosa Handschuh erwähnt). Und es ist nicht richtig, dass damit zwangsläufig eine Abwertung des anderen einhergeht (erst eine solche Abwertung würde ich als kulturell vermittelt betrachten), vielmehr ist es eine Ausdifferenzierung.“ << Ich glaube, das unterscheidet sich von Fall zu Fall. Nur, wenn es den Wunsch aus sich heraus hat, dann, da Jungen zwangsläufig biologisch rosa ablehnen und Mädchen hellblau? Wohl kaum. Möglicherweise haben sie aber mitbekommen, wie die Farben konnotiert sind und lehnen sie daher ab oder nehmen sie an. Schließlich nehmen die Kinder schon wahr, welche Erwartungen an sie heran getragen werden und ihre Erwachsenen diese Farben zur geschlechtlichen Ausdifferenzierung nutzen und das sie nach Entsprechung an diese Erwartungen belohnt oder sanktioniert werden und auch selbst die Möglichkeit zur geschlechtlichen Ausdifferenzierung mit Hilfe dieser Farben haben. Das geschieht selbstverständlich nicht alles in gedanklich aufeinander aufgebauten bewussten Schritten. Ferner sind Geschmäcker in gewissen Schranken nicht naturgegeben, sondern werden durch die Haltung anderer Menschen mit beeinflusst. Kurz, die Sympathie und Antipathie zu Leuten überträgt sich in gewissem Maße auf die Dinge, die diese Leute gut oder schlecht finden. >>„Und selbst wenn vorübergehend eine Abwertung eintritt, so weicht diese doch nach der Pubertät wieder einer ganz besonderen Wertschätzung.“<< Ja, die Abwertung wird aber nicht ganz aufgegeben, sondern moduliert und eben ausdifferenziert. Abgelehnt werden nicht mehr die Teile, die mit der Sexualität verknüpft sind. Weiterhin wird aber gelästert über die angeblichen Unfähigkeiten oder Laster des anderen Geschlechts und meidet man als unzulässig eingestufte Charakteristika für sich selbst. „Das ist nichts für Männer/für Frauen“. „Das ist Männersache/Frauensache“. >>„Auch wenn es für viele schon eine Art Skandal ist: Ich glaube an die Vernünftigkeit eines Konzeptes der Normalität und daher auch daran, dass unsere Institutionen, Regeln und Normen sich an Normalität orientieren sollten und der Umgang mit Abweichungen und Sonderfällen ein zweiter Schritt ist.“<< Was ist denn für Sie die Normalität und was fassen Sie darunter? Die Normalität für Männer und Frauen sieht doch bekanntlich in verschiedenen kulturellen Sphären anders aus. Wie beschreiben sie den kleinsten gemeinsamen Nenner, den sie ethnologisch finden? Unsere Institutionen halten sich aus meiner Sicht in einigen Lebensbereichen, wenn nicht der Vielzahl, ziemlich deutlich an Normen, die für eine Normalität gehalten werden, schließlich benötigen Normen regelmäßige Anerkennung und werden als solche nicht immer erkannt, als auch an den Durchschnitt (sie sagen dazu die Normalität) selbst. Mir ist aber unklar, ob Sie in ihrer Aussage an ein konkretes Beispiel denken. Außerdem bin ich der Ansicht, dass Institutionen auch gerne mal progressiv sein dürfen. >>„wird naturwüchsige Normalität zu einer Zwangs- und Unterdrückungsveranstaltung umgedeutet („Heteronormativität“), aus der die Menschen „befreit“ werden müssen.“<< Dann sind Sie froh, normal zu sein? Erleichtert das Ihnen einige Lebensbereiche? Ich denke, Sie verkennen, dass nicht die Normalität selbst umgedeutet wird, sondern das auf die Ablehnung und Diskriminierung abweichenden Verhaltens hingewiesen wird, es sei denn, Sie sehen in der Ablehnung und Diskriminierung devianten Verhaltens die Normalität. Die 'naturwüchsige' Normalität ist ja gar nicht erkennbar, wenn die Sanktionierung von Abweichungen zu einer Verhaltensänderung führt. Über das Konzept Heteronormativität möchte ich mich jetzt nicht noch auslassen.

