Camerons Kriegsbefürchtungen nach dem Brexit

Brexit In einer im Britischen Museum gehaltenen Rede warb kürzlich der britische Premierminister Cameron für den Verbleib Großbritanniens in der EU.
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In einer im Britischen Museum gehaltenen Rede warb kürzlich der britische Premierminister Cameron für den Verbleib Großbritanniens in der EU und war in seiner Argumentation sehr patriotisch. Er verwies auf 2000 Jahre währenden Verknüpfungen britischer und europäischer Angelegenheiten. Der Ort der Veranstaltung sollte gepaart mit seinen patriotischen Argumenten die Wählerinnen und Wähler von der Wichtigkeit des Verbleibens in der Europäischen Union überzeugen. Das ist sein gutes Recht und jeder andere Regierungschef an seiner Stelle hätte wohl ähnlich gehandelt.

Cameron wies allerdings auch darauf hin, dass die Isolation sich auf das Land eher nachteilig auswirken wird und die Kriegsgefahr in Europa erhöht. Er stellte in seiner Rede die Frage, ob der EU-Ausstieg es wert sei und wies auf die aggressive Politik Russlands hin.

Camerons große Anstrengungen, die britischen Bürgerinnen und Bürger von der Wichtigkeit des Verbleibs in der EU zu überzeugen, in allen Ehren. Eine Kriegsgefahr aber als Folge eines Ausstieges heraufzubeschwören, kann nicht unwidersprochen hingenommen werden.

Richtig ist, dass Europa inzwischen mindestens kurz vor einem neuen Kalten Krieg steht. Verantwortlich dafür kann aber sicher nicht Russland gemacht werden. Ursache ist die aggressive Osterweiterung der NATO unter der Führung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Wiedervereinigung unseres Landes konnte nur mit Zustimmung Russlands gelingen. Für diese Zustimmung wurde Russland seitens der USA und der NATO zugesichert, keine Osterweiterung zu planen und durchzuführen. Heute steht die NATO an Russlands Grenzen und sogar die Bundeswehr ist sich nicht mehr ihrer geschichtlichen Verantwortung bewusst und verlegt Truppen in das Baltikum an die russische Grenze. Es stellt sich nun die Frage, wer in Europa eigentlich eine aggressive Politik betreibt. Es ist kein europäisches Land unmittelbar von Russland bedroht, noch argumentiert die russische Politik aggressiv gegen irgendein westliches Land.

Ohne Großbritannien in der EU würde die Union weiter bestehen können, ob aber Großbritannien ohne die EU wirtschaftlich schadlos weiter existieren kann, ist fraglich. Ganz sicher aber würde der Ausstieg keine höhere Kriegsgefahr als ohnehin schon bedeuten.

22:32 12.05.2016
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Geschrieben von

Harald Müller

Harald Müller, Jahrgang 1949, Mitglied bei Reporter ohne Grenzen. Ich schreibe auf meiner Homepage Kommentare zu aktuellen politischen Ereignissen.
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