Die Lunte am Pulverfass

Syrien Das Chaos in Syrien ist unkontrollierbar geworden.
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Da wird für Syrien ein Waffenstillstand vereinbart, der nicht für alle beteiligten Konfliktparteien gilt und auf den die syrische Regierung keinen Einfluss hatte. Was war die Folge? Die US Luftwaffe bombardiert „versehentlich“ syrische Regierungstruppen, der IS nutzt es aus und greift ihrerseits an und die USA und Russland können nicht vernünftig miteinander reden, beschuldigen sich gegenseitig und sind noch nicht einmal in der Lage, ihre Luftangriffe miteinander abzustimmen. Und nun auch noch der Angriff auf einen Hilfskonvoi des Roten Kreuzes. Die Folge im Land: Tote und Verwundete Zivilbevölkerung und Chaos.

Solche Einmischungen in Innerstaatlichen Auseinandersetzungen erzeugen grundsätzlich Chaos, das dann kaum noch kontrolliert werden kann und ein Land unberechenbar macht. Bestes Beispiel in der jüngsten Geschichte ist Libyen. Sicher, Gaddafi war ein mörderischer Tyrann, aber das Land war berechenbar und somit kaum eine Gefahr für den Weltfrieden. Ähnlich verhält es sich mit Syrien. Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden.

Die hochgerüsteten Großmächte USA und Russland stehen sich in Syrien zwar (noch) nicht direkt gegenüber, aber die Gefahr der Konfrontation rückt mit jedem Tag näher, an dem beide Parteien sich weiter in Syrien einmischen. Was geschieht, wenn eine Partei ein Flugzeug der Anderen, auch wieder nur versehentlich, abschießt? Wir haben in Syrien inzwischen ein Pulverfass, das einen Weltbrand hervorrufen kann. Die USA und Russland legen die Lunte dafür. Der IS, der zumindest für die USA der offizielle Grund für ihr Eingreifen in den Bürgerkrieg sein soll, ist niemals mit Waffengewalt zu vernichten. Eine Ideologie kann man nicht wegbomben. Sie kann nur durch Aufklärung und Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung beseitigt werden. Das werden aber weder USA noch Russland verstehen. Die USA, weil sie dumme, säbelrasselnde und ihr militärisches Potential ausprobierende Politiker haben und Russland fürchtet um den ohnehin nur noch geringen Einfluss im Nahen Osten.

Da kann auch die UN nichts ausrichten, da beide ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates sofort ihr Vetorecht nutzen werden. Dieses Vetorecht gehört abgeschafft und kriegführende Nationen sollten ausgeschlossen werden, solange sie in irgendeinem Land auch nur eine Patrone verschießen.

10:31 20.09.2016
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Geschrieben von

Harald Müller

Harald Müller, Jahrgang 1949, Mitglied bei Reporter ohne Grenzen. Ich schreibe auf meiner Homepage Kommentare zu aktuellen politischen Ereignissen.
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