RE: Für echte Kerle! | 11.09.2012 | 03:09

Ich habe nicht das geringste Problem damit, dass es statistisch im Mittel signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf vielerlei Ebenen gibt, die aber, so munkelt man, wenigstens in ein paar nicht ganz unbedeuteten Eigenschaften geringer seien als innerhalb der Gruppen von Geschlechtern.

RE: Für echte Kerle! | 11.09.2012 | 03:05

an Hunter: Es geht nicht um eine Abwertung bei der Feststellung der primären Geschlechtsmerkmale (nach Freud), sondern mit allem, was da herum gebaut wird an Zuschreibungen, Rollenbildern und damit auch Verhaltensdruck und -erwartungen an die Kinder. Die Abwertung wird von den (meisten) Eltern und Erziehungsberechtigten von dem Kind gefordert und die bekommt das Kind auch mindestens implizit zu spüren. Gerade daraus kann sich von Fall zu Fall kein lockeres unbeschwertes Verhältnis des Einzelnen zu seinem Gender und seinem Sex ausbilden. Und es engt im weiteren Sinne auch die Rollen und Erwartungen im Geschlechtsverkehr in höherem Alter ein. Es geht, mir jedenfalls, nicht um 'positive' Diskriminierung oder Gender Mainstreaming, sondern um die Erweiterung und die Angleichung der Möglichkeiten sowie Anerkennung von genderbedingten Lebensentwürfen und vielleicht auch ein höheres Maß gegenseitigen Verständnisses. Ich habe nicht das geringste Problem damit, wenn es im Mittel Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, die aber, so munkelt man, geringer seien als innerhalb der Gruppen von Geschlechtern.

RE: Für echte Kerle! | 10.09.2012 | 23:14

Außerdem scheint mir, dass es ihrem Interesse entspricht, dass bestimmte sozial und kulturell produzierte Geschlechtsattribute und -erwartungen erhalten bleiben, ohne erkennbar zu sein, weshalb das in ihrem persönlichen Interessen liegen müsste, außer das sie sich entweder ein Scheitern von „Girls Day“ & Co. für die Konsistenz ihre Argumentation und ihrer verabsolutierten Geschlechterbilder wünschen - wobei die Gründe dafür vielfältig und in erster Linie nicht biologisch initiiert sein können und ein Scheitern oder Gelingen gar nicht allein an der anschließenden Berufswahl der Kinder, wenn man zielorientiert vorgeht, gemessen werden kann - oder den Sexismus dieser Gesellschaft gut heißen. Zudem möchte ich auf den Hinweis aufmerksam machen, dass nach meinen Eindrücken es in der Mehrheit Männer und männlich sozialisierte sind, die andere Rollenbilder als das, dass sie selbst angenommen haben und reproduzieren, ablehnen, abwerten als ob eine klare Abgrenzung von diesen oder im besten Falle deren Nichtexistenz und Vermeidung von deren Genese nötig sei. So ist das Angebot an geschlechtlichen Rollenbildern jedenfalls nicht breiter und der Druck auf Menschen, die gemeinhin bei uns als Männer gelten, diesen Rollenbildern zu entsprechen folgerichtig erhöht und eine Abweichung fast immer negativ konnotiert (z.T. auch von beiden Geschlechtern betrieben).

RE: Für echte Kerle! | 10.09.2012 | 23:12

Sie schreiben: „aber ich kann nicht den geringsten Grund dafür entdecken, warum Kinder sich selbst nicht geschlechtsspezifisch definieren sollten. Im Gegenteil, ich glaube, es trägt zu ihrer Gesundheit und ihrem Selbstbewusstsein bei.“ Es trägt im Gegenteil ganz und gar nicht zu ihrer Gesundheit und ihrem Selbstbewusstsein bei, wenn Kinder und Jugendliche von außen bestimmte Handlungserwartungen und Zwänge auferlegt werden, die sie innerlich nicht teilen. Wenn sich Kinder selbst nicht geschlechtlich definieren oder in einer anderen Weise, wie es das Umfeld wünscht, werden sie in ein bestimmte geschlechtsspezifisches Vorstellungsbild implizit oder ausdrücklich gedrängt. Nun ist es aber fraglich und keinesfalls gesichert, dass das Kind im weiteren Verlauf diese äußere Zuschreibung und den Druck, dass auf es ausgeübt wird, annimmt und später in seine Persönlichkeit als eigene Identität zu integrieren vermag. Für wahrscheinlicher halte ich es, dass es sie ablehnt und eine innere Disparität durchlebt, so lange der äußere Druck zu groß ist, um daraus auszubrechen. Weiterhin wird dem Kind der Eindruck vermittelt, wenn es nicht den sozial zugeschriebenen Geschlechtermerkmalen entspräche, sei mit ihm etwas nicht in Ordnung, da nicht normentsprechend anders oder im schlimmen Fall (aus Sicht des Kindes, da das andere Geschlecht durch die Mitmenschen abgewertet wird) vom anderem Ufer. Damit wird die Sexualität des Kindes möglicherweise, denn freilich nicht immer ist sie der Antrieb, unzulässig ins Spiel gebracht und manipuliert. Dem Kind wird außerdem die Zuneigung und Liebe für seine Bedürfnisse durch die Eltern, das Umfeld und die Erzieher versagt und ein Gefühl der Ablehnung und Unzulässigkeit vermittelt, dass nach seiner Ausprägung die weitere persönliche soziale Entwicklung behindert.

RE: Für echte Kerle! | 10.09.2012 | 23:11

Werte/r Fegalo (und Rollinger), ich meine, Sie verkennen da einige Dinge. Haben Sie sich gefragt, weshalb anscheinend die meisten Kinder sich klar vom anderen Geschlecht abgrenzen möchten und worin die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht besteht? Sie nehmen das als biologische Natürlichkeit so hin, jedenfalls schließe ich das aus ihren Kommentaren. Aber weshalb sollte sich ein Kind genötigt sehen, sich abzugrenzen. Eine Abgrenzung ist zugleich eine Abwertung des anderen. Sind Sie da der Ansicht, dass sich die Abwertung aus dem Kind selbst heraus bildet oder von den Eltern und dem Umfeld unterstützt oder erzeugt wird, in dem dem Kind vermittelt wird, wie es zu sein hat und geschlechtliche Attribuierungen mittels tertiärer Geschlechtsmerkmale erlernt. Glauben Sie ein Kind trennt zwischen der Identifikation mit biologischen und sozialen Geschlechtseigenschaften und -typisierungen? Wenn ich mir die Erziehungspraktiken anschaue, so vermittelt sich mir der Anschein, dass sehr wohl steuernd in die kindliche Entwicklung eingegriffen wird im Sinne das kulturell geformte Auffassungen geschlechtlicher Unterschiede von den Erziehenden als notwendig und gesund erachtet produziert und reproduziert werden. Daher geht es nicht um das „Wegerziehen“ von Unterschieden, sondern um die Chance jeden Kindes, die Interessen und Wünsche, die es hat, entwickeln zu können abseits geschlechtlich festgelegter Pfade, die dem individuellen Kind nicht Rechnung tragen. Die Intention ist die Zwangsläufigkeit einzelner geschlechtlicher Rollenbilder abzubauen und den Kindern abseits ihrer geschlechtlichen Zuschreibung mehr Optionen zu eröffnen, also das Set geschlechtlicher Rollenbilder zu erweitern und unterschiedliche Lebensentwürfe zuzulassen, wo sie gelebt werden wollen und nicht „Unterschiede weg zu erziehen“